Artikel-Schlagworte: „Ostpreußisches Landesmuseum“

Objekt der Woche #28 – Das zerstörte Ostpreußen 1914

Mittwoch, 18. Juli 2018

Der Beginn des Ersten Weltkriegs ließ gleich Anfang August 1914 große Bereiche Ostpreußens, als einzigem Teil Deutschlands überhaupt, zum Kriegsgebiet werden. Von Süden und Osten zogen zwei russische Armeen heran und zwangen die schwachen deutschen Militäreinheiten zunächst zum Rückzug. Die Hauptmacht des deutschen Heeres war im Westen zum Angriff auf Frankreich und Belgien versammelt. Erst Ende August wandelten sich die Verhältnisse nach der sog. Schlacht bei Tannenberg, die mit einer Niederlage der russischen Armee endete. Es sollte aber noch bis März 1915 dauern, bis alle Kämpfe in Ostpreußen endeten.

Objekt der Woche #28 – Das zerstörte Ostpreußen 1914

Objekt der Woche #28 – Das zerstörte Ostpreußen 1914

Zerstörungen und Flucht, Besetzung und Drangsalierung der verbliebenen Einwohner gaben Anlass zu vielen düsteren Schilderungen. Die Propaganda fand neben dem Leid ein reiches Betätigungsfeld. Mit den Bildern der Verwüstung konnte aber auch im übrigen Deutschland für die Unterstützung des Wiederaufbaus Ostpreußens geworben werden, der schon 1915 – mitten im Krieg – begann. So wurde vielen Menschen Ostpreußen erst durch den Krieg richtig bekannt und in unzähligen Berichten, Büchern und Ansichtskarten vor Augen gestellt – als zerstörtes Gebiet. Einige ausgewählte Ansichtskarten zerstörter Orte im Süden Ostpreußens findet der Besucher auch in der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums, eine davon sehen Sie hier.

Objekt der Woche #27 – Rauchtisch

Mittwoch, 11. Juli 2018

Begeisterte Jäger drücken ihre Leidenschaft vielfach auch durch eine ganz eigene, manchmal ungewöhnliche Prägung ihrer Wohnumgebung aus. Hier stellen wir ein Objekt unserer Dauerausstellung vor, das einmalig ist und unter dem Thema „Jagdtraditionen“ gezeigt wird. Es ist ein kleiner Tisch, der dem aus Ostpreußen stammenden, um 1905 nach Berlin versetzten Soldaten Otto Buttgereit aus dem Kreis Pillkallen zum Abschied geschenkt wurde. Er besteht bis auf eine Holzplatte ausschließlich aus Geweihstücken von Rothirsch und Elch.

Objekt der Woche #27 – Rauchtisch

Objekt der Woche #27 – Rauchtisch

Zu diesem Tisch gehören ein Aschenbecher, ein Zigarrenspender, ein Kerzenhalter, ein Zigarrenanspitzer und ein Streichholzschachtelhalter. Auch sie sind fast durchweg aus Geweihteilen von Rothirsch, Elch und Reh gefertigt worden. Nach Feierabend mag Otto Buttgereit gemütlich bei einer Zigarre an seine ostpreußische Heimat gedacht haben. Wir verdanken dieses Geschenk seinem Enkel Hans-Joachim Schütt.

Objekt der Woche #26 – Stillleben mit Pompon-Dahlien, Wilhelm Heise

Mittwoch, 4. Juli 2018

Ein Blick in ein dunkel wirkendes Zimmer mit geheimnisvoller Atmosphäre – dieses Motiv gibt eine Arbeit des Grafikers Wilhelm Heise (1892-1965), der von 1937 bis 1943 Professor für Grafik an der Königsberger Kunstakademie war. Er hatte sich in den 1920er Jahren die Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit angeschlossen. Als Alternative zu Expressionismus und Abstraktion setzten Künstler auf ein Zurück zu den Grundformen in sachlicher Betrachtung. Aber auch darin steckt eine Interpretation. Dieses Stillleben zeigt das durch seine fast ein wenig unheimliche Stimmung. Zugleich erinnert es an barocke Blumenstillleben des 17. Und 18. Jahrhunderts. So ein Rückgriff in die Kunstgeschichte ist ebenfalls gelegentlich typisch für die Stilströmung der Neuen Sachlichkeit.

Objekt der Woche #26 – Stillleben mit Pompon-Dahlien, Wilhelm Heise

Objekt der Woche #26 – Stillleben mit Pompon-Dahlien, Wilhelm Heise

Diese Grafikarbeit zeigt einige Gründe, die sicher für die Berufung Heises nach Königsberg sprachen: seine neusachliche Bildsprache und sein großes technisches Können im Feld der künstlerischen Grafik. Bei diesem Druck handelt es sich um einen Steinstich, eine ungewöhnliche Technik, die schwierig zu handhaben ist und selten angewandt wurde. Es handelt sich um eine Verbindung von Merkmalen des Kupferstichs und der Lithografie.
Diese Arbeit wird Teil der Präsentation der Königsberger Grafiklehrer an der Kunstakademie sein, im Zuge der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums. Da aus konservatorischen Gründen Papierobjekte nicht sehr lange ausgestellt sein sollten, wird in dem graphischen Kabinett mehrfach im Jahr eine neue Ausstellung von Beispielen aus der umfangreichen Grafiksammlung des Museums zu sehen sein.

Objekt der Woche #25 – Moderne Kastenfalle

Mittwoch, 27. Juni 2018

Jagd ist nicht nur eine aktive Tätigkeit. Viele Säugetiere, die Schäden anrichten und deren Bestände nicht zu groß werden dürfen, werden passiv in Fallen gefangen. Anders als früher werden sie lebend gefangen und dann ohne Qualen getötet oder an Orte verbracht, an denen sie keinen Schaden anrichten können. Diese Falle, WEKA intensiv, wurde für den Fang von Waschbären, Nutrias, Minks und Bisam(ratten) entwickelt. Bei all diesen Arten handelt es sich um Neubürger aus Amerika, die in Mitteleuropa ideale Bedingungen vorfinden und praktisch keine Feinde haben.

Objekt der Woche #25 – Moderne Kastenfalle

Objekt der Woche #25 – Moderne Kastenfalle

In seiner Ausstellungseinheit „Moderne Jagd“ zeigt das Ostpreußische Landesmuseum, wie Jagd heute zu verstehen ist und wie sehr sie sich gegenüber der vor 1945 ausgeübten Jagd in Ostpreußen verändert hat. Die hier vorgestellte Falle wurde uns von Christian Westerkamp geschenkt, der sie entwickelt hat.

Objekt der Woche #24 – Gemälde „Im Elchwald“

Mittwoch, 20. Juni 2018

Am Ostufer des Kurischen Haffs befanden sich nach dem Ersten Weltkrieg die letzten Einstandsgebiete des Elchs im damaligen Deutschland. Die aus zahlreichen Mooren und Sümpfen bestehende Landschaft wurde 1937 als „Reichsnaturschutzgebiet Elchwald“ unter Schutz gestellt und der Elch verbreitete sich von hier aus in weite Teile Ostpreußens.

Objekt der Woche #24 – Gemälde „Im Elchwald“

Objekt der Woche #24 – Gemälde „Im Elchwald“

Dimitrij von Prokofieff (1879-1950) stammte aus altem russischen Adel und gehört zu den bedeutendsten Jagd- und Naturmalern des 20. Jahrhunderts. Er floh nach der Oktoberrevolution aus Russland, siedelte sich in Berlin an und reiste oft nach Ostpreußen, um zu malen. Sein Monumentalgemälde in Öl auf Leinwand entstand ein Jahr vor der Unterschutzstellung der Region. Es wurde vom Fördererkreis Ostpreußisches Jagdmuseum – Hans-Ludwig Loeffke-Gedächtnisvereinigung e.V. für unser Museum angekauft und ist in der Jagdabteilung zu sehen.

Objekt der Woche #23 – Sprietkahn vom Kurischen Haff

Mittwoch, 13. Juni 2018

Das Modell im Maßstab 1:15 zeigt detailgenau den Aufbau, die Besegelung und die Oberfläche an Bord eines charakteristischen Fischerkahns vom Kurischen Haff. Die Sprietstange, ein langes Holzstück, das das Großsegel spannt, war typisch für die Boote der Nehrungsbewohner, während die vom Ostufer des Haffs eine Gaffel verwendeten. Dieses Boot war ein Keitelkahn, das den Stintkeitel, ein sackartiges Grundnetz, über den Gewässerboden zog.

Objekt der Woche #23 – Sprietkahn vom Kurischen Haff

Das Modell wurde von Klaus Plonus nach sechsjähriger Bauzeit 2006 fertiggestellt und uns 2014 geschenkt. In der Zwischenzeit wurde es auf sieben nationalen und internationalen Wettbewerben vorgestellt und sechsmal mit Gold und einmal mit Silber prämiert. Es ist in der Abteilung Wirtschaft in der Weimarer Zeit zu sehen.

Objekt der Woche #22 – Ermländische Trachtenhaube

Mittwoch, 6. Juni 2018

Aus Ostpreußen sind nicht sehr viele ältere Bekleidungsformen erhalten geblieben. Gegen 1900 versuchten verschiedene Vereine auf dem Land, oft von Lehrern initiiert, aus vorhandenen Resten die letzte Trachtenform zu erhalten und zu festlichen Angelegenheiten zu präsentieren. Dabei wurden Tanzgruppen gebildet und entsprechend ausgestattet mit alten oder nach alten Vorbildern neu geschneiderten Trachtenteilen. Auf diesem Weg rette man in einigen Gegenden alte Textilien und das Erscheinungsbild der Tracht, wie sie bis Anfang oder Mitte des 19. Jahrhunderts noch in Gebrauch gewesen war.

Ermländische Trachtenhaube

Das Ermland als katholisch geprägte Region mitten im evangelischen Ostpreußen hatte aufgrund seiner eigenen kulturellen Prägung länger traditionelle Bekleidungsformen behalten. Zu der Sonntags- und Festtracht der Frauen vor allem auf dem Land gehörte im frühen 19. Jahrhundert eine besonders aufwendig gearbeitete Haube mit gold- oder silberfarbenen Faden und langen seidenen Bändern. Später galt sie als eines der bekanntesten Trachtenteile Ostpreußens überhaupt und wurde seit um 1900 wieder getragen und nachgearbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition im Westen weiter gepflegt.

Objekt der Woche #21 – Erinnerungsplakette an die Ostpreußenfahrt des ADAC 1929

Mittwoch, 30. Mai 2018

Der bekannte Automobilclub wurde bereits 1903 gegründet. In den Jahren vor 1933 fanden Überlandfahrten statt, die die Verbundenheit mit den Regionen stärken sollten. Die Ostpreußenfahrt 1929 wurde als Leistungsprüfung im Sportprogramm des Vereins durchgeführt. Die Plakette zeigt das Porträt Paul von Hindenburgs, des Siegers über die Russen im Ersten Weltkrieg und damaligen Reichspräsidenten, und das Tannenberg-Nationaldenkmal.

Erinnerungsplakette an die Ostpreußenfahrt des ADAC 1929

Erinnerungsplakette an die Ostpreußenfahrt des ADAC 1929

Wir erhielten dieses seltene Stück als Geschenk von Wolf Eichstädt, dessen Vater an der genannten Fahrt teilgenommen hatte. Er war vor 1934 Polizeioffizier in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg. Die Erinnerungsplakette wird in der Abteilung Wirtschaft in der Weimarer Zeit gezeigt.

Praktikum im Ostpreußischem Landesmuseum

Dienstag, 29. Mai 2018

Von Linda Niedergesäß

Ich bin siebzehn Jahre alt und gehe in die elfte Klasse der IGS Lüneburg und durfte für zwei Wochen im Ostpreußischem Landesmuseum ein Schülerpraktikum absolvieren.
Es hat mir sehr gefallen, denn in der Abteilung Bildung und Vermittlung, wo ich gearbeitet habe, konnte ich einen guten Einblick in den Beruf der Museumspädagogin gewinnen.
Da sich das Museum zurzeit im Umbau befindet und die Dauerausstellung in Planung ist, konnte ich mir ein paar Gedanken darüber machen, wie die Ausstellung auch einem jüngeren Publikum nahegebracht werden könnte. Dafür habe ich zwei Fragebögen zu den Themen „Mittelalter“ und „Hanse“ gestaltet. In einem Multiple-Choice-Quiz können Kinder versuchen, Antworten auf die Fragen in der Ausstellung zu finden.
Des Weiteren habe ich die Räumlichkeiten für einen künftigen Museumskindergeburtstag unter dem Motto „Edle Ritter und schöne Burgfräuleins“ kennengelernt. Inspiriert von einigen Mittelalter-Kinderbüchern konnte ich Aktionsideen und Bastelvorschläge für jüngere Kinder entwickelen, wie zum Beispiel das Herstellen eines kleinen Banners aus Filz mit einem Wappen.

Praktikantin Linda Niedergesäß

Praktikantin Linda Niedergesäß

Objekt der Woche #20 – Ein Blick auf Nidden Ernst Mollenhauer, Öl/Leinwand, 1949

Mittwoch, 23. Mai 2018

Die Kurische Nehrung wurde seit Ende des 19. Jahrhundert als wildromantischer Ort für Sommeraufenthalte bekannt. Es entstand dort auch, wie an manchen anderen ländlichen und abgelegenen Orten, etwa Worpswede oder Ahrenshoop, eine Künstlerkolonie.
Das Gemälde zeigt den Blick von einer Dünenanhöhe auf das Fischerdorf Nidden. Der Maler war Ernst Mollenhauer (1892-1963), ein ostpreußischer Expressionist, der zu dem kleinen Kreis der Künstler gehörte, die sich am Ort ein eigenes Haus errichtet hatten. Zu diesem Kreis zählten außerdem der Dichter Thomas Mann, der Maler Carl Knauf, der Schauspieler und Fotograf Paul Isenfels sowie der Maler Richard Birnstengel.

Objekt der Woche #20 – Ein Blick auf Nidden Ernst Mollenhauer, Öl/Leinwand, 1949

Ein Blick auf Nidden Ernst Mollenhauer, Öl/Leinwand, 1949

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Nidden, nun militärisches Sperrgebiet im Warschauer Pakt, nicht mehr erreichbar. Doch viele Maler, die sich einst in seine Landschaft verliebt hatten, malten es weiter, aus der Erinnerung. So entstand auch dieser Dorfblick 1949 als Bild der Sehnsucht nach dem „Paradies Nidden“, wie Ernst Mollenhauer damals schrieb.
In der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums wird dieses Gemälde in jener Abteilung hängen, die der Künstlerkolonie Nidden gewidmet ist.