Archiv für Juli 2018

Objekt der Woche #29 – Hermann Brachert, Erinnerung an Ostpreußen, Bronze, 1970/71

Mittwoch, 25. Juli 2018

Hermann Brachert (1890 Stuttgart – 1972 Schlaitdorf/Nürtingen) war nach Goldschmiede- und Bildhauerlehre in Stuttgart ab 1919 Lehrer an der Königsberger Kunst- und Gewerkschule für Goldschmiedekunst und Bildhauerei, ab 1926 freischaffend in Königsberg. Seit 1931 arbeitete er als künstlerischer Berater der Staatlichen Bernsteinmanufaktur in Königsberg. 1933/34 politisch verfolgt, war er aber seit 1935 bis 1944 wieder tätig für die der Staatliche Bernsteinmanufaktur und freischaffend. Schon 1946 wurde er Professor für Bildhauerei an der Stuttgarter Kunstakademie, zeitweise auch deren Rektor.

Objekt der Woche #29 – Hermann Brachert, Erinnerung an Ostpreußen, Bronze, 1970/71

Objekt der Woche #29 – Hermann Brachert, Erinnerung an Ostpreußen, Bronze, 1970/71

Die Bildidee einer schwebenden Frauengestalt entwickelte Brachert 1930, zunächst für eine Bronzeplastik als Corinth-Denkmal in Königsberg. Diese wurde 1933 von den Nationalsozialisten entfernt. An der Komposition arbeitete der Künstler weiter, u. a. 1939 mit einer Bernsteinplastik und nach 1945 in weiteren Varianten. Die letzte und größte Gestaltung nannte er schließlich „Erinnerung an Ostpreußen“, zunächst ganz persönlich motiviert, als Erinnerung an seine 25 Schaffensjahre dort. Die ersten Jahre ab 1972 stand die Bronzeplastik im Stuttgarter Schlosspark. Schließlich wurde sie, auf besondere Initiative des Architekten und Freundes Bracherts Dietrich Zlomke, Ravensburg, zur Eröffnung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg 1987 vor diesem aufgestellt. Sie galt nun als allgemeines Erinnerungsdenkmal an Ostpreußen.

Objekt der Woche #28 – Das zerstörte Ostpreußen 1914

Mittwoch, 18. Juli 2018

Der Beginn des Ersten Weltkriegs ließ gleich Anfang August 1914 große Bereiche Ostpreußens, als einzigem Teil Deutschlands überhaupt, zum Kriegsgebiet werden. Von Süden und Osten zogen zwei russische Armeen heran und zwangen die schwachen deutschen Militäreinheiten zunächst zum Rückzug. Die Hauptmacht des deutschen Heeres war im Westen zum Angriff auf Frankreich und Belgien versammelt. Erst Ende August wandelten sich die Verhältnisse nach der sog. Schlacht bei Tannenberg, die mit einer Niederlage der russischen Armee endete. Es sollte aber noch bis März 1915 dauern, bis alle Kämpfe in Ostpreußen endeten.

Objekt der Woche #28 – Das zerstörte Ostpreußen 1914

Objekt der Woche #28 – Das zerstörte Ostpreußen 1914

Zerstörungen und Flucht, Besetzung und Drangsalierung der verbliebenen Einwohner gaben Anlass zu vielen düsteren Schilderungen. Die Propaganda fand neben dem Leid ein reiches Betätigungsfeld. Mit den Bildern der Verwüstung konnte aber auch im übrigen Deutschland für die Unterstützung des Wiederaufbaus Ostpreußens geworben werden, der schon 1915 – mitten im Krieg – begann. So wurde vielen Menschen Ostpreußen erst durch den Krieg richtig bekannt und in unzähligen Berichten, Büchern und Ansichtskarten vor Augen gestellt – als zerstörtes Gebiet. Einige ausgewählte Ansichtskarten zerstörter Orte im Süden Ostpreußens findet der Besucher auch in der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums, eine davon sehen Sie hier.

Objekt der Woche #27 – Rauchtisch

Mittwoch, 11. Juli 2018

Begeisterte Jäger drücken ihre Leidenschaft vielfach auch durch eine ganz eigene, manchmal ungewöhnliche Prägung ihrer Wohnumgebung aus. Hier stellen wir ein Objekt unserer Dauerausstellung vor, das einmalig ist und unter dem Thema „Jagdtraditionen“ gezeigt wird. Es ist ein kleiner Tisch, der dem aus Ostpreußen stammenden, um 1905 nach Berlin versetzten Soldaten Otto Buttgereit aus dem Kreis Pillkallen zum Abschied geschenkt wurde. Er besteht bis auf eine Holzplatte ausschließlich aus Geweihstücken von Rothirsch und Elch.

Objekt der Woche #27 – Rauchtisch

Objekt der Woche #27 – Rauchtisch

Zu diesem Tisch gehören ein Aschenbecher, ein Zigarrenspender, ein Kerzenhalter, ein Zigarrenanspitzer und ein Streichholzschachtelhalter. Auch sie sind fast durchweg aus Geweihteilen von Rothirsch, Elch und Reh gefertigt worden. Nach Feierabend mag Otto Buttgereit gemütlich bei einer Zigarre an seine ostpreußische Heimat gedacht haben. Wir verdanken dieses Geschenk seinem Enkel Hans-Joachim Schütt.

Objekt der Woche #26 – Stillleben mit Pompon-Dahlien, Wilhelm Heise

Mittwoch, 4. Juli 2018

Ein Blick in ein dunkel wirkendes Zimmer mit geheimnisvoller Atmosphäre – dieses Motiv gibt eine Arbeit des Grafikers Wilhelm Heise (1892-1965), der von 1937 bis 1943 Professor für Grafik an der Königsberger Kunstakademie war. Er hatte sich in den 1920er Jahren die Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit angeschlossen. Als Alternative zu Expressionismus und Abstraktion setzten Künstler auf ein Zurück zu den Grundformen in sachlicher Betrachtung. Aber auch darin steckt eine Interpretation. Dieses Stillleben zeigt das durch seine fast ein wenig unheimliche Stimmung. Zugleich erinnert es an barocke Blumenstillleben des 17. Und 18. Jahrhunderts. So ein Rückgriff in die Kunstgeschichte ist ebenfalls gelegentlich typisch für die Stilströmung der Neuen Sachlichkeit.

Objekt der Woche #26 – Stillleben mit Pompon-Dahlien, Wilhelm Heise

Objekt der Woche #26 – Stillleben mit Pompon-Dahlien, Wilhelm Heise

Diese Grafikarbeit zeigt einige Gründe, die sicher für die Berufung Heises nach Königsberg sprachen: seine neusachliche Bildsprache und sein großes technisches Können im Feld der künstlerischen Grafik. Bei diesem Druck handelt es sich um einen Steinstich, eine ungewöhnliche Technik, die schwierig zu handhaben ist und selten angewandt wurde. Es handelt sich um eine Verbindung von Merkmalen des Kupferstichs und der Lithografie.
Diese Arbeit wird Teil der Präsentation der Königsberger Grafiklehrer an der Kunstakademie sein, im Zuge der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums. Da aus konservatorischen Gründen Papierobjekte nicht sehr lange ausgestellt sein sollten, wird in dem graphischen Kabinett mehrfach im Jahr eine neue Ausstellung von Beispielen aus der umfangreichen Grafiksammlung des Museums zu sehen sein.