Objekt des Monats: Ein „Pilgersouvenir“

Vor etwa 700 Jahren wanderte ein Mensch vielleicht von Lüneburg nach Köln, eine gefahrvolle, lange Reise, ca. 400 km, wohl mindestens 8 Tage. Ziel war der Besuch der Verehrungsstätte der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom. Von diesem Besuch mag er sich körperlichen und geistlichen Segen versprochen haben. Als Beleg des Besuchs in Köln und als Andenken brachte er ein kleines, aus einer Blei-Zinnlegierung gegossenes Abzeichen mit. 2014 wurde es in einer Lüneburger Abfallgrube bei archäologischen Untersuchungen gefunden. Es ist jetzt im Ostpreußischen Landesmuseum zu betrachten, zusammen mit anderen Fundstücken, die bei der Grabung zur Vorbereitung des Museumserweiterungsbaues zutage kamen.

Das Pilgerabzeichen war ein Massenprodukt. Aus ganz Europa strömten Menschen nach Köln zum Schrein der Heiligen Drei Könige im Dom, darauf bezieht sich die in primitiven Formen gehaltene Darstellung des Reliefs: In einem Gebäude sitzt links die Maria mit dem Jesuskind, über dem der Stern erscheint. Nach rechts aufgereiht stehen die drei Könige. Die beiden Türme und die Giebel oben zeigen, dass das Ganze in einem Gebäude stattfindet. Das Kreuz auf dem linken Turm bezeichnet das Gebäude als Kirche. Gemeint ist mit sicher der Dom. Die vier seitlichen Ösen (unten links ist eine abgebrochen) deuten an, dass diese Plakette zum Aufnähen gedacht war.

Foto: Pilgerzeichen an Hüten, Bilddetail (Collage) vom Heiligenthaler Altar (um 1445), St. Nicolai, Lüneburg aus: Mähnert, Joachim/Selzer, Stephan (Hg.): Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum, Husum Verlag 2012, S. 78.

Objekt: Pilgerzeichen, Köln, 14. Jh. (4x3cm), Fundort: Lüneburg, Ostpreußisches Landessmuseum Lüneburg, Leihgabe Stadtarchäologie, Museumsstiftung Lüneburg