Weit ist der Weg nach Osten

Weit ist der Weg nach Osten. Unter diesem Titel lud das Ostpreußische Landesmuseum zu  einer Veranstaltung am Mittwoch, den 29. Februar, ins Museum, um die grenzüberschreitenden Schulprojekte des Kulturreferats vorzustellen. Zudem bot der Abend Raum für einen Vortrag von Tatjana Gräfin Dönhof. Weit über 100 Personen, Schüler, Lehrer, junge und ältere Interessierte haben den Weg zu uns gefunden. Doch bereits früh am Abend geriet das „gefühlte“ Weltbild bei einigen ins Wanken.

Ist es tatsächlich weit bis in den Osten? Oder ist es nicht nur in unseren Köpfen so? Holger Wendebourg, Lateinlehrer vom Hamburger Hansa-Kolleg warf diese Fragen auf und hatte auch eine Antwort parat. Von Lüneburg nach Kaliningrad sind es gerade mal 150 km weiter als nach München und es ist nur halb so weit wie bis nach Rom. Ein Katzensprung also?

Holger Wendebourg stellt die Studienreise nach Kaliningrad vor, welche im Zeichen des 10-jährigen Todestages von Marion Gräfin Dönhoff steht

Man kann es wohl so oder so sehen. Und in den Reihen der Schüler der Lüneburger Wilhelm-Rabe Schule, die im vergangenen Herbst zusammen mit Agata Kern und Schülern der Ernst-Moritz-Arndt-Regionalschule Greifswald in den ehemals deutschen Gebieten von Pommern bis Ostpreußen in Polen unterwegs waren, raunte ein tiefes Stöhnen, als sie sich an die 12-Stunden Busfahrt erinnerten. Letztlich war diese Studienfahrt aber ein voller Erfolg und hat positive und bleibende Eindrücke bei den Schülern hinterlassen. Die Ergebnisse dieser Exkursion präsentierten sie selbst in einer Fotoausstellung, welche noch bis zum 11. März im Ostpreußischen Landesmuseum zu sehen ist und berichteten am Abend von ihren Erfahrungen.

„Suche nach der Ortsidentität“ - Schüler der Wilhelm Rabe Schule Lüneburg stellen ihre Studienreise aus dem letzten Herbst vor

Im Mai geht die Spuren- und Identitätssuche in die zweite Runde. Studierende des Hamburger Hansa-Kollegs erwartet eine Fahrt in den russischen Norden Ostpreußens. Diese Reise soll im Zeichen des 10-jährigen Todestages von Marion Gräfin Dönhoff stehen. Holger Wendebourg hat diese Region bereits vor ein paar Jahren für sich entdeckt, Rom hinter sich gelassen und einen Schritt in den Osten gewagt, in die Oblast Kaliningrad, bis in die „gesichtslose monströse Plattenbaustadt“ Kaliningrad. Doch auch er entdeckte, dass diese Stadt und Region begonnen haben sich zu verändern, ein modernes Gesicht zu entwickeln. Die Vergangenheit wird angenommen und deren (un)sichtbare Reste wiederentdeckt. Für die Schüler wird es eine interessante und spannende Reise werden, auf die auch Tatjana Gräfin Dönhoff Lust machte. Lust auf Entdecken von Spuren, auf einen „Abenteuerurlaub“, auf genaues Hinschauen.

Das Bild wurde im Rahmen der Studienreise aufgenommen und zeigt das Schloss in Steinort / Sztynort

Till Jacob: Verlorener Glanz. Das Bild wurde im Rahmen der Studienreise aufgenommen und zeigt das ehemalige Schloss der Familie von Lehndorff in Steinort / Sztynort

Als Gastrednerin und angekündigter Höhepunkt der Veranstaltung hatte die Großnichte von Marion Gräfin Dönhoff genau das auf zahlreichen Reisen in die Heimat ihrer Vorfahren bereits getan und ihre Eindrücke und Bilder unter anderem in dem Buch „Weit ist der Weg nach Westen“ veröffentlicht. Am Mittwoch konnten alle Besucher lebhaft diesen Eindrücken lauschen und sich wieder in die Vergangenheit einladen lassen, aber auch Blicke in die Gegenwart und Zukunft werfen. Tatjana Gräfin Dönhoff hat genau hingeschaut, zeigte eindrucksvolle vorher/nachher Bilder, berichtete von Bekanntschaften und Freundschaften von neuen Bewohnern der Region, zeigte aber auch einen humorvollen Blick zurück in die Jahrhunderte dauernde Geschichte der Dönhoffs im Osten – „einen Vorteil hat Adeligkeit: der Familienstammbaum ist gut dokumentiert“.

Tatjana Gräfin Döhnhoff und Museumsdirektor Dr. Mähnert im Gespräch

Dem Besucher blieb es selbst überlassen, mit welchem Auge er die Ruinenromantik Ostpreußens zu sehen hatte – an diesem Abend gab es weinende aber auch fröhliche. Vieles ist mittlerweile passiert im so fernen Osten, vieles restauriert. Nicht nur wir schauen in diese Richtung, sondern vor Ort schaut man hin. Und eines bleibt – die wundervolle Natur dieses Landstriches. Nicht den verloren gegangenen oder erhaltenen Steinen verdankt es Tatjana Gräfin Dönhoff, dass sie sich in Ostpreußen zu Hause fühlt, sondern der Landschaft.

Tatjana Gräfin Dönhoff bei der Preisverleihung

Den Abschluss des Abends bildete die Preisverleihung der gelungenen Fotoausstellung. Das Ostpreußische Landesmuseum freut sich bereits auf die Ergebnisse der Studienfahrt im Mai.

Betrachter der Fotoausstellung

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