Archiv für März 2018

Objekt der Woche #12 – Portraitbüste von Herzogin Dorothea von Preußen (1504-1547)

Mittwoch, 28. März 2018

Bei dieser Portraitbüste handelt es sich um eine Gipskopie, die 1960 vom Original in Kopenhagen aus dem Jahr 1572 abgenommen wurde.
Dorothea war als Gattin des Hohenzoller Albrecht von Brandenburg-Ansbach die erste Herzogin Preußens. 1525 hatte Albrecht als der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen das Ordensgebiet säkularisiert. Aus der Hand seines Onkels, des polnischen Königs Sigismund I., erhielt er das Land zu einem erblichen Lehen, das zugleich das erste protestantische Land weltweit wurde.
Zuvor hatte sich Albrecht intensiv mit Martin Luther beraten. Der Wittenberger hatte schon 1524 eine an die Ordensritter in Preußen gerichtete Polemik drucken lassen: „An die herren Deutschs Ordens das sy falsche keuschhait meyden und zur rechten Eelichen keuschhait greyffen, Ermanu[n]g“.
Albrecht, ganz Renaissancefürst, kam das für seine Dynastieplanung natürlich entgegen. Schon ein Jahr später heiratete er, der als Ordensmann einst Keuschheit und Ehelosigkeit gelobt hatte, die dänische Prinzessin Dorothea, Tochter von Friedrich I., König von Dänemark und Norwegen. Infolgedessen waren die weiteren Beziehungen Preußens zu Dänemark ausgezeichnet, wo später Dorotheas Bruder als Christian II. regierte.

Portraitbüste von Herzogin Dorothea von Preußen (1504-1547)

Portraitbüste von Herzogin Dorothea von Preußen (1504-1547)

Wie ihr Mann war Dorothea eine fromme Lutheranerin und unterstützte ihn bei der Gründung der Königsberger Universität, der nach Marburg zweiten protestantischen Universität und neben Krakau lange die östlichste in Europa.
Die Ehe war glücklich, allerdings überlebte von den sechs gemeinsamen Kindern nur die älteste Tochter Anna Sophie die ersten Monate.
Ihr nach dem frühen Tod geschaffenes Epitaph mit der hier gezeigten Büste war ein 1572 vollendetes Werk des Antwerpener Bildhauers Cornelis Floris (1514-1575), das an der Nordseite im Chor des Königsberger Doms hing. Die Betende wurde möglicherweise nach ihrer Totenmaske modelliert. Die Tafel ging 1945 verloren, nur die Büste ist heute im Puschkin-Museum in Moskau zu besichtigen. Eine Zweitausführung der Büste gibt es im Kopenhagener Schloss Rosenborg, von der diese Kopie stammt.
Nach dem Tod Dorotheas heiratete Albrecht ein zweites Mal und bekam zwei weitere Kinder, darunter seinen Nachfolger Albrecht Friedrich (1553-1618).
Albrecht starb vor 450 Jahren am 20. März 1568 im 78. Lebensjahr auf der Burg Tapiau an der Pest, 16 Stunden nach ihm auch seine zweite Gemahlin Anna Maria von Braunschweig.
Später wird die herzogliche Herrschaft auf die brandenburgischen Hohenzollern übertragen werden. Die Treuepflicht und Abhängigkeit von Polen wird etwa 100 Jahre später Kurfürst Friedrich Wilhelm, der “Große Kurfürst”, lösen und damit die Grundlage für die preußische Königskrönung durch Friedrich III./I. am 18.1.1701 schaffen.

Bericht zur Lesung aus „Wolfsland“ von Arno Surminski

Montag, 26. März 2018

Svenja Szalla, Praktikantin

Arno Surminski war am Mittwochabend mit seinem erst 14 Tage jungen Erzählband „Wolfsland“ bei uns im Ostpreußischen Landesmuseum zu Gast. Für viele Lüneburger sind seine Lesungen inzwischen eine liebgewonnene, sich jährlich wiederholende Tradition. Bereits eine Stunde vor Beginn trafen die ersten Zuhörer ein, um sich Plätze in den vorderen Reihen zu sichern. Kulturreferentin Agata Kern führte durch den Abend, hob auch die ernste, traurige Kindheitsgeschichte des inzwischen 84-jährigen Autors hervor, dessen Eltern 1945 aus Ostpreußen verschleppt wurden und in einem russischen Lager starben, was Surminski erst Ende der 90er Jahre erfuhr. Die oft auch tragischen und ernsten Anteile der Geschichte Ostpreußens waren in den Erzählungen, die der Autor aus seinem neuen Buch las, ebenso vertreten wie die Zuversicht und der, auch in schweren Zeiten nicht versiegende, Humor des Volkes, das die Region zwischen Weichsel und Memel bewohnte.

Diesen Optimismus sinnbildlich wiederspiegelnd, hatte Surminski beschlossen, die Geschichten der Reihenfolge nach von ernst zu heiter werdend zu lesen. So schwangen persönliche Erinnerungen an das eigene Vertriebenwerden in der titelgebenden Erzählung „Wolfsland“ mit und auch die zweite Geschichte, „Dichtertreffen“, traf mitunter ironisch-tiefgehende Töne bei der Frage nach dem Erhalt des Gedankengutes des facettenreichen Volkes. Für allgemeine Heiterkeit sorgte die leicht spöttische, verblüffte Frage des Autors, der nach diesen zwei eher eindringlichen Erzählungen zu fröhlicheren Texten übergehen wollte: „Aber wo ist denn nun bloß das Heitere?“ Nach kurzem Suchen wurde er fündig – weiter ging es mit der „Masurischen Frömmigkeit“ und den Listen eines Pastors. Für seine deutschen wie auch masurischen Schäfchen verantwortlich, musste dieser nicht nur zweisprachig Gottes Wort verkünden, sondern auch Tricks und Kniffe anwenden, die Gemeinde in ihrer völkerübergreifenden Vorliebe für hochprozentige Getränke zu zügeln.

Arno Surminski während der Veranstaltung

Arno Surminski während der Veranstaltung

Viele seiner Geschichten sieht der Autor als Einladung, dem alten Ostpreußen, den masurischen Gepflogenheiten, der Wärme und selbstverständlichen Gastfreundschaft, die damals wie heute ungebrochen zu diesem Land der dunklen Wälder und stillen Seen gehört, einen Besuch abzustatten. Das Thema der deutsch-polnischen Aussöhnung beschäftigt Surminski seit jeher. Die Besinnung auf das gemeinsame geistige Kulturerbe ist ihm eine Herzensangelegenheit. Es gab diesen Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Religionen, die nicht nur friedlich beieinander lebten, sondern in ihrer Mannigfaltigkeit einen besonderen Geist, eine sich gegenseitig befruchtende Diversität, welche sich in Literatur, Bräuchen und Gedankengut niederschlug, ins Leben rief. Als ermunterndes Beispiel für das mögliche Gelingen einer sich vermischenden Gemeinschaft, sei Ostpreußen durchaus auch für heutige Tage ein bedenkenswertes Beispiel, befand der Autor mit einem feinen Lächeln.

Objekt der Woche #11 – Harzendes Stück eines Baumstamms

Mittwoch, 21. März 2018

Dieses Kirschbaumstück aus Scharnebeck, Landkreis Lüneburg, soll anschaulich vermitteln, wie Bernstein entsteht und wie kleine Tiere oder Teile von Pflanzen und Tieren in den Bernstein hineingelangen. Es zeigt den Ausfluss von Harz nach einer Verletzung der Baumoberfläche am Stamm oder an den Ästen. Das klebrige Harz im Innern des Pflanzenkörpers bildet einen Wundverschluss. Es ist durch seine Farbe und seinen Geruch attraktiv für viele kleine Insekten, die – ganz wörtlich – darauf fliegen und dann kleben bleiben. Tritt das Harz in mehreren Schüben aus, kann es sie einschließen. Die chemische Zusammensetzung des Harzes verhindert ihre Zersetzung und konserviert fast alle Teile.

Harzendes Stück eines Baumstamms

Harzendes Stück eines Baumstamms

Um zu Bernstein zu werden, muss das Harz allerdings mindestens eine Million Jahre alt werden. Erst dann ist die Aushärtung – chemisch spricht man von einem Polymerisationsprozess – abgeschlossen. Dies geschieht nur unter günstigen Bedingungen, z.B. im Wasser von Flüssen und Seen. Die kleinen Tiere oder Pflanzenteile darin nennt man Inklusen oder Einschlüsse. Man findet sie nur im Schlaubenbernstein, der auf den Harzaustritt in mehreren Schüben zurückzuführen ist.
Das Ostpreußische Landesmuseum erhielt dieses wertvolle, etwa 30 Jahre alte Anschauungsstück von Peter Laging geschenkt, der viele Jahre lang als Lehrer an der Realschule Scharnebeck tätig war. Es wird in der Abteilung Bernstein zu sehen sein.

Objekt der Woche #10 – Pferdeplastik „Tempelhüter“ von Reinhold Kuebart

Mittwoch, 14. März 2018

Das natürliche Vorbild wurde 1905 im Hauptgestüt Trakehnen geboren, war zunächst Landbeschäler in Braunsberg und von 1916 bis 1931 Hauptbeschäler im Hauptgestüt. Der Hengst hat die Trakehner Zucht grundlegend beeinflusst und vereinigte die wesentlichen Anforderungen Kraft, Eleganz, Ausdauer und Charakter. Er wirkte in einer Zeit, in der die Anforderungen der Pferdehalter an einen bestimmten Pferdetyp vom wendigen Militärreitpferd zum kräftigen Alltagspferd in der Landwirtschaft wandelten. In den 1920er Jahren waren Pferde die Universalkraftquelle für alle Zug- und Transportaufgaben.

Pferdeplastik Tempelhüter

Pferdeplastik „Tempelhüter“ von Reinhold Kuebart

Aus Anlass der 200jährigen Wiederkehr der Gründung des Hauptgestüts wurde 1932 eine lebensgroße Plastik des „Tempelhüter“ vor dem Landstallmeisterhaus aufgestellt. Diese Bronzefigur befindet sich heute in Moskau. Ein Abguss steht vor dem Deutschen Pferdemuseum in Verden. In Trakehnen selbst, dem heute russischen Jasnaja Poljana, steht seit 2013 eine Nachbildung auf dem originalen, 1932 hergerichteten Sockel. Unsere Bronzeplastik ist eine Miniatur des Originals, die vor dem Zweiten Weltkrieg mehrfach gegossen wurde. Sie wird in der Abteilung Trakehnen gezeigt.

Objekt der Woche #9 – „Cadiner Majolika“

Mittwoch, 7. März 2018

Kaiser Wilhelm II. besaß neben vielen Immobilien einen Gutsbetrieb in Cadinen, bei Elbing (heute Elblag in Polen) am Frischen Haff. Hier versuchte er, technisch und sozial einen Musterbetrieb aufzubauen. Zu den Wirtschaftsbetrieben des Gutes gehörte eine Ziegelei. Neben Baustoffen, wie Backstein, Dachziegel und Tonröhren, wollte Wilhelm aber auch gern Kunstkeramik herstellen lassen.
Mit Hilfe der Spezialisten der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM) in Berlin wurde ein Werk errichtet, in dem aus speziell aufbereiteten Cadiner Ton ab 1902/3 künstlerische Erzeugnisse hergestellt werden konnten. Entsprechend dem vom Kaiser bevorzugten Kunststil des Historismus ließ Wilhelm Gefäße, Reliefs und Figuren entwerfen und ausführen, die oft nach dem Vorbild italienischer Keramik der Renaissancezeit (15.-16. Jahrhundert) gestaltet wurden. So bekamen sie, nach dem Fachwort für ihre Vorbilder „Majolika“, den Namen „Cadiner Majolika“. Mit der Verbreitung dieser Keramiken, auch in Architektur, wollte Wilhelm zur Geschmacksbildung im Volk beitragen.

„Cadiner Majolika“

„Cadiner Majolika“

Das abgebildete Gießgefäß zeigt die typische farbige Gestaltung der Majolika: Auf weißem Grund sind Ornamente, Figuren und Schrift in bunten Farben, blau, grün, gelb, rot u.a. gemalt. Das bürgerliche und großbürgerliche Käuferpublikum schätze Anfang des 20. Jahrhunderts diese Art der Kunstkeramik. „Cadiner Majolika“ zu besitzen war darüber hinaus auch ein sichtbares Bekenntnis zum Kaisertum, trugen doch die Keramiken aus Cadinen im Fabrikzeichen die deutsche Kaiserkrone als Hinweis auf den Fabrikherren. Das Objekt wird in der Abteilung 19. Jahrhundert/Wilhelminische Zeit gezeigt werden.