Archiv für die Kategorie „Ausstellungen“

„Versunkene Welt Ostpreußens. Erinnerungsbilder von Eduard Bischoff“ im Heimatmuseum Lötzen in Neumünster (noch bis 15.7.)

Dienstag, 18. April 2017

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod
Die Heimatsammlung der Kreisgemeinschaft Lötzen besteht seit Jahren in Neumünster. Unter der engagierten Leitung von Frau Ute Eichler finden hier Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die sehr zum kulturellen Leben der ganzen Stadt beitragen. Nun wurde hier am 18. März 2017 wieder einmal eine Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg eröffnet. Die Präsentation zeigt den neuerdings wieder ganz aktuell gewordenen Farbholzschnitt.
Die großen Holzschnitte schuf der ostpreußische Maler Eduard Bischoff (1890-1974) in den Jahren zwischen 1954 und 1964. Sie zeigen Momente aus dem Leben in Ostpreußen aus den Jahren zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Außerdem thematisieren sie das Schicksal der 1944/45 geflüchteten Ostpreußen aus dem Erleben eines Betroffenen.

Eduard Bischoff: Fischerkneipe, 1960, Holzschnittfolge

Eduard Bischoff: Fischerkneipe, 1960, Holzschnittfolge

Bewusst wählte der Künstler alltägliche Szenen aus dem Leben der ländlichen Bevölkerung und der Fischer von der Kurischen Nehrung. Diese waren ihm persönlich besonders vertraut. Zudem galten sie vielen seiner Zeitgenossen als charakteristisch für das Ostpreußen, das sie in Erinnerung hatten. Im Bemühen, auch ein wenig seiner verlorenen Heimat ein Denkmal zu setzen, gestaltete Bischoff die Menschen, Tiere und Landschaften hier in großen, einprägsamen Formen.

Eduard Bischoff: Reiter, 1960, Holzschnittfolge

Eduard Bischoff: Reiter, 1960, Holzschnittfolge

Den großen Erfolg dieser Holzschnittreihe „Ostpreußen“ in ihrer Entstehungszeit kann man heute noch nachvollziehen und erlebt diese Wirkung in den beeindruckten Reaktionen des Ausstellungspublikums. Entsprechend war die Resonanz der Besucher der Ausstellungseröffnung „Versunkene Welt Ostpreußens. Erinnerungsbilder von Eduard Bischoff“ im Heimatmuseum Lötzen in Neumünster.

Das OL freut sich über ein neues Gesicht im Haus

Dienstag, 11. April 2017

„PriMus – Promovieren am Museum“ – So lautet das neue Validierungsprogramm der Leuphana Universität Lüneburg in Zusammenarbeit mit sechs Museen der Region. Mit dabei ist natürlich auch das Ostpreußische Landesmuseum. Julian Windmöller wird im Rahmen des Programms in den nächsten drei Jahren seine Doktorarbeit über den Münnich-Nolcken’schen Nachlass am OL schreiben und gleichzeitig dazu eine Ausstellung konzipieren. Ein ambitioniertes wie spannendes Projekt!

Julian Windmöller hat Geschichte, Philosophie und Englisch in Tübingen und Moskau studiert.

Insgesamt sechs Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler fertigen im Rahmen von PriMus ihre Doktorarbeiten an. Ziel von Primus ist es, Theorie und Praxis, das heißt auch Universität und Museum enger miteinander zu verbinden. So entstehen nicht nur sechs wissenschaftliche Arbeiten über noch schlummernde Sammlungsschätze, sondern auch sechs Ausstellungskonzepte, um die Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit zu vermitteln. Ein weiteres Ziel ist es, die Einstiegssituation in das Berufsfeld „Museum“ zu verbessern. Derzeit werden nach einem mindestens fünfjährigem Studium, zwei Jahre Volontariat und oft vier Jahre Promotion verlangt, um dann auf befristeten und gering bezahlten Stellen einzusteigen. PriMus möchte mit seinem Modell einen Gegenentwurf entwickeln, junge Experten für das Museum zu qualifizieren: Promotion und Volontariat werden befruchtend auf zusammen drei Jahre miteinander verzahnt. Ein solches Vorhaben ist ambitioniert, aber wir sind davon überzeugt, dass nur solche Programme dabei helfen, das Berufsfeld „Museum“ nachhaltig zu verbessern.

Für Julian Windmöller heißt das zunächst: Inventarisieren, denn der über 300 Objekte umfassende Nachlass der deutschbaltischen Adelsfamilie von Nolcken wird von ihm erstmals dokumentarisch und fotografisch erfasst. „Die Inventarisierung stellt die Grundlage für meine Arbeit dar – sowohl für die Promotion als auch für die Ausstellung“. Die vielfältige Sammlung reicht von Porzellan über Silber und Porträts hin zu Möbeln und Stichen. Zusätzlich befindet sich der schriftliche und fotografische Teil des Nachlasses im Herder-Institut, unserer Partnerinstitution in Marburg. Es stehen also auch Forschungsreisen nach Hessen an. Aber nicht nur dorthin. „Ich hoffe für die Ausstellung auch mit weiteren Partnern im In- und Ausland kooperieren zu können. Das Schloss Allatzkiwi in Estland, das früher der Familie von Nolcken gehörte und aus dem ein Teil der Sammlung stammt, beherbergt heute ein Museum. Eine Kooperation bietet sich hier geradezu an.“

Die Finanzierung der Ausstellung ist dabei nochmal ein Projekt für sich. Im Rahmen von PriMus werden zunächst nur die Konzepte erarbeitet, die Realisierung erfolgt erst danach. Bereits jetzt freuen wir uns daher, wenn sich Leute vorstellen können, die Ausstellung von Julian Windmöller finanziell zu unterstützen. Neben der Ausstellung selbst werden Restaurierungsmaßnahmen, Transport- und Leihkosten und weitere Kosten anfallen. Wir freuen uns bereits jetzt auf die Ausstellung und sind gespannt, welche Ergebnisse die Arbeit von Julian Windmöller zu Tage fördern werden. Herzlich Willkommen!

Weitere Informationen: www.leuphana.de/ipk/primus

Das Ostpreußische Landesmuseum zu Gast in Rastenburg / Kętrzyn: Alexander Kolde

Montag, 10. April 2017

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod

Seitdem im vergangenen Jahr im Museum in Kętrzyn (Polen), dem historischen Rastenburg in Ostpreußen, das Ostpreußische Landesmuseum eine Ausstellung über den Maler Alexander Kolde (1886-1963), eröffnete, besteht eine gute Zusammenarbeit der beiden Museen.

Die Burg in Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Die Burg in Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

In der beeindruckenden mittelalterlichen Ordensburg ist das Museum der Stadt Kętrzyn untergebracht. In diesem besonderen Ambiente ausstellen zu können, macht Spaß. Dazu kommt, dass die Kollegen im Hause sehr freundlich und zuvorkommend sind. Das erleichtert die Zusammenarbeit.

Burghof Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Burghof Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Die Alexander Kolde Ausstellung brachte einen expressionistischen Maler an den Ort seiner Jugend zurück. Kolde wuchs in Rastenburg vor dem Ersten Weltkrieg auf. Später wurde er einer der führenden Maler in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg, bis er 1936 von den Nationalsozialisten Malverbot erhielt. 1945 musste er flüchten und kam nach Schleswig-Holstein. Seine farbstarken expressionistischen Werke können bis heute die Betrachter in ihren Bann ziehen. In seinem Werk nach 1945 finden sich viele Erinnerungen an Rastenburg, was in der Ausstellung gebührend hervorgehoben wurde.

Alexander Kolde: St. Georg in Rastenburg, Öl, um 1955

Alexander Kolde: St. Georg in Rastenburg, Öl, um 1955

Nach dem Erfolg dieser Malerei-Ausstellung bat das Museum in Kętrzyn gleich um eine weitere Präsentation aus dem Ostpreußischen Landesmuseum. Unter den Vorschlägen fiel die Wahl auf ein historisches Thema: Napoleon und die Königin Luise. In 30 historischen Grafiken werden die Geschichte der Eroberung Preußens durch Napoleon und seine Armee 1806, der Friedensschluss in Tilsit 1807 und die Begegnung Napoleons mit Königin Luise geschildert. Hinzu kommen einige Szenen aus dem Leben der preußischen Königin.

Ausstellung: Napoleon und Luise

Ausstellung: Napoleon und Königin Luise

Auch diese Geschichte berührte Ostpreußen und Rastenburg/Kętrzyn. Die Besucher entdecken sie als Teil ihrer Regionalgeschichte. Das Museum steuert zur Ausstellung zwei historische Objekte aus der Zeit der Kriege 1813-15 bei. Mit den Totenlisten der in den Schlachten gestorbenen Männer aus Rastenburg kommt man der Lebenswirklichkeit jener Zeit sehr nahe.

Totenschein für den Kanonier Christian Kroll aus Rastenburg, 1813_

Totenschein für den Kanonier Christian Kroll aus Rastenburg, 1813

Flüchtlinge besuchen das Ostpreußische Landesmuseum

Mittwoch, 8. Februar 2017

Seit knapp einer Woche ist die Sonderausstellung „Bernstein – Goldenes Fenster zur Vorzeit“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg wiedereröffnet. Sie ist noch bis  zum 7. Mai 2017 zu sehen.

Teilnehmer des Deutsch-Einführungskurses, bestehend aus Geflüchteten verschiedener Länder, kamen am 7. Februar zu Besuch. Unter der Leitung von Britta Müller wurden sie von der „Diskussionsrunde der Frauen der VHS-Lüneburg“ begleitet. Die Idee hatte Britta Stegmann, eine der aktiven Ehrenamtlichen des Ostpreußischen Landesmuseums.
Das Museum baut auf das Thema Flucht und Vertreibung auf, die Besucher brachten dazu ihre eigenen Geschichten mit. Ein gelungener Nachmittag mit anregenden Unterhaltungen.

(Elias Richter / Silke Straatman)

Arno Surminski-Ausstellung in Königsberg / Kaliningrad

Montag, 24. August 2015
Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Am 6. August 2015 wurde im Museum „Friedländer Tor“ in Kaliningrad/Königsberg die Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums über das Leben und Werk des bekannten ostpreußischen Schriftstellers Arno Surminski eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung waren Arno Surminski und seine Frau persönlich anwesend.

Es war die erste Kooperation unseres Hauses mit den Kollegen aus dem einstigen Königsberg, die in ihrem Museum die Geschichte der ehrwürdigen Stadt an der Pregel präsentieren.

Die Direktorin des Museums, Frau Marina Yadova, begrüßte zahlreiche Gäste und Besucher. Besonders freundliche Worte richtete sie an Arno Surminski, der sich, wie sie sagte, mit seinem ganzen Werk gegen den Krieg ausspreche. Er stelle die Geschichte Ostpreußens literarisch dar, das Museum erfülle die gleiche Aufgabe, bloß mit museumsspezifischen Darstellungsformen. Es gebe viel Verbindendes.

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Anknüpfend an die Worte von Frau Yadova brachte Arno Surminski in seiner Rede zum Ausdruck, wie froh er ist, dass die Ausstellung nach zahlreichen Stationen in Deutschland und Polen auch in Kaliningrad in Russland gezeigt werde. Sie könne helfen, das Verbindende zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationen zu zeigen: Polen, Russen und Deutschen, jetzigen und alten Bewohnern Ostpreußens. Er wünschte der Ausstellung viel Erfolg. Nach der Eröffnung fand eine Lesung statt, in der Arno Surminski aus seinem Buch „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ die Passagen über die Zerstörung Königsbergs vorgetragen hat.

Lesung

Arno Surminski wurde 1934 in Jäglack (heute Jeglawki) im Kreis Rastenburg (heute Ketrzyn/Polen) in Ostpreußen geboren. Dort lebte er gemeinsam mit seiner Familie, bis seine Eltern 1945 deportiert wurden. Surminski blieb allein zurück und wurde 1947 nach mehreren Lageraufenthalten von einer Familie in Schleswig-Holstein aufgenommen. Seit 1972 arbeitet er freiberuflich als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller. Zu seinen Bestsellern gehören die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Polninken oder Eine deutsche Liebe“. Einige große Romane spielen im nördlichen Teil Ostpreußens, der heute zu Russland gehört, wie  „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ und „Winter Fünfundvierzig oder Die Frauen von Palmnicken“. Die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Vaterland ohne Väter“ sowie zahlreiche Erzählungen wurden ins Russische übersetzt.

Arno Surminski vor der Ausstellung

Arno Surminski vor der Ausstellung

Wir bedanken uns herzlich für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte!

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede

„Kunst und Meer – Aquarellmalerei in Blau“ Winterferienprogramm zur Sonderausstellung „Im Streit der Stile. Die Künstlerkolonie Nidden zwischen Impressionismus und Expressionismus“

Dienstag, 25. Februar 2014

Sarah Könke (Freie Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung und Vermittlung des Ostpreußischen Landesmuseums)

Malen in Blau

Malen in Blau

Gleich zu Beginn des neuen Jahres lud das OL wieder einmal Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren zu einem spannenden, zweitägigen Ferienprogramm ein.

Diesmal stand alles unter dem Zeichen „Kunst und Meer. Aquarellmalerei in Blau“.

Gemeinsam hatten wir es uns zum Ziel gesetzt, die Bilder der Sonderausstellung „Im Streit der Stile. Die Künstlerkolonie Nidden zwischen Impressionismus und Expressionismus“ genau zu erforschen und die Stilrichtungen des Impressionismus und Expressionismus besser kennenzulernen, zu verstehen und vor allem selbst auszuprobieren.

In diesem Sinne starteten wir am ersten Tag des Ferienprogramms, nach einer kurzen theoretischen Einführung, in der wir die malerischen Merkmale der beiden Stilrichtungen kennenlernten, mit einem kniffeligen Suchspiel, welches den rund 18 teilnehmenden Kindern dabei helfen sollte, sich der Ausstellung auf spielerische Art und Weise zu nähern und einen ersten Blick auf die Werke zu werfen.

Es folgte ein Spiel, bei dem jedes Kind eine „Gefühlskarte“, auf der eine Emotion wie „Wut“, „Glück“, „Einsamkeit“ vermerkt war, zog und anschließend ein Bild innerhalb der Ausstellung suchte, welches zu diesem Gefühl passen könnte. Alle waren überrascht, wie vielfältig die Empfindungen waren, die einige Werke auslösten.

Inspiriert von dieser Entdeckung machten wir uns dann an die praktische Arbeit. Mit drei unterschiedlichen Maltechniken, Aquarellfarben, Jaxon-Kreiden und Acrylfarben ging es nun ans Experimentieren, welcher Stimmung mit welcher Technik gestalterisch Ausdruck verliehen werden könnte. So entstanden zum Beispiel wütende, stürmische Meeresdarstellungen mit Jaxon-Kreide, sowie romantisch verträumte Sonnenaufgänge in sanften Aquarellfarben.

Auch am zweiten Tag des Ferienprogramms stiegen wir direkt wieder in die praktische Arbeit ein und versuchten uns weiter daran, den impressionistischen und den expressionistischen Malstil mithilfe verschiedener Techniken nachzuempfinden. Auch an diesem Tag entstanden wieder viele tolle Ergebnisse.

Die Kunstwerke werden präsentiert

Die Kunstwerke werden präsentiert

Den krönenden Abschluss unseres Ferienprogramms bildete schließlich eine eigene kleine Ausstellung, in der alle Werke der Kinder noch einmal an großen Stellwänden präsentiert wurden. Mit Saft, Keksen und Knabbereien machten wir es uns bequem und tauschten uns noch einmal über die entstandenen Werke und ihre Parallelen zum Impressionismus und Expressionismus aus. Für die stolzen Kinder und ihre später eintreffenden Eltern ein gelungener Abschluss

Unverdrossen gegen das Schicksal

Samstag, 16. November 2013

Neuzugang von Klaus Seelenmeyer erreicht OL

Klaus Seelenmeyer, geboren in Elbing 1918, war ein Mensch, der sich nicht aufdrängte, durch seine intensive Ausdrucksweise seiner Plastiken, Gemälde und Grafiken sich aber stets Aufmerksamkeit verschaffte.

Seine künstlerische Ausbildung mit dem Schwerpunkt Bildhauerei erhielt er, nach schwerer Kriegsverwundung, ab 1941 an der Königsberger Kunstakademie bei Hans Wissel. Malerei und Grafik spielen in seinem Leben später eine zunehmende Rolle.

Klaus Seelenmeyer, 1953

Klaus Seelenmeyer, 1953

Die Flucht führte Seelenmeyer 1945 zunächst nach Grainau/Oberbayern, ab 1949 war er mit seiner Familie in Lüneburg ansässig. Hier bezog er 1953 Arbeitsräume in der neu errichteten ostdeutschen Akademie und wirkte dort als Dozent bis 1956. Anschließend war er lange Kunstpädagoge am Gymnasium Johanneum. Später wohnte Seelenmeyer im Landkreis Lüneburg. Er starb 2010.

Seelenmeyers Werk umfasst viele Bereiche, von der Plastik in Stein, Metall, Ton und Holz über Malerei bis zur Grafik und angewandten Kunst. Er entwarf Denkmäler und architekturgebundene Kunstgestaltungen und führte sie auch aus. Die Inhalte seiner Werke sprechen von seiner tiefen Religiosität und einer Weltsicht, die den Menschen im Mittelpunkt hatte.

In seinen Gemälden und Grafiken brachte Seelenmeyer immer wieder die düsteren Zeitumstände und Erlebnisse des Krieges und der Nachkriegszeit zum Ausdruck. Auch dieses aus der Familie stammende Gemälde ist ein charakteristisches Beispiel dafür: Don Quichote und sein Begleiter Sancho Pansa reiten durch einen Hohlweg in einem düsteren Wald auf die Richtung zu, in der durch alles Dunkle doch die Sonne hindurch scheint.

Klaus Seelenmeyer: Don Quichote, 1957

Klaus Seelenmeyer: Don Quichote, 1957

Das Bild mag symbolisch für den Maler selbst stehen: gegen alles Unglück hat er sich doch immer wieder aufgerafft und mit den vorhandenen Möglichkeiten weiter gearbeitet. So musste er nach seiner schweren Verwundung des rechten Armes fast alles auf die linke Hand umlernen – für einen bildenden Künstler vermutlich besonders schwer. Nach der Flucht aus Ostpreußen 1945 musste er unter ärmlichsten Verhältnissen einen Neuanfang beginnen, wenige Jahre danach noch einmal in Lüneburg. Im Entstehungsjahr des Gemäldes hatte Seelenmeyer eben mit der Anstellung als Lehrer eine Position gefunden, die etwas dauerhafter zu sein schien und für die wachsende Familie ein wenig Sicherheit bot.

Das Gemälde steht für ein Schicksal eines heimatvertriebenen Ostpreußen, der in Lüneburg sich eine sehr beachtete Existenz aufbaute und durch sein Engagement in der Jugendarbeit sowie eine Tätigkeit als Ratsherr Bedeutung für die Geschichte der Stadt erlangte.

“Don Quichote” ist eine neue Dauerleihgabe für das Museum – für Besucher ist es vorraussichtlich nach dem Umbau 2015 zugänglich.

Karl Eulenstein wieder in Klaipeda zu sehen

Mittwoch, 13. November 2013

Ausstellungsdauer: 25. Oktober bis 8. Dezember 2013

Ein frischer Wind von der Ostsee hielt die Wolken über der größten Hafenstadt Litauens, dem alten, 1252 gegründeten Memel (heute Klaipeda), in Schach und ermöglichte es der Sonne, ein herbstlich schönes Licht zu geben. Eine Stimmung, wie sie in manchen Gemälden des eben dort 1892 geborenen Malers Karl Eulenstein meisterlich wiedergegeben ist.

Das Titelmotiv der Eulenstein-Ausstellung in Klaipeda

Das Titelmotiv der Eulenstein-Ausstellung in Klaipeda. Sie ist vom 25. Oktober bis 8. Dezember in der Kunstgalerie zu sehen.

Am Freitag, den 25. Oktober 2013, wurde in der Kunstgalerie in Klaipeda eine Ausstellung des Malers Karl Eulenstein (1892-1981) eröffnet, die in Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum entstand. Bereits seit 1992 besteht die Kooperation mit den Museen im Memelgebiet, das die Litauer „Kleinlitauen“ nennen. In Klaipeda sind es das Historische Museum und die Kunstgalerie, in Silute, dem alten Heydekrug, ist es das Regionalmuseum.

Kurator Dr. Barfod führte zur Ausstellungseröffnung in das Thema ein

Kurator Dr. Barfod führte zur Ausstellungseröffnung in das Thema ein

Da aus Memel nicht eben viele bildende Künstler stammen, ist es besonders reizvoll, wenn einer von denen vor Ort gezeigt werden kann. Karl Eulenstein ist zudem wohl der bekannteste und bedeutendste Künstler, der dort vor 1945 geboren wurde.

Unter großer Besucherbeteiligung fand die Eröffnung statt. Die Werke Eulensteins stießen auf eine große Resonanz, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie alle Motive aus der Region oder der Stadt zeigen. Eulenstein, der seit 1925 in Berlin lebte, war schon 1925, 1931 und 1932 in seiner Geburtsstadt mit Ausstellungen vertreten. Zu seinem 100. Geburtstag 1992 wurde eine vom Ostpreußischen Landesmuseum erarbeitete umfangreiche Werkschau in Klaipeda gezeigt.

Einblick in die Ausstellung

Einblick in die Ausstellung

In den Abendnachrichten des litauischen Fernsehens wurde am 28. Oktober ein Kulturbeitrag zur Ausstellung ausgestrahlt. Wer Interesse hat und des Litauischen mächtig ist: Ab Minute 24:58 gibt es hier Einblicke in die Ausstellung.

Für die Zukunft wurden laut Kurator Dr. Jörn Barfod weitere Ausstellungsvorhaben mit den Museen in Klaipeda und Silute „recht konkret“ besprochen. Wir sind wie immer gespannt.

Schwermütige Romantik im Ostpreußischen Landesmuseum

Freitag, 25. Oktober 2013

Laba diena!

Ich heiße Adele und komme aus Litauen. An der litauischen Universität für Erziehungswissenschaft in Vilnius (Wilna) habe ich Angewandte Geschichte studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen.

Das Ostpreußische Landesmuseum ist für mich ein Platz voll mit großartigen Geschichten und interessanter Arbeit. Am Anfang meines Praktikums habe ich das Museum kennengelernt. Mit jedem neuen Rundgang durch die Ausstellung hat sich mir das Museum mehr und mehr erschlossen.

Besonders gern bin ich in der Museumsabteilung für Gemälde und Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts mit den Gemälden der Maler der Königsberger Kunstakademie 1845-1944 sowie der Künstlerkolonie in Nidden. Hier habe ich meine baltische Seele gefunden – zumindest das, was ich vermisst habe oder was ich zuvor nie so tief empfunden habe. Schwermütige Romantik liegt dort, und das ist eine sehr besondere Art von Romantik.

Adele vor "ihrer" 20er Jahre Foto-Wand

Adele vor "ihrer" 20er Jahre Foto-Wand

Ich habe während meines Praktikums viele verschiedene Arbeiten in den unterschiedlichen Abteilungen verrichtet. Alles hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte die Möglichkeit, Karl Eulensteins Gemälde des Museums in der Sonderausstellung zu erleben. Karl Eulenstein hat mir gezeigt, wie tief die Menschen mit ihrer Heimat verbunden sind. Das Ostpreußische Landesmuseum hat mir ein besseres Verständnis für und Respekt vor der ostpreußischen und preußisch-litthauischen Geschichte gegeben. Durch die Kenntnis der preußischen Geschichte habe ich die Geschichte Litauens besser verstanden.

In der Museumsnacht erlebte ich, wie das Museum lebendig und anschaulich Kultur vermitteln kann. Ich habe für die Museumspädagogik ein riesiges Bild für eine Foto-Wand gezeichnet, hinter der sich Kinder (und Erwachsene) fotografieren lassen konnten. Die Arbeit mit Kindern in der Museumsnacht und im Museum machte mir sehr viel Spaß. Ich war überglücklich!

Die verschiedenen Aufgaben im Museum haben mir viel Freude bereitet. Jeder Moment dort hatte für mich Bedeutung und hat mir sehr viel gegeben. Schade, dass mein Praktikum bald zu Ende geht. Das OL – ein großartiger Platz!

Mal-und Kulturreise nach Krakau vom 8. bis 15. Juli 2013. Ein Reisebericht

Freitag, 4. Oktober 2013

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und Baltikum am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg
Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 8. Juli 2013 die Malkursteilnehmer und weitere Mitreisende, sowie die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger Flughafen. Warschau war das Zwischenziel, dann ging es weiter nach Krakau. Einige Teilnehmer hatten ihre Anreise selber organisiert. Das Hotel lag so zentral in der Altstadt, dass wir direkt zu Fuß starten konnten. Schon am ersten Abend hat uns die lebendige Kulturmetropole mit einer lauer Sommernacht voller Gaukler, Kleinkünstler, Musiker und junger Menschen auf den Straßen begrüßt.

Die nächsten Tage waren reichlich angefüllt mit einem hervorragend geleiteten Besichtigungsprogramm und anschließendem Malkurs direkt vor den Motiven.

Residenz als Motiv

Die Wawelburg

Auf der oben gelegenen Terrasse, direkt auf den berühmten Tuchhallen, konnten wir recht ungestört die ersten Versuche starten. Die Skizzenbücher, Aquarellblöcke, Pinsel und Stifte wurden gezückt, dem Turmbläser gelauscht. Die riesige Marienkirche mit dem farbenfrohen Treiben auf dem Marktplatz entpuppte sich zu einer echten Herausforderung.Nach der „Eroberung“ und Besichtigung der Wawelburg wurde am Nachmittag am Weichselufer, auf der gegenüberliegenden Seite in einem schattigen Plätzchen, die imposante Residenz gemalt.

Das schattige Plätzchen

Das schattige Plätzchen

Kazimierz: das jüdische Viertel wurde leider unter Regenschirmen besichtigt, doch sein malerischer Charme reizte uns Maler zu einem weiteren Besuch.
Der Platz vor unserem Hotel bot sich wunderbar an, um Übungen in Perspektive und Farbenlehre zu praktizieren und das Trainieren schneller Farbskizzen zu unterrichten.

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Krakau zeigte sich in allen Facetten: stürmisch und regnerisch, heiß und farbenfroh. Die vielen Bars, Kneipen und Restaurants rundeten nach einem arbeitsreichen Tag am Motiv das sinnliche Erlebnis mit wahren Gaumengenüssen ab.

Krakauer Eindrücke

Krakauer Eindrücke

Am letzten Maltag wurden wir wieder von der Sonne begrüßt. Es ging ein letztes Mal zu dem berühmten Platz und wir versuchten gegen die davon flitzende Zeit an zu arbeiten. Alle Maler und Malerinnen hatten große Fortschritte gemacht, schade, gerade jetzt am Ende des Tages den Pinsel wieder einpacken zu müssen. Die große Werkschau krönte als Abschlußausstellung den letzten Tag der Malreise. Es ist ein ergreifender Moment, wenn alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen werden. Weit über 60 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess.

Gudrun Jakubeit

Gudrun Jakubeit

Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen, gab konstruktive Kritik, Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Teilnehmer

Teilnehmer der Malreise

Eine weitere Mal- und Kulturreise Anfang Juli 2014 nach Nidden, auf den Spuren der Künstlerkolonie auf die Kurische Nehrung, Litauen, in Zusammenarbeit mit Frau Agata Kern, Herrn Dr. Barfod und der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern: Tel: 04131 – 7599515
oder an das Atelier Gudrun Jakubeit: Tel: 04131 – 603555

Wer neugierig geworden ist, ist sehr herzlich zum Besuch unserer Ausstellung eingeladen: Impressionen aus Masuren und Krakau: 5.10. – 3.11.2013 im Ostpreußischen Landesmuseum

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013