Archiv für Dezember 2015

In den Semesterferien – Mein Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum vom 17.08.-26.10.2015

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Hallo,

Mein Arbeitsplatz- beim Recherchieren

Mein Arbeitsplatz- beim Recherchieren

mein Name ist Juliane Ries und ich studiere mittlerweile im 5. Semester Kulturwissenschaft und Geschichte an der Universität in Vechta. Ein wichtiger Bestandteil im Studium ist die Durchführung eines Pflichtpraktikums. Dieses wird benötigt um das Studium erfolgreich zu absolvieren.

Jedoch ist mir das Praktikum durch die tolle Atmosphäre und die interessanten Aufgaben im Ostpreußischen Landesmuseum nicht wie eine Pflicht vorgekommen – ganz im Gegenteil. Von Anfang an habe ich mich sehr auf das zehnwöchige Praktikum gefreut, da mir das Museum als gebürtige Lüneburgerin und aufgrund meiner zahlreichen Besuche im Kindesalter in positiver Erinnerung geblieben ist.

Zunächst wurde mir das gesamte Museum, inklusive des Magazins, der Sammlung und des Neubaus gezeigt. Am spannendsten waren für mich die Sammlung des Museums mit ihren unzähligen Objekten und der Neubau. Der Neubau hat mich sehr neugierig auf das Endergebnis gemacht, das bestimmt toll sein wird! Meine Aufgaben im Museum beinhalteten die Mithilfe bei der Konzeption der neuen Dauerausstellung und das Sammeln von Informationen, Daten und Objekten.

Die Geschichte in und um Ostpreußen wurde bei mir weder in der Schule noch im Studium thematisiert, deshalb durfte ich mich zum Beginn des Praktikums mit der Thematik vertraut machen und viel recherchieren. Meine Recherche habe ich hauptsächlich in der hauseigenen Bibliothek und in der musealen Partnerbibliothek des Nord–Ost-Instituts vorgenommen. Mein gewonnenes Wissen konnte ich direkt in den ersten Aufgaben zur Geschichte Ostpreußens einsetzen und vertiefen.

Im Anschluss daran durfte ich mich mit der Datenbank des Ostpreußischen Landesmuseums „First Rumos“ vertraut machen. Mittlerweile kenne ich mich mit der Datenbank gut aus. In der Museumsdatenbank werden sämtliche Angaben über die Objekte und die Objektgeber eingetragen. Am interessantesten dabei fand ich das Inventarisieren neuer Objekte. Im Zuge dessen werden vorab Laufzettel für jedes einzelne Objekt erstellt. Dort werden grundsätzliche und präzise Informationen über das Objekt, den Objektgeber, die Geschichte und den Zustand  des Objektes vermerkt. Der Laufzettel hat mich beim Inventarisieren am meisten begeistert, da ich darüber schnell Informationen über das Objekt und den Objektgeber erlangen konnte.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter haben mich sehr unterstützt und mich mit lehrreichen und abwechslungsreichen Aufgaben gefordert. Ich habe die Möglichkeit bekommen, in der deutschbaltischen, naturkundlichen und kunsthandwerklichen Abteilung Erfahrungen zu sammeln. Zudem wurde mir viel gezeigt und ich durfte an unterschiedlichen Sitzungen teilnehmen, sowie das Außenmagazin des Museums und den Sitz der Carl-Schirrin-Gesellschaft besichtigen.

Das Lager im Atombunker unter dem Schulzentrum Oedeme empfand ich als besonders beeindruckend. Hierbei handelt es sich um ein vom Museum als Außenlager genutzten Raum, der durch seine Lage im Atombunker seinen ganz eigenen Charme bekommt. Die Jagdwaffen aus dem 17./18. Jahrhundert, welche ich mir aus nächster Nähe angucken durfte, fand ich ebenfalls sehr beeindruckend.

Durch die Teilnahme an den unterschiedlichen und zeitintensiven Sitzungen habe ich gemerkt, wie aufwendig allein die Konzeption der Dauerausstellung ist und wie viel es zu beachten gilt. Es fanden sogenannte „DAK-Sitzungen“ mit allen wissenschaftlichen Mitarbeitern des Museums statt. In diesen haben sich die Mitarbeiter gegenseitig ihre Konzeptionen zur neuen Dauerausstellung vorgestellt und diskutiert. Außerdem gab es Sitzungen mit dem Ausstellungsgestalter der neuen Dauerausstellung. Während dieser Treffen wurde die neue Dauerausstellung etagenweise durchgesprochen. Dies war äußerst aufschlussreich, da mir dadurch erst die Arbeitsintensität einer so umfangreichen Ausstellung bewusst geworden ist.

Einer der zeitintensivsten, aber auch aufschlussreichen Aufgaben war die Recherche von Bildrechten. Das Museum ist auf die ständige Verwendung unterschiedlichster Bilder angewiesen und benötigt zu jedem Bild die jeweilige Bildquelle und das Bildrecht. Das Ausfindigmachen geeigneter Bilder und die dazugehörigen Quellen und Bildrechte zu finden, ist aufwendig und komplex, jedoch macht sie sehr viel Spaß, sobald man die ersten Ergebnisse erzielt hat.

Das Lesen von Fluchttagebüchern war eine weitere Aufgabe, mit der ich mich längere Zeit beschäftigt habe. Die erzählten Geschichten waren rührend und es ließen sich Parallelen zu den heutigen, aktuellen Geschehnissen erkennen. Auf diese Tagebücher werde ich wohl immer aufgrund der geschilderten Erlebnisse und Schicksale mit gemischten Gefühlen zurückblicken.

Zu meinen Aufgaben während des Praktikums gehörte es auch Telefonate mit den Objektgebern zu führen. Bei meinen ersten Telefonaten war ich zwar noch etwas aufgeregt, aber letztendlich hat mir der direkte Kontakt mit den Objektgebern gefallen. Durch die Telefonate habe ich einen emotionalen Bezug zu der Geschichte hinter den Objekten gewinnen können. Die Objekte stammten unter anderem aus der Zeit der Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen im Jahr 1945. Dies gab mir einen tieferen Einblick in die Geschichte. Mir wurde vor Augen geführt, dass die Objektgeber auch heutzutage noch sehr an ihren Habseligkeiten von damals hängen und diese in guten Händen wissen wollen. Für viele Erblasser ist das OL die erste und einzige Anlaufstelle zur Erhaltung ihrer Objekte. Die Objektgeber sind beruhigt, wenn sie diese dem OL sicher und thematisch passend überlassen können.

Der Ausflug mit den Kollegen und Ehrenamtlichen in das Museum Lüneburg mit anschließendem Beisammensein ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Die Führung im Museum Lüneburg war sehr informativ und ich konnte anschließend spannende Gespräche mit den Ehrenamtlichen führen. Die enge Verbindung des Ostpreußischen Landesmuseums zu seinen Ehrenamtlichen habe ich als sehr herzlich und positiv empfunden.

Ich freue mich sehr auf das neue Museum und die Dauerausstellung und bin gespannt, ob ich dort die Konzeptionen und Projekte, bei denen ich mitgearbeitet habe, wiedererkennen werde. Rückblickend betrachtet, hatte ich sehr viel Spaß im Museum und bin der Meinung, dass die zehn Wochen viel zu schnell vergangen sind und möchte mich auch an dieser Stelle für die tolle Unterstützung des Ostpreußischen Landesmuseums bedanken.

Besuch der Hamburger Kunsthalle

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Bericht von Jutta Pruchner, Lehrerin der Grundschule Kerschensteinerstraße Hamburg

Wie schon im Jahr zuvor besuchte in diesem Jahr die Klasse 4b von Frau Germer der Grundschule Kerschensteinerstraße Hamburg im Rahmen des Kunstunterrichts am 26. November 2015 die Kunsthalle Hamburg in Kooperation mit dem Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg, vertreten durch Frau Kern. Die Kinder wurden von der Vermittlerin der Kunsthalle Frau Hobbing durch das Programm geleitet.
Vor der Videoinstallation von Florian Slotawa „Museums-Sprints“ im Kellergeschoss der Galerie der Gegenwart machten sich die Kinder Gedanken zu Zeit, Raum und Wahrnehmung. Danach betrachteten sie ausgewählte Kunstwerke von Caspar David Friedrich (u.a.: Eismeer, Wanderer), Philipp Otto Runge (u.a.: Der Morgen) und Lovis Corinth (Flora), thematisierten die Farbgebung, die Technik und die jeweils dargestellten Tages- und Jahreszeiten. Ebenso wurden die Kinder mit einem visuellen Farbenexperiment auf die Farbenlehre Runges hingewiesen, über die er mit Johann Wolfgang von Goethe korrespondierte.
Vor dem Bild „Flora“ von Lovis Corinth machten sich die Kinder Gedanken über die Gefühle und die Körperhaltung der dargestellten Flora und fertigten in einer kleinen praktischen Übung eine Kreidezeichnung auf beigem Papier an. Den Hintergrund konnten sie ähnlich wie beim Gemälde „Flora“ mit hellen und dunklen Kreiden kontrastreich gestalten. Für viele Kinder war es der erste Museumsbesuch in ihrem Leben und alle nahmen vielfältige Eindrücke, Fragen und Gedanken mit auf ihren Heimweg.

„In der Kunsthalle hat es mir sehr gut gefallen. Ich habe noch nie so schöne Bilder gesehen. Leider konnten wir nur einige Bilder besprechen. Aber es war trotzdem toll. Ich fand es sehr schön, dass wir gemalt haben, obwohl es sehr schwer für mich war….“ I.H.T.

„Heute waren wir in der Kunsthalle. Ich habe dort gelernt, dass man einen Menschen auch anders malen kann, nicht immer wie die Kinder ihn malen mit einem Kreis für den Kopf, runde Augen, einen Strich für den Mund und den Körper aus Strichen. Der Hintergrund ist bunt, das stellt bunte Blumen dar und braun. Ich fand es toll, dass wir selbst ein Mädchen malen durften, unserer Fantasie freien Lauf geben konnten und unsere Gefühle rausmalen durften. Das musste nicht perfekt sein – es war so schön dort.“ R.D.

Ostpreußen als Reiseland – vor 1945

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Vortragsangebot von Dr. Christoph Hinkelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ostpreußischen Landesmuseum

Seit der politischen Öffnung in Mitteleuropa sind die auf drei Staaten verteilten ostpreußischen Städte und Landschaften wieder zugänglich und ein interessantes Reiseziel geworden. Wieder – muss man erneut sagen, denn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg spielte der Fremdenverkehr eine wesentliche wirtschaftliche Rolle in der damaligen Nordostecke Deutschlands.

Tourismuswerbung in den 1930er Jahren

Die Kurische Nehrung mit ihren Sanddünen war ein klassisches Reiseziel vor dem Zweiten Weltkrieg, Aufnahme 1940 (E. Schütz)

Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert begann man, andere Regionen und weiter entfernt liegende Orte wegen ihrer Geschichte, Bauwerke, Bibliotheken usw. zu besuchen. Diesen „Gelehrten-Reisen“ gesellten sich im 19. Jahrhundert Erholungsreisen hinzu, die zunehmend auch nach Ostpreußen führten. Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur, doch in den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle im geographisch abgetrennten und v.a. landwirtschaftlich geprägten Ostpreußen.

Städte und Regionen warben in Prospekten mit ihren jeweiligen Besonderheiten (Marienburg, 1930er Jahre)

Die Verkehrsinfrastruktur der Provinz war vielseitig und gut auf den Fremdenverkehr eingestellt.

Ostpreußen warb mit guter Infrastruktur, moderaten Preisen für Reisen im Land ebenso wie für Übernachtungen und deutschlandweit bekannten Reisezielen. Innerhalb des Landes gelangte man mit Kleinbahnen, der Kraftpost und anderen Omnibusverbindungen sowie dem PKW zum Ziel. Für letztere gab die Mineralölfirma Shell die besten Straßenkarten heraus. Zwölf Gebiete bildeten den Schwerpunkt der Reiseziele: das Weichselland, die Frische Nehrung, Stadt und Landkreis Königsberg, das Samland, die Kurische Nehrung, das Ermland, das Oberland, Masuren, das Pregeltal, der Nordosten, die Rominter Heide sowie die immer mitberücksichtige Freie Stadt Danzig. Ferner lockten die größeren und attraktiveren Städte mit ihren Besonderheiten und ihrem Umland ebenso wie wichtige Gedenkstätten, z.B. die Abstimmungsdenkmale oder das „Reichsehrenmal“ Tannenberg, die an die Kämpfe im und die Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg erinnerten, Bildungsreisende und  „Sommerfrischler“ in die entlegene Provinz. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endete diese Epoche.

Auch der Tourismus in Ostpreußen blieb von der Politik und Propaganda nicht verschont. Nach dem "Wiederanschluss" des Memelgebiets im Frühjahr 1939 wurden die bis dahin verwendeten Prospekte kurzerhand einfach überdruckt.

Einen Vortrag über das Reiseland bzw. über andere landeskundliche Besonderheiten Ostpreußens vermittelt das Ostpreußische Landesmuseum bei Interesse (Dr. Christoph Hinkelmann, Tel. 04131 75995-19).