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Das Ostpreußische Landesmuseum feierte Geburtstag

Mittwoch, 8. August 2012

25 Jahre OL – ein Rück- und Ausblick mit viel Lob und rosigen Aussichten für die Zukunft

Rosige Aussichten in Zeiten des “Kulturinfarktes”? Ja! Zumindest was die ambitionierten Um- und Neubau-Pläne des OL anbelangt. Durch die Feierlichkeiten zum Jubiläum, bei welchem das Museum mit viel Lob von allen Seiten bedacht wurde, hat sich die Aufbruchsstimmung gefestigt und nicht nur die gesamte Mannschaft des Museum freut sich auf das, was bald kommen mag, sondern auch all die Gäste. Die Weichen sind gestellt, Erweiterung und Modernisierung des Museums rücken in greifbare Nähe.

25-Jahre Ostpreußisches Landesmuseum

25 Jahre Ostpreußisches Landesmuseum

Aber der Reihe nach. Am Samstag, den 14 Juli, wurde im Lüneburger Rathaus gefeiert. Das Ostpreußische Landesmuseum hatte aus Anlass seines 25jährigen Jubiläums geladen und viele, viele kamen. Mit fast 250 Personen war der mit mittelalterlichen Malereien prächtig ausstaffierte Fürstensaal bis auf den letzten Platz gefüllt, darunter viel Prominenz: Der niedersächsische Kultusminister Dr. Bernd Althusmann war ebenso unter den geladenen Gästen wie mehrere Abgeordnete des Deutschen Bundestags und des niedersächsischen Landtags, Ratsmitglieder und Bürgermeister der Hansestadt. Ebenso wenig fehlten Kulturschaffende wie der Schriftsteller Arno Surminski oder der Architekt und Autor Christian Papendieck. Viele Lüneburger feierten „ihr“ Landesmuseum, aber auch das polnische Generalskonsulat erwies dem Museum die Ehre. Selbstverständlich gehörten zu den Gästen auch zahlreiche Ostpreußen mit Vertretern aus Stiftungen und Vereinen sowie Vertreter der Deutschbalten – schließlich entsteht mit dem Umbau des Museums auch eine deutschbaltische Abteilung.

Ein Streichertrio eröffnete den Festakt mit Antonin Dvorak, Terzetto für 2 Violinen und Viola 75a

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge eröffnete die Reihe der Grußworte. Er betonte die Bedeutung des Museums als wichtigen Bestandteil der städtischen Museumslandschaft, wies auf seine überregionale Bedeutung hin und bedankte sich für die vielen für die Stadt wertvollen Museumsaktivitäten wie etwa die aktuelle Hanse-Ausstellung. Zugleich verschwieg er nicht den schwierigen Start ebenso wenig wie seine persönliche damalige Skepsis, als er 1987 während der Eröffnungsfeier unter den Gegendemonstranten stand. Inzwischen sei für ihn allerdings, so hob er unter lautstarken Beifall hervor, dieses schwierige Anfangskapitel abgeschlossen und nunmehr nach vorne zu schauen.

Zu Gast im Fürstensaal v.l.: Wilhelm von Gottberg, Dr.Berggreen-Merkel, Ulrich Mädge, Dr. Josef Lange, Dr. Joachim Mähnert

Frau Dr. Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), hob hervor, dass das Museum in Lüneburg das Einzige sei, welches „die reiche Kultur und über siebenhundertjährige Geschichte der historischen Region Ostpreußen in Gänze bewahrt, erforscht und einer breiten Öffentlichkeit im In- und Ausland vermittelt.“ Zugleich erinnerte sie daran, dass „die deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte im nordöstlichen und östlichen Europa Teil des geschichtlichen Erbes aller Deutschen, unabhängig ihrer Herkunft“ sei. Europa sei eine Wertegemeinschaft, und das Erinnern an diese gemeinsame kulturhistorische Wurzel sei eine wichtige Legitimation dieses modernen Museums mit seinen zahlreichen Partnern aus Deutschland, aber eben auch aus Litauen, Polen und Russland.

Dr. Berggreen-Merkel betonte, dass die Pflege der Erinnerung im Museum wichtig sei, denn „es wird eine Zeit kommen, nicht all zu fern, wo die letzten, die die Zeit noch persönlich erlebten haben (…) nicht mehr unter uns sein werden.“ Für diese Zeit bedürfe es anderer Zeugen – das Ostpreußische Landesmuseum werde diese Aufgabe übernehmen.

Staatssekretär Dr. Josef Lange vertrat das Land. Er wies darauf hin, dass Niedersachsen neben Bayern den größten Teil der Flüchtlinge und Vertriebenen aufnahm; ihr Bevölkerungsanteil lag damals immerhin bei knapp 30 Prozent. Entsprechend sah er die Bedeutung des Museums auch in der Anerkennung der beeindruckenden Leistung, welche die Heimatvertriebenen beim Wiederaufbau der Bundesrepublik erbracht haben. Er lobte das Haus als ein weithin anerkanntes Museum und als Ort der Versöhnung.

BKM Referatsleiter Dr. Thomas Lindner mit dem Schriftsteller Arno Surminski

Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert wies auf die erfolgreiche Arbeit der letzten 25 Jahre hin: Über 130 Wechselausstellungen, eine nahezu ähnlich hohe Zahl von Leihausstellungen, präsentiert im In- und Ausland sowie hunderte von Lesungen, Konzerten und Studienreisen. Mähnert bedankte sich bei den Zuwendungsgebern Bund und Land sowie bei seiner hoch motivierten, kompetenten Mannschaft, zu der neben den Angestellten immerhin auch 50 aktive Ehrenamtliche zählen.
Übrigens, wer eine Übersicht der letzten 133 Ausstellungen sehen will, der muss sich nur mal die Außenfront des Museums anschauen. Beeindruckend.

Dr. Eckert führte im Anschluss an den Empang im Rathaus durch die Ausstellung „Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum“ im Museum

Immerhin noch etwa 100 Besucher waren vom Rathaus ins Museum gekommen, um zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen – etwa ein Rückblick, nicht nur der letzten 25 Jahre, durch den langjährigen Kustos Dr. Jörn Barfod oder einen Ausblick auf die anstehende Erweiterung mit Direktor Dr. Joachim Mähnert. Es gab Gelegenheit, den neuen Historiker für die deutschbaltische Abteilung und dem Modul „Integration der Vertriebenen“, Herrn Dr. Eike Eckert, kennenzulernen, der durch die aktuelle Sonderausstellung zur historischen Hanse führte oder mit Dr. Christoph Hinkelmann eine Führung durch die Dauerausstellung mitzumachen, bevor diese in den kommenden zwei Jahren komplett umgebaut werden wird.

Rückblick auf die Anfänge des Ostpreußischen Landesmuseum - Dr. Barfod erinnerte auch an das 1958 entstandene Ostpreußische Jagdmuseum im Lüneburger Alten Kaufhaus am Alten Kran

25 Jahre erfolgreiche Arbeit des Ostpreußischen Landesmuseums waren Anlass genug für diese würdige wie fröhliche Feier, die sichtlich den vielen Anwesenden Spaß machte. Von den Schwierigkeiten des Anfangs, die in manchen Reden anklangen, ist kaum mehr etwas geblieben. Heute ist das Museum eine nicht nur in der Region für seine professionelle Arbeit anerkannte und geschätzte Einrichtung, dessen umfangreiches Ausstellungs- und Begleitprogramm längst auch Besucher zu begeistern versteht, die keine gebürtigen Ostpreußen sind. Seine national wie international wichtige Aufgabe ist unumstritten, und sein guter Ruf bei den Kultureinrichtungen in den heutigen Ländern des historischen Ostpreußens spricht für sich.

Kinder im Sternenzelt im Ostpreußischen Landesmuseum

In den Worten des Museumsdirektors klang das so: „Museen sind heute quicklebendige Orte, in denen Menschen zueinander kommen, schöne Momente der Besinnung und Untererhaltung erleben, Überraschendes erfahren und neugierig werden auf eine Vertiefung der gezeigten Themen. Auch das Ostpreußische Landesmuseum ist so ein lebendiger Ort, in denen z.B. Kinder mit Begeisterung ihren Geburtstag feiern und unsere Museumsräume mit ihrem fröhlichen Lachen erfüllen. Und wenn diejenigen, die noch eigene, persönliche Erinnerungen an das wunderbare und legendenerfüllte Ostpreußen mitbringen, wenn diese Jüngsten der Erlebnisgeneration heute über 70 Jahre alt sind, dann wissen sie, dass ihre Erinnerungen nicht verloren gehen, sondern bei uns im Museum weiterleben können und werden.“

Die Erweiterung um eine deutschbaltische Abteilung nimmt Gestalt an. Aufbruchstimmung im Ostpreußischen Landesmuseum!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Anstoßen auf die Deutschbaltische Abteilung – hoher Besuch im OL während der Hansetage

Es geht los! Denn auch im Ostpreußischen Landesmuseum selbst war während der Hansetage nicht nur starkes Besuchergedränge der vielen gut gelaunten Gäste aus aller Welt, sondern obendrein deutlich Aufbruchsstimmung zu spüren. Anlässlich der weithin Aufmerksamkeit erregenden Ausstellung zur historischen Hanse „Vertraute Ferne“ besuchten am Samstag, 30. Juni, hochrangige diplomatische Vertreter der drei baltischen Länder Lettland, Estland und Litauen das Ostpreußische Landesmuseum.

In der neuen deutschbaltischen Abteilung wird die Hanse eine wichtige Rolle spielen, da z.B. mit Riga, Reval (Tallinn) und Dorpat (Tartu) viele bedeutende Hansestädte im Baltikum lagen. Hier: Eindrücke aus der Hanseausstellung “Vertraute Ferne” mit Medienstation

Ihr Blick richtete sich auf die neu zu begründende deutschbaltische Abteilung des Museums, die jetzt als weltweit erstes Museum für Kultur und Geschichte der Deutschbalten als eine neue und bedeutende Brücke ins Baltikum konkrete Gestalt annimmt. Denn die Hanse-Ausstellung „Vertraute Ferne“ zeigt mit ihren fast 200 mittelalterlichen Exponaten Leihgaben aus 7 Ländern und bildet damit nahezu den gesamten Hanseraum ab. Naturgemäß liegt ein Schwerpunkt aber im europäischen Osten. In der neuen deutschbaltischen Abteilung wird die Hanse eine wichtige Rolle spielen, da z.B. mit Riga, Reval (Tallinn) und Dorpat (Tartu) viele bedeutende Hansestädte im Baltikum lagen. Denkt man zusätzlich noch an die alten preußischen Städte wie Danzig, Elbing, Königsberg und Thorn, wichtige Hansestädte des Deutschordens-Staates, wird deutlich, welch wichtige historische Klammer die Hanse für das in Lüneburg gelegene Museum darstellt.

Sektempfang im OL:  (v.l) E. Mickus, litauischer Botschaftsrat, H. Liivrand, estnischer Kulturattaché, C. E. Laantee Reintamm, estnischer Gesandter, S.E. I. Klava, lettischer Botschafter, Prof. Dr. Garleff, Vorsitzender der Carl Schirren Gesellschaft, R.-D. Carl, Vorstandsvorsitzender der Ostpr. Kulturstiftung, Dr. J. Mähnert Museumsdirektor des OL, H. Hilgendorff, stellv. Stiftungsratvorsitzender der Ostpr. Kulturstiftung

2014 schließlich – mit dem Abschluss des Modernisierungs- und Erweiterungsbaus des Ostpreußischen Landesmuseums – wird die deutschbaltische Abteilung ein fester Bestandteil der Dauerausstellung sein, die in enger Kooperation mit der in Lüneburg ansässigen Deutschbaltischen Kulturstiftung, aber auch mit dem Nordostinstitut als dem zentralen Forschungsinstitut für das Baltikum geschaffen wird. Die hohen Gäste zeigten sich von dem ambitionierten Vorhaben wie auch von der laufenden Hanse-Ausstellung begeistert und stießen beim gemeinsamen Sektempfang darauf an. Schließlich präsentiert das Museum nicht nur ungewöhnliche archäologische Funde, sondern z.B. auch den originalen und überaus prächtigen Revaler Codex lübischen Rechts von 1280 aus dem Staatsarchiv Tallinn.

Derart hochwertige Leihgaben belegen die guten Kontakte und Kooperationen des Ostpreußischen Landesmuseums zu Museen und Archiven nicht nur zu Polen und Russland, sondern jetzt auch zu den baltischen Ländern. Der Verband bildender Künstler Litauens war im übrigen während des Hansetages mit einer Sonderausstellung vertreten und präsentierte sich mit einer dokumentarischen Ausstellung, welche wesentliche Aspekte der wechselvollen Geschichte der Künstlergemeinschaft Litauens zeigte.

Sonderausstellung aktueller litauischer Kunst im OL. Der Verband Bildender Künstler Litauens präsentierte sich während des Hansetages: Dr. J. Mähnert, Museumsdirektor, G. Legotaitė, Galerie Meno parkas Kaunas / Lit. Künstlervereinigung, Delegierte der Stadt Kaunas, Dr. E. Eckert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des OL

Der Elch ist los!

Mittwoch, 4. Juli 2012

Eindrücke vom Hansetag aus Sicht des OL

Während des 32. Internationalen Hansetages der Neuzeit in Lüneburg war das Ostpreußische Landesmuseum mittendrin und sorgte für echte Hingucker -hätte es einen Preis für den schönsten Stand gegeben, wäre die „Museumskogge“ des OL auf jeden Fall vorn im Rennen gewesen.

Die "Museumskogge" - der Stand des Ostpreußischen Landesmuseums beim 32. Hansetag der Neuzeit in Lüneburg

Doch nicht nur die Kogge überzeugte, sondern auch der Inhalt und das Geschehen Drumherum. Der sogenannte „Reise“-Elch war ein beliebtes Fotomotiv und lud zum benachbarten Bernstein-Schleifen ein.

Der Elch, das heimliche Wappentier Ostpreußens

Ein Angebot, dem nur wenige widerstehen konnten. Wann sonst hat man selbst die Möglichkeit einen Bernstein zu schleifen? Ganze Familien lauschten den Erklärungen der Museumspädagogen in ihren altertümlichen Gewändern zur Kunst des Bernsteinschleifens, um sich dann selbst daran zu versuchen.

Ein Junge aus Litauen schleift seinen Bernstein

Die Stimmung an Bord unserer Kogge war genauso großartig und die der andockenden Besucher ebenso. Zahlreiche Besucher haben im wahrsten Sinne des Wortes mit dem OL und seinen vielfältigen Ausstellungen, Kulturveranstaltung und Kinder- und Jugendangeboten Neuland entdeckt. Wir haben neugierig gemacht und das freut uns natürlich ungemein. Viele Gäste am Stand bekannten sich aber auch als alte Ostpreußen oder als deren Nachkommen. Ein kleines Gespräch ergab sich meist von selbst und man merkte schnell, dass man mit Ostpreußen sehr wohl Brücken bauen kann. Denn selbst diejenigen Besucher, die keine familiären Wurzeln haben, kannten die Region aus dem Urlaub oder aus Reiseprospekten. Nach denen wurde im Übrigen auch verlangt. An dieser Stelle sei (und wurde) auf unser Kulturreferat, welches regelmäßig Studien- und Kulturreisen nach Ostpreußen anbietet, verwiesen.

Der Elchkopf - beliebtes Foto und Streichelobjekt

Neben dem ostpreußischen Elchkopf hatte auch unsere Kogge einen steten Hingucker. Anziehungspunkt war der ausgelegte Bernsteinschmuck, der vor allem von Frauen jeden Alters bewundert wurde, während das männliche Pendant sich eher den ostpreußischen Schnapsspezialitäten zuwandte. Andere Hansebesucher hatten ganz konkrete Fragen zum Thema Bernstein, die von Herkunft bis Zeckenschutz für Tiere reichten. Letztere Frage konnte zwar nicht wissenschaftlich korrekt beantwortet werden, aber wer weiß, vielleicht gibt’s in unserem Museumsshop auch bald Bernseinhalsketten für Hund und Katz. Hübsch sind sie ja allemal.

Bernsteinschleifen bedeutet Geduld. Nicht nur junge Gäste übten sich darin und nahmen ein einzigartiges Andenken mit nach Hause.

Letztlich hat das Ostpreußische Landesmuseum aber mehr zu bieten als allein Schnaps und Bernsteinschmuck. Über drei Tage hinweg haben unsere Mitarbeiter und Ehrenamtlichen über das Museum und ihre Arbeit informiert und auf unsere Ausstellungen und Veranstaltungen aufmerksam gemacht. Dabei stand unsere aktuelle Hanse-Ausstellung „Vertraue Ferne“ ganz oben auf der Liste und konnte während des Hansetages besonders viele Besucher verbuchen.