Archiv für September 2013

„Da liegt der Hase im Pfeffer“ Das OL beim internationalen Jagdkulturkongress in Polen

Montag, 23. September 2013

Am 30. und 31. August 2013 fand in der Hotelanlage „Warszawianka“ in Jachranka unweit von Warschau der 3. Internationale Jagdkulturkongress statt. Eingeladen hatten der Polnische Jagdverband und das Museum für Jagd und Reiterei in Warschau. Der eigentliche Motor des Treffens war jedoch Prof. Dr. Tadeusz J. Żuchowski von der Universität Posen/Poznán.

3. Internationaler Jagdkulturkongress in Warschau

3. Internationaler Jagdkulturkongress in Warschau

Zum ersten Mal überhaupt war ein Vertreter des Ostpreußischen Landesmuseums eingeladen, sich mit einem Vortrag zu beteiligen. Dr. Christoph Hinkelmann, der als Leiter der Abteilung Naturkunde/Landwirtschaft auch die Jagd betreut, sprach dort über „Historische und soziale Aspekte der Jagd in Ostpreußen vor 1945, mit besonderer Berücksichtigung der Rominter Heide“.

Dr. Christoph Hinkelmann während seines Vortrags in Warschau, Foto: Andrzej Wierzbieniec

Dr. Christoph Hinkelmann während seines Vortrags in Warschau, Foto: Andrzej Wierzbieniec

Dieses Thema verbindet die Interessen der deutschen wie der polnischen Jäger ebenso wie die Vergangenheit mit der Gegenwart und fand großes Interesse. Zwei weitere Vorträge „Jagdkultur und Zeitgeist. Eine kulturhistorische Betrachtung mit Ausblick auf die Gegenwart in Deutschland“ (Dieter Stahmann) und „Da liegt der Hase im Pfeffer. Zur Jagd- und Kulturgeschichte des Feldhasen“ (Dr. Rolf Roosen) wurden von deutschen Referenten präsentiert, während die übrigen 20 Beiträge von polnischen, russischen, tschechischen und italienischen Fachleuten vorgetragen wurden.

Von links: Dr. Christoph Hinkelmann, Dr. Rolf Roosen, Dieter Stahmann Foto: A. Wierzbieniec

Von links: Dr. Christoph Hinkelmann, Dr. Rolf Roosen, Dieter Stahmann, Foto: Andrzej Wierzbieniec

Einen Schwerpunkt des ebenso vielfältig wie interessant gestalteten Themenspektrums bildete die Jagdmusik mit vielen praktischen Darbietungen – von den Jagdsignalen über die große Vielfalt der jagdlichen Musikinstrumente bis zu ihrer Verwendung in der hohen Musikkunst wie in Opern und Symphonien.

Die Veranstaltung im EU-Partnerland Polen zeigte auf beeindruckende Weise, wie die Völker in Europa zu einer Einheit zusammen wachsen, wenn sich Menschen mit gleichen Interessen begegnen und über die Sprachgrenzen hinweg verständigen können. Nach dem Kongress besuchte Dr. Hinkelmann das Naturkundemuseum in Allenstein/Olsztyn, um sich mit seinem dortigen Kollegen, Marian Szymkiewicz, über gemeinsame Projekte im kommenden Jahr, 2014, zu verständigen. Wir dürfen gespannt sein.

Eine Madonna aus der Wand gemeißelt

Donnerstag, 19. September 2013

Mitten im Zweiten Weltkrieg gelangte mit einem Umzug von der ostpreußischen Hafenstadt Pillau (bei Königsberg; heute russisch Baltisk bei Kaliningrad) ein Madonnenrelif erst nach Wilhelmshaven, 1955 schließlich nach Bremen. Damals war es schon etwa 50 Jahre alt. Weitere knapp 60 Jahre verblieb es im Treppenaufgang jenes Bremer Hauses, bis es die Tochter des seinerzeitigen Eigentümers, Oberbaurat Hermann Rebien (1906-66), jetzt dem Ostpreußischen Landesmuseum schenkte. Ein Museumsmitarbeiter stemmte das 76×56cm große, glasierte Tonrelief vorsichtig aus der Wand. Nun wird es im Museum von der Restauratorin zunächst behutsam gesäubert werden, bevor es in der Ausstellung den Besuchern zugänglich gemacht werden kann.

Ausbau des Madonnenreliefs in Bremen

Ausbau des Madonnenreliefs in Bremen

Das Relief entstand um 1903/04 in der Kaiserlichen Majolika-Werkstatt in Cadinen (bei Elbing am Frischen Haff, heute Polen). Dort hatte kein Geringerer als Kaiser Wilhelm II. eine Werkstatt für Kunstkeramik einrichten lassen, die, dem Zeitgeschmack entsprechend, viele Reliefs und Geschirre im historistischen Stil herstellte. So schuf ein noch unbekannter Künstler das Modell zu dieser Madonna an Vorbilder aus der italienischen Frührenaissance (15. Jahrhundert) angelehnt.

Eine Madonna aus der Wand gemeißelt

Eine Madonna aus der Wand gemeißelt

Auf welchem Weg dieses Stück einst nach Pillau gelangte, ist nicht bekannt. Wohl aber war schon dem Vorbesitzer Hermann Rebien bewusst, dass es sich bei diesem Relief um eine frühe Probearbeit der Cadiner Manufaktur handelt. Dies ist erkennbar an den Trocknungsrissen der Oberfläche, über die hinweg die Glasur aufgetragen wurde. Da solche Stücke nicht in den allgemeinen Verkauf gelangten, muss es sich bei der Herkunft dieser Madonna um einen besonderen Weg gehandelt haben.

Madonnenrelief, Cadinen, um 1904

Madonnenrelief, Cadinen, um 1904

Trotz der teilweise fehlenden Reliefrückwand, die schon beim Umzug aus Ostpreußen nach Nordwestdeutschland beschädigt gewesen sein muss, ist das Relief außerordentlich bedeutend. Es ist ein seltenes Stück und wegen des Probestückcharakters und der individuellen Glasur ein Unikat.