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Arno Surminski-Ausstellung in Königsberg / Kaliningrad

Montag, 24. August 2015
Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Am 6. August 2015 wurde im Museum „Friedländer Tor“ in Kaliningrad/Königsberg die Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums über das Leben und Werk des bekannten ostpreußischen Schriftstellers Arno Surminski eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung waren Arno Surminski und seine Frau persönlich anwesend.

Es war die erste Kooperation unseres Hauses mit den Kollegen aus dem einstigen Königsberg, die in ihrem Museum die Geschichte der ehrwürdigen Stadt an der Pregel präsentieren.

Die Direktorin des Museums, Frau Marina Yadova, begrüßte zahlreiche Gäste und Besucher. Besonders freundliche Worte richtete sie an Arno Surminski, der sich, wie sie sagte, mit seinem ganzen Werk gegen den Krieg ausspreche. Er stelle die Geschichte Ostpreußens literarisch dar, das Museum erfülle die gleiche Aufgabe, bloß mit museumsspezifischen Darstellungsformen. Es gebe viel Verbindendes.

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Anknüpfend an die Worte von Frau Yadova brachte Arno Surminski in seiner Rede zum Ausdruck, wie froh er ist, dass die Ausstellung nach zahlreichen Stationen in Deutschland und Polen auch in Kaliningrad in Russland gezeigt werde. Sie könne helfen, das Verbindende zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationen zu zeigen: Polen, Russen und Deutschen, jetzigen und alten Bewohnern Ostpreußens. Er wünschte der Ausstellung viel Erfolg. Nach der Eröffnung fand eine Lesung statt, in der Arno Surminski aus seinem Buch „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ die Passagen über die Zerstörung Königsbergs vorgetragen hat.

Lesung

Arno Surminski wurde 1934 in Jäglack (heute Jeglawki) im Kreis Rastenburg (heute Ketrzyn/Polen) in Ostpreußen geboren. Dort lebte er gemeinsam mit seiner Familie, bis seine Eltern 1945 deportiert wurden. Surminski blieb allein zurück und wurde 1947 nach mehreren Lageraufenthalten von einer Familie in Schleswig-Holstein aufgenommen. Seit 1972 arbeitet er freiberuflich als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller. Zu seinen Bestsellern gehören die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Polninken oder Eine deutsche Liebe“. Einige große Romane spielen im nördlichen Teil Ostpreußens, der heute zu Russland gehört, wie  „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ und „Winter Fünfundvierzig oder Die Frauen von Palmnicken“. Die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Vaterland ohne Väter“ sowie zahlreiche Erzählungen wurden ins Russische übersetzt.

Arno Surminski vor der Ausstellung

Arno Surminski vor der Ausstellung

Wir bedanken uns herzlich für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte!

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede

Der “Tempelhüter” steht wieder in Trakehnen

Montag, 17. März 2014

Aus Anlass des 200. Jubiläums des Hauptgestüts Trakehnen in Ostpreußen ließ die Preußische Gestütsverwaltung am 26. September 1932 vor dem Landstallmeisterhaus eine lebensgroße Pferdeplastik auf einem Sockel aufstellen. Sie zeigte den Hengst „Tempelhüter“, der 1905 geboren mit seiner harmonischen Vereinigung von Kraft und Eleganz das ideale Pferd seiner Zeit verkörperte.

Der neue Tempelhüter...noch ganz in weiß

Der neue Tempelhüter...noch ganz in weiß

Als 12 Jahre später die Rote Armee Trakehnen eroberte, waren seine Bewohner rechtzeitig geflohen. Zurück blieb das nicht-lebende Inventar, auch der Tempelhüter. Sein weiteres Schicksal blieb zunächst unbekannt, denn über das nördliche Ostpreußen, der Kaliningrader Oblast, senkte sich der Eiserne Vorhang sehr viel rigoroser als über andere Teile Ostpreußens. Nahezu keine Information drang nach außen.

Das ehemalige Eingangstor zum Gestüt

Das ehemalige Eingangstor zum Gestüt

Erst zu Beginn der 1970er Jahre wurde durch Zufall auch im Westen bekannt, dass die berühmte Trakehner Pferdeplastik nach Moskau gebracht worden war. Auf dem Sockel in Trakehnen stand hingegen ein Denkmal zur Erinnerung an einen Sowjetsoldaten, der sein Leben bei der Eroberung Ostpreußens verloren hatte. Mit der politischen Wende 1990/91 wurde das Kaliningrader Gebiet auch wieder für Deutsche zugänglich, und natürlich zog es sie auch nach Trakehnen, das heute wie der Tolstoi-Ort nahe Moskau Jasnaja Poljana heißt.

Hagen Mörig aus Braunschweig, der ab 2001 ein Jahr lang Aufbauarbeit in Jasnaja Poljana geleistet hatte, wollte sich mit dem Verlust des Tempelhüters in Trakehnen nicht abfinden. Er setzte alle Hebel in Bewegung, sammelte Tausende von Unterschriften, um die verantwortlichen Stellen in Moskau zur Rückgabe des Tempelhüters in den schließlich nun ebenfalls russischen Ort zu bewegen. Das gelang zwar nicht, doch wurde die Erlaubnis erteilt, eine Nachbildung der Pferdeplastik im ehemaligen Trakehnen aufzustellen.

Hagen Mörig in Trakehnen

Hagen Mörig in Trakehnen

Mit diesem „Freibrief“ sammelte Möhrig mehr als 30.000,- €. Zudem fand er in Kaliningrad (Königsberg) eine Gießerei, die die Plastik herstellte.

Unklar war jedoch noch lange der genaue Standort der Plastik in Trakehnen. Einige wenige Bewohner beharrten auf dem Verbleib des Soldatendenkmals auf dem Tempelhütersockel. Um die neue Pferdeplastik dennoch im Ort aufstellen zu können, errichtete ein dem Vorhaben sehr gewogener Einwohner einen Sockel in seinem Vorgarten. Kurz vor dem lange angekündigten Termin der feierlichen Enthüllung des Denkmals kam eine Anweisung aus Moskau, die eine beide Seiten befriedigende Lösung brachte: Das Soldatendenkmal wird auf den am Dorfrand gelegenen Friedhof zu Ehren von über 2.000 Rotarmisten gebracht, die bei der Eroberung der Region ums Leben gekommen waren, und die Feierlichkeiten beginnen mit einer Kranzniederlegung dort. Im Anschluss wird dann die Pferdeplastik auf de originalen Sockel gestellt.

Der Soldatenfriedhof

Der Soldatenfriedhof

Die feierliche Enthüllung der Tempelhüter-Nachbildung fand am 29. September 2013, 81 Jahre und 3 Tage nach der ersten Zeremonie am selben Ort, statt.

Zur Feierlichkeit fanden sich über 400 Menschen aus dem Dorf Jasnaja Poljana und der Region, auch Vertreter der Gebiets-Duma, des Landrats des Kreises Stallupönen/Nesterov und der Bürgermeister ein, weiterhin zahlreiche Gäste aus Königsberg/Kaliningrad und aus allen Teilen Deutschlands. Besonders stark vertreten waren Angehörige der Kreisgemeinschaft Ebenrode/Stallupönen, also der früheren Bewohner des Landkreises, zu dem Trakehnen vor 1945 gehörte. Sie waren mit einem eigenen Bus angereist, um der Zeremonie beizuwohnen.

Der enthüllte TEmpelhüter mit Dr. Gerhard Kübart

Der enthüllte Tempelhüter mit Dr. Gerhard Kübart

Die Festrede hielt Dr. Gerhard Kuebart, Kreisvertreter der Stallupöner und Großneffe des Künstlers Reinhold Kuebart, der zu Beginn der 1930er Jahre das Tempelhüter-Original geschaffen hatte. Auch das Ostpreußische Landesmuseum war bei der Feierlichkeit vertreten.

Dr. Christoph Hinkelmann

Arno Surminski am Hansa-Kolleg in Hamburg

Donnerstag, 3. Januar 2013

Am 22. November fand das erste große Projekt in einer neuen Kooperation des Kulturreferates am Ostpreußischen Landesmuseum mit dem Hansa-Kolleg Hamburg einen letzten Höhepunkt. Im Mai dieses Jahres waren 19 Schülerinnen und Schüler, die im Zweiten Bildungsweg das Abitur anstreben, in Begleitung zweier Lehrer und der Kulturreferentin Agata Kern für sechs Tage nach Kaliningrad gereist. Über diese eindrucksvolle Reise haben wir bereits am 15. Juni 2012 im Blog berichtet.

Eingerahmt wurde dieses Reiseprojekt, das unter dem Motto „Von Kaliningrad nach Königsberg – Auf den Spuren von Marion Dönhoff“ stand, von zwei Veranstaltungen mit prominenten Ehrengästen. Nachdem am 29. Februar bereits Tatjana Gräfin Dönhoff bei der Vorstellung des Projekts vor Schülern des Hansa-Kollegs und der Lüneburger Wilhelm-Rabe-Schule gesprochen hatte, war nun bei der feierlichen Abschlussveranstaltung in der Aula des Hamburger Hansa-Kollegs Arno Surminski zu Gast.

Vorstellung der Studienreise

Vorstellung der Studienreise

Eines der eindrücklichsten Erlebnisse auf unseren Fahrten durch das Kaliningrader Gebiet war ganz sicher der Besuch der Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Palmnicken. Vielen der Schüler waren die grausamen Geschehnisse des Januars 1945 aus der Lektüre von Arno Surminskis Roman „Winter Fünfunvierzig oder Die Frauen von Palmnicken“ bereits vor der Reise bekannt. Es war ein strahlender Frühlingstag, als wir auf unserer Reise das Mahnmal besuchten, das am weißen Ostseestrand an die Ermordung von 3000 jüdischen Frauen aus dem KZ Stutthoff durch Angehörige der SS erinnert – weitere 4000 Frauen hatten zuvor bereits den Todesmarsch nicht überlebt. Der friedliche Frühling an der Ostsee im Jahre 2012 – und der grausame Winter an genau der gleichen Stelle im Jahre 1945: Das war vermutlich der heftigste Kontrast auf dieser an Kontrasten überreichen Reise.

Lesung von Arno Surminski

Lesung von Arno Surminski

So war es für das Hansa-Kolleg ein ganz besonderes Glück, dass Arno Surminski sich bereit erklärte, in die Schule zu kommen und vor den Reiseteilnehmern und den Kollegiaten des Eingangsjahres aus seinem Buch zu lesen. Was an der Gedenkstätte, zumal bei Sonnenschein über der Ostsee, kaum fassbar erscheint, wird bei der Lesung plötzlich anschaulich. Die ermordeten Frauen bekommen Namen und Schicksale, und für einen Moment glauben wir, ihnen nahe zu kommen. Auf seine Weise ist Arno Surminskis Roman ein zweites Mahnmal für die ermordeten Frauen – eines nicht aus Stein, sondern aus Worten – und gerade dadurch viel fassbarer als das sichtbare Mahnmal am Strand im Norden Ostpreußens.

Die Schüler nutzten die Gelegenheit, den Autor nach seinen eigenen Erinnerungen an Ostpreußen zu fragen und zu erfahren, wie ein literarisches Werk wie dieser Roman entsteht. Am Ende der Veranstaltung stand die Preisverleihung an die Gewinner des Fotowettbewerbs, dem sich die reisenden Kollegiaten gestellt haben. Auch hier war das Motto: „Von Kaliningrad nach Königsberg“. Die Gewinner des ersten Preises haben das Thema auf ganz unterschiedliche Weise gelöst:

Während sich in der Fotographie von Thorben Beller im Fenster eines heruntergekommenen Kaliningrader Plattenbaus die Ruine eine Backsteinhauses aus deutscher Zeit spiegelt, lässt Richard Schuster vor dem im Dunkeln angestrahlten, aus Ruinen wiedererstandenen Königsberger Dom mit dem Lichtschein einer Taschenlampe den Schriftzug „Kaliningrad“ leuchten. Vergangenheit und Gegenwart; aber eben auch: Verfall und Zuversicht, vielleicht sogar ein wenig neuer Glanz – sie spiegeln sich auch in den Wettbewerbsbeiträgen der Kollegiaten. Es war eine Ehre für die Schule, dass die fünf Preisträger ihre Preise aus den Händen von Arno Surminski entgegennehmen konnten.

Wir schauen zurück und gleichzeitig nach vorn: Das erste große Projekt in der Kooperation zwischen Kolleg und Kulturreferat ist zuende. Aber weitere, kleine wie große, Projekte werden folgen. Und die Schüler des Eingangsjahres, die an diesem Vormittag zu Gast waren, konnten einen ersten Eindruck bekommen von dem, was sie in eineinhalb Jahren erwartet: Denn dann werden wir uns erneut auf den Weg machen, um Spuren des Vergangenen, vor allem aber die lebendige Gegenwart bei unseren östlichen Nachbarn zu erleben.

Holger Wendebourg (Lehrer am Hansa-Kolleg)

Kinder helfen Kindern: Das Ostpreußische Landesmuseum unterstützt das Straßenkinder-Projekt “Jablonka”

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Sie sind Kinder, oft Waisen. Sie wurden vernachlässigt und auch geschlagen. Sie haben nichts zu essen. Sie haben kaum Kleidung. Sie sind krank. Sie leben auf den Straßen Kaliningrads und das auch im eisig kalten Winter. Die Stadt Kaliningrad hat kein Geld, um die Kinder zu unterstützen. Aber Sie brauchen dringend Hilfe!

Diese Hilfe bekommen die Kinder in „Jablonka“ (dt. Apfelbäumchen), dem Rehabilitions-Zentrum in Kalingrad (ehemals Königsberg) der Ev.-Luth. Propstei der Nordkirche weltweit. Zu den Mitarbeitenden gehören ein Psychologe, ein Pädagoge und ein Arzt, die sich liebevoll um die Kinder und Jugendlichen kümmern.

Bis zu zweihundert Kinder und Jugendliche kommen tagsüber in das Zentrum. Sie erhalten Medizin, Essen und vor allem menschliche Wärme und Zuwendung. Bis zu vierzehn Kinder können in den zwölf Containern übernachten und sie gehen wieder regelmäßig zur Schule. Der Platz für ein Kind in „Jablonka“ kostet etwa 12 Euro pro Tag.

Das Ostpreußische Landesmuseum unterstützte das Projekt im Rahmen der Sonderausstellung „Versöhnender Schmerz – Deutsch-Russische Erinnerungen an den Exodus der Ostpreußen in Werken von Erhard Kalina und Elena Steinke“.

Elena Steinke ist in Königsberg/Kaliningrad geboren und freischaffende Künstlerin.

Elena Steinke ist in Königsberg/Kaliningrad geboren und freischaffende Künstlerin.

Pastorin Christa Hunziger stellte das Projekt „Jablonka“ mit einem Bilderbeitrag zum Internationalen Museumstag am 20. Mai 2012 im OL vor. Sie ist Europareferentin am Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit und koordiniert die europäischen Partnerschaften der Ev.-Luth. Kirche. Diese hat in Norddeutschland unter anderem Partnerschaften nach Kaliningrad, Polen, den drei baltischen Ländern, Rumänien, Kasachstan und St. Petersburg.

Pastorin Christa Hunziger bei der Projektvorstellung.

Pastorin Christa Hunziger bei der Projektvorstellung.

Kinder helfen Kindern: Sowohl beim Internationalen Museumstag, als auch während der Kinderclub-Treffen haben Kinder Postkarten gemalt, um den Kindern in Kaliningrad zu helfen. Die Postkarten wurden verkauft und der beträchtliche Erlös wurde an die Nordkirche weitergeleitet. Die Gelder kommen den Straßenkindern zu Gute.

Postkartenmalaktion

Postkartenmalaktion

Mit einem Schreiben vom 27. November 2012 bedankt sich Pastorin Christa Hunziger beim Ostpreußischen Landesmuseum für die eingegangene Spende mit den Worten (Teilzitat):

„Liebe Mitarbeitende des Ostpreußischen Landesmuseums, liebe Frau Straatman,
auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Spende. Ich freue mich, dass im Laufe der Ausstellung so viel zusammen gekommen ist für die Kinder in Kaliningrad… Alles Gute und herzliche Grüße, Ihre Christa Hunziger“.

Wir sind froh, dass wir helfen konnten! Wenn auch Sie spenden wollen, wenden Sie sich an:

Zentrum für Mission und Ökumene – nordkirche weltweit
Agathe-Lasch-Weg 16
22605 Hamburg

Tel: 040/88181-0
Fax: 040/88181-210

Email: info@nordkirche-weltweit.de

http://www.nordkirche-weltweit.de/

Direkter Kontakt:
Pastorin Christa Hunzinger – Europareferat
Tel.: 040 88181-413
Email: c.hunzinger@nordkirche-weltweit.de

Herzlicher Empfang in Kaliningrad für die Teilnehmer der ersten Lesereise des Ostpreußischen Landesmuseums und Russland Reisen Romanova

Freitag, 19. Oktober 2012

Mit Arno Surminski, Stephanie Kuhlmann und Hans Graf zu Dohna

Ob im Deutsch-Russischen Haus, im Dohnaturm oder in Jantarny / Palmnicken, überall waren die deutschen Gäste willkommen und wurden die Lesungen von der russischen Bevölkerung und der Presse mit großem Interesse begleitet.

Die Reisegruppe am Kant Denkmal

Die Reisegruppe am Kant Denkmal

Freitags wird auch in Russland geheiratet. Jedes Kaliningrader Hochzeitspaar lässt sich am Dom und vor der Grabstätte Kants für die Familienalben ablichten. Denn gestern wie heute wird der Königsberger Philosoph von Russen und Deutschen gleichermaßen verehrt. Die Reisegruppe aus Deutschland fand Gefallen an einem der schönen Brautpaare und fotografierte es begeistert. Geschmeichelt von so viel Interesse, stellte es sich zu der Gruppe für weitere Fotos, denn das war ein ganz besonderes Motiv.

Solche und andere Begegnungen waren charakteristisch für die erste Lesereise nach Kaliningrad/Königsberg vom 27.09.-02.10.2012 organisiert vom Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und Russland Reisen Romanova. Es war ein Besuch unter freundlichen, herzlichen und offenen Menschen.

Ein russisches Hochzeitpaar mit den Teilnehmern der Reise

Ein russisches Hochzeitpaar mit den Teilnehmern der Reise

Bereits am ersten Tag nach der Anreise empfing Direktor A. P. Portnjagin vom Deutsch-Russischen Haus seine Gäste. Daniel Lissner, Kulturreferent des Deutschen Konsulates, betonte seine Verbundenheit und nannte Arno Surminski („Winter Fünfundvierzig oder die Frauen von Palmnicken“) den Grand Seigneur des Ostpreußenromans. Stephanie Kuhlmann („Hoffnung heißt Nadjeschda“) als Vertreterin der jüngeren Generation begrüßte ihre Gäste mit einer Ansprache auf Russisch: „Ich habe lange davon geträumt, in der Heimat meines Vaters vor russischem Publikum aus meinem Roman zu lesen, jetzt ist dieser Traum wahr geworden.“ Arno Surminski hatte im Deutsch-Russischen Haus, das für Verständigung steht, schon öfter gelesen. Zu den Besuchern der Lesung gehörten neben der deutschen Reisegruppe Russlanddeutsche, Studenten, Schriftsteller und Pressevertreter.

Einzigartige Natur und große Gesten im Dohnaturm

Die Kurische Nehrung zeigte sich auf der Reise bei schönstem Sonnenschein, sodass von der Epha-Düne aus eine gute Sicht bis nach Litauen möglich war. In der Außenstation der Vogelwarte Rybatschi / Rossitten konnten die Reiseteilnehmer die wissenschaftlichen Arbeiten hautnah miterleben. Der Ornitologe Prof. Leonid Sokolov demonstrierte die Beringung an Goldhähnchen, Tannenmeise und einer Eule. In Rossitten lud das Ufer am Kurischen Haff zu einer Erholungspause ein.

Ornitologe Prof. Leonid Sokolov

Ornitologe Prof. Leonid Sokolov

Ein weiteres Highlight der Reise war der herzliche Empfang im Dohnaturm. Dort bekam die Gruppe zunächst eine Führung durch die Bernsteinsammlung. Hans Graf zu Dohna hielt einen sehr persönlichen Vortrag über seine Familiengeschichte. Die stellvertretende Direktorin des Museums, Natalia Schewtschuk sagte in ihrer Begrüßungsrede: „Jeden Tag erwähnen wir Ihren Namen bei unseren Führungen, weil sich das Museum im Dohnaturm befindet.“ Das Interesse an dem adligen Autor war von Seiten des Museums und der örtlichen Presse sehr groß. Dohna hat ein beeindruckendes Buch über seine ostpreußischen Vorfahren geschrieben. Gedankt wurde ihm mit Gastgeschenken und einer besonders großen Geste: „Wenn Sie damit einverstanden sind, werden wir ein Dohnazimmer errichten, in dem wir Ihre Dokumentationen ausstellen.“

Hans Graf zu Dohna im Dohnaturm

Hans Graf zu Dohna im Dohnaturm

Sichtlich gerührt betonte Graf Dohna, er habe, nachdem er bei seinen ersten Reisen ein großes kulturelles Loch über dem Kaliningrader Gebiet vorgefunden hatte, nun das Gefühl, seine Heimat wiedergefunden zu haben. Avenir Ovsjanov, Heimatforscher und Autor zahlreicher Bücher, war ebenfalls gekommen und erklärte, er werde alles in seiner Macht Stehende tun, die in einer Liste aufgeführte „Beutekunst“ aus dem Schloss Schlobitten aufzuspüren.

Dunkle Seiten der Geschichte und Begegnungen an der Kantuniversität

Der einzige Tag mit Regen und Sturm stand unter einem bewegenden Thema. In Palmnicken bewegte sich die Gruppe auf den Spuren des so genannten Todesmarsches, der im Januar 1945 mit der Massenerschießung von tausenden von jüdischen Frauen bei der an der Ostsee gelegenen Annagrube endete. Nach dem Besuch des örtlichen Bernsteinkombinats versammelte sich die Gruppe an der Gedenkstätte der Opfer des Massakers von Palmnicken.

Mit Arno Surminski an der Gedenkstätte der Opfer des Massakers von Palmicken

Mit Arno Surminski an der Gedenkstätte der Opfer des Massakers von Palmicken

Im Kulturhaus fand im Anschluss eine Lesung mit Arno Surminski aus seinem Buch „Winter Fünfundvierzig oder die Frauen von Palmnicken“ statt. Interessierte Zuhörer waren die Vertreterin der Stadtverwaltung, Irina Ivanova, die Journalistin Valentina Lutschnikowa sowie die Deutschlehrerin Natalia Sopovo mit ihren Schülern. Entspannte Stunden genossen die Teilnehmer im mondänen Ostseebad Swetlogorsk / Rauschen.

Nach der Lesung in Palmnicken mit den Schülern der dortigen Schule

Nach der Lesung in Palmnicken mit den Schülern der dortigen Schule

In der Kantuniversität hielt das ungewöhnliche Autorengespann am letzten Tag seine Abschlusslesung. Eingeladen waren neben den Germanistikstudenten auch andere Interessierte. Ein Teilnehmer der Reise, Professor Martin Teising, Rektor der International Psychoanalytic University Berlin (kurz: IPU Berlin), hielt eine Ansprache, in der er die russischen jungen Leute nach Deutschland zu einem Austausch einlud. Die Dozentin Elena Gordeeva freute sich über das Angebot und betonte die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen und Programme für die deutsch-russische Verständigung. Bei Stephanie Kuhlmann bedankte sie sich für ihr Werk, da es das Kaliningrader Gebiet in ein positives Licht rücke.

Lesung an der Kantuniversität - Arno Surminski, Stephanie Kuhlmann, Hans Graf zu Dohna (von links)

Lesung an der Kantuniversität - Arno Surminski, Stephanie Kuhlmann, Hans Graf zu Dohna (von links)

Natalia Romanova, Inhaberin des Reisebüros Russland Reisen Romanova, und Kulturreferentin Agata Kern vom Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg sind sich einig: „Wir wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr um die gleiche Zeit eine weitere Lesereise nach Kaliningrad veranstalten.“ Der eine oder andere aus der Reisegruppe hat bereits sein Interesse dafür bekundet. Der ortskundige deutschsprachige Reiseleiter Evgenij Snegovskij, der die Gruppe an allen Tagen begleitete, forderte dazu auf: „Kommen Sie wieder!“

Von Stephanie Kuhlmann

Von Kaliningrad nach Königsberg. Eine Schulreise auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff

Freitag, 15. Juni 2012

Kaliningrad? Auf meine Frage, gestellt an mehr als 100 junge Erwachsene, wer wisse, wo sich Kaliningrad befinde, heben sich weniger als zehn Hände. Kaliningrad ist fernstes Ausland – aus dem Blick verloren und nicht einmal dem Namen nach bekannt. Diese Exklave von der Größe Schleswig-Holsteins, eingezwängt zwischen Polen im Süden und Litauen im Norden – das soll Russland sein? Eine kleine Lektion in Geographie für Schüler, die ganz genau wissen, was südlich und westlich von Deutschland liegt, vom östlichen Europa aber offenbar nur sehr ungenaue Vorstellungen haben.

Königsberg? Erwartungsgemäß ist dieser Name nun bekannt, kann von dem einen oder anderen auch zugeordnet werden: Dass Ostpreußen bis 1945 Teil Deutschlands war, wissen viele. Aber Ostpreußen existiert ja nicht mehr, ist Geschichte, mehr gibt es da kaum zu wissen. Und Königsberg? Vom Erdboden verschwunden.

Gruppenfoto vor dem Kant-Mausoleum in Königsberg

Im Winter 1945 waren es sieben Wochen zu Pferde, die die aus Friedrichstein bei Königsberg stammende spätere „ZEIT“-Herausgeberin Marion Dönhoff brauchte, um auf der Flucht aus Ostpreußen nach Vinsebeck in Westfalen zu gelangen. Und die 1200 Kilometer, die hinter ihr lagen, waren eine Distanz, die in den folgenden Jahrzehnten so unüberbrückbar war, dass sie ihre Heimat jahrzehntelang nicht wieder sehen konnte.

Im Frühjahr 2012 sind es 18 Stunden mit dem Linienbus, die Hamburg von Kaliningrad trennen. 690 Kilometer Luftlinie, damals wie heute. Aber da es Königsberg nicht mehr gibt und wir von Kaliningrad nichts wissen, ist es eine Reise in weite Ferne – in die unbekannte Geschichte Deutschlands und ebenso in die unbekannte Gegenwart Russlands.

Leninskij Prospekt - Blick von einer Hochbrücke

Eine Schulreise einmal anders: Nicht Rom, Paris oder London, weiter entfernt, aber für Schüler irgendwie vertraut, selbst wenn sie zuvor nie dort waren; sondern Kaliningrad, kaum weiter als München, aber aufregende terra incognita. Das Angebot, eine solche Reise gemeinsam zu unternehmen, aus Anlass des 10-jährigen Todestages von Marion Dönhoff, kam von der Kulturreferentin am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, Agata Kern. Die Schüler und Lehrer des Hansa-Kollegs in Hamburg, einem Gymnasium des Zweiten Bildungsweges, haben nicht gezögert, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

Der Königsberger Dom

Die Reise dauerte sechs Tage, vom 7. bis 13. Mai; sie war strapaziös, aufregend, einzigartig. Eine Reise in ein unbekanntes Land – und eine Reise in die eigene Vergangenheit. Diese Spannung zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die so unterschiedlich, aber gleichermaßen fern sind, war es wohl, die alle Teilnehmer mit Aufregung der Fahrt entgegensehen ließ und unterwegs eine Faszination hervorbrachte, der sich keiner entziehen konnte. Start war am Montagnachmittag am Hamburger Busbahnhof. Russland begann aber schon im Bus: 19 deutsche Schüler und zwei deutsche Lehrer in Begleitung von Agata Kern und ansonsten nur russische Fahrgäste und russische Busfahrer. Gegen Mitternacht waren wir in Polen, und Kaliningrad immer noch endlos weit entfernt. Angesichts der Enge im Bus war an Schlaf kaum zu denken. Ostpreußen empfing uns am nächsten Morgen mit Sonnenschein; wenig später hatten wir auch die russische Grenze passiert und pünktlich um zehn Uhr, aber völlig erschöpft, konnten wir unsere Zimmer im Hotel „Kaliningrad“, mitten im Zentrum der Stadt, beziehen. Vier Stunden hatten wir zur Erholung, bevor unser russischer Reiseführer Sergej zu uns stieß und das Besichtigungsprogramm begann. Aber für viele Schüler war schnell alle Müdigkeit vergessen und schon in diesen vier Stunden stürzten sie sich in das Getümmel zwischen Kaliningrader Siegesplatz und Königsberger Dom.

Sergej erwies sich als der perfekte Reiseführer: Er kennt die Geschichte jeder Straße und jedes Gebäudes; er stellt Kontakte her, die anderen Touristen völlig unmöglich wären; er ist der perfekte Organisator und von unerschütterlicher Geduld mit den 22 Gästen aus Deutschland. Wir sehen den Dom, den Hafen und den Siegesplatz. Plattenbauten, orthodoxe Kathedralen und überraschend sorgfältig restaurierte Backsteingebäude aus deutscher Zeit.

Christ-Erlöser-Kathedrale auf dem Siegesplatz

Und immer hat Sergej irgendeine Überraschung für uns bereit: Das Boot, das der von der Anreise und dem ersten Stadtrundgang erschöpften Gruppe Gelegenheit gibt, bei einer Hafenrundfahrt im Sonnenschein die Beine baumeln zu lassen; oder das Orgelkonzert, das der Organist des Königsberger Doms eigens für unsere Gruppe gibt.

Zwei Tage fährt uns Oleg, unser Busfahrer, aus der Stadt heraus quer durch das Gebiet: In Pillau feiert die Marine am 9. Mai das Ende des Großen Vaterländischen Krieges. Am Stadtrand befindet sich das Gräberfeld für ungezählte Soldaten aller Nationen, die in eben diesem Krieg ihr Leben verloren haben. Der Strand davor lädt zum Bernsteinsammeln ein und eine Besichtigung des Bernsteintagebaus in Palmnicken darf im Programm nicht fehlen. Wieder wenige Kilometer weiter am weißen Ostseestrand von Palmnicken dann das Mahnmal für die 7000 Ende Januar 1945 in eisiger Nacht am Strand von Nazis erschossenen jüdischen Frauen – bevor es abschließend in den Touristentrubel des Seebades Rauschen geht – Kontraste, so heftig, dass sie manchmal schwer auszuhalten sind.

Eingangstor zum Gestüt Trakehnen

Der folgende Tag führt uns nach Insterburg, Gumbinnen, Trakehnen, Eydtkuhnen. Dörfer und Provinzstädte, deren Namen wir vielleicht gerade noch kennen, die aber, wie Marion Dönhoff formuliert hat, „keiner mehr nennt“. Namen, mit denen ein 25-jähriger heute kaum noch etwas verbindet.

Besuch einer Schule in Gumbinnen, heute Gusev

Fällt in Kaliningrad der Kontrast zwischen deutscher, sowjetischer und moderner russischer Architektur ins Auge, so ist es in der Provinz der oft nur mit Mühe, oft gar nicht aufgehaltene Verfall der Gebäude, gleich ob aus Vor- oder Nachkriegszeit, der uns manchmal ratlos macht. Und selbst Landschaft lässt sich, so lernen wir, zerstören: Von der großen Kulturlandschaft der ehemaligen Kornkammer Ostpreußen ist selten mehr übrig geblieben als verwilderte Wiesen. Bauerndörfer sind zu Hunderten verschwunden – entstanden ist dafür weite, einsame, sich selbst überlassene Natur, und mindestens die Störche lieben diese Landschaft …

Königsberg und Kaliningrad. Die Stadt mit zwei Gesichtern

Die stärksten Erlebnisse sind aber die persönlichen Begegnungen mit Menschen, die dieses Land endlich selbst in die Hand nehmen – die die Geschichte des Landes zu ihrer eigenen machen, die Zukunft gestalten wollen und die Begegnung mit den Besuchern aus dem fernen Deutschland suchen: Da ist die Frau aus der protestantischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gumbinnen – sie erzählt uns von der Unterdrückung alles Religiösen in sowjetischer Zeit und vom Aufbau des Diakoniezentrums in den letzten Jahrzehnten. Die Kollegin aus der Berufsschule im Gebäude des ehemaligen Friedrichgymnasiums von Gumbinnen – eine engagierte Deutschlehrerin, die auf der Suche nach Kooperationspartnern in Deutschland ist. Oder die Chefredakteurin und der Übersetzer des „Königsberger Express“, die das Kunststück fertig gebracht haben, als Russen in Kaliningrad eine Zeitung in deutscher Sprache zu etablieren. Ein Praktikum für Hamburger Studenten in der Redaktion dieser Zeitung? Am Ende der Reise kam unter den Schülern diese Frage auf – und sie zeigt: Wir kommen wieder …

Redaktionsräume des Königsberger Express mit Chefredakteurin und Übersetzer

Eine Schulreise nach Kaliningrad: Das hieß, sich auf etwas völlig Neues einzulassen; die üblichen Reisepfade zu verlassen, auf denen sich der deutsche Durchschnittstourist und oft genug auch Schulen immer wieder bewegen. Belohnt wird dieses Wagnis mit der Begeisterung der Schüler. Diese Begeisterung zeigt: Ein Reiseziel muss weder schön sein noch im Trend liegen, um uns zu berühren. In einer scheinbar ganz fremden Kultur die Spuren der eigenen zu suchen; und in Russland Menschen zu begegnen, die in ihrer Heimat die Spuren deutscher Geschichte pflegen, weil sie sie als gemeinsame Geschichte begreifen, im Schrecklichen wie im Guten – das lässt niemanden kalt.

Und für 21 Hamburger Schüler und Lehrer ist am Ende dieser Reise Königsberg nicht mehr tot und Kaliningrad nicht mehr fremd.

Holger Wendebourg, Lehrer am Hansa-Kolleg in Hamburg

Weit ist der Weg nach Osten

Freitag, 2. März 2012

Weit ist der Weg nach Osten. Unter diesem Titel lud das Ostpreußische Landesmuseum zu  einer Veranstaltung am Mittwoch, den 29. Februar, ins Museum, um die grenzüberschreitenden Schulprojekte des Kulturreferats vorzustellen. Zudem bot der Abend Raum für einen Vortrag von Tatjana Gräfin Dönhof. Weit über 100 Personen, Schüler, Lehrer, junge und ältere Interessierte haben den Weg zu uns gefunden. Doch bereits früh am Abend geriet das „gefühlte“ Weltbild bei einigen ins Wanken.

Ist es tatsächlich weit bis in den Osten? Oder ist es nicht nur in unseren Köpfen so? Holger Wendebourg, Lateinlehrer vom Hamburger Hansa-Kolleg warf diese Fragen auf und hatte auch eine Antwort parat. Von Lüneburg nach Kaliningrad sind es gerade mal 150 km weiter als nach München und es ist nur halb so weit wie bis nach Rom. Ein Katzensprung also?

Holger Wendebourg stellt die Studienreise nach Kaliningrad vor, welche im Zeichen des 10-jährigen Todestages von Marion Gräfin Dönhoff steht

Man kann es wohl so oder so sehen. Und in den Reihen der Schüler der Lüneburger Wilhelm-Rabe Schule, die im vergangenen Herbst zusammen mit Agata Kern und Schülern der Ernst-Moritz-Arndt-Regionalschule Greifswald in den ehemals deutschen Gebieten von Pommern bis Ostpreußen in Polen unterwegs waren, raunte ein tiefes Stöhnen, als sie sich an die 12-Stunden Busfahrt erinnerten. Letztlich war diese Studienfahrt aber ein voller Erfolg und hat positive und bleibende Eindrücke bei den Schülern hinterlassen. Die Ergebnisse dieser Exkursion präsentierten sie selbst in einer Fotoausstellung, welche noch bis zum 11. März im Ostpreußischen Landesmuseum zu sehen ist und berichteten am Abend von ihren Erfahrungen.

„Suche nach der Ortsidentität“ - Schüler der Wilhelm Rabe Schule Lüneburg stellen ihre Studienreise aus dem letzten Herbst vor

Im Mai geht die Spuren- und Identitätssuche in die zweite Runde. Studierende des Hamburger Hansa-Kollegs erwartet eine Fahrt in den russischen Norden Ostpreußens. Diese Reise soll im Zeichen des 10-jährigen Todestages von Marion Gräfin Dönhoff stehen. Holger Wendebourg hat diese Region bereits vor ein paar Jahren für sich entdeckt, Rom hinter sich gelassen und einen Schritt in den Osten gewagt, in die Oblast Kaliningrad, bis in die „gesichtslose monströse Plattenbaustadt“ Kaliningrad. Doch auch er entdeckte, dass diese Stadt und Region begonnen haben sich zu verändern, ein modernes Gesicht zu entwickeln. Die Vergangenheit wird angenommen und deren (un)sichtbare Reste wiederentdeckt. Für die Schüler wird es eine interessante und spannende Reise werden, auf die auch Tatjana Gräfin Dönhoff Lust machte. Lust auf Entdecken von Spuren, auf einen „Abenteuerurlaub“, auf genaues Hinschauen.

Das Bild wurde im Rahmen der Studienreise aufgenommen und zeigt das Schloss in Steinort / Sztynort

Till Jacob: Verlorener Glanz. Das Bild wurde im Rahmen der Studienreise aufgenommen und zeigt das ehemalige Schloss der Familie von Lehndorff in Steinort / Sztynort

Als Gastrednerin und angekündigter Höhepunkt der Veranstaltung hatte die Großnichte von Marion Gräfin Dönhoff genau das auf zahlreichen Reisen in die Heimat ihrer Vorfahren bereits getan und ihre Eindrücke und Bilder unter anderem in dem Buch „Weit ist der Weg nach Westen“ veröffentlicht. Am Mittwoch konnten alle Besucher lebhaft diesen Eindrücken lauschen und sich wieder in die Vergangenheit einladen lassen, aber auch Blicke in die Gegenwart und Zukunft werfen. Tatjana Gräfin Dönhoff hat genau hingeschaut, zeigte eindrucksvolle vorher/nachher Bilder, berichtete von Bekanntschaften und Freundschaften von neuen Bewohnern der Region, zeigte aber auch einen humorvollen Blick zurück in die Jahrhunderte dauernde Geschichte der Dönhoffs im Osten – „einen Vorteil hat Adeligkeit: der Familienstammbaum ist gut dokumentiert“.

Tatjana Gräfin Döhnhoff und Museumsdirektor Dr. Mähnert im Gespräch

Dem Besucher blieb es selbst überlassen, mit welchem Auge er die Ruinenromantik Ostpreußens zu sehen hatte – an diesem Abend gab es weinende aber auch fröhliche. Vieles ist mittlerweile passiert im so fernen Osten, vieles restauriert. Nicht nur wir schauen in diese Richtung, sondern vor Ort schaut man hin. Und eines bleibt – die wundervolle Natur dieses Landstriches. Nicht den verloren gegangenen oder erhaltenen Steinen verdankt es Tatjana Gräfin Dönhoff, dass sie sich in Ostpreußen zu Hause fühlt, sondern der Landschaft.

Tatjana Gräfin Dönhoff bei der Preisverleihung

Den Abschluss des Abends bildete die Preisverleihung der gelungenen Fotoausstellung. Das Ostpreußische Landesmuseum freut sich bereits auf die Ergebnisse der Studienfahrt im Mai.

Betrachter der Fotoausstellung