Artikel-Schlagworte: „Ostpreußisches Landesmuseum“

Objekt der Woche #2 – „Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

Mittwoch, 17. Januar 2018

Diese Woche stellen wir Ihnen eine Grafik von Norbert E. Dolezich aus dem Jahr 1934 vor. Diese kleine Radierung ist nur circa 6 cm hoch und 18 cm breit und ist ein späterer Abzug von der originalen Platte. Dieses Exemplar ist zudem koloriert.
Zu sehen ist ein Blick in den Königsberger Hafen. Mehrere Schuppen verteilen sich am Kai, im Wasser liegen Frachtkähne, rechts ein größerer Frachtdampfer und ein großer Ruderkahn. Im Hintergrund ist eine Kirche zu erkennen.

„Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

„Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

Norbert Ernst Dolezich wurde 1906 in Bielschowitz, Oberschlesien, geboren und studierte in Königsberg, Berlin und Köln Kunstpädagogik und Bildende Kunst. Von 1941 bis 1945 war er als Dozent für Graphik an der Kunstakademie in Königsberg tätig. Nach dem Krieg ließ er sich in Recklinghausen nieder, wo er weiter als Kunsterzieher und Schriftsteller arbeitete. Er starb 1996. Nur wenige seiner Werke aus der Zeit in Ostpreußen sind erhalten geblieben. Umso mehr freuen wir uns, Ihnen dieses Werk in der neuen Dauerausstellung im Bereich „Bildende Kunst“ präsentieren zu können. Die Künstler und Künstlerinnen der Königsberger Kunstakademie stellen einen Schwerpunkt unserer Sammlung dar, sodass neben Norbert E. Dolezich noch viele weitere Namen der Königsberger Kunstakademie in unserer Sammlung vertreten sind.

Objekt der Woche #1 – Kugelfußbecher

Mittwoch, 10. Januar 2018

Dieses Jahr ist es endlich so weit! Unsere neue Dauerausstellung wird Ende August ihre Türen öffnen und wir sind schon mächtig gespannt auf das Ergebnis unserer jahrelangen Arbeit. Um Ihnen und uns die Wartezeit zu verkürzen, veröffentlichen wir ab sofort jede Woche ein Objekt, das in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein wird.

Kugelfußbecher

Den Anfang macht dieser Kugelfußbecher aus dem Jahr 1715, der in dem Ausstellungsbereich „Religion“ zu sehen sein wird. Er ist aus Silber, innen vergoldet, und in ihn sind insgesamt dreizehn Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert eingelassen. Sie stammen aus Brandenburg, Preußen und Polen. Der Becher wurde in Allenstein, im heutigen polnischen Olsztyn, gefertigt und stellt ein bedeutendes Werk deutscher Goldschmiedekunst dar. Zu dieser Zeit war es insbesondere das wohlhabende Bürgertum, das solche Arbeiten in Auftrag gab. So ist es auch bei diesem Objekt, denn der Münzbecher war ein Geschenk des Taufpaten an den Täufling.

Vielfältige Spurensuche

Dienstag, 19. Dezember 2017

Vom 25. September bis zum 1. Oktober 2017 unternahm eine 38-köpfige Gruppe eine spannende Reise durch das Kaliningrader Gebiet und ins westliche Litauen. Von Hamburg ging es mit dem Flugzeug nach Danzig; von dort mit dem Bus weiter mit Übernachtungen in Kaliningrad/Königsberg, Sovjetsk/Tilsit, Silute/Heydekrug und schließlich von Klaipeda/Memel mit dem Schiff zurück bis Kiel. Es wurde eine außergewöhnliche Entdeckungsreise mit vielen menschlichen Begegnungen und oft überraschenden Eindrücken von Land und Leuten.

Reisegruppe vor dem Kantdenkmal in Kaliningrad

Reisegruppe vor dem Kantdenkmal in Kaliningrad

Begleitet wurde die Fahrt von Ulla Lachauer, die seit Jahrzehnten in der Region reist und recherchiert und darüber zahlreiche Filme und Bücher veröffentlicht hat. Sie hat seither maßgeblich dazu beigetragen, dass heute ein differenziertes, nicht nur nostalgisches Bild von Ostpreußen in den Köpfen der Menschen in Deutschland existiert. Ihre Lesungen auf dieser Reise im Kaliningrader Bücherclub „Katarakt“, im Tilsiter Heimatmuseum und in der Kirche von Vilkiskai/Willkischken spiegelten eindrucksvoll, wie die Menschen in der Region seit der Wende Anfang der 90er Jahre versuchen, ein neues, eigenes Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich in einer veränderten Welt zurechtzufinden.
Ein Höhepunkt der Reise war zweifellos der Besuch des Grigoleitschen Hofes im ehemaligen Bittehnen, heute Bitenai. Über das wechselvolle Schicksal der Bäuerin Lena Grigoleit im 20. Jahrhundert hat Ulla Lachauer 1996 das Buch „Paradiesstraße“ veröffentlicht; jetzt wurde die gesamte Reisegruppe von Lena Grigoleits Töchtern Irena und Birute sowie ihrem Enkel Mindaugas und dessen Frau Enida empfangen: in herzlicher Gastfreundschaft und mit einem überbordenden Büfett voller einheimischer Köstlichkeiten. Mindaugas erläuterte zudem sachkundig die aktuellen Probleme der Landwirtschaft im heutigen Litauen.
Die Liste der Museen, Kirchen, Denk- und Sehenswürdigkeiten, die wir besuchten, ist lang und würde den Rahmen dieses kleinen Berichts sprengen. Besonders anrührend war es, dass einige Mitreisende vor Ort konkrete Spuren ihrer eigenen Vorfahren entdecken und besichtigen konnten – Erlebnisse, die allen unter die Haut gingen.
Am Ende stand die aufrichtige Dankbarkeit der Reisenden gegenüber dem Ostpreußischen Landesmuseum und dem Büro Russland-Reisen Romanova, die zusammen diese Fahrt umsichtig organisiert haben. Auch der örtliche Reiseführer und Übersetzer Ewgeni Snegowski wurde mit großem Applaus verabschiedet – seine sachkundigen Erläuterungen und oft humorvollen Kommentare haben zum Erfolg des gesamten Unternehmens nicht unwesentlich beigetragen.
Uwe Naumann

Das Ostpreußische Landesmuseum zu Gast in der Domsaitis Galerie, Klaipeda/Memel in Litauen

Mittwoch, 18. Oktober 2017

von Dr. Jörn Barfod

Eine Malerlandschaft mit Licht und Raum und Wasser und Sonne – so beschrieb der Künstler Ernst Mollenhauer (1892-1963) die Kurische Nehrung. Er musste es wissen: Ein Vierteljahrhundert fast verbrachte der dort sein Leben und Arbeiten, im Zentrum der Künstlerkolonie Nidden. Der berühmte Hermann Blode wurde sein Schwiegervater und Mollenhauer übernahm das Hotel von ihm, das der Treffpunkt für die Künstler auf der Nehrung war. Neben vielen kulturellen initiativen verhalf er auch Thomas Mann zu seinem Sommerhaus in Nidden (heute Nida, Litauen).

In Erinnerung an die alte Künstlerkolonie Nidden und zum 125. Geburtstag des Malers Ernst Mollenhauer wurde am 6. Oktober in der Pranas-Domsaitis Galerie in Klaipeda/Memel eine Ausstellung mit Werken dieses ostpreußischen Expressionisten aus dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg eröffnet.

Dr. Jörn Barfod vom Ostpreußischen Landesmuseum eröffnet die Ausstellung in der Domsaitis Galerie

Dr. Jörn Barfod vom Ostpreußischen Landesmuseum eröffnet die Mollenhauer-Ausstellung in der Domsaitis Galeriei Klaipeda/Memel in Litauen

Das Ostpreußische Landesmuseum kann einen repräsentativen Querschnitt durch das malerische Werk Mollenhauers in Memel präsentieren, darunter auch drei der der absolut raren früheren Arbeiten. Der Künstler verlor 1945 fast sein gesamtes bis dahin geschaffenes Werk. Seine Tochter, Frau Maja Ehlermann-Mollenhauer, vermachte den künstlerischen Nachlass dem Ostpreußischen Landesmuseum.

Mollenhauers farbstarke Gemälde stellen den Betrachter ganz unvermittelt vor die Wucht der Naturgewalten, die den eigentümlichen Landstrich der Kurischen Nehrung prägen. Beispielhaft dafür prangt auf manchen Bildern die große Sonne. Diese kraftvolle Malerei, sein Markenzeichen, entwickelte der Künstler nach dem Studium an der Königsberger Kunstakademie bei Ludwig Dettmann und Arthur Degner auf der Kurischen Nehrung und in Begegnungen mit Max Pechstein weiter.

Ernst Mollenhauer: "Nehrungssonne"

Ernst Mollenhauer: "Nehrungssonne"

Nach der Flucht 1945 wurde Mollenhauer in Düsseldorf und Keitum/Sylt ansässig. Er schuf noch einmal das gewaltige Panorama der malerischen Welt Niddens neu. Seine Begeisterung für diese einzigartige Landschaft wusste er auch poetisch auszudrücken: „Nidden, du unvergessliches Wunderland! Wenn der Herbst seine Farben ausschüttete, dann warst du ein einziges Märchen, in dem Gott, der aus weitem Himmel zusah, den Menschen verzauberte, dann war Frieden, dann war Hohezeit, ein heiliges Lied zu singen, IHM zur Ehre.“

Besucher bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie_Domsaitis

Besucher bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Domsaitis

Auch die Besucher der Vernissage in der Domsaitis-Galerie in Klaipeda/Memel spürten etwas von dieser besonderen Energie in der Malerei von Ernst Mollenhauer.

Studienreise: Auf den Spuren des Deutschen Ordens von Würzburg nach Wien

Donnerstag, 21. September 2017

Ein Bericht von Dr. Martin Maurach

Die Studienreise „Auf den Spuren des Deutschen Ordens“ vom 8. – 13.8.2017 wurde organisiert von der Kulturreferentin für Ostpreußen, Frau Agata Kern (Ostpreußisches Landesmuseum in Lüneburg), und Dr. Martin Maurach vom DAAD-Lektorat an der Schlesischen Universität in Opava. An der Studienreise haben tschechische, polnische, deutsche und österreichische Studierende, Deutschlehrer/innen und Hochschullehrer/innen teilgenommen. Dass sich eine solche, bunt gemischte Gruppe heutzutage für den Deutschen Orden interessiert, erscheint nicht selbstverständlich. Gehört es nicht unter ‚aufgeklärten‘ Zeitgenossen derzeit beinahe zum guten Ton, religiöse Einrichtungen für die Quellen allen Übels zu halten? Nicht, dass unsere Gruppe sich nicht auch über fragwürdige Aspekte der Rezeption des Deutschen Ordens hätte orientieren lassen; nicht, dass nicht auch Widersprüche offen diskutiert worden wären. Dazu gab es fachkundige Beiträge aus dem Teilnehmerkreis. Vor allem aber gab es eine große Aufgeschlossenheit für die achthundert Jahre zurück führende Spurensuche – und das Gefühl, sich auf jeder Station reich belohnt zu finden.

Zunächst präsentierte sich der Auf- oder Abstieg in die Geschichte als imposantes steinernes Schnecken-Treppenhaus, in das man hinauffotografieren kann. So zum Auftakt der Reise im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, wo ein guter Überblick über die Geschichte des Ordens vermittelt wurde, insbesondere auch über seine bis heute andauernde karitative Tätigkeit, dazwischen über die Geschichte des Ordensstaats in Preußen, die zeitweise auch für Protestanten mögliche Zugehörigkeit und vieles mehr.

Das Siebenbürgische Museum auf Schloss Horneck weitete dank seiner Lage den Blick nicht nur ins Neckartal – sondern auch in die Geschichte Siebenbürgens. Die Führung verdeutlichte vor allem das schwierige Zusammenleben religiöser und ethnischer Gruppen auf dem Gebiet der sogenannten Siebenbürger Sachsen, die vor allem aus Rhein- und Moselfranken kamen. Schloss Horneck selbst war seit Mitte des dreizehnten Jahrhunderts Besitz des Deutschen Ordens und zeitweise Sitz des Deutschmeisters sowie später einer Komturei.

Besichtigung der Burg Horneck in Gundelsheim

Besichtigung der Burg Horneck in Gundelsheim

Aus der reichen Geschichte der markgräflich-hohenzollernschen Residenz Ansbach lernten wir dank einer sehr sachkundigen, unterhaltsamen Führung sowohl tragisch-düstere Seiten kennen – Kindersärge in der Fürstengruft, Totenfahnen von St. Gumbertus, Kaspar Hausers Schicksal -, als auch zum Beispiel die Erinnerungsräume für die Partnerstadt Krnov (früher Jägerndorf) in der Nachbarschaft von Opava, die bedeutende wissenschaftliche Bibliothek aus hohenzollernscher Zeit und das Denkmal für den Dichter August Graf von Platen. Im Deutschordensschloss von Ellingen bot uns das Ostpreußische Kulturzentrum Sonderausstellungen zur Reformationsgeschichte sowie über Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach, der ja eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung des preußischen Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum spielte. Außerdem erhielten wir eine Einführung in die Arbeit der Ostpreußischen Kulturstiftung, insbesondere ihre vielfältigen Ausstellungsaktivitäten.

Im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen

Im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen

Das Kloster St. Nikola in Passau ist das Mutterhaus der deutschen Provinz der Deutschordensschwestern; dort wurde uns in persönlich beeindruckender Weise von der Bedeutung des Schwesterninstituts des Deutschen Ordens und seinen karitativen Aufgaben berichtet, insbesondere auch von der Aufhebung und Enteignung des Ordens sowohl durch den deutschen Faschismus als auch unter den Kommunisten, der Flucht nach Westen, aber auch von der mühevollen Wiedergründung des Schwesterninstituts in Opava nach 1990.

Besuch im Kloster St. Nikola in Passau

Besuch im Kloster St. Nikola in Passau

Höhepunkt der Reise war die Besichtigung von Kirche, Schatzkammer und Archiv des Deutschen Ordens in Wien; die Schatzkammer mit bedeutenden Kunstwerken, Gewändern, Bildmaterial und Urkunden, das Archiv als eine zweite Schatzkammer für unterschiedlichste historische, heraldische und genealogische Forschungsinteressen. Die für Wien-Anfänger und ‑Kenner gleichermaßen interessante Stadtführung wurde dann auch spürbar von oben ausgezeichnet durch den einzigen heftigen Regenschauer der Reise direkt gegenüber dem Südturm von St. Stephan. Das weitläufige Wiener Heeresgeschichtliche Museum verbindet die wichtigsten Karten, Portraits und Artefakte durch regelrechte Auf- und Abmärsche, auf denen dann die Ordensgeschichte in den Hintergrund trat. Nach deren intensivem Studium während der vergangenen Tage waren diese Operationen aber der verdiente Übergang zu weiteren Feldforschungen etwa einer Sonderausstellung zu König Jan III. Sobieski, dem Befreier von Wien 1683, oder dem Wiener Literaturmuseum, mit seinen Schätzen aus der Österreichischen Nationalbibliothek und einer interessant inszenierten Sonderausstellung zum „Rausch des Schreibens“.

Im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien

Im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien

Arbeitskreis Jagdmuseum trifft im Berliner Jagdschloss Grunewald

Mittwoch, 28. Juni 2017

Ein Bericht von Dr. Christoph Hinkelmann

Am 7. April 2017 fand im Berliner Jagdschloss Grunewald das jährliche Treffen des Arbeitskreises Jagdmuseen statt. Es war bereits das achte seit der ersten Zusammenkunft im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum im September 2010 in München. Das Ostpreußische Landesmuseum mit seiner bedeutenden jagdhistorischen und –kulturellen Geschichte war jedes Mal durch den Leiter der Abteilung Naturkunde/Landwirtschaft, Dr. Christoph Hinkelmann, vertreten.

Es ist kein Verein, der sich am 10. September 2010 in München zusammengefunden hat, sondern eine lose Verbindung von Fachleuten in jeweils etwas ungewöhnlicher Aufgabenstellung mit gemeinsamen Interessen und Sorgen. Frauen und Männer, die Jagd- (und Fischerei-) Museen bzw. jagdkundlichen Abteilungen oder Bereichen, wie im Fall unseres Museums, vorstehen, vertreten Spezialthemen innerhalb einer Museumslandschaft, die von Kunst und Kultur bzw. von Darstellungen der uns umgebenden Natur, von ihrer Nutzung und naturkundlichen Themen ganz allgemein geprägt ist. Mit all diesen Bereichen haben Jagdmuseen Berührungspunkte.

Jagdschloss Grunewald (Foto Wikipedia)_

Jagdschloss Grunewald (Foto Wikipedia)_

Die Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch, dem Kennenlernen der einladenden Einrichtungen oder Vorträgen über alle interessierende Themen. Im Jagdschloss Grunewald standen zudem gemeinsame, die verschiedenen Häuser interessierende Themen im Mittelpunkt. Es wurden in Berlin-Grunewald ein gemeinsamer Flyer konkret beschlossen und ein gemeinsamer Internet-Auftritt diskutiert, denn mehr Außenwahrnehmung unserer vielseitigen Angebote kann gewiss nicht schaden.

Das Ostpreußische Landesmuseum übernimmt den künstlerischen Nachlass des Malers Edgar Schilke

Montag, 26. Juni 2017

Bericht von Dr. Christoph Hinkelmann

Landschafts- und Tiermaler des vergangenen Jahrhunderts stehen nicht im Zentrum der Öffentlichkeit, selbst die bekannteren von ihnen geraten allmählich in Vergessenheit. Als die Qualität von Fotografien kaum ausreichte, um einen Beitrag in einer Zeitschrift oder ein Buch zu illustrieren, da hatten sie ihre große Zeit. Auch war es Mode, sich Gemälde mit Tier- bzw. Wilddarstellungen ins Haus zu hängen. Das ist heute fast nur noch Erinnerung.

Zu denjenigen, deren Werke im zweiten Quartal des 20. Jahrhunderts immer wieder in Zeitschriften gedruckt wurden, zählte Edgar Schilke (1902-1952). Er war Brandenburger und wurde an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Berlin ausgebildet. Sein besonderes Interesse galt Landschaften und Tieren. Studienreisen führten ihn in den östlichen Mittelmeerraum, nach Ost-und Westpreußen sowie in zahlreiche weitere, landschaftlich interessante Regionen des damaligen Deutschlands. Er malte für private Auftraggeber und war von 1926 bis 1942 freier Mitarbeiter mehrerer Verlage. Mit 40 Jahren wurde er zur Wehrmacht eingezogen und gelangte im April 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Erst 1948 wurde er, krankheitsbedingt entlassen. Von den Strapazen dieser Zeit erholte er sich nicht mehr und starb nur vier Jahre später in Berlin-Charlottenburg.

Edgar Schilke fertigte zahlreiche Ölbilder (auf Leinwand) und ein beachtliches Spektrum grafischer Werke an. Er hatte ein besonderes Auge für landschaftliche Details und hinterließ einzigartige Einblicke in natürliche und vom Menschen geschaffene Lebensräume, die es heute kaum mehr gibt. In vielen seiner Bilder kann der Ökologe interessante Pflanzengesellschaften entdecken. Elche, in Ostpreußen auf Leinwand verewigt, scheinen zu seinen Lieblingsmotiven zu gehören.

Elch auf der Kurischen Nehrung

Elch auf der Kurischen Nehrung

Der Großteil der Werke Edgar Schilkes dürfte in Privatbesitz vergessen oder im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden sein. 110 Bilder, darunter 72 Ölbilder gelangten aus dem Nachlass der Witwe Dora Schilke  an die Michael Succow Stiftung in Greifswald. Von dort übernahm sie nun das Ostpreußische Landesmuseum, das in Lüneburg längst die umfangreichste Sammlung an Kunstwerken besitzt, als Dauerleihgabe.

Ferien im Museum — Bernstein-Entdeckertage im Ostpreußischen Landesmuseum

Freitag, 21. April 2017

Bericht von Silke Straatman


Unter dem Motto „Bernstein-Entdeckertage“ konnten interessierte Ferienkinder zwischen 8 und 12 Jahren in der Woche vor Ostern im Ostpreußischen Landesmuseum auf Entdeckungstour gehen.
Die Sonderausstellung „Bernstein – Goldenes Fenster zur Vorzeit“ (noch bis 7. Mai 2017) bietet hierfür faszinierende Einblicke in das Ökosystem eines „Bernsteinwaldes“, einen Lebensraum, der über 40 Millionen Jahre zurückliegt.

Bernstein-Entdeckertage im Ostpreußischen Landesmuseum

Bernstein-Entdeckertage im Ostpreußischen Landesmuseum

Bernstein gewährt Einsicht in eine ferne Vergangenheit. Im Harz, das ein subtropischer Baum vor 40 bis 50 Millionen Jahren in Nordeuropa abgab, finden sich häufig kleine Tiere und Pflanzenteile. Diese eingeschlossenen, gut erhaltenen Kleinlebewesen nennt man auch „Inklusen“. Sie zeugen von einem Leben längst vergangener Zeiten.

Welche Einschlüsse sind in dem Bernstein

Welche Einschlüsse sind in dem Bernstein

Das machte neugierig. Für die Bernstein-Quizfragen mussten die jungen Feriengäste schon genauer hinschauen. Aber die Kinder bewiesen Forscherdrang und wussten, wie man kniffelige Fragen lösen kann.
Jeder konnte sich einen eigenen Rohbernstein aussuchen. Mit ein paar Experimenten ließ sich herausfinden, ob der Bernstein wirklich echt ist.

Dann ging es an die Arbeit: Schleifen und Polieren. Aus einem verkrusteten bräunlichen Brocken wurde ein wunderschönes Schmuckstück, das unter dem Mikroskop auf „Inklusen“ untersucht wurde.

Schleifen des Rohbernsteins

Schleifen des Rohbernsteins

Am Ende waren alle richtige Bernstein-Experten geworden und konnten ihren wertvollen Talisman mit nach Hause nehmen.

Leo ist begeistert: Er hat eine Inkluse durchs Mikroskop entdeckt.

Leo ist begeistert: Er hat eine Inkluse durchs Mikroskop entdeckt.

Wer Lust bekommen hat, in den Ferien ins Ostpreußische Landesmuseum zu kommen, kann sich schon jetzt in den Sommerferien für die letzte Juliwoche (25. bis 28. Juli, täglich 13:30 bis 16:30 Uhr), einen Platz reservieren.
Dann heißt unser Motto: „Erlebte Geschichten künstlerisch gestalten – Wir entwerfen unser eigenes Ferientagebuch“

„Versunkene Welt Ostpreußens. Erinnerungsbilder von Eduard Bischoff“ im Heimatmuseum Lötzen in Neumünster (noch bis 15.7.)

Dienstag, 18. April 2017

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod
Die Heimatsammlung der Kreisgemeinschaft Lötzen besteht seit Jahren in Neumünster. Unter der engagierten Leitung von Frau Ute Eichler finden hier Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die sehr zum kulturellen Leben der ganzen Stadt beitragen. Nun wurde hier am 18. März 2017 wieder einmal eine Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg eröffnet. Die Präsentation zeigt den neuerdings wieder ganz aktuell gewordenen Farbholzschnitt.
Die großen Holzschnitte schuf der ostpreußische Maler Eduard Bischoff (1890-1974) in den Jahren zwischen 1954 und 1964. Sie zeigen Momente aus dem Leben in Ostpreußen aus den Jahren zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Außerdem thematisieren sie das Schicksal der 1944/45 geflüchteten Ostpreußen aus dem Erleben eines Betroffenen.

Eduard Bischoff: Fischerkneipe, 1960, Holzschnittfolge

Eduard Bischoff: Fischerkneipe, 1960, Holzschnittfolge

Bewusst wählte der Künstler alltägliche Szenen aus dem Leben der ländlichen Bevölkerung und der Fischer von der Kurischen Nehrung. Diese waren ihm persönlich besonders vertraut. Zudem galten sie vielen seiner Zeitgenossen als charakteristisch für das Ostpreußen, das sie in Erinnerung hatten. Im Bemühen, auch ein wenig seiner verlorenen Heimat ein Denkmal zu setzen, gestaltete Bischoff die Menschen, Tiere und Landschaften hier in großen, einprägsamen Formen.

Eduard Bischoff: Reiter, 1960, Holzschnittfolge

Eduard Bischoff: Reiter, 1960, Holzschnittfolge

Den großen Erfolg dieser Holzschnittreihe „Ostpreußen“ in ihrer Entstehungszeit kann man heute noch nachvollziehen und erlebt diese Wirkung in den beeindruckten Reaktionen des Ausstellungspublikums. Entsprechend war die Resonanz der Besucher der Ausstellungseröffnung „Versunkene Welt Ostpreußens. Erinnerungsbilder von Eduard Bischoff“ im Heimatmuseum Lötzen in Neumünster.

Das Ostpreußische Landesmuseum zu Gast in Rastenburg / Kętrzyn: Alexander Kolde

Montag, 10. April 2017

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod

Seitdem im vergangenen Jahr im Museum in Kętrzyn (Polen), dem historischen Rastenburg in Ostpreußen, das Ostpreußische Landesmuseum eine Ausstellung über den Maler Alexander Kolde (1886-1963), eröffnete, besteht eine gute Zusammenarbeit der beiden Museen.

Die Burg in Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Die Burg in Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

In der beeindruckenden mittelalterlichen Ordensburg ist das Museum der Stadt Kętrzyn untergebracht. In diesem besonderen Ambiente ausstellen zu können, macht Spaß. Dazu kommt, dass die Kollegen im Hause sehr freundlich und zuvorkommend sind. Das erleichtert die Zusammenarbeit.

Burghof Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Burghof Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Die Alexander Kolde Ausstellung brachte einen expressionistischen Maler an den Ort seiner Jugend zurück. Kolde wuchs in Rastenburg vor dem Ersten Weltkrieg auf. Später wurde er einer der führenden Maler in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg, bis er 1936 von den Nationalsozialisten Malverbot erhielt. 1945 musste er flüchten und kam nach Schleswig-Holstein. Seine farbstarken expressionistischen Werke können bis heute die Betrachter in ihren Bann ziehen. In seinem Werk nach 1945 finden sich viele Erinnerungen an Rastenburg, was in der Ausstellung gebührend hervorgehoben wurde.

Alexander Kolde: St. Georg in Rastenburg, Öl, um 1955

Alexander Kolde: St. Georg in Rastenburg, Öl, um 1955

Nach dem Erfolg dieser Malerei-Ausstellung bat das Museum in Kętrzyn gleich um eine weitere Präsentation aus dem Ostpreußischen Landesmuseum. Unter den Vorschlägen fiel die Wahl auf ein historisches Thema: Napoleon und die Königin Luise. In 30 historischen Grafiken werden die Geschichte der Eroberung Preußens durch Napoleon und seine Armee 1806, der Friedensschluss in Tilsit 1807 und die Begegnung Napoleons mit Königin Luise geschildert. Hinzu kommen einige Szenen aus dem Leben der preußischen Königin.

Ausstellung: Napoleon und Luise

Ausstellung: Napoleon und Königin Luise

Auch diese Geschichte berührte Ostpreußen und Rastenburg/Kętrzyn. Die Besucher entdecken sie als Teil ihrer Regionalgeschichte. Das Museum steuert zur Ausstellung zwei historische Objekte aus der Zeit der Kriege 1813-15 bei. Mit den Totenlisten der in den Schlachten gestorbenen Männer aus Rastenburg kommt man der Lebenswirklichkeit jener Zeit sehr nahe.

Totenschein für den Kanonier Christian Kroll aus Rastenburg, 1813_

Totenschein für den Kanonier Christian Kroll aus Rastenburg, 1813