Archiv für Juli 2014

Lesen beginnt mit Vorlesen

Sonntag, 27. Juli 2014
Schöne Geschichte…

Schöne Geschichte…

Es steht längst außer Frage, wie wichtig für das ganze Leben eine hohe Lesekompetenz ist. Zahlreiche Studien belegen, dass bei einer erschreckend großen Gruppe erheblicher Nachholbedarf besteht. Das Ostpreußische Landesmuseum will hierzu seinen Teil beitragen und unterstützt im Verbund mit zahlreichen Partnern, darunter v.a. auch die Leuphana-Universität, entsprechende Projekte des Netzwerkes Leseförderung.

Abschlusspräsentation: Die Kinder des Museumskinderclubs stellen ihre Bildergeschichten vor. Dr. Muthhardt Hackbarth will mit „Netzwerk Leseförderung“ das Lese-Interesse bei Kindern fördern.

Abschlusspräsentation: Die Kinder des Museumskinderclubs stellen ihre Bildergeschichten vor. Dr. Muthhardt Hackbarth will mit „Netzwerk Leseförderung“ das Lese-Interesse bei Kindern fördern.

Im Rahmen der Aktionswoche der Stadt Lüneburg: „Lüneburg liest“ (2. bis 6. Juni 2014) präsentierten daher die Kinder des Museums-Kinderclubs einen wortgewandten literarischen Nachmittag im Ostpreußischen Landesmuseum.

Vorlesen muss geübt werden

Vorlesen muss geübt werden

Bernsteinschlösser, Feuer und Blitze! – Bei der diesjährigen Aktionswoche von „Lüneburg liest“ waren auch die Museumsclub-Kinder beteiligt und verwandelten das Ostpreußische Landesmuseum in eine Welt voll Fantasie und Hörzauber. Unter dem Motto „Lesen beginnt mit Vorlesen“, trugen die Kinder mit viel Leidenschaft und Verve den Besuchern mythische Geschichten über die Herkunft und Entstehung des Bernsteins vor. Mit selbstgestalteten Bildern illustrierten sie farbenfroh die Legenden der alten Griechen und Litauer und gaben so der Veranstaltung einen schönen stimmungsvollen Rahmen. Ein Tag also nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen.

(Lotte Heyhusen)

1. Die Bernsteinsgeschichte in selbstgemalten Bildern

Die Bernsteinsgeschichte in selbstgemalten Bildern

Lesen mit verteilten Rollen

Lesen mit verteilten Rollen

Die „Leserunde“

Die „Leserunde“ mit Dr. Muthhardt Hackbarth, Vorstandsmitglied von „Netzwerk Leseförderung“ und ehemaliger Vizepräsident der Bezirksregierung Lüneburg

Mit allen Sinnen – Malreise nach Nidden

Donnerstag, 24. Juli 2014
Malkurs

Malkurs

Vor dem Ausflug mit dem Kurenkahn

Vor dem Ausflug mit dem Kurenkahn

Vom Ostpreußischen Landesmuseum angeboten, von Agata Kern, der Kulturreferentin, organisiert, von der in Lüneburg lebenden Künstlerin Gudrun Jakubeit, einer klassischen Aquarellistin englischer Schule begleitet, hatte eine Gruppe von 20 Teilnehmern das Erlebnis, die erste Juliwoche auf der Kurischen Nehrung, in Nidden (Nida), zu verbringen.

Dr. Jörn Barfod, der wissenschaftliche Begleiter dieser Reise, sorgte an fast jedem Reisetag dafür, daß Maler wie auch die kleinere Gruppe der Nichtmaler Informationen erhielten, die die Augen öffneten für all das, was heute aus vergangenen Tagen nicht mehr vorhanden ist. Er beschrieb die früher erste Adresse des Ortes, das Gasthaus Hermann Blode, er zeigte historische Aufnahmen des Fischerdorfes aus den 30er Jahren, und er führte durch den Ort zu Häusern und Plätzen von (kultur-)geschichtlicher Bedeutung. Dadurch gelang der Brückenschlag zum Schwerpunktthema „Künstlerkolonie Nidden“. Die Reiseteilnehmer, so angeleitet, konnten selbst auf Spurensuche gehen, welche der bevorzugten Motive der vielen Künstler, die hier oft Sommer für Sommer tätig waren, in der Spanne von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1944/45, heute noch zu entdecken sind.

Unsere Gruppe vor dem Hotel Nidos Smilte

Unsere Gruppe vor dem Hotel Nidos Smilte

Unter Anleitung von Frau Jakubeit übten die Maler, die Wolkenspiegelung auf der Wasserfläche des Kurischen Haffs wiederzugeben. Sie saßen im Regenschauer und in brennendem Sonnenlicht auf der Parniddener Düne und versuchten, ihre Farben und Formen auf das Blatt zu bannen. Mit nicht ermüdendem Eifer wurden die sich auf dem historischen Friedhof von Nidden ergebenden An- und Ausblicke gestaltet. Von einigen der teils semiprofessionellen Künstler wurde die evangelische Kirche, der Torbogen, das nahebei stehende Kruzifix mit in die Motivauswahl einbezogen. Den „Italienblick“, seit Jahrzehnten von bildenden Künstlern immer wieder abgebildet, nahmen alle als Herausforderung an. Das Zeichnen und Malen auf dem Schwiegermutterberg, in unmittelbarer Nähe des Thomas-Mann-Hauses, wurde ergänzt durch einen Vortrag von Uwe Meyer zur Geschichte des Thomas-Mann-Hauses.

Eine Bereicherung des thematischen Reiseschwerpunkts war auch, den vor Vollendung stehenden Film „Nidden – Künstlerkolonie auf der Kurischen Nehrung“ zu sehen und die überarbeitete Fassung von „Thomas Mann – Mein Sommerhaus“ – beides in Anwesenheit des Regisseurs Arvydas Barysas, der obendrein mit einer angenehmen Gesangsstimme, mit litauischen Liedern überraschte.

Vortrag von Uwe Meyer zur Geschichte des Thomas-Mann-Hauses

Vortrag von Uwe Meyer zur Geschichte des Thomas-Mann-Hauses

Während die Malgruppe mit Fleiß alle in der Aufenthaltsspanne verfügbare Zeit zum Arbeiten nutzte, profitierten die Nichtmaler gleich mehrfach von Dr. Barfods Kontakten und seinem weitgespreizten Fachwissen. Ein Tagesausflug führte von der Nehrung in eine Kontrastlandschaft – in das Memelgebiet nach Heydekrug (Šilutė) und nach Ruß (Rusnė), überwiegend auf den Spuren des Wirkens des unvergessenen Hugo Scheu. Ihm, dem Ökonomierat und Menschenfreund, ist vor zwei Jahren in Heydekrug vor dem inzwischen aufwendig renovierten Wohnhaus ein beachtliches Denkmal gesetzt worden. Die Heydekrüger Kirche mit ihrem unverwechselbaren Altarbild beeindruckte, und eine Textpassage aus Hermann Sudermanns Erzählung „Jons und Erdme“ schärfte den Blick für die Moor- und Wiesenlandschaft. Noch immer gibt es im Frühjahr den „Schaktarp“!

Das Altarbild in der Heydekrüger Kirche

Das Altarbild in der Heydekrüger Kirche

Ein anderer Tagesausflug führte Dr. Barfod mit den Nichtmalern per Schiff über das Kurische Haff in das Mündungsdelta der Memel. Im Dörfchen Minge gesellte sich der Kunstsammler Alexander Popow mit seinem Enkelsohn und einer Mitarbeiterin zum Grüppchen. Gemeinsam ging es per Kleinbus zum Windenburger Eck (Vente), wo – mit Mitteln aus Töpfen der EU – z. Z. umfangreiche Bauarbeiten stattfinden, an erster Stelle Wegbefestigungen, Treppenanlagen und eine Rekonstruktion und Erweiterung des Gebäudes der Ornithologischen Station. Alexander Popow machte hier deutlich, was ihm – bis 1990 Kapitän der Handelsschiffahrt – diese Landschaft bedeutet. Seit gut zehn Jahren sammelt er Werke von Künstlern, die Motive der Kurischen Nehrung, der Hafenstadt Memel und immer wieder Blicke auf das Kurische Haff (bis 1945) festgehalten haben. Alexander Popow ist Vorsitzender der „Gesellschaft der Freunde Ostpreußischer Kunst Nidden“ (Society of East Prussian Art Lovers’ Nidden), die 2009 in Klaipeda (Memel) gegründet wurde.

Zu Gast bei Herrn Popov

Zu Gast bei Herrn Popov

Zu Gast bei Herrn Popov

Zu Gast bei Herrn Popov

Ein Tagesausflug für alle Teilnehmer zum Besuch der Kunstgalerie Klaipeda (Franz-Domscheit-Galerie) verschaffte einen ersten Eindruck von der Sammlertätigkeit des Alexander Popow. Von den nahe 1.000 zusammengetragenen Werken, die Beispiele für das Schaffen von 300 Künstlern geben, sind hier in mehreren Sälen über 200 Werke ausgestellt, die von gut 100 Künstlern stammen. Dank der Führung von Dr. Barfod gelang es, die „Rosinen“ herauszupicken, zeitgeschichtliche Zuordnungen vorzunehmen, Beziehungen der Maler untereinander aufzudecken und die Besonderheit manch eines Werks herauszustellen. Bei dem Mangel an Zeit für die Betrachtung von so viel Schönheit, Können und Bedeutsamkeit blieb der Trost: Diese Sonderausstellung wird hier noch bis zum 8. Mai 2016 zu sehen sein!

Besuch der Kunstgalerie in Klaipeda

Besuch der Kunstgalerie in Klaipeda

Für einige Mitreisende gab es eine uneingeplante Entdeckung am Rande: Die ausgestellten Teile des umfangreichen Nachlasses von Franz Domscheit (Pranas Domšaitis), die hier in der nun nach ihm benannten Kunstgalerie sehr schön präsentiert werden und Beachtung verdienen. – Eine Führung durch die Altstadt von Memel (Klaipeda) vollendete den Tag.

Bei den auf der Nehrungsstraße zurückgelegten Busfahrten beglückte zweimal der Anblick eines Elchs – wie auch ein in der Ostsee badender Reisegefährte das Glück hatte, einen jungen auf der Düne stehenden Elch zu sehen – und davon ein Beweisfoto zu schießen!

Nidden ist auch heute noch „das Paradies der Maler“ zu nennen – davon ist die Reisegruppe überzeugt. Jeder hätte gern länger darin verweilt. Unter den Arbeitsergebnissen der Malgruppe, die am letzten Aufenthaltstag abends im Hotel „Nidos smilte“ präsentiert wurden, war viel Gelungenes, Überraschendes zu sehen und manches, das im Ansatz hoffen ließ, daß im Nachklang zu dieser Reise noch mehr daraus wird. Geplant ist ein Ausstellungsprojekt „Die Kurische Nehrung mit Maleraugen“ für 2015 in Neumünster.

Die Reisegruppe nutzte die im Zusammenhang mit der Rückreise sich ergebenden wenigen Stunden Aufenthalt in der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, um noch Sehenswürdigkeiten Rigas zu besuchen. Eine gelungene Reise, die nach Wiederholung ruft!

Riga

Riga

Ute Eichler

HH, den 10.07.2014

Erinnertes Leben – Gelebte Erinnerung. Arno Surminski zum 80. Geburtstag

Dienstag, 15. Juli 2014
Arno Surminski mit Frau und Sohn

Arno Surminski mit Frau und Sohn

In einer feierlichen Vernissage am 9.Mai 2014 wurde im Ostpreußischen Landesmuseum dem bekannten Schriftsteller Arno Surminski eine Ausstellung gewidmet. Der Autor hat mit so bedeutenden Büchern wie “Jokehnen oder wie lange fährt von Ostpreußen nach Deutschland” oder “Polninken oder eine deutsche Liebe” seiner Heimat Ostpreußen ein Denkmal gesetzt. Obgleich er schon als 11jähriger seinen Geburtsort Jäglack bei Rastenburg (heute Jeglawki im polnischen Landkreis Ketrzyn) verlassen musste, gelang ihm ein stimmungsvolles Bild des Bartenlands in Ostpreußen, das er voller liebevoller Details in lebendigen Farben zu malen versteht. Seine ergreifenden Geschichten erreichen bis heute auch zahlreiche Menschen, die zunächst keinerlei Bezug zu dieser einst östlichsten Provinz Deutschlands haben.

Büste Surminskis

Büste Surminskis

Arno Surminski verlor seine Eltern 1945, als sie in die Sowjetunion verschleppt wurden. Als Flüchtling kam er 1947 nach Schleswig-Holstein. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg: er ist verheiratet und hat drei Kinder sowie acht Enkel. Trotz der schwierigen Vergangenheit hat er sich seiner persönlichen Geschichte, die er v.a. im Roman “Jokehnen” verarbeitet hat, nie mit Groll gegen Polen und Russen genähert. Surminski sieht sich als Brückenbauer, der einen engen Kontakt und Austausch mit den heutigen Bewohnern des untergegangenen Ostpreußens sucht. In späteren Romanen wie “Winter 45 oder die Frauen von Palmnicken” oder “Die Vogelwelt von Auschwitz” hat sich Surminski intensiv auch mit den Verbrechen Nazi-Deutschlands auseinandergesetzt.

Gestalter Heblik und Wahl mit Projektleiterin Agata Kern

Gestalter Heblik und Wahl mit Projektleiterin Agata Kern

Die von der Berliner Agentur Heblik&Wahl gestaltete, komplett zweisprachige Ausstellung (deutsch/polnisch) greift Schlüsselszenen aus den wichtigsten Werken Surminskis auf und erlaubt so einen intensiven Einstieg in die Gedankenwelt des Autors.

Über 100 Gäste

Über 100 Gäste

Zur Ausstellungseröffnung am 9. Mai war Arno Surminski mit Ehefrau und Sohn persönlich anwesend. Der Vortragsbereich des Museums war mit weit über 100 Besuchern komplett gefüllt. Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze und Eckard Pols, Gremienvertreter der Ostpreußischen Kulturstiftung wie der Vorstnadsvorsitzende Rolf-Dieter Carl, bekannte Museumspersönlichkeiten wie Prof. Dr. Herrmann Schäfer (einst Direktor des Hauses der Geschichte sowie Abteilungsleiter bei der BKM) oder Helmut Sander (bis 2014 Alleinvorstand Stiftung Hamburger Museen) und zahlreiche Freunde und Bekannte des Schriftstellers harrten neugierig der Wanderausstellung, die nach ihrer Lüneburger Laufzeit nach Rastenburg wandern wird, denn auch in Polen finden die Bücher des Schriftstellers stetig wachsende Nachfrage.

Direktor Joachim Mähnert

Direktor Dr. Joachim Mähnert

Stiftungsratsvorsitzender Hubertus Hilgendorff

Stiftungsratsvorsitzender Hubertus Hilgendorff

Nach der Begrüßung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert fand der Vorsitzende des Stiftungsrates der Museumsträgerstiftung “OstpreußischeKulturstiftung”, Hubertus Hilgendorff, der zugleich Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Rastenburg ist, sehr persönliche Worte für den “Landsmann” und vergaß auch nicht, Frau Surminski mit einem Blumenstrauß zu würdigen.

Von Seiten seines Verlags Ellert und Richter sprach der Verleger und Freund des Autors Gerhard Richter, der hervorhob, was ihn am Werk Surminskis beeindruckte – die uneingeschränkte Bereitschaft zum Brückenbau.

Verleger Gerhard Richter

Verleger Gerhard Richter

Auch der Kurator und Literaturwissenschaftler PD Dr. Martin Maurach gab einen reichhaltigen und tiefgründigen Einblick in das Schaffen Surminskis. Er führte auch in den Doppeltitel ein – der Wechsel von Surminskis frühen Romanen, die wesentlich aus seinen Lebenserinnerungen gespeist sind und die späteren Bücher, die sich mehr mit Formen des Erinnerns und den Auswirkungen aus das Leben seiner Protagonisten auseinander setzen.

Kurator PD Dr. Martin Maurach

Kurator PD Dr. Martin Maurach

Abschließend erlaubte der Geehrte selbst Einblicke in sein Schaffen, seine Inspirationsquellen und Motive, seine bewegte Jugend, die ersten schwierigen Gehversuche als Autor, die in den Erfolg mündeten, als er sich dem widmete, was er am besten erzählen konnte – sein eigenes Leben. So entstand vor 40 Jahren sein Roman “Jokehnen”. Seine Leser danken es ihm.

Arno Surminski

Arno Surminski

Für das Museum ist dieses Projekt ebenfalls von Bedeutung: Immerhin ist es die letzte Sonderausstellung vor der für den bevorstehenden Umbau notwendigen mehrmonatigen Schließung.

Helmut Sander

Helmut Sander

Prof. Dr. Hermann Schaefer

Prof. Dr. Hermann Schaefer

Internationaler Museumstag, 18. Mai 2014

Sonntag, 13. Juli 2014
Spannende Geschichten über Bernstein

Spannende Geschichten über Bernstein

Der Internationale Museumstag in diesem Jahr war für die Kinder des Museums-Kinderclubs ein ganz besonderes Highlight, denn sie durften selbst Besucher durch „ihr“ Museum führen und ihnen ihre Lieblingsausstellungsstücke vorstellen. An den vorherigen Terminen des Kinderclubs hatten die Kinder sich auf diesen Tag gründlich vorbereitet:

Elche_sind_cool

Elche sind cool

Sie haben sich allein oder zu zweit ihr Lieblingsstück aus dem Museum ausgesucht, Informationen herausgesucht, einen kleinen Text verfasst und diesen geübt. Am 18. Mai war es dann soweit und die Besucher konnten von den Kindern noch einiges Neues über den Elch, den Wolf oder auch Zinnsoldaten erfahren. Am Ende waren alle stolz auf die kleinen Museumsführer und sie selbst ganz besonders!

(Sina Schurrer)

Aufmerkssame und begeisterte Zuhörer

Aufmerkssame und begeisterte Zuhörer