Artikel-Schlagworte: „Ostpreußisches Landesmuseum“

Objekt der Woche #19 – Weste der Rigaer „löblich reitenden Blauen Bürger-Compagnie“

Mittwoch, 16. Mai 2018

Nach dem Nordischen Krieg, der für die ehemals von Schweden beherrschte Stadt Riga 1710 mit der Unterwerfung unter den siegreichen russischen Zaren Peter I. endete, reorganisierte die Bürgerschaft aus den stark dezimierten Reihen der Kaufleute und der unverheirateten Kaufgesellen eine reitende Bürger-Kompanie. Als diese 1720 auf ausdrücklichen Befehl des Zaren zum Empfang eines Gesandten vor die Stadttore beordert werden sollte, sah einer der unverheirateten Kaufgesellen, Hermann Ernst Barber, die Chance zur Begründung einer eigenen Kompanie.  Er entwarf nach schwedischem Vorbild eine Uniform aus blauen silbergestickten Röcken, strohfarbenen Westen mit Beinkleidern und schwarzen Hüten.  Die aus 60 Junggesellen aufgestellte neue Zweigkompanie machten im Unterschied zu der uneinheitlich gekleideten bürgerlichen Stammkompanie durch ihr prachtvolles Äußeres einen glänzenden Eindruck, so dass Rat und General-Gouverneur die Existenz der Rigaer einer nach ihrer Uniformfarbe benannten „löblich reitenden Blauen Bürger-Compagnie“ erlaubten.

Objekt der Woche #19 – Weste der Rigaer „löblich reitenden Blauen Bürger-Compagnie“, © Jan-Rasmus-Lippels

Objekt der Woche #19 – Weste der Rigaer „löblich reitenden Blauen Bürger-Compagnie“, © Jan-Rasmus-Lippels

Die „Blauen“ Junggesellen waren einem Offizier der Stammkompanie, die sich selbst 1728 Grün uniformierte und aus verheirateten Kaufleuten bestand, unterstellt. Ihre freiwilligen Mitglieder mussten Ausstattung und Pferd selbst stellen. Die Uniform wurde im Laufe der Jahre mehrmals ergänzt und umgestaltet, aber die hier zu sehende strohgelbe Weste aus Seidensamt, Leinen mit Stickereien versehen, erinnert an ihre ehemals glanzvollen Zeiten und ist als Original möglicherweise bereits im 18. Jahrhundert gefertigt.
Beide, die reitende Blaue und Grüne Bürger-Kompanie, übernahmen bis zu ihrem Zusammenschluss 1832/33 vor allem repräsentative Aufgaben. Sie geleiteten Zarinnen und Zaren, Botschafter und andere hochgestellte Persönlichkeiten nach Riga hinein – je höher der Rang des Gastes, umso weiter ritten sie vor die Stadttore hinaus. Sie stellten zudem Ehrenwachen und veranstalteten Festlichkeiten, beispielsweise zu den Krönungstagen der russischen Herrscher. Militärische Aufgaben übernahmen sie als reitende Stadtgarde erst Anfang des 19. Jahrhunderts, als Riga Teil kriegerischer Auseinandersetzungen wurde. Seit 1888 wurde niemand mehr in die Stadtgarde aufgenommen. Noch heute erinnert in der Rigaer Petrikirche die 1743 gekaufte Erb-Grabstätte an die „Blaue Garde“ und in der Kirche selbst soll ein schützender Geist jener „Blauen“ die Grabstätten bewachen.

Objekt der Woche #18 – Carl-Wilhelm Hübner (1814-1879), Die Auswanderer, 1862

Mittwoch, 9. Mai 2018

Eine ärmliche, sichtlich besorgte Bauernfamilie zahlt zwei wenig vertrauenserweckenden Matrosen Geld für eine Überfahrt; anhand der im Hintergrund erkennbaren Karte soll es offensichtlich nach Amerika gehen, zumal auf der Transportkiste „Neu York“ steht.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderten viele Ostpreußen aus: Gerade im 19. Jahrhundert ging die Reise vor allem nach Amerika in das „verheißene Land“ – ohne König, ohne Militärdienst und mit nahezu freier Religionswahl, die auch Mennoniten, Baptisten oder sonstige kleinere Religionsgemeinschaften Freiräume bot, die im alten Europa und auch im eher toleranten Preußen vielfach verweigert wurden.
Später zog das Ruhrgebiet Auswanderungswillige an, wo das Los der Industriearbeiter zwar hart und mühsam war, aber doch leichter Arbeit zu finden war, die zudem deutlich besser bezahlt war als auf den ostpreußischen Gütern. Gelsenkirchen etwa entwickelt sich zu einem Zentrum polnisch sprechender, evangelischer Masuren.

Carl-Wilhelm Hübner (1814-1879), Die Auswanderer, 1862

Carl-Wilhelm Hübner (1814-1879), Die Auswanderer, 1862

Diese Auswanderungswelle hatte mehrere Ursachen. Neben einem hohen Geburtenüberschuss war ein Auslöser die preußischen Agrarreformen, die 1807 mit dem berühmten, in Memel erlassenen Oktoberedikt begannen. Sie befreiten die Bauern und Gutsbewohner vom mittelalterlichen Feudalwesen mit seinen persönlichen Abhängigkeiten und Dienstpflichten aus der verhassten Leibeigenschaft. Man sprach daher auch von Bauernbefreiung, aber die Wirkungen waren zwiespältig. Endlich war freie Orts- und Berufswahl erlaubt, und auch das Heiraten nunmehr ohne Erlaubnis möglich, was vermehrt Ehen in den ländlichen Unterschichten nach sich zog, für deren oft reiche Kinderschar eine Kleinsthofstelle nicht auskömmlich war.
Zudem musste für die Ablösung der alten Pflichten wie Fron-, Gespann- und Gesindedienste der Gutsherr entschädigt werden, was bei den Kleinbauern mangels Barvermögen meist mit Land erfolgte. Viele Hofstellen schrumpften dabei so stark, dass sie verkauft werden mussten – aus Bauern wurden Tagelöhner. Auch entfielen nun die Schutzpflichten des Gutsherrn für seine Bauern, etwa bei Missernten, Seuchen, Blitzschlag oder Krankheit.
Mit den Reformen wurde der Bauer ein selbständiger Unternehmer auf eigenes Risiko, was vom liberalen ost- und westpreußischen Oberpräsidenten Theodor von Schön durchaus gewollt war. Fallende Getreidepreise führten dann aber rasch zum Zwangsverkauf des Hofes. Die Armut der Unterschichten wurde verschärft durch die Mechanisierung, denn sie verdrängte ländliches Nebengewerbe wie die Leinenweberei, die ihren Beitrag zum Gesamteinkommen kleinbäuerlicher Schichten beitrug und reduzierte den ganzjährigen Personalbedarf der Güter, was zur saisonalen Wanderarbeit führte.
Die Arbeitslosigkeit und Armut waren hoch – Auswanderung schien für viele die einzige Perspektive. Der Verlust der ländlichen Bevölkerung blieb über Jahrzehnte hoch, Ostpreußen ein im Vergleich zum übrigen Deutschland äußerst dünn besiedeltes Land.

Der in Königsberg geborene und dort noch ausgebildete Hübner war seinerzeit ein anerkannter Genremaler. 1838 ging Hübner an die Düsseldorfer Akademie und wurde dort Gründer des “Vereins Düsseldorfer Künstler”. Ein vielbeachtetes Gemälde stellte auch die Not der schlesischen Weber dar. Hübner war bekannt für seinen realistischen, wenig idealisierenden Stil.

Objekt der Woche #17 – Heinrich Wolff, Selbstbildnis, Radierung um 1910

Mittwoch, 2. Mai 2018

Der 1875 in Schlesien geborene Grafiker Heinrich Wolff hatte seine gründliche künstlerische Ausbildung 1891 an der Breslauer Kunstschule begonnen, an den Kunstakademien in Berlin und München fortgesetzt. 1900 gründete er eine private Schule für Grafik in München.
1902 berief der Direktor der Königsberger Kunstakademie, Ludwig Dettmann, Heinrich Wolff als Lehrer für freie Grafik. Unter ihm erlange die künstlerische Grafik in Königsberg hohes Ansehen. Sein 33 Jahre währende Akademietätigkeit prägte die ostpreußische Kunst der Zeit mit. Wolffs Arbeiten wirken durch ihre malerische Darstellungsweise der Landschaften, Stadtansichten als auch in den vielen Bildnissen.

Heinrich Wolff, Selbstbildnis, Radierung um 1910

Heinrich Wolff, Selbstbildnis, Radierung um 1910

Als Portraitist erlange Wolff so viel Anerkennung, dass ihm die medizinische Fakultät der Universität Königsberg dafür den Doktor h.c., ehrenhalber, verlieh. Nach seiner Pensionierung 1935 kehrte Wolff nach München zurück, wo er 1940 verstarb. Er gehört bis heute zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Lehrerschaft an der einstigen Königsberger Kunstakademie. Das Selbstbildnis wird in der neuen Dauerausstellung in der Grafikabteilung zu sehen sein.

Objekt der Woche #16 – Zwei silberne Bohnen, vermutlich 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Mittwoch, 25. April 2018

Die zwei hohlen Silberbohnen sind Zeugnis einer alten Tradition zur Wertschätzung des Philosophen Immanuel Kants (1724-1804).
Der „Weltendenker“ Kant hatte zeit seines Lebens nie seine Heimat Ostpreußen verlassen. Informationen über das Geschehen in der Welt sammelte er in regelmäßigen Gesprächen seiner Tischrunde, deren Kreis bunt gemischt war, darunter Kaufleute, Banker, Militärs, Ärzte, Theologe und Literaten.

Zwei silberne Bohnen, vermutlich 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

Zwei silberne Bohnen, vermutlich 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts

William Motherby, Arzt, Landwirt und wie sein Vater Robert Motherby ein Freund von Kant, lud in Gedenken der letzten Geburtstagsfeier Kants am 22.4.1803 zwei Jahre später die damaligen Teilnehmer zu einem Gedächtnisfest ein. Daraus wurde eine jährliche Tradition, die zur Gründung der „Gesellschaft der Freunde Kants“ führte und bis 1945 in Königsberg, später dann in Göttingen und seit 2011 wieder in Königsberg/Kaliningrad fortgeführt wurde.
Die in einen Kuchen eingebackene Bohne bestimmte auf der Versammlung der Gesellschaft am 22.04 eines jeden Jahres ihren Finder zum „Festordner“ (Präsident) der Gesellschaft (daher auch „Bohnenkönig der Bohnengesellschaft“ genannt), der im Folgejahr eine Festrede zu halten hat.
Die zwei silbernen Bohnen stammen aus dem Nachlass der Königsberger Familie von Hippel. Der Königsberger Bürgermeister und Polizeidirektor Theodor Gottlieb Hippel der Ältere (1741-1796) war ein Verfechter der Aufklärung, eng mit Kant befreundet und regelmäßiger Gast seiner Runde.

Objekt der Woche #15 – Geflügelte Termite in Naturbernstein

Mittwoch, 18. April 2018

Ein kleines Insekt, eingeschlossen in fossilem Baumharz, das vor mindestens 35 Millionen Jahren aus einem Baum austrat. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Kiefernart. Sie wuchs in einem Wald irgendwo in Nord-, Mittel- oder Osteuropa im Eozän genannten, frühen Abschnitt der Erdneuzeit, des Tertiärs.

Geflügelte Termite in Naturbernstein

Geflügelte Termite in Naturbernstein

Zu dieser Zeit war das Klima in Europa sehr viel wärmer als heute. Subtropische Wälder bedeckten riesige Landflächen. Die im Bernstein eingeschlossene kleine Termite ist ein hervorragender Beweis für warmes Klima, denn bis heute kommen diese Pflanzenfresser (Holzzerstörer) nur in tropischen und subtropischen Landschaften vor. Sie sind sehr empfindlich gegenüber Trockenheit und leben gut geschützt in Totholzstämmen und steinharten Erdhügeln. Nur für kurze Zeit entwickeln sich Geschlechtstiere mit Flügeln, die die Bauten verlassen, sich paaren und eine neue Kolonie gründen. Entsprechend selten werden Termiten als Inklusen im Bernstein gefunden, umso schöner, dass es in der neuen Bernsteinabteilung zu sehen sein wird.

Objekt der Woche #14 – Vielseitigkeitssattel aus Insterburg

Mittwoch, 11. April 2018

Dieser leichte Pferdesattel wurde vorzugsweise im Reitsport eingesetzt. Gefertigt wurde er wahrscheinlich in den 1930er Jahren. Sicher ist, dass er von der Sattlerei Fr. Kuster in Insterburg hergestellt wurde, darauf weist ein Stempeleindruck hin. Insterburg war vor dem Zweiten Weltkrieg eine bedeutende Turnierstadt, alljährlich fanden hier Pferderennen statt, die weit über Ostpreußen hinaus Aufmerksamkeit erregten.

Vielseitigkeitssattel aus Insterburg

Vielseitigkeitssattel aus Insterburg

Der Sattel wurde vermutlich von Reinhold Leitner aus Podszohnen, Landkreis Stallupönen/Ebenrode, auf der Flucht 1945 in den Westen gebracht. Heute heißt der Ort Panfilovo und liegt im Kaliningrader Gebiet. Der Sattel ist für heutige Reitverwendungen auffallend klein und steht in der Abteilung Trakehnen dafür, dass Trakehner Pferde schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle im Reitsport spielten. Er wurde vom Fördererkreis Ostpreußischen Jagdmuseum – Hans-Ludwig Loeffke-Gedächtnisvereinigung e.V. für unser Museum angekauft.

Objekt der Woche #13 – Portraitbüste „Arno Surminski“ von Manfred Sihle-Wissel

Mittwoch, 4. April 2018

Bei seinem letzten Besuch im Ostpreußischen Landesmuseum brachte Arno Surminski unser heutiges Objekt der Woche mit: Seine Portraitbüste, die der deutschbaltische Bildhauer Manfred Sihle-Wissel von ihm anfertigte.

Der 1934 in Tallinn/Reval (Estland) geborene Künstler erlitt mit seiner Familie die für die deutschbaltische Bevölkerungsgruppe in den baltischen Staaten Estland und Lettland typische Umsiedlung 1939 ins Wartheland, anschließend die Flucht 1945, die ihn nach Hamburg brachte. 1954-59 studierte er an der dortigen Kunstgewerbeschule Bildhauerei bei Edwin Scharff und Hans Martin Ruwoldt. Er lebt seit 1981 in Brammer bei Rendsburg und arbeitet als freier Künstler. Unter vielen Portraitbüsten schuf er auch die Bildnisse etwa von Helmut Schmidt, Marion Gräfin Dönhoff, Siegfried Lenz und Walter Kempowski.

Arno Surminski überreicht die Büste unserem Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Arno Surminski überreicht die Büste unserem Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Der aus Ostpreußen stammende Schriftsteller Arno Surminski (geb. 1934) behandelt in seinen literarischen Werken vornehmlich Themen, die mit dem Schicksal von Menschen aus dem historischen Ostpreußen und den Geschicken des Landes selbst verbunden sind. Seit vielen Jahren ist er mit Veranstaltungen Gast im Ostpreußischen Landesmuseum, das ihm 2014 auch eine Ausstellung anlässlich seines 80. Geburtstags widmete. In der neuen Dauerausstellung des Museums wird er unter den Literaten vertreten sein durch die Portraitbüste aus Bronze, die der Künstler 2007 von ihm schuf.

Objekt der Woche #12 – Portraitbüste von Herzogin Dorothea von Preußen (1504-1547)

Mittwoch, 28. März 2018

Bei dieser Portraitbüste handelt es sich um eine Gipskopie, die 1960 vom Original in Kopenhagen aus dem Jahr 1572 abgenommen wurde.
Dorothea war als Gattin des Hohenzoller Albrecht von Brandenburg-Ansbach die erste Herzogin Preußens. 1525 hatte Albrecht als der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen das Ordensgebiet säkularisiert. Aus der Hand seines Onkels, des polnischen Königs Sigismund I., erhielt er das Land zu einem erblichen Lehen, das zugleich das erste protestantische Land weltweit wurde.
Zuvor hatte sich Albrecht intensiv mit Martin Luther beraten. Der Wittenberger hatte schon 1524 eine an die Ordensritter in Preußen gerichtete Polemik drucken lassen: „An die herren Deutschs Ordens das sy falsche keuschhait meyden und zur rechten Eelichen keuschhait greyffen, Ermanu[n]g“.
Albrecht, ganz Renaissancefürst, kam das für seine Dynastieplanung natürlich entgegen. Schon ein Jahr später heiratete er, der als Ordensmann einst Keuschheit und Ehelosigkeit gelobt hatte, die dänische Prinzessin Dorothea, Tochter von Friedrich I., König von Dänemark und Norwegen. Infolgedessen waren die weiteren Beziehungen Preußens zu Dänemark ausgezeichnet, wo später Dorotheas Bruder als Christian II. regierte.

Portraitbüste von Herzogin Dorothea von Preußen (1504-1547)

Portraitbüste von Herzogin Dorothea von Preußen (1504-1547)

Wie ihr Mann war Dorothea eine fromme Lutheranerin und unterstützte ihn bei der Gründung der Königsberger Universität, der nach Marburg zweiten protestantischen Universität und neben Krakau lange die östlichste in Europa.
Die Ehe war glücklich, allerdings überlebte von den sechs gemeinsamen Kindern nur die älteste Tochter Anna Sophie die ersten Monate.
Ihr nach dem frühen Tod geschaffenes Epitaph mit der hier gezeigten Büste war ein 1572 vollendetes Werk des Antwerpener Bildhauers Cornelis Floris (1514-1575), das an der Nordseite im Chor des Königsberger Doms hing. Die Betende wurde möglicherweise nach ihrer Totenmaske modelliert. Die Tafel ging 1945 verloren, nur die Büste ist heute im Puschkin-Museum in Moskau zu besichtigen. Eine Zweitausführung der Büste gibt es im Kopenhagener Schloss Rosenborg, von der diese Kopie stammt.
Nach dem Tod Dorotheas heiratete Albrecht ein zweites Mal und bekam zwei weitere Kinder, darunter seinen Nachfolger Albrecht Friedrich (1553-1618).
Albrecht starb vor 450 Jahren am 20. März 1568 im 78. Lebensjahr auf der Burg Tapiau an der Pest, 16 Stunden nach ihm auch seine zweite Gemahlin Anna Maria von Braunschweig.
Später wird die herzogliche Herrschaft auf die brandenburgischen Hohenzollern übertragen werden. Die Treuepflicht und Abhängigkeit von Polen wird etwa 100 Jahre später Kurfürst Friedrich Wilhelm, der “Große Kurfürst”, lösen und damit die Grundlage für die preußische Königskrönung durch Friedrich III./I. am 18.1.1701 schaffen.

Bericht zur Lesung aus „Wolfsland“ von Arno Surminski

Montag, 26. März 2018

Svenja Szalla, Praktikantin

Arno Surminski war am Mittwochabend mit seinem erst 14 Tage jungen Erzählband „Wolfsland“ bei uns im Ostpreußischen Landesmuseum zu Gast. Für viele Lüneburger sind seine Lesungen inzwischen eine liebgewonnene, sich jährlich wiederholende Tradition. Bereits eine Stunde vor Beginn trafen die ersten Zuhörer ein, um sich Plätze in den vorderen Reihen zu sichern. Kulturreferentin Agata Kern führte durch den Abend, hob auch die ernste, traurige Kindheitsgeschichte des inzwischen 84-jährigen Autors hervor, dessen Eltern 1945 aus Ostpreußen verschleppt wurden und in einem russischen Lager starben, was Surminski erst Ende der 90er Jahre erfuhr. Die oft auch tragischen und ernsten Anteile der Geschichte Ostpreußens waren in den Erzählungen, die der Autor aus seinem neuen Buch las, ebenso vertreten wie die Zuversicht und der, auch in schweren Zeiten nicht versiegende, Humor des Volkes, das die Region zwischen Weichsel und Memel bewohnte.

Diesen Optimismus sinnbildlich wiederspiegelnd, hatte Surminski beschlossen, die Geschichten der Reihenfolge nach von ernst zu heiter werdend zu lesen. So schwangen persönliche Erinnerungen an das eigene Vertriebenwerden in der titelgebenden Erzählung „Wolfsland“ mit und auch die zweite Geschichte, „Dichtertreffen“, traf mitunter ironisch-tiefgehende Töne bei der Frage nach dem Erhalt des Gedankengutes des facettenreichen Volkes. Für allgemeine Heiterkeit sorgte die leicht spöttische, verblüffte Frage des Autors, der nach diesen zwei eher eindringlichen Erzählungen zu fröhlicheren Texten übergehen wollte: „Aber wo ist denn nun bloß das Heitere?“ Nach kurzem Suchen wurde er fündig – weiter ging es mit der „Masurischen Frömmigkeit“ und den Listen eines Pastors. Für seine deutschen wie auch masurischen Schäfchen verantwortlich, musste dieser nicht nur zweisprachig Gottes Wort verkünden, sondern auch Tricks und Kniffe anwenden, die Gemeinde in ihrer völkerübergreifenden Vorliebe für hochprozentige Getränke zu zügeln.

Arno Surminski während der Veranstaltung

Arno Surminski während der Veranstaltung

Viele seiner Geschichten sieht der Autor als Einladung, dem alten Ostpreußen, den masurischen Gepflogenheiten, der Wärme und selbstverständlichen Gastfreundschaft, die damals wie heute ungebrochen zu diesem Land der dunklen Wälder und stillen Seen gehört, einen Besuch abzustatten. Das Thema der deutsch-polnischen Aussöhnung beschäftigt Surminski seit jeher. Die Besinnung auf das gemeinsame geistige Kulturerbe ist ihm eine Herzensangelegenheit. Es gab diesen Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Religionen, die nicht nur friedlich beieinander lebten, sondern in ihrer Mannigfaltigkeit einen besonderen Geist, eine sich gegenseitig befruchtende Diversität, welche sich in Literatur, Bräuchen und Gedankengut niederschlug, ins Leben rief. Als ermunterndes Beispiel für das mögliche Gelingen einer sich vermischenden Gemeinschaft, sei Ostpreußen durchaus auch für heutige Tage ein bedenkenswertes Beispiel, befand der Autor mit einem feinen Lächeln.

Objekt der Woche #11 – Harzendes Stück eines Baumstamms

Mittwoch, 21. März 2018

Dieses Kirschbaumstück aus Scharnebeck, Landkreis Lüneburg, soll anschaulich vermitteln, wie Bernstein entsteht und wie kleine Tiere oder Teile von Pflanzen und Tieren in den Bernstein hineingelangen. Es zeigt den Ausfluss von Harz nach einer Verletzung der Baumoberfläche am Stamm oder an den Ästen. Das klebrige Harz im Innern des Pflanzenkörpers bildet einen Wundverschluss. Es ist durch seine Farbe und seinen Geruch attraktiv für viele kleine Insekten, die – ganz wörtlich – darauf fliegen und dann kleben bleiben. Tritt das Harz in mehreren Schüben aus, kann es sie einschließen. Die chemische Zusammensetzung des Harzes verhindert ihre Zersetzung und konserviert fast alle Teile.

Harzendes Stück eines Baumstamms

Harzendes Stück eines Baumstamms

Um zu Bernstein zu werden, muss das Harz allerdings mindestens eine Million Jahre alt werden. Erst dann ist die Aushärtung – chemisch spricht man von einem Polymerisationsprozess – abgeschlossen. Dies geschieht nur unter günstigen Bedingungen, z.B. im Wasser von Flüssen und Seen. Die kleinen Tiere oder Pflanzenteile darin nennt man Inklusen oder Einschlüsse. Man findet sie nur im Schlaubenbernstein, der auf den Harzaustritt in mehreren Schüben zurückzuführen ist.
Das Ostpreußische Landesmuseum erhielt dieses wertvolle, etwa 30 Jahre alte Anschauungsstück von Peter Laging geschenkt, der viele Jahre lang als Lehrer an der Realschule Scharnebeck tätig war. Es wird in der Abteilung Bernstein zu sehen sein.