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Mit allen Sinnen – Malreise nach Nidden

Donnerstag, 24. Juli 2014
Malkurs

Malkurs

Vor dem Ausflug mit dem Kurenkahn

Vor dem Ausflug mit dem Kurenkahn

Vom Ostpreußischen Landesmuseum angeboten, von Agata Kern, der Kulturreferentin, organisiert, von der in Lüneburg lebenden Künstlerin Gudrun Jakubeit, einer klassischen Aquarellistin englischer Schule begleitet, hatte eine Gruppe von 20 Teilnehmern das Erlebnis, die erste Juliwoche auf der Kurischen Nehrung, in Nidden (Nida), zu verbringen.

Dr. Jörn Barfod, der wissenschaftliche Begleiter dieser Reise, sorgte an fast jedem Reisetag dafür, daß Maler wie auch die kleinere Gruppe der Nichtmaler Informationen erhielten, die die Augen öffneten für all das, was heute aus vergangenen Tagen nicht mehr vorhanden ist. Er beschrieb die früher erste Adresse des Ortes, das Gasthaus Hermann Blode, er zeigte historische Aufnahmen des Fischerdorfes aus den 30er Jahren, und er führte durch den Ort zu Häusern und Plätzen von (kultur-)geschichtlicher Bedeutung. Dadurch gelang der Brückenschlag zum Schwerpunktthema „Künstlerkolonie Nidden“. Die Reiseteilnehmer, so angeleitet, konnten selbst auf Spurensuche gehen, welche der bevorzugten Motive der vielen Künstler, die hier oft Sommer für Sommer tätig waren, in der Spanne von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1944/45, heute noch zu entdecken sind.

Unsere Gruppe vor dem Hotel Nidos Smilte

Unsere Gruppe vor dem Hotel Nidos Smilte

Unter Anleitung von Frau Jakubeit übten die Maler, die Wolkenspiegelung auf der Wasserfläche des Kurischen Haffs wiederzugeben. Sie saßen im Regenschauer und in brennendem Sonnenlicht auf der Parniddener Düne und versuchten, ihre Farben und Formen auf das Blatt zu bannen. Mit nicht ermüdendem Eifer wurden die sich auf dem historischen Friedhof von Nidden ergebenden An- und Ausblicke gestaltet. Von einigen der teils semiprofessionellen Künstler wurde die evangelische Kirche, der Torbogen, das nahebei stehende Kruzifix mit in die Motivauswahl einbezogen. Den „Italienblick“, seit Jahrzehnten von bildenden Künstlern immer wieder abgebildet, nahmen alle als Herausforderung an. Das Zeichnen und Malen auf dem Schwiegermutterberg, in unmittelbarer Nähe des Thomas-Mann-Hauses, wurde ergänzt durch einen Vortrag von Uwe Meyer zur Geschichte des Thomas-Mann-Hauses.

Eine Bereicherung des thematischen Reiseschwerpunkts war auch, den vor Vollendung stehenden Film „Nidden – Künstlerkolonie auf der Kurischen Nehrung“ zu sehen und die überarbeitete Fassung von „Thomas Mann – Mein Sommerhaus“ – beides in Anwesenheit des Regisseurs Arvydas Barysas, der obendrein mit einer angenehmen Gesangsstimme, mit litauischen Liedern überraschte.

Vortrag von Uwe Meyer zur Geschichte des Thomas-Mann-Hauses

Vortrag von Uwe Meyer zur Geschichte des Thomas-Mann-Hauses

Während die Malgruppe mit Fleiß alle in der Aufenthaltsspanne verfügbare Zeit zum Arbeiten nutzte, profitierten die Nichtmaler gleich mehrfach von Dr. Barfods Kontakten und seinem weitgespreizten Fachwissen. Ein Tagesausflug führte von der Nehrung in eine Kontrastlandschaft – in das Memelgebiet nach Heydekrug (Šilutė) und nach Ruß (Rusnė), überwiegend auf den Spuren des Wirkens des unvergessenen Hugo Scheu. Ihm, dem Ökonomierat und Menschenfreund, ist vor zwei Jahren in Heydekrug vor dem inzwischen aufwendig renovierten Wohnhaus ein beachtliches Denkmal gesetzt worden. Die Heydekrüger Kirche mit ihrem unverwechselbaren Altarbild beeindruckte, und eine Textpassage aus Hermann Sudermanns Erzählung „Jons und Erdme“ schärfte den Blick für die Moor- und Wiesenlandschaft. Noch immer gibt es im Frühjahr den „Schaktarp“!

Das Altarbild in der Heydekrüger Kirche

Das Altarbild in der Heydekrüger Kirche

Ein anderer Tagesausflug führte Dr. Barfod mit den Nichtmalern per Schiff über das Kurische Haff in das Mündungsdelta der Memel. Im Dörfchen Minge gesellte sich der Kunstsammler Alexander Popow mit seinem Enkelsohn und einer Mitarbeiterin zum Grüppchen. Gemeinsam ging es per Kleinbus zum Windenburger Eck (Vente), wo – mit Mitteln aus Töpfen der EU – z. Z. umfangreiche Bauarbeiten stattfinden, an erster Stelle Wegbefestigungen, Treppenanlagen und eine Rekonstruktion und Erweiterung des Gebäudes der Ornithologischen Station. Alexander Popow machte hier deutlich, was ihm – bis 1990 Kapitän der Handelsschiffahrt – diese Landschaft bedeutet. Seit gut zehn Jahren sammelt er Werke von Künstlern, die Motive der Kurischen Nehrung, der Hafenstadt Memel und immer wieder Blicke auf das Kurische Haff (bis 1945) festgehalten haben. Alexander Popow ist Vorsitzender der „Gesellschaft der Freunde Ostpreußischer Kunst Nidden“ (Society of East Prussian Art Lovers’ Nidden), die 2009 in Klaipeda (Memel) gegründet wurde.

Zu Gast bei Herrn Popov

Zu Gast bei Herrn Popov

Zu Gast bei Herrn Popov

Zu Gast bei Herrn Popov

Ein Tagesausflug für alle Teilnehmer zum Besuch der Kunstgalerie Klaipeda (Franz-Domscheit-Galerie) verschaffte einen ersten Eindruck von der Sammlertätigkeit des Alexander Popow. Von den nahe 1.000 zusammengetragenen Werken, die Beispiele für das Schaffen von 300 Künstlern geben, sind hier in mehreren Sälen über 200 Werke ausgestellt, die von gut 100 Künstlern stammen. Dank der Führung von Dr. Barfod gelang es, die „Rosinen“ herauszupicken, zeitgeschichtliche Zuordnungen vorzunehmen, Beziehungen der Maler untereinander aufzudecken und die Besonderheit manch eines Werks herauszustellen. Bei dem Mangel an Zeit für die Betrachtung von so viel Schönheit, Können und Bedeutsamkeit blieb der Trost: Diese Sonderausstellung wird hier noch bis zum 8. Mai 2016 zu sehen sein!

Besuch der Kunstgalerie in Klaipeda

Besuch der Kunstgalerie in Klaipeda

Für einige Mitreisende gab es eine uneingeplante Entdeckung am Rande: Die ausgestellten Teile des umfangreichen Nachlasses von Franz Domscheit (Pranas Domšaitis), die hier in der nun nach ihm benannten Kunstgalerie sehr schön präsentiert werden und Beachtung verdienen. – Eine Führung durch die Altstadt von Memel (Klaipeda) vollendete den Tag.

Bei den auf der Nehrungsstraße zurückgelegten Busfahrten beglückte zweimal der Anblick eines Elchs – wie auch ein in der Ostsee badender Reisegefährte das Glück hatte, einen jungen auf der Düne stehenden Elch zu sehen – und davon ein Beweisfoto zu schießen!

Nidden ist auch heute noch „das Paradies der Maler“ zu nennen – davon ist die Reisegruppe überzeugt. Jeder hätte gern länger darin verweilt. Unter den Arbeitsergebnissen der Malgruppe, die am letzten Aufenthaltstag abends im Hotel „Nidos smilte“ präsentiert wurden, war viel Gelungenes, Überraschendes zu sehen und manches, das im Ansatz hoffen ließ, daß im Nachklang zu dieser Reise noch mehr daraus wird. Geplant ist ein Ausstellungsprojekt „Die Kurische Nehrung mit Maleraugen“ für 2015 in Neumünster.

Die Reisegruppe nutzte die im Zusammenhang mit der Rückreise sich ergebenden wenigen Stunden Aufenthalt in der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, um noch Sehenswürdigkeiten Rigas zu besuchen. Eine gelungene Reise, die nach Wiederholung ruft!

Riga

Riga

Ute Eichler

HH, den 10.07.2014

Mal-und Kulturreise nach Krakau vom 8. bis 15. Juli 2013. Ein Reisebericht

Freitag, 4. Oktober 2013

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und Baltikum am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg
Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 8. Juli 2013 die Malkursteilnehmer und weitere Mitreisende, sowie die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger Flughafen. Warschau war das Zwischenziel, dann ging es weiter nach Krakau. Einige Teilnehmer hatten ihre Anreise selber organisiert. Das Hotel lag so zentral in der Altstadt, dass wir direkt zu Fuß starten konnten. Schon am ersten Abend hat uns die lebendige Kulturmetropole mit einer lauer Sommernacht voller Gaukler, Kleinkünstler, Musiker und junger Menschen auf den Straßen begrüßt.

Die nächsten Tage waren reichlich angefüllt mit einem hervorragend geleiteten Besichtigungsprogramm und anschließendem Malkurs direkt vor den Motiven.

Residenz als Motiv

Die Wawelburg

Auf der oben gelegenen Terrasse, direkt auf den berühmten Tuchhallen, konnten wir recht ungestört die ersten Versuche starten. Die Skizzenbücher, Aquarellblöcke, Pinsel und Stifte wurden gezückt, dem Turmbläser gelauscht. Die riesige Marienkirche mit dem farbenfrohen Treiben auf dem Marktplatz entpuppte sich zu einer echten Herausforderung.Nach der „Eroberung“ und Besichtigung der Wawelburg wurde am Nachmittag am Weichselufer, auf der gegenüberliegenden Seite in einem schattigen Plätzchen, die imposante Residenz gemalt.

Das schattige Plätzchen

Das schattige Plätzchen

Kazimierz: das jüdische Viertel wurde leider unter Regenschirmen besichtigt, doch sein malerischer Charme reizte uns Maler zu einem weiteren Besuch.
Der Platz vor unserem Hotel bot sich wunderbar an, um Übungen in Perspektive und Farbenlehre zu praktizieren und das Trainieren schneller Farbskizzen zu unterrichten.

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Krakau zeigte sich in allen Facetten: stürmisch und regnerisch, heiß und farbenfroh. Die vielen Bars, Kneipen und Restaurants rundeten nach einem arbeitsreichen Tag am Motiv das sinnliche Erlebnis mit wahren Gaumengenüssen ab.

Krakauer Eindrücke

Krakauer Eindrücke

Am letzten Maltag wurden wir wieder von der Sonne begrüßt. Es ging ein letztes Mal zu dem berühmten Platz und wir versuchten gegen die davon flitzende Zeit an zu arbeiten. Alle Maler und Malerinnen hatten große Fortschritte gemacht, schade, gerade jetzt am Ende des Tages den Pinsel wieder einpacken zu müssen. Die große Werkschau krönte als Abschlußausstellung den letzten Tag der Malreise. Es ist ein ergreifender Moment, wenn alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen werden. Weit über 60 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess.

Gudrun Jakubeit

Gudrun Jakubeit

Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen, gab konstruktive Kritik, Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Teilnehmer

Teilnehmer der Malreise

Eine weitere Mal- und Kulturreise Anfang Juli 2014 nach Nidden, auf den Spuren der Künstlerkolonie auf die Kurische Nehrung, Litauen, in Zusammenarbeit mit Frau Agata Kern, Herrn Dr. Barfod und der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern: Tel: 04131 – 7599515
oder an das Atelier Gudrun Jakubeit: Tel: 04131 – 603555

Wer neugierig geworden ist, ist sehr herzlich zum Besuch unserer Ausstellung eingeladen: Impressionen aus Masuren und Krakau: 5.10. – 3.11.2013 im Ostpreußischen Landesmuseum

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013


Mal- und Kulturreise nach Masuren/Steinort vom 11.9. – 18.9.2012 – ein Reisebericht

Donnerstag, 15. November 2012

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und das Baltikum am OL in Lüneburg

Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 11.September 2012 neun Malkursteilnehmer, drei Mitreisende und die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger  Flughafen. Warschau war das Flugziel und dann ging es mit einem Kleinbus durch die polnische Landschaft bis zum Ziel, der masurischen Seenplatte.

Das Schloss in Steinort samt Malkursteilnehmer

Die letzte Stunde der Anreise entschädigte das hungrige Malerauge für den langen Reisetag: Ankommen in Ostpreußen in der goldenen tiefstehenden Abendsonne. Die kleine Straße schlängelte sich durch sanfte Hügel mit schwerem frisch gepflügtem Ackerboden, Seenlandschaften, deren Wasserfarbe von Türkis über Indigoblau bis Tiefschwarz reichte und das Glitzern des Lichtes, das gleich weißen Perlen über die Oberfläche huschte. Dazu gab es Birkenwälder, wie hingeworfene vertikale weiße Linien, deren Spiegelungen  kaum malerischer auf den dunklen Wasserflächen von einem Künstler hätte komponiert werden können.

Am nächsten Morgen gab es die ersten Unterrichtsstunden Pleinair am Mauersee:  Kennenlernen des Aquarellkastens, im 10 –Minutentakt mussten die ersten fünf praktischen Übungen bewältigt werden. Noch waren die bestaunten Landschaften frisch in der Erinnerung und konnten so, ohne theoretische Fachlehre, aus der Tiefe der eigenen Empfindung ungestört aufs Papier gebracht werden. Der Zauber des Anfangs ist immer wieder eine köstliche Erfahrung bei jeder Malreise. Sehr konzentriertes Arbeiten. Die Kursteilnehmer sind glücklich erschöpft, die Kursleiterin ist zufrieden.

Am Nachmittag wurde das Wetter etwas zu feucht, um die Malschule im Freien fortführen zu können. Frau Kern konnte sehr spontan eine Führung in Steinort im und um das Schloss der Familie Heinrich Graf von Lehndorff organisieren. Piotr Wagner von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz erklärte uns die Geschichte des Schlosses und dessen aktuellen Zustand. Tief bewegt und durch das Buch „Doppelleben – Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Wiederstand gegen Hitler und von Ribbentrop“ von Antje Vollmer sehr gut vorbereitet, konnten alle Schlossbesucher den Atem der Geschichte noch aus jeder Pore des Bauwerkes spüren.

Schloss Steinort: Das historische Treppenhaus

Am folgenden Tag ging es zu einem Ausflug nach Allenstein. Eine kompetente Führerin leitete die Burg- und Stadtbesichtigung. Kulinarische Genüsse in einem typischen polnischen Restaurant ließen den Regen fast vergessen. Der Malblock musste an diesem Tag in der Tasche bleiben. Abends wurde sich am Kamin in den Ferienhäusern gewärmt.

Am nächsten Morgen ging über dem Feriendorf Mamry wieder die Masurische Sonne auf. Zur größten Bewunderung der Kursleiterin gingen fast jeden Morgen einige der Mitreisenden vor dem Frühstück im Mauersee schwimmen. Wer so mutig vor der Unterrichtsstunde schon ohne zu zögern in das Motiv abtaucht, der kann nur gestärkt sich später diesem Motiv mit Pinsel und Stift nähern.

Auf der Terrasse mussten die Hausaufgaben gemacht werden. Das kleine Einmaleins der Farbenlehre, kalte und warme Farben, reine und getrübte Mischungen und perspektivische Wirkung, unterstützt durch die Farbenlehre, wurden erarbeitet. Dazu wärmte die Masurische Sonne den Rücken. In der Verschnaufpause erhielt das hauseigene Gästebuch die Ehre einer gemalten Eintragung.

Nach der Theorie folgte die Praxis. Von dem Ausflug nach Allenstein wurden Postkarten mitgebracht und unterstützten das Gedächtnis beim Zeichnen der Stadtansichten. Doch womit sollte man anfangen? Erst den Himmel farblich anlegen oder erst eine Vorzeichnung fertigen? Und wenn ja, mit dem Pinsel und Farbe oder doch lieber mit einem Bleistift? Ein Reiseskizzenbuch unterstützte die Erinnerung. Architekturdarstellung, Backsteingotik in Ostpreußen, alte Stadttore, Giebel und Türme oder doch lieber grüne Botanik? Jetzt hatte alle das Malfieber gepackt. Es wurde bis zum Sonnenuntergang gearbeitet. Persönliche Korrekturgespräche brachten jeden Einzelnen über seine eigenen Grenzen hinaus.

Gudrun Jakubeit übernahm die künsterlische Leitung

Der folgende Tag knüpfte an die Malfreude an, und der Ausflug nach Rastenburg begann mit einer schnellen Aquarellskizze vor Ort. 45 Minuten durfte die Maleinheit dauern, bevor es zur Kirchen- und Burgführung weiterging. Für die warmgelaufenen Maler mittlerweile kein Problem. Am Ende schloss die Bildbesprechung mit dem „Strecke legen“ traditionell die Übungseinheit ab. Der folgende Besuch der Kirche Heilige Linde mit einem kleinen Orgelkonzert lieferte ein nettes Unterhaltungsprogramm als Abwechslung zu dem intensiven Malunterricht.

Welch ein Luxus: ein ganzes Ausflugsschiff stand für uns als Malgruppe den ganzen Tag zur Verfügung! Der Kapitän holte uns mit dem Malgepäck am Privatbootssteg des Feriendorfes ab und los ging die Fahrt über die Masurische Seenplatte. Zuerst hieß es unter Deck, wettergeschützt die Baustelle einrichten. Gute Panoramafenster gaben den Blick auf die Wolken, die Uferkanten und die Weite der Seenplatte bis zum Horizont frei. Angeleitete Übungen zum Motiv ließen gar nicht erst Fragen aufkommen.

Am 7. Tag der Mal- und Kulturreise ging es noch einmal nach Steinort, zum Schloss der Familie von Lehndorff. Bei dem ersten Besuch hatte uns Piotr Wagner das Konzept zur Rettung  und Nutzung durch die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz vorgestellt. Nun hatten alle genügend Zeit und Sonnenlicht, um mit dem Malerauge den Genius loci dieses besonderen Ortes zu erfassen. Es wurde ein sehr kreativer Vormittag, der wunderbar passend die ersten düsteren Begegnungen mit Steinort in ein hoffnungsfrohes abschließendes Licht tauchte. Endlich waren die Maler zufrieden.

Die große Werkschau krönte als Abschlussausstellung den letzten Tag der Malreise. Es war ein ergreifender Moment, als alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen wurden. Weit über 50 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess. Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Sie gab konstruktive Kritik und Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Eine weitere Mal- und Kulturreise des Kulturreferats am Ostpreußischen Landesmuseum im Mai 2013 nach Krakau in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern, Tel: 04131 – 7599515

oder an das Atelier Gudrun Jakubeit, Tel: 04131 – 603555

Kurzbericht zum Malkurs „Experimentelle Blitzreise – für 10 Stunden mit dem Pinsel auf der Kurischen Nehrung

Dienstag, 13. September 2011

26.3. – 27.3.2011 Begleitprogramm zur Ausstellung Ernst Mollenhauer, Malworkshop für Erwachsene

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

Am Samstag trafen sich 12 Teilnehmer zum Malworkshop im Ostpreußischen Landesmuseum. Die dort zurzeit laufende Ausstellung der Bilder Ernst Mollenhauers gaben den Anstoß zu diesem gelungen Workshop.
Wellen So begann die Kursleiterin und Künstlerin Gudrun Jakubeit den Kurs zwischen den Werken Mollenhauers. Ein einstündiger Rundgang, verbunden mit einer künstlerischen Analyse der Bilder, ließ die Teilnehmer tief in die Künstlerbiographie Mollenhauers und seinen emotionalen Welten einsteigen. Gespannt lauschten die Teilnehmer den Ausführungen über Bildaufbau, Motivwahl und den Gesetzen der Farbenlehre. Gerade die Farbwahl des Expressionisten Mollenhauers ermöglichte einen Blick in die Tiefen der Künstlerseele. Heimweh, Verlust der Heimat verbunden mit dem Verlust vieler Künstlerfreunde aus den Zeiten der Künstlerkolonie Nidden und des eigenen frühen Werkes aber auch viele schöne Erinnerungen dominierten die Bildinhalte und wurden meisterlich von Mollenhauer über die Wahl und Setzung der Farbe ausgedrückt.
Berührt und erfüllt gingen dann die Teilnehmer an das eigene Werk.

Sonne

Sonne

Zwei Tage lang bot der Ort Nidden, auf  der Kurischen Nehrung, die Bildthemen. Ob nun die Hohe Düne der ostpreußischen Sahara zu gewagten experimentellen Bildformaten und Techniken führte, oder die typischen Kurenkähne das Motiv lieferten, wurde von der Kursleiterin sehr individuell aufgegriffen. Jeder Einzelne wurde „maltechnisch an die Hand genommen“ und während des Kurses ermutigt eingefahrene Malwasser zu verlassen und über die eigenen Grenzen zu springen. So entstanden im Laufe des Kurses zahlreiche ausdrucksstarke Bilder, aus denen die Malfreude der Teilnehmer, symbolisch durch die gelbe Leuchtkraft der Nehrungssonne dargestellt, den Raum erfüllte.

Sonnenwerke

Sonnenwerke

Ein kreatives Knistern lag in der Luft, einige Teilnehmer sind gedanklich auf Reisen gegangen. Aus allen Bildern konnte man am Ende bei der großen Bildbesprechung eine Art Fernweh oder unbestimmte Sehnsucht spüren.
Farbe geht direkt beim Betrachten der Bilder, ohne intellektuelle Filterung, ins Herz. Dies war sicherlich die wichtigste Botschaft Mollenhauers, die er diesem gelungenen Workshop  mitgeben konnte.
Die Künstlerin Gudrun Jakubeit freut sich auf eine Fortsetzung des Malkurses, verbunden mit einer Malreisen nach Nidden, in Zukunft direkt vor dem Motiv.

Gudrun Jakubeit, 2011

Malen ist Meditation

Malen ist Meditation