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Auf den Spuren Richard Pfeiffers in Klaipėda

In Litauens Hafenstadt Klaipėda, dem früheren Memel, präsentiert das Ostpreußische Landesmuseum in Kooperation mit dem dortigen Kunstmuseum noch bis zum 20. September 2026 eine umfangreiche Ausstellung mit knapp 100 Arbeiten des Malers Richard Pfeiffer (1878 – 1962). Es ist tatsächlich die allererste Ausstellung überhaupt, die diesem Künstler in der Stadt gewidmet ist.

Seit über 35 Jahren veranstaltet das Ostpreußische Landesmuseum auch international Ausstellungen, in seiner engeren Bezugsregion, die heute zu Polen Russland und Litauen gehört, sowie seit einigen Jahren dank der Deutschbaltischen Abteilung auch in Lettland und Estland. Um diese Kontakte weiter zu vertiefen, führte die jüngste Dienstreise unser Team nach Litauen, genauer gesagt nach Klaipėda, das frühere Memel, in die Region des einstigen Memellands.

Die Anreise mit dem Transportfahrzeug war diesmal bequem: Von Kiel führt er direkt mit der Fähre nach Klaipėda. Museumskustos Jan Rüttinger, Haustechniker Thorsten Althoff und der ehemalige Museumskustode Dr. Jörn Barfod, der als Ehrenamtlicher dabei war, brachten die Ausstellung mit rund 80 Werken in die Pranas Domsaitis Kunstgalerie, einem unser langjährigen litauischen Kooperationspartner.

Ein besonderer Anlass, die Ausstellung gerade jetzt nach Litauen zu bringen, war das 100-jährige Jubiläum der Fertigstellung der Kirche im nahegelegenen Šilutė (früher Heydekrug). Sie wurde einst von Richard Pfeiffer ausgemalt – seine einzige erhaltene Wandmalerei. Dementsprechend plant das dortige Museum, die Präsentation im Herbst zu übernehmen. Mitarbeiter aus Šilutė kamen zur Besichtigung und zur Absprache. Unser Kustos Jan Rüttinger konzipierte die Anpassung der Ausstellung auf die dortigen Bedingungen.

Der Maler Richard Pfeiffer

Doch wie kam der aus dem schlesischen Breslau (heute Wroclaw/Polen) stammende Maler in die nördlichste Ecke des damaligen Deutschen Reichs?

Nach seinem Studium in Breslau und Jahren in München und Rom erhielt Pfeiffer 1910 einen Ruf als Lehrer an die Kunstakademie in Königsberg (heute Kaliningrad/Russland). Hier lehrte er bis 1932 und zog dann nach Berlin, wo er 1962 verstarb.

Die großen Wandmalereiprojekte bildeten das Hauptwerk des Malers. Von sechs Projekten, die zwischen 1911 und 1955 entstanden, und einigen kleineren blieb nur das Werk in Šilutė erhalten. Viele Gemälde und Grafiken gingen 1943 in Berlin durch Bomben verloren. Den größten Teil des Nachlasses hütete der jüngste Sohn, Martin Pfeiffer, bis dieser nach seinem Tod 2024 mithilfe eines Enkels des Malers, Wolfgang Pfeiffer, an das Ostpreußische Landesmuseum gelangte.

Ausstellungseröffnung  „Richard Pfeiffer“

Die Eröffnung in der Kunstgalerie war ein voller Erfolg: Der Besucherandrang übertraf sogar die Erwartungen der litauischen Kolleginnen. Regionale Zeitungen berichteten ausführlich, und das nationale litauische Fernsehen produzierte eine eigene Reportage.

Die Ausstellung spiegelt alle wichtigen Bereiche des Schaffens von Richard Pfeiffer. Frühe Arbeiten erinnern an die Studienzeit in Breslau, ein großer Raum zeigt die religiösen Arbeiten, ein weiterer das Portraitschaffen des Malers. Der Landschaft und den mythologischen Themen sind zwei weitere Abteilungen gewidmet. Schließlich sind noch viele Entwürfe für Zeitschriftenillustrationen zu nennen, ein Bereich, der oft zum Lebensunterhalt des Künstlers und seiner Familie beitragen musste.

Umwege und Heimwege

Nach der Eröffnung ging es dann weiter: Zur Abholung von Ausstellungsgut einer vorangegangenen Präsentation ging die Fahrt anschließend nach Palanga, einem Seebadeort nördlich von Klaipėda. Verbunden damit wurde ein Besuch des größten Bernsteinmuseums Litauens, herrlich präsentiert in einem Fürstensitz der Zeit um 1900. Die Direktorin Regina Makauskienė führte selbst durch die Räume. Das Bernsteinmuseum Palanga, dicht am Ostseestrand gelegen, ist das besucherstärkste Museum des ganzen Landes. 

Die Fährfahrt bei sehr ruhiger See beendete die erfolgreiche Dienstreise nach Litauen!