Archiv für August 2015

Arno Surminski-Ausstellung in Königsberg / Kaliningrad

Montag, 24. August 2015
Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Am 6. August 2015 wurde im Museum „Friedländer Tor“ in Kaliningrad/Königsberg die Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums über das Leben und Werk des bekannten ostpreußischen Schriftstellers Arno Surminski eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung waren Arno Surminski und seine Frau persönlich anwesend.

Es war die erste Kooperation unseres Hauses mit den Kollegen aus dem einstigen Königsberg, die in ihrem Museum die Geschichte der ehrwürdigen Stadt an der Pregel präsentieren.

Die Direktorin des Museums, Frau Marina Yadova, begrüßte zahlreiche Gäste und Besucher. Besonders freundliche Worte richtete sie an Arno Surminski, der sich, wie sie sagte, mit seinem ganzen Werk gegen den Krieg ausspreche. Er stelle die Geschichte Ostpreußens literarisch dar, das Museum erfülle die gleiche Aufgabe, bloß mit museumsspezifischen Darstellungsformen. Es gebe viel Verbindendes.

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Anknüpfend an die Worte von Frau Yadova brachte Arno Surminski in seiner Rede zum Ausdruck, wie froh er ist, dass die Ausstellung nach zahlreichen Stationen in Deutschland und Polen auch in Kaliningrad in Russland gezeigt werde. Sie könne helfen, das Verbindende zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationen zu zeigen: Polen, Russen und Deutschen, jetzigen und alten Bewohnern Ostpreußens. Er wünschte der Ausstellung viel Erfolg. Nach der Eröffnung fand eine Lesung statt, in der Arno Surminski aus seinem Buch „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ die Passagen über die Zerstörung Königsbergs vorgetragen hat.

Lesung

Arno Surminski wurde 1934 in Jäglack (heute Jeglawki) im Kreis Rastenburg (heute Ketrzyn/Polen) in Ostpreußen geboren. Dort lebte er gemeinsam mit seiner Familie, bis seine Eltern 1945 deportiert wurden. Surminski blieb allein zurück und wurde 1947 nach mehreren Lageraufenthalten von einer Familie in Schleswig-Holstein aufgenommen. Seit 1972 arbeitet er freiberuflich als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller. Zu seinen Bestsellern gehören die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Polninken oder Eine deutsche Liebe“. Einige große Romane spielen im nördlichen Teil Ostpreußens, der heute zu Russland gehört, wie  „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ und „Winter Fünfundvierzig oder Die Frauen von Palmnicken“. Die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Vaterland ohne Väter“ sowie zahlreiche Erzählungen wurden ins Russische übersetzt.

Arno Surminski vor der Ausstellung

Arno Surminski vor der Ausstellung

Wir bedanken uns herzlich für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte!

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede

Umbau und Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung

Donnerstag, 20. August 2015

Ein Bericht von Silke Straatman

Seit vielen Jahren wurde darum gerungen, nun endlich wurden die langen Mühen belohnt: Im Sommer 2014 beginnen erste bauliche Maßnahmen zur Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums. Neben dem Ostpreußischen Kernbereich soll das Museum künftig auch um eine Deutschbaltische Abteilung erweitert und vor allem rundum modernisiert werden. Hierzu erhält es einen Neubau auf der westlich angrenzenden Freifläche mit einem neuen Eingangsfoyer im Erdgeschoss und einem großen modernen Sonderausstellungsraum im ersten Stock. Der neue Zugang des Museums liegt nun in der beliebten und belebten “Heiligengeiststraße” inmitten der historischen Altstadt wenige Meter vom wichtigsten Platz Lüneburgs “Am Sande”. Für die Umsetzung wurde im Vorfeld das renommierte schleswig-holsteinische Architektenbüro Gregor Sunder-Plassmann aus Kappeln an der Schlei ausgewählt.

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (Gregor Sunder-Plassmann)

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (© Gregor Sunder-Plassmann)

Bauen in einer historischen Altstadt ist immer eine Herausforderung. So auch hier. Aber am 10. November 2014 wird endlich die sehnsüchtig erwartete Grundsteinlegung gefeiert. Wohlwollend ist die Rede von Ministerialrat Dr. Thomas Lindner als Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der dem Bau gutes Gelingen wünscht und sich bei allen Mitförderern, dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Klosterkammer, der Europäischen Union und nicht zuletzt den Ostpreußen und Deutschbalten für ihr finanzielles und ideelles Engagement bedankt. Er hebt lobend hervor, dass sich so viele Einzelne beruflich und im Ehrenamt über so lange Zeit für dieses Bauvorhaben eingesetzt haben. Stellvertretend für alle dankt er dem Museumsteam unter Leitung von Dr. Joachim Mähnert und würdigt zugleich an dieser Stelle den 2011 viel zu früh verstorbenen für dieses Vorhaben außerordentlich engagierten deutschbaltischen Architekten Richard Westrén-Doll.

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Mit weiteren Erdaushebungen auf der Baustelle sind die Archäologen schnell zur Stelle und werden natürlich fündig. In Lüneburg, einer Stadt mit mittelalterlichen Wurzeln, gehört Historie dazu: Zwei Kloaken werden entdeckt und einzigartige kleine Objekte wie ein Pilgerzeichen aus der Hansezeit ausgegraben. Wir freuen uns mit den Archäologen, aber der Weiterbau verzögert sich um einige Wochen. Ein Wermutstropfen, denn das kostet viel Geld und Geduld.

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Am 16. Februar 2015 schließt das „alte“ Museum mit einer feierlichen gut besuchten Finissage. Alle wollen noch einmal gucken und Abschied nehmen von der alten Dauerausstellung und liebgewonnenen Exponaten. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen sich richtig ins Zeug und stellen ein attraktives Programm auf die Beine.

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Am 7. April 2015 kann die Verwaltung des Museums in das neu restaurierte 500 Jahre alte ehemalige Brauhaus, das so genannte “Scharffsche Haus” in der Heiligengeiststraße 38, einziehen. Hier wird auch künftig der neue Museumseingang sein. Alles ist noch provisorisch und riecht nach Farbe. Die Räume sind neu und modern, nur die Möbel sind die alten. Dafür reicht das Geld dann doch nicht. Dem Leben aus den Kisten wird mit Eifer bald ein Ende gesetzt. Und obwohl der neue Verwaltungseingang sich nur um eine Straße vorverlagert hat, fühlen sich die Mitarbeiter auf einmal voll im Leben, mitten in der Altstadt. Toll, ein echter Gewinn. Und im Altbau werden die ehemaligen Büros in schöne Räume für Gruppen und Schulklassen sowie für die Dauerausstellung umgebaut.

Umzug ins "Scharffsche Haus"

Umzug ins "Scharffsche Haus"

10. Juli: Der Rohbau ist fertig. Erleichterung bei allen, denn es gab nach dem Einsatz der Archäologen zum Glück keine unvorhergesehenen Verzögerungen mehr. Ein großes Richtfest wird nicht gefeiert, aber Grund zum Anstoßen gibt es allemal und natürlich wird das Gebäude zünftig “getauft” und mit Richtspruch und -krone eingeweiht. Ein herzliches Glück auf und die besten Wünsche für einen weiterhin unfallfreien Bauverlauf! Dank gebührt diesmal vor allem den Handwerkern, Architekten und Planern, aber letztendlich natürlich allen Beteiligten.

Endliche Richtfest!

Endlich Richtfest!

Und weiter geht’s mit Planungssitzungen und  Besprechungsrunden. Die Museumswissenschaftler, Architekten des Büros Gregor Sunder-Plassmann sowie die Ausstellungsgestalter Homann, Güner, Blum (hgb) beraten über Aussehen und gestalterische Umsetzung des historischen Innenhofes und des Eingang-Foyers. Wie können Besucherinnen und Besucher neugierig gemacht werden auf ein neu gestaltetes Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung?

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Am 27. Juli 2015 wird das „Café Bernstein“ im  Erdgeschoss des „Scharffschen Haus“ mit mehr als 300 geladenen Gästen eröffnet. Der Pächter des neuen Museumscafés, Kevin James Meier, ist zufrieden und freut sich: „Mit soviel Andrang habe ich nicht gerechnet.“ Das Café zeigt sein besonderes Ambiente mit einem Lesesaal, der zum Verweilen bei einer Tasse Kaffee und leckerem Kuchen einlädt. Auch kleine ostpreußische Gerichte, wie beispielsweise „Königsberger Klopse“, stehen auf der vielseitigen Karte.

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

Im Herbst 2015 muss der Neubau mit einem faszinierenden Sonderausstellungsraum fertig sein, denn Anfang November (7./8.11.2015) will sich das Museum mit seinem beliebten Museumsmarkt in den neuen Räumlichkeiten präsentieren. Wir können gespannt sein!
Der Neubau geht voran!

Der Neubau geht voran!

Demnächst in diesem Blog: Neues von der Bausstelle …