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Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Dienstag, 27. Dezember 2016

Ein Bericht von Christine von Brühl

Karminfarbener Verputz, bunt schimmernde Mosaiksteine, goldglänzende Sterne – das Innere des Mendelssohn-Hauses in Olsztyn wirkt wie aus einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Jahre haben die Mitstreiter der Stiftung Borussia darauf verwendet, dieses Kleinod wieder herzustellen. Aus der einstigen Bauruine der Leichenhalle des ehemaligen jüdischen Friedhofs ist ein stimmungsvoller Ort der Begegnung geworden.

Am 1. Dezember hatte ich die Freude, auf Einladung von Agata Kern vom Ostpreußischen Landesmuseum in diesem märchenhaften Ambiente mein Buch „Out of Adel“ vorzustellen. Es ist im Juni 2016 auf Polnisch unter dem Titel „Jak przestalam byc arystokratka“ im Verlag Dobra Literatura erschienen. Der Allensteiner Rundfunkjournalist Robert Lesinski unterstütze mich vor gut gefülltem Haus bei der Präsentation, Stiftungsvorsitzende Kornelia Kurowska begrüßte uns und stellte die Mitwirkenden vor.

Dr. Christine von Brühl, Robert Lesinski und Kornelia Kurowska (v.l.)

Nicht nur das Buch, auch die Geschichte meiner Familie stieß beim Publikum auf großes Interesse. Mein Großvater war bis 1934 Landrat in Allenstein, widersetzte sich als gläubiger Katholik den Nazis und wurde zur Strafe in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Meine Großmutter, geboren und aufgewachsen in Ostpreußen, wurde denunziert und kam ins Gefängnis. Beide Großeltern sowie drei ihrer vier Kinder – ein Sohn ist im Februar 1945 gefallen – konnten gegen Kriegsende fliehen und lebten in Westfalen. Sie sind nie wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

Dr. Christine von Brühl

Trotz dieser traurigen Ereignisse war das Wiedersehen mit Olsztyn ein freudiges Ereignis. Die Besucher der Lesung waren samt und sonders gut informiert und bewiesen Anteilnahme, Offenheit und Neugier. Zweifelsohne ist das auf das unermüdliche Engagement der Stiftung zurückzuführen. Tag für Tag beweist sie durch ihre Arbeit, welche kulturellen und ideellen Werte man aus der Vergangenheit schöpfen kann, sei sie auch noch so traurig. Einzelne Mitglieder der Stiftung stammen selbst aus Familien, die ihre Heimat nach dem Krieg verlassen mussten, wie beispielswiese aus der Gegend um Vilnius. Statt in Larmoyanz zu versinken, nutzen sie die historische Verbundenheit mit Ländern wie Litauen, Ukraine oder Deutschland, um einen regen internationalen Kulturaustausch zu pflegen. Sie schauen nach vorn und betrachten die geschichtlichen Ereignisse ihrer Region als Chance und Anlass zur Vielfalt. Das hat mich tief beeindruckt.

Seminarreise über die ostpreußische Literatur vom 20.-25.8. 2016

Montag, 14. November 2016

Ein Reisebericht von
Martin Maurach (Schlesische Universität in Opava / DAAD)

„Wir müssen herausfinden, ob es so etwas auch bei uns gibt“ oder: „Wir müssen so bald wie möglich wieder so eine Reise machen“: Wenn solche Äußerungen schon während eines Projektes fallen, spricht viel für sein Gelingen – und das war wohl auch der überwiegende Eindruck, mit dem die bunt gemischte Gruppe aus deutschen, österreichischen, polnischen und tschechischen Studierenden und Dozenten, von Anfang Zwanzig bis ins Seniorenalter, nach einer knappen Woche wieder auseinanderging – mit dem Wunsch: „Fortsetzung folgt!“ Das und der sehr gute, harmonische Verlauf sind vor allem der umsichtigen und hoch professionellen Reiseleitung von Seiten der Kulturreferentin für Ostpreußen, Frau Agata Kern, zu verdanken.

Erster Höhepunkt der Reise war die Marienburg des Deutschen Ordens bei Malbork, ein lebendes Denkmal, da die gewaltige Anlage mit den über Jahrhunderte verteilten Spuren von Zerstörung und Wiederaufbau gewissermaßen immer noch im Bau ist. Auf der Galerie der äußerlich viel bescheideneren Burg von Olsztyn / Allenstein zeigte sich später, dass weltbewegende Entdeckungen nicht immer einen milliardenteuren Teilchenbeschleuniger brauchen: Kopernikus genügten die über Wände und Decke wandernden Lichtreflexe eines Wassergefäßes, um die scheinbare Bewegung der Sonne zu beschreiben.

Mit Nikolaus Kopernikus in Olsztyn/Allenstein

In Mragowo / Sensburg gab es eine Stadtführung mit einem Besuch des Ernst-Wiechert-Museums; die Struktur der im Kern mittelalterlichen Stadt war noch zu erkennen, ebenso die Spuren ihrer einst so einfachen wie wirkungsvollen Befestigung durch Verbindungsgräben zwischen mehreren Seen.

Vor dem Geburtshaus von Erich Mendelsohn in Olsztyn/Allenstein

Geschichte und Gegenwart der so oft als reaktionär verschrieenen ostpreußischen Adelsfamilien reichen bei den Dönhoffs und Lehndorffs allein im zwanzigsten Jahrhundert vom Widerstand gegen Hitler bis zur Begründung eines demokratisch-liberalen Journalismus und einer völkerverbindenden Publizistik in der Bundesrepublik. Das wurde beim Besuch des Marion Dönhoff Salons (Galkowo) im Gespräch mit Renate Marsch-Potocki deutlich. Quasi nebenan zeigte sich am Beispiel von Schloss Sztynort/Steinort aber auch, wie dramatisch die Lage mancher gerade noch als Ruinen erhaltener ehemaliger Adelssitze heute ist – ganz im Gegensatz zum grotesken Gruseltourismus, der in der Nachbarschaft aus rein kommerziellen Motiven in der ehemaligen ‚Wolfsschanze‘ betrieben wird.

Gespräch mit Renate Marsch-Potocki

In Ełk / Lyck erlebte die Gruppe mit Herrn Dr. Rafał Żytyniec ein sehr lebendiges Seminar zur Stadtgeschichte, zur Jugend von Siegfried Lenz in Lyck und zu einigen seiner Werke. Schauplatz war das im Entstehen begriffene Stadtmuseum mit einer künftigen Siegfried-Lenz-Abteilung. Themen waren unter anderem die Geschichtensammlung „So zärtlich war Suleyken“ und der Roman „Heimatmuseum“. Bei beiden ging es um den Bezug zur masurischen Region, ihre Stellung innerhalb der Heimat- und Erinnerungsliteratur, ihren Beitrag zur Aussöhnung mit der Geschichte und ihre Rezeption in verschiedenen Medien in Deutschland und Polen, u.a. im Film. Außerdem kamen interessante Details über Lenzens spätere Besuche in Ełk/Lyck und seine geistig-emotionale Wiederannäherung an seine Heimatstadt zur Sprache.
Von den beiden eingangs zitierten Aussprüchen galt der zweite der Planung einer neuen Reise auf den Spuren des Deutschen Ordens. Der erste bezog sich auf die vielfältigen Aktivitäten der Stiftung Borussia, die wir in Olsztyn kennenlernten: internationale Begegnungen und Erziehung zur Toleranz vor allem für ehrenamtlich engagierte jüngere Menschen, Denkmal- und Grabpflege, Publikationen u.v.m.

Literaturseminar in Lyck Elk mit Dr.Rafal Zytyniec

Den Abschluss der Reise bildete noch ein herrlicher Tag in Gdańsk / Danzig, zur Hälfte den Spuren von Günter Grass, zur anderen der Altstadt gewidmet. Hätte die ganze Gruppe zugleich auf jener Bank zwischen den Skulpturen von Oskar Matzerath und seinem Schöpfer Platz gefunden, sie hätte die Gelegenheit auf jeden Fallgenutzt; so entstanden dafür viele einzelne Erinnerungsfotos.

Mit Günter Grass und Oskar Matzerath in Gdansk/Danzig

Nicht vergessen sei schließlich die wunderbare masurische Sommerlandschaft mit ihren Seen und Blumengärten, die für mich als Nachgeborenen sozusagen eine neu zu erbende Erinnerung darstellte und als literarische Inspirationsquelle glaubhaft wird.

Ostpreußen für Anfänger: Eine Schulreise nach Polen im September 2015

Sonntag, 15. November 2015

Ein Reisebericht von Holger Wendebourg, Lehrer am Hansa-Kolleg in Hamburg

Ostpreußen. Was ist das? Und gibt es das überhaupt noch? 15 Schülerinnen und Schüler des Hamburger Hansa-Kollegs, alle im Alter von 20 bis 30 Jahren, haben sich eine Woche lang, vom 21. bis zum 27. September 2015, in Begleitung zweier Lehrer und der Kulturreferentin für Ostpreußen, Frau Kern, auf den Weg durch Polens Nordosten gemacht, um dieser Frage nachzugehen. Mehrere von ihnen kannten die Geschichten ihrer Großeltern, die ihnen von ihrer alten Heimat erzählt hatten. Aber keiner von ihnen hatte wirklich eine klare Vorstellung davon, was uns dort erwarten würde.

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Unsere Gruppe in Sensburg / Mragowo

Wir haben viel gesehen in dieser Woche: Gleich nach der Ankunft auf dem Flughafen von Danzig brachte uns unser Bus nach Sensburg / Mragowo, wo wir zwei Tage Quartier bezogen haben. Der folgende Tag führte uns auf einer Rundfahrt durch das Herz des alten Ostpreußen: Masuren – mit seinen Seen und der barocken Klosteranlage von Heiligelinde, nach Rastenburg und die nahe gelegen Wolfsschanze; sowie am Ende des Tages zum Lehndorff-Schloss in Steinort. In den folgenden Tagen ging es weiter nach Allenstein / Olsztyn, der Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland-Masuren; nach Frombork / Frauenburg am Frischen Haff; und schließlich über Marienburg / Malbork wieder nach Danzig / Gdansk, wo wir die letzten beiden Tage verbracht haben.

Doch war das wirklich Ostpreußen, was wir dort gesehen haben? Wir haben unterwegs viel über die gemeinsame deutsch-polnische Geschichte in diesem Landstrich gelernt, über die pruzzischen Ureinwohner, die Kolonisierung der Landschaft durch den Deutschen Orden, über die Entstehung des Königreichs Preußen und sein ambivalentes Verhältnis zu Polen; über die Teilungen Polens und seine Wiedergeburt nach dem 1. Weltkrieg; über Krieg, Judenvernichtung und Vertreibung der deutsche Bevölkerung im und nach dem 2. Weltkrieg; und schließlich, in Danzig, über das moderne Polen und die mutige Revolte der Solidarnosc-Bewegung, die Polen schließlich in die Demokratie geführt hat, die es heute ist.

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Stadtführung in Allenstein / Olsztyn

Bruchstückhaft hatte wohl jeder von uns von dem einen oder anderen Aspekt dieser wechselvollen Geschichte schon einmal gehört. Aber erst im Laufe dieser Reise setzten sich die einzelnen Bruchstücke langsam zu einem Mosaik zusammen. Was wir unterwegs auf den ersten Blick sahen, war ein modernes Land, das offenbar längst wieder in Europa angekommen ist. Polen eben. Erst der Blick hinter die Kulissen, die zahlreichen Vorträge durch die polnischen Reiseführer, die uns die Geschichte und Gegenwart ihrer Heimat näher brachten, zeigte uns: So einfach ist das alles nicht. Viele der heutigen Bewohner Masurens und des Ermlandes haben ihre Wurzeln in der heutigen Ukraine oder in Litauen; viele der ehemaligen Bewohner haben heute Enkel, die in Deutschland leben und von der Heimat ihrer Großeltern kaum noch etwas wissen.

In Allenstein waren wir zu Gast bei der Stiftung Borussia, die in dem von ihr liebevoll restaurierten „Haus der Reinigung“ am ehemaligen jüdischen Friedhof residiert und sich die Bewahrung der Kulturschätze der Region zur Aufgabe gemacht hat. Man entdeckt die historischen Spuren in Polens Nordosten neu. Und dass es dabei nicht mehr um Nationalität geht, zeigten uns eindrucksvoll die deutschen und ukrainischen Mitarbeiter der Stiftung, die im polnischen Olsztyn in einem vom deutsch-jüdischen Architekten Erich Mendelsohn entworfenen Gebäude arbeiten. Der Enthusiasmus gerade der jungen Mitarbeiter war so ansteckend, dass einzelne Schüler unserer Reisegruppe bereits darüber nachdenken, ob auch sie nach dem Abitur für ein Jahr als Praktikanten nach Olsztyn gehen wollen. Was die Frage nach „Ostpreußen“ angeht, hat die Stiftung eine geradezu salomonische Lösung gefunden, indem sie sich den von allen Nationalismen freien lateinischen Namen „Borussia“ gegeben hat.

Natürlich war bei etwas geschulterem Hinsehen die deutsche Geschichte der Landschaft dann doch nicht mehr übersehbar: Im guten Sinne in den zahllosen Backsteinkirchen und –burgen, prachtvollen Landsitzen (etwa in Cadinen bei Frauenburg) und Klöstern. Aber gleich nebenan steht eben auch die heute nur noch gespenstisch anmutende Bunkeranlage der Nazis in der Wolfsschanze bei Rastenburg; und unterhalb der phantastischen Kirchenburg von Frauenburg findet man dann, fast unscheinbar im Park, einen Gedenkstein, der an die massenhafte Flucht über das Frische Haff am Ende des 2. Weltkriegs erinnert. Die friedliche Ostsee – vor 70 Jahren das Grab für zahllose Flüchtlinge. Man kann nicht anders, als an diejenigen zu denken, die heute auf der Flucht vor dem Krieg verzweifelt den Weg über das Mittelmeer wählen.

Das idyllische Frauenburg mit seiner mächtigen Kirche war zugleich die Wirkungsstätte des Astronomen Nikolaus Kopernikus, der uns auf dieser Reise immer wieder begegnet ist. Der Astronom, der die Erde aus dem Zentrum des Weltalls nahm und der Menschheit gezeigt hat, wo tatsächlich ihr Platz im Universum ist. Ein Frage, die nun wahrhaftig weit jenseits aller Fragen der Nationalität steht. Und so ist die Frage, ob er denn nun Deutscher oder Pole gewesen sei, eine, die Kopernikus, der sich selbst mit lateinischem Namen benannte, vermutlich gar nicht verstanden hätte. Er war Allensteiner, oder Frauenburger – oder einfach: Europäer.

Danzig am Ende: Was für eine phantastische Metropole! Das Wetter meinte es wie immer gut mit uns. In der Abendsonne unseres Ankunftstages empfing uns die liebevoll und akribisch wieder aufgebaute Altstadt  in ihrer ganzen Lebendigkeit und all ihrem Glanz! Es war ein großes Glück, dass vor 70 Jahren offenbar niemand daran gezweifelt hat, dass man diese Altstadt, in der am Ende des Krieges kaum noch ein Stein auf dem anderen stand, wiederaufbauen müsse, wie sie eben war: deutsch, polnisch, hanseatisch.

Und Solidarnosc am Ende: Nach all den Exkursen in eine mehr oder weniger fern liegende Vergangenheit gab es dann den Besuch im nagelneuen und wirklich eindrucksvoll gelungenen Europäischen Solidarnosc-Zentrum. Wem von uns deutschen Besuchern, gerade unter den jüngeren, ist eigentlich noch wirklich bewusst, wo das alles begann, was vor genau 25 Jahren den Deutschen ihre Einheit bescherte? Der Aufbruch Ostmitteleuropas in die Freiheit und der schwere Weg dorthin sind in diesem neuen Museum mit Händen zu greifen. Und hier wird einem plötzlich bewusst, dass es nicht zuletzt der Mut der Danziger Werftarbeiter war, der es uns Norddeutschen heute ermöglicht, über eine offene Grenze zu unseren Nachbarn nach Polen zu reisen.

Steinort_Sztynort

Steinort / Sztynort

Ostpreußen, Borussia, Ermland-Masuren, Polen. Eine bis zur Unübersichtlichkeit wechselvolle, aber spannende Geschichte, eine wunderschöne Landschaft, großartige Städte. Wo die Großeltern nach der Katastrophe des 2. Weltkriegs fliehen mussten, dürfen wir heute ungehindert unser östliches Nachbarland bereisen, das viele von uns immer noch viel zu wenig kennen. Aber daran haben wir jetzt ja wenigstens ein bisschen was geändert …

Wir danken dem Kulturreferat des Ostpreußischen Landesmuseums, das uns diese Reise ermöglichst hat; und wir danken wieder einmal ganz besonders Agata Kern, die uns nun schon zum dritten Mal auf einer große Reise begleitet und auch diese Reise wieder einmal perfekt für uns organisiert hat!

Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen?

Mittwoch, 15. Juli 2015

Eine Lesereise mit Arno Surminski nach Jokehnen und Polninken vom 1.06. bis 10.06.2015

Ein Bericht von Patrice de Laminne aus Frankreich

Arno Surminski in Danzig

Arno Surminski

One rarely has the chance to visit the various places where the action of a autobiographical novel takes place. It’s even more exceptional to do it in company with the author himself. But we were able to do so, thanks to the OL museum which organized a journey through Ostpreussen. There we saw the places where Arno Surminski spent his first eleven years until he escaped to the West a few months after the end of the war. Herr Surminski was our guide through the world described in his book ‘Jokehnen oder wie lange fährt man von Ostpreussen nach Deutschland’.

The journey started in a hotel in Ogonken (Ogonki today) on the shore of Lake Święcajny. From this base we discovered his village Jäglack (The actual name of ‘Jokehnen’) and the exact place where his house once stood. We also saw and visited part of the nearby little castle mentioned in the book which is being entirely restored.

The once magnificent manor of the Lehndorff family, for a short while ‘haut lieu’ of German anti-Nazi resistance, was on our program too. Located ideally on Lake Mauersee (Mamry), we could visit a small part of the castle which had been left derelict for many years. Since 2009 the foundation Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz from Görlitz with a handful of courageous archeology strudents is currently restoring this beautiful place.

From Steinort, Mrs Kern had arranged our return to Ogonken through a two hour cruise on the lake. This region is really beautiful and would deserve to be known and visited by more Western Europeans. To add to the beauty of the lake, a typical Polish soup, the excellent Żurek, was served by a pretty young lady. What a treat!

We can easily imagine the emotion that Arno Surminski must have felt when revisiting all those places from his youth. In a number of them, he read a few chapters of his book in front of an audience composed of our twenty-member group and many Polish people who had read his book. Thus we learnt that his fame was not only limited to German readers, but crossed the borders and that Poles too, wanted to know what his writings were about.

In situations which could have been embarrassing, Herr Surminski always insisted on the feeling of friendship which he felt towards the Polish population which now lives in this region. Mutual understanding, reappraisal of history, acceptance of responsibility and eventually forgiveness were the key words to be found in his interviews. To a certain extent his work can be assimilated to that of an ambassador. Herr Surminski would always give a very positive answer often inflected with smiling humour.

In Angerburg (Today Wegorzewo), our visit was the occasion of the inauguration of an exhibition about the author, his life and his books. The Polish TVP television network and some important persons from the town attended the ceremony in front of a large audience that included many students that Herr Surminski invited to join instead of waiting outside. By this small gesture he expressed his concernedness with youth. Nobody should be left behind. History must be explained to our youngsters as well if we want the world to improve.

After visiting Marion Dönhoff’s Salons in Galkowen, followed by a small promenade on a little boat on the Kruttina accompanied by Pani Kristina’s patriotic and wistful singing, we finally reached Allenstein. It was the occasion to pay a visit to the Borussia foundation which is dedicated to maintain the memory of the very important Jewish cultural presence in the region.

We then travelled to Frauenburg, Elbing, the Stutthof KL and finally Danzig.

In Frauenburg/Frombork am Gedenkstein der Flucht über das zugefrorene Haff Januar 1945

Der Gedenkstein in Frauenburg/Frombork

In Danzig, we had the excellent guide Pan Florian who took us through the old part of the town with very crisp, precise and often funny descriptions.

Lesung in Danzig

Another very interesting visit was the European Solidarity Center on the site of the old Gdansk Shipyards. It is a huge museum opened in August 2014 which describes the struggle that Solidarnosc had to fight to obtain recognition from the then communist régime of general Jaruzelski. The many peaceful demonstrations which were systematically dispersed through violent action from the militia resulted in a number of deaths. When martial law was proclaimed on December 1981, the leaders of the movement were sent directly to jail, while a curfew and censorship of the mail and press were put in place.

The group we were part of was of an extremely high quality. We met many people with a very interesting background and with whom conversations were a delight.

We owe Mrs Agata Kern our deep gratitude for the excellence of her organization and for the opportunity to exchange views with an admirable author in the very much the places that his autobiographical novel describes.

On the steps of Nicolas Copernicus

Dienstag, 15. November 2011

Mit Nicolaus Copernicus in Allenstein/Olzstyn

It was the second time we were part of a study journey through Poland. The journey stood under the topic of “On the steps of Nicolas Copernicus”.

More than last year, we have realized how sensitive visiting today’s Poland is for our fellow German participants: they have strong roots with Eastern Prussia and other regions that had once belonged to Germany. We have felt the pain and sorrow of those who had to leave their homes and places where they were born without having the possibility of returning for many years.

Accommodation: as usual, the hotels were of an acceptable quality with a special mention of the Hotel Radisson Blu in Warsaw which is of a very high International level

Transport: our driver – Gregor Kusiak – was the same as last year and we appreciated his kindness and the services of coffee and ‘Würstchen’ he provided during the mandatory pauses. As a driver myself, I admired his capacity to maneuver his huge bus in very confined location, while remaining extremely cautious in all occasions.

Unser Busfahrer Gregor Kusiak

Doctor Hamel: my wife and I are not specially acquainted with astronomy, so thanks to Doctor Hamel, we have discovered many aspects of this science which were unknown to us. His encyclopedic knowledge of everything related to space, stars, planets, astronomy and even astrology, allowed us to get clear answers to our naïve questions we put forward. To temper the monotony of a long distance trip between stops, he would address a specific subject and answer questions. On a more personal note, we have learnt that Doctor Hamel had a very innocent hobby which was to discover paintings or statues of sand-glasses in churches.  Sand-glasses depicted with or without wings are symbols of the time which passes. Sometimes one can find the personified Death (Knochenmann) with his scythe, too. Most of the time those symbols are stressed with the presence of a skull. All these adornments tend to remind mankind of its mortal condition.

Frauenburg

And I must admit that his ‘addiction’ is contagious since we are systematically looking for sand-glasses every time we visit churches after we left Lüneburg.

Poland: our first visit to this country was in 1986 and I must say that Poles have done tremendous efforts to modernize their country. Today it is very difficult to see any difference between Polish towns and any town in Western Europe in terms of modernity. Streets are clean, taxis are frequent and cheap, road surfaces are excellent, people are well dressed and cars are the same as ours. After travelling more than 2000 kilometers on Polish roads, one could only regret that there are not more motorways linking large towns. We have heard of a project to extend some of the existing motorways through private companies at the occasion of the next European Football championship together with Ukraine. This will imply toll payment for the vehicles using them.

Nicolas Copernicus: Copernicus is a brilliant scholar of the 15th century and belongs to the entire mankind like other scientists like Albert Einstein, Alexander Fleming or Marie Sklodowska-Curie. Their geniuses have no nationality. Thanks to Doctor Hamel, we have realized that this man was able to figure out the movement of the Earth around the Sun in opposition to the belief promoted by the Church. This was done without any real scientific instrument, just by pure reasoning and eye observation. Contrary to other scientists Copernicus was smart enough avoiding any kind of argumentation with the Church authorities who would have put him into difficulties and eventually an end to his astronomy research.

Frauenburg

Dr. Hamel never got tired in commenting Copernicus’ comprehensive studies. Whenever lecturing, either during our evening conversations or on the bus, his descriptions of scientific matters were put forward as simple as possible for a non expert audience.  Thanks to his steady explanations we are now much more knowledgeable on stars, shooting stars, black holes, dark matter, supernovae, nebulae, galaxies, asteroids, comets and such a difficult subject as parallax!

The guides: in each town we had the pleasure to make a tour of the city accompanied by a local guide. Just let me quote two particular experiences:

- We had been especially lucky with the tours offered at the Observatory of Thorn. As the initial guide was not available Mrs. Kern was able to obtain a replacement by no less than the director of the Observatory himself. So his visit was in English and Doctor Hamel was translating into German. Indeed who would have been more appropriate than the director himself?  I am sure that the quality of the visit was certainly superior to what it would have been had with any other normal guide.

- We were shown beautiful Krakau by the young lady Joanna. She was such a knowledgeable person and in addition had a perfect level of German. She guided us through the old town and castle and eventually the tour ended up in the Jewish quarter of Kazimierz. Joanna was brilliant and did her utmost to fill us in with cultural information:  Polish History, art, literature and Jewish culture.

The group: My wife and I are really grateful for the way people from the group were so nice with us. I must also insist on the punctuality that everyone displayed at every occasion and we never had to wait before leaving the hotel for a visit or for the travel to the next stop over.

Food: Mrs. Kern organized a number of dinners in town which distracted us from the usual international cuisine you find in hotels. In Thorn, for example we had a dinner in a very nice restaurant where we had a large room for us alone. In the next room, a pianist played some old French songs and American standards: the ambiance, the food, the music was really fantastic. The most remarkable occasion was a restaurant of the Jewish district of Krakau where we enjoyed not only the typical food but also the performance of three talented artists playing music from the Jewish folklore. At the Radisson Blu hotel in Warsaw, we also had a very nice dinner in a dining room for us alone with waiters just taking care of offering us with a glass of Sekt to begin with.

Being French of course means…. that we are hungry at noon and that we like to sit down and have a warm lunch. So every time when being on our own, we went out looking for local restaurants and local food. Our search for food was mixed with expectation and fear: fear not to be able to read the menu, because our Polish needs still SOME improvements. But French are courageous when food is concerned and needed.  Therefore we ventured into many small restaurants and were lucky. We loved the different krauts, Bigos and Pierogi and last not least cheese pancakes. At the end of the trip we became experts and for sure we look forward to a new journey to Poland in a near future.

Organization: As usual, the organization was perfect. Mrs. Kern showed her ability to improvise a constructive solution each time she faced the inconvenience of defecting guides or any other problem. The whole trip had been well thought in advance, taking care of limiting the time it took the bus to reach the next stop and the distance between towns were adjusted accordingly.  The fact that Mrs. Kern is able to deal with Poles in their own language is certainly a major asset.

Conclusion: My wife and I enjoyed this trip through Poland very much. The ambiance in the group was excellent, everybody talked to everybody; nobody was left alone. The visit of gorgeous places combined with the extended explanations given by Doctor Hamel on any scientific aspect of our trip was a tremendous benefit for each of us.

So again we are in the starting blocks for new adventures. As we know we will be heading for Berlin.

In der Salzmine von Wieliczka

Patrice de Laminne

Reisebericht zur Studienreise “Burgen im Deutschordensstaat Preußen”

Dienstag, 26. Oktober 2010

Eine andere Reise in das ehemalige West- und Ostpreußen

Reisebericht von Frauke Opitz – 15. Oktober 2010

Die Marienburg. Foto: Opitz

Die Marienburg. Foto: Opitz

Viele Reiseveranstalter bieten Reisen in das ehemalige Ost- und Westpreußen an, aber selten noch leben Menschen, die dort geboren wurden. Die meisten Teilnehmer suchen wehmütig die alte Heimat, die alten Orte, Straßen, Erinnerungspunkte ihrer Kindheit, ihres Lebens. Ich wurde 1941 geboren, meine Tochter 1967, und wir kennen das „alte“  Preußen nur von den Erzählungen unserer Vorfahren, die aus der Nähe von Marienburg bzw. aus Kaukehmen kamen.

Das Ostpreußische Landesmuseum bot nun eine Reise an, die auf die Spuren der Burgen im Deutschordensstaat Preußen führen sollte. Die Leitung oblag der Kulturreferentin für Ostpreußen Agata Kern.  Es war eine Reise in eine Vergangenheit, die viele hundert Jahre zurückliegt, deren steinerne Zeugen uns aber beredter Beweis sind für die Macht des Deutschen Ordens in Preußen. Die gotischen Türme der Burgen und Kirchen, ausschließlich in Backstein erbaut, bestimmen vielfach das Panorama in Pomesanien, dem Oberland, Ermland und Masuren. Die schönen Bauten beeindrucken besonders durch ihre Einfachheit, ihre klare Architektur.

Dies alles wurde uns hervorragend nahegebracht von einer weiteren Fachfrau: Malgorzata Jackiewicz-Garniec, Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin. Sie ist Verfasserin und Herausgeberin eines Buches über die „Burgen im Deutschordensstaat Preußen“ und zusammen mit einer Dolmetscherin unsere Begleiterin.

Unsere Reise beginnt in Marienburg (Malbork) mit der Besichtung der Burg der Hochmeister des Deutschen Ordens, der im 12. Jahrhundert gegründet wurde. 1309 wurde dessen Sitz von Venedig nach Marienburg verlegt.  Der Hochmeister stand in der Hierarchie an der Spitze des Ordens und bekleidete sein Amt lebenslang. Bekannte Namen sind noch heute Legende: Hermann von Salza, Heinrich Reuß von Plauen, und Vertreter der Geschlechter von Hohenlohe, von Sangershausen, von Feuchtwangen, von Jungingen und weitere bis zu Eugen von Österreich als dem letzten weltlichen Hochmeister des Deutschen Ordens von 1893 bis 1923. Danach übernahmen – bis heute – kirchliche Würdenträger dieses Amt.

Die Marienburg ist die größte Burg des Deutschen Ordens und gilt auch als die größte gotische Backsteinburg Europas, aber an baulicher Schönheit stehen ihr andere nicht nach, denn zum Beispiel die Burg eines Komturs, also eines Niederlassungsleiters, ist als Wehrburg beeindruckend, aber bescheidener in ihren Ausmaßen.

Zerstörungen im II. Weltkrieg sowie Zerfall und Verwahrlosung haben vielen Burgen arg zugesetzt.

Monumental erhebt sich in Marienwerder (Kwidzyn) die Burganlage des pomesanischen Domkapitels über die Stadt. Uns fällt ein der Burg vorgelagerter Abschlussturm auf, zu erreichen über einen weit aufragenden Viadukt. Es ist der Dansker, der Toilettenturm direkt über dem Graben, der einmal Wasser führte. Ein Plumpsklo in ca. 20 m Höhe.

Mit uns ist auch Christian Papendick, Architekt und Landschaftsarchitekt aus Hamburg, der unermüdlich fotografiert. 84jährig ist der in Königsberg geborene überall dabei, gute Perspektiven für seine Fotos zu finden, und er scheut auch hier eine Kletterei auf den Burgwall nicht, was einige von uns denn doch besorgt beobachten.

Er verriet mir, dass er ein Buch plant über den polnischen Teil Ostpreußens.

Seine  hervorragende Bilddokumentation „Der Norden Ostpreussens – Land zwischen Zerfall und Hoffnung“ , erschienen im Husum Verlag, beschreibt den Teil des Landes, der jetzt zu Russland gehört, also das Königsberger Gebiet, Tilsit und Memel, die Elchniederung, die Memelniederung.

Nach dem Besuch der Burgen in Osterode (Ostroda) und Neidenburg (Nidzica) führt unser Weg nach Allenstein (Olsztyn) zur Burg des ermländischen Domkapitels.

Am anderen Morgen besichtigen wir die Ruinen von Schloss Schönberg (Szymbark), das Ende des  17. Jahrhunderts vom späteren Reichsgrafen Finck von Finckenstein erworben wurde.  Im Januar 1945 erreichte die Sowjetarmee das Schloss. Damit war sein Ende besiegelt. Die Einwohner flohen mit anderen Dorfbewohnern gen Westen und das alte Schloss wurde ein Raub der Flammen.

Die Burg der Bischöfe in Heilsberg (Lidzbark-Warminski), in der die umfangreichen Restaurierungsarbeiten zum Teil abgeschlossen sind,  und die Burg der ermländischen Bischöfe in Rössel (Reszel) sowie die Pflegerburg (Wohnsitz des Pflegers als Verwaltungsbeamter, sowie Wehrburg) in Rastenburg (Ketrzyn) nötigen uns Respekt vor der enormen Leistung der Ordensleute, der Handwerker und Arbeiter ab. In Rössel (Reszel)– einem der wenigen Orte, die im letzten Krieg nicht beinahe vollständig zerstört wurden – übernachten wir in der Burg. Der Besitzer hat phantasievoll 21 Räume zu Hotelzimmern umgestaltet und mit teilweise selbst gefertigten schlichten Holzmöbeln ausgestattet. Hier gibt es zum Abendessen frisch gefangene Schleie mit einer vorzüglichen Sahnesoße. Das fluffige Rührei am morgendlichen Frühstücksbufett ist begehrt und ungemein lecker.

Tief bewegt bin ich von einem Besuch  im Salon Marion Dönhoff in Galkowen (Galkowo). Dieser Salon ist ein großer weiter Raum in einem wieder aufgebauten Forsthaus, das verwahrlost und schwer beschädigt von seinem Platz in Steinort, also dem Wohnsitz derer von Lehndorff, von Alexander Potocki dort ab- und in Galkowo wieder aufgebaut, restauriert und ergänzt wurde. Das alles erzählt uns Renate Marsch-Potocka, ehemals Korrespondentin der Deutschen Presseagentur in Warschau, und sie lässt uns die Stimme Marion Dönhoffs hören, die aus ihrem Buch „Eine Kindheit in Ostpreußen“ den Abschnitt „Im Rhythmus der Jahreszeiten“ liest. Nach einer farbigen Erzählung des Jahreskreislaufes endet das Kapitel mit dem berührenden Satz: … „und es gibt nur noch ein Gefühl: tiefe Dankbarkeit dafür, dass dies meine Heimat ist.“  Es ist die Heimat, die sie 1945 im tiefsten Winter auf ihrem Pferd Alarich fliehend verlassen muss.

An den Besitz in Friedrichstein erinnert ein einziger noch vorhandener Backstein im Salon in Galkowo, der Rest ist verschwunden, getilgt.

Im Obergeschoss also wird mit Fotos, mit Bildern der Familie und mit Tondokumenten der großen Journalistin Marion Gräfin Dönhoff gedacht, der Herausgeberin der Wochenzeitung DIE ZEIT. Auch an die letzten Besitzer von Steinort, die Grafen Lehndorff, wird hier erinnert, besonders an Heinrich Graf Lehndorff, der 1944 nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler seinen Schergen mehrfach entkommen konnte, sich aber mit Rücksicht auf seine Familie letztlich einem Forstmann zu erkennen gab, der ihn verriet.

Einige Burgen können wir wegen laufender Restaurationsarbeiten nur von außen besichtigen. In der Komturburg in Rhein (Ryn) fällt es sehr schwer, die ursprüngliche Verwendung nachzuvollziehen. In dieser Burg residiert ein Hotel, das die große Halle im Erdgeschoss  zu einer modern anmutenden Rezeption umgestaltet und nicht nur meiner Meinung nach sehr daneben gegriffen hat. Die unglücklich gewählten Deckenlampen sollen wohl ein wenig Mittelaltergefühl aufkommen lassen, die schönen Backsteinwände sind nicht nur in dieser Halle behängt mit Teppichläufern: durchaus handgeknüpft und älteren Datums, was sichtbar ist an den Verschmutzungsspuren in der Mitte, aber auf diesen farbiggemusterten Orientläufern hat man dann auch noch Säbel, Degen, Beile etc. befestigt.

Ein kurzfristig arrangierter Besuch des Schlosses Eichmedien nahe Rastenburg, dessen Bewohner, die Familie von Redecker, im Jahre 1945 vor den Russen flohen, war sehr bemerkenswert. Vor ca. 12 Jahren wurde das völlig heruntergekommene Anwesen von einem polnischen EDV-Spezialisten  und seiner Ehefrau gekauft. Allein zwei Jahre lang haben die fleißigen Menschen tonnenweise den Schutt aus den Kellern, den Stockwerken und dem weitläufigen Park geräumt, bevor mit einer Restaurierung begonnen werden konnte. Überall wird gearbeitet. Um die kostbaren Kachelöfen wieder restaurieren bzw. völlig neu aufbauen zu können, gibt es eine Werkstatt, in der Kacheln geformt, kunstvoll mit den alten Mustern bemalt und gebrannt werden. So haben etliche Bewohner der Umgebung Ausbildungs- und Arbeitsplätze erhalten. Kachelöfen auch für andere Kunden bringen einen Teil des Geldes ein, das erforderlich ist für die Erneuerung von Schloss und Schlosspark.

Der jüngste Sohn der ehemaligen Besitzer von Redecker ist oft in Nakomiady, wie Eichmedien polnisch heißt, und sehr schnell ein guter Freund des jetzigen Eigentümers geworden. Stehen die zwei, den Besuchern den Baufortschritt erklärend, nebeneinander, hielte man sie für Brüder. Deutschland und Polen geeint.

Nach der Außenbesichtigung der Pflegerburg in Angerburg (Wegorzewo) bringt uns ein Schiff über den Großen Mauersee nach Lötzen (Gizycko) zur Übernachtung. Die Reise führt uns weiter zum westlichsten Standort einer Burg in Bütow (Bytow). Hier ist nur ein Überblick über die teilweise gut restaurierte Burg von außen möglich. Wir kommen spät an, übernachten im Burghotel und fahren am folgenden Tag voll mit Erlebnissen  und nach vielen guten Tagen zurück nach Lüneburg.

Voller Staunen erinnern wir uns rückblickend an Polen, an das Land, in dem unsere Eltern oder Großeltern geboren wurden und das uns als Ost- bzw. Westpreußen überliefert ist. Wir, als die in West-Deutschland geborene Generation, haben Ostpreußen und Westpreußen nicht gefunden, aber ein Land, das sich seit der „Wende“ sehr gewandelt hat. Nur in ganz entlegenen Landschaften, wie der schon immer wirtschaftlich benachteiligten Kaschubei, findet der Reisende gelegentlich noch halbverfallene Höfe, verrottete Fensterläden und graue Häuser vor. Ansonsten sind die Straßen gut, größtenteils sehr gut ausgebaut, die Häuser farblich gestaltet, die Balkone der ehemals grauen und nun phantasievoll farbig gestrichenen Wohnblocks mit Blumen geschmückt.

Vergangenheit und Zukunft, Fleiß und Ideen, herrliche Landschaften. Ein bewundernswertes Land.

Studienreise: Burgen im Deutschordenstaat Preußen (11.-19.9.2010)

Dienstag, 26. Oktober 2010

Von Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen am Ostpreußischen Landesmuseum

Himmel üeber Allenstein

Himmel über Allenstein / Olsztyn

Die vom Kulturreferat für Ostpreußen angebotenen Studienreisen erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Sie vermitteln Kenntnisse über die Geschichte Ostpreußens, fördern grenzüberschreitende Kontakte und Begegnungen und haben meist Themenschwerpunkte zum Inhalt. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und sogar aus dem europäischen Ausland.

2009 ging die Reise auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff anlässlich ihres 100. Geburtstages durch das nördliche und südliche Ostpreußen.

Dieses Jahr war das Thema: Burgen des Deutschen Ordens. Die wissenschaftliche Leitung der Reise hatte Malgorzata Jackiewicz-Garniec, polnische Kunsthistorikerin und Denkmalpflegerin, Autorin des Buches “Burgen im Deutschordensstaat Preußen”. Ihr Fachwissen beeindruckte die Teilnehmer.

Malgorzata Jackiewicz-Garniec und Joanna Demko (Dolmetscherin)

Die Reise begann mit der Besichtigung der größten gotischen Backsteinburg Europas in Malbork/Marienburg. Weitere Stationen der Reise waren unter anderem die Burgen in Kwidzyn/Marienwerder, Szymbark/Schönberg, Ostroda/Osterode, Nidzica/Neidenburg, Olsztyn/Allenstein und Reszel/Rössel.

Weitere Höhepunkte der Reise waren: Schifffahrt auf der Mauersee, Besuch im „Salon Marion Dönhoff“ in Galkowo, in dem anhand von Büchern, Ton- und Bilddokumenten den Besuchern das Leben und Werk von Marion Gräfin Dönhoff näher gebracht wird. Der Salon wird von Renate Marsch-Potocka, der langjährigen Korrespondentin der Nachrichtenagentur dpa, geführt.

Sehr bewegt hat die Teilnehmer die Besichtigung der ehemaligen Friedhofshalle „Bet Tahara“ (hebr. Haus der Reinigung) in Olsztyn/Allenstein. Das Haus wurde in den Jahren 1912-1913 nach den Plänen des weltberühmten deutsch-jüdischen Architekten Erich Mendelsohn errichtet und ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse jüdischen Lebens im Ermland.

Es waren sehr intensive Reisetage mit vielen Eindrücken und warmherzigen Begegnungen.

Spaziergang in Schönberg / Szymbark

Spaziergang in Schönberg / Szymbark