Archiv für August 2013

Ostpreußische Motive sehr „gefragt“

Donnerstag, 29. August 2013

Eine besondere Schenkung für das Museum:

Im September 1940 schrieb der Maler Karl Storch (1864-1954) in einem Brief über einen Malausflug: „In der vorigen Woche war ich wieder an der Küste weil das Wetter schön geworden war, (…) ich habe vormittags und nachmittags gemalt (…). Fünf Bilder brachte ich mit nach Hause, 3 in meiner üblichen Größe und zwei kleinere. Auf zwei von den größeren hab´ ich dasselbe Motiv von der Steilküste aber zu verschiedenen Tageszeiten wiedergegeben, ich will davon ein großes Bild machen. Ostpreußische Motive sind sehr „gefragt“, ich soll für die Kunsthandlung auch durchaus ein Herbstbild aus Masuren malen, das ist das südöstliche Ostpreußen nach Polen zu, ich hab´ aber nicht recht Lust dazu bei diesen Ernährungsverhältnissen auf Reisen zu gehen.“

Karl Storch, Samlandküste bei Neukuhren, 1941

Karl Storch, Samlandküste bei Neukuhren, 1941

Der damals bereits 76-jährige Maler war seit 1902 in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg als Lehrer an der dortigen Kunstakademie tätig gewesen und lebte nun bereits gut 10 Jahre im Ruhestand. Er war jedoch sehr eifrig, denn die Beliebtheit seiner vielen Landschafts- und Stadtansichten erfreuten sich in weiten Kreisen großer Anerkennung.

Das Gemälde, “Die Samlandküste bei Neukuhren”, ist 1941 entstanden und folgt sicher dem größeren Werk, das in dem Briefzitat erwähnt wird. Es wurde übrigens von einer Familie erworben, die 1942 aus der Seestadt Pillau (heute russisch Baltijsk) nach Bremen umziehen musste, um eine Erinnerung an die Samlandküste mitnehmen zu können. Für das Museum und seine Besucher ein Glücksfall. So konnte es vor den Verwüstungen, denen so viele Kunstwerke in Ostpreußen anheim fielen, gerettet werden. Wir freuen uns jedenfalls sehr über die Schenkung und danken den Gebern!

Große Namen und großer Andrang im Ostpreußischen Landesmuseum

Montag, 19. August 2013

Marie – Cécile Herzogin von Oldenburg, Urenkelin vom letzten deutschen Kaiser Wilhelm II., las mit Dr. Marianna Butenschön aus Briefen ihrer Vorfahrin, Alexandra, Kaiserin von Russland.

Alexandra Feodorovna, die "Preussin auf dem Zarenthron"

Alexandra Feodorovna, die "Preußin auf dem Zarenthron". Gemälde von A. Malyukov, 1836

Große Namen hallten am Abend des 14. Augustes durch den Dioramenbereich des Ostpreußischen Landesmuseums: Allen voran der Name Charlotte von Preußen (1798-1860), älteste Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. und der legendären Königin Luise. Charlotte galt als ebenso schön und bewundernswert wie ihre berühmte Mutter, mit der sie als Kind die Flucht vor Napoleon nach Ostpreußen miterleben musste. Als „Alexandra Fjodorowna“ und Gattin von Zar Nikolaus I. war sie ab 1825 Kaiserin von Russland.

Aufgeschrieben hat die Geschichte der „Preußin auf dem Zarenthron“ Dr. Marianna Butenschön. Die Osteuropa-Historikerin und Journalistin erzählte aus ihrem Buch, beschrieb die sehr engen Verknüpfungen Preußens und Russlands und gab mit historischen Fakten und Anekdoten einen spannenden und berührenden Einblick in das Leben und in die Zeit der in Deutschland viel zu wenig bekannten Adligen.

Doch nicht nur große Namen standen im Raum. Frau Dr. Butenschön hatte in ihr Programm einen prominenten Gast integriert: Immer dann, wenn aus Briefen und Reden ein Hohenzoller zitiert wurde, las Ihre Königliche Hoheit, Marie-Cécile Herzogin von Oldenburg, Urenkelin des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und damit direkte Nachkommin von Königin Luise wie auch selbst Urururenkelin von Charlotte von Preußen.

Marie-Cecile und Marianna Butenschoen

Marie-Cécile Herzogin von Oldenburg und Dr. Marianna Butenschön

Mit derart interessanten Vorfahren mag es kaum überraschen, dass die Herzogin so lebendig aus dem Leben Charlottes las, dass das Publikum eine wahre Vorstellung von Leben und Zeit bekam und selbst so private Details wie die Kosenamen “Muffi” und “Niks“ für Zarin und Zar nie peinlich wirkten. Dies ist nicht zuletzt auch Marianna Butenschön zu verdanken, die fundiert und abwechslungsreich einen spannenden und oft unerwarteten Einblick in das Leben am preußischen und russischen Hof erlaubte.

Mit deutlich mehr als 100 Besuchern war der Abend bis auf den letzten Platz ausverkauft. Manche waren wohl auch gekommen, um eine echte Hohenzollerin zu sehen. Zuletzt hatte 2010 ihr Bruder, Christian Sigismund Prinz von Preußen, die erfolgreiche Ausstellung über Leben und Mythos der Königin Luise im Ostpreußischen Landesmuseum eröffnet. Viele der Gäste erwiesen sich als Spezialisten, die mit (Ost)Preußens Geschichte bestens vertraut sind. Frau Butenschön hatte sozusagen ein Heimspiel, als sie den von Charlottes Vater König Friedrich-Wilhelm III. komponierten Präsentiermarsch anspielen ließ und dieser sofort als solcher erkannt und benannt wurde.

Viel Beifall für ein hervorragendes Team

Langer und lauter Beifall belegte: Die von der Kulturreferentin Agata Kern organisierte Veranstaltung wurde ein gelungener, besonderer und viele berührender Abend. Am Ende nahmen sich beide Gäste ausführlich Zeit für Gespräche und Buchsignaturen.

Ein Dankeschön vom Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Ein Dankeschön vom Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Übrigens, bereits 1964 war Marie Cécile Herzogin von Oldenburg zur Eröffnung des neuen Jagmuseums in Lüneburg zu Gast. Immerhin ist sie noch im ostpreußischen Cadinen geboren, wo Kaiser Wilhelm eine Fabrik für Keramik und Majolika errichtet hatte und die Entwürfe höchstpersönlich freigab. Cadiner Majolika ist vielfältig im Museum zu sehen. Die Herzogin war überrascht, wie sehr sich das Museum seither entwickelt hat. Sie versprach, bald wiederzukommen.

Eroeffnung des ostpreußischen Jagdmuseums in der Salzstraße 1964

Die junge preußische Prinzessin 1964 bei der Eröffnung des Ostpreußischen Jagdmuseums in der Lüneburger Salzstraße

Von Dong bis zu Herrn Pinguin

Freitag, 16. August 2013

Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum vom 12. bis 26. Juli 2013

Viele fahren in den Ferien in den Urlaub oder zur Familie. Auf die Frage, was ich denn in den Sommerferien machen würde, sagte ich immer wieder, dass ich ein Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum machen würde. Die Blicke waren jedes Mal die gleichen und ich kann nur sagen, dass all die Leute einfach etwas verpassen.

Zwei Wochen Abwechslung im Museum

Zwei Wochen Abwechslung im Museum

Ich habe für zwei Wochen in der Museumspädagogik mithelfen dürfen und habe das erste Sommerferienprogramm mitbegleitet. Unter dem Motto „Dinge erzählen Geschichte“ haben die Kinder eine Ausstellung mit ihren persönlichen Objekten gemacht (so auch die Überschrift), die nun auch noch ein paar Wochen im Museum bewundert werden können.

Der Alltag war recht ähnlich: Von 10.00 – 13.00 Uhr waren die Kinder da und haben an der Ausstellung gearbeitet. Es wurden Inventarkarten für den Katalog geschrieben, Hintergründe zur Präsentation ihrer Objekte gebastelt und die Geschichte hinter den Objekten erzählt. Dazwischen wurde den Kindern das Museum näher gebracht, indem wir sie durchs Haus geführt haben, sie eigenständig Rallyes machen durften und Interviews mit einigen verantwortlichen Museumsmitarbeitern geführt wurden.

Am meinem letzten Arbeitstag fand die Ausstellungseröffnung statt

Am meinem letzten Arbeitstag fand die Ausstellungseröffnung statt...

Danach kam für mich immer noch ein bisschen Büroarbeit dazu, wie etwa ein Vorwort für den Katalog schreiben oder die Objektbeschriftungen abzutippen. Auch wenn der Computer nicht immer so gut gelaunt war, war sogar die Büroarbeit interessant, die ja oft von vielen eher abgelehnt wird.

...und ein Dankeschön gabs auch noch :).

...und ein Dankeschön gabs auch noch :) .

Abschließend kann ich nur sagen, dass es für mich bereichernd war, denn ich habe auf noch mal eine andere Art viel über das Museum erfahren und es ganz anders erlebt. Zwei Wochen, in denen ich helfen und mich mit Kindern beschäftigen konnte, tolle Menschen getroffen habe  und viel Spaß hatte. Also auf die Frage „Freiwilliges Praktikum in den Sommerferien?“ gibt es nur eine Antwort – JA!

Hedwig Giesert

Wer war die unbekannte Schöne?

Samstag, 3. August 2013

Diese Keramikfigur, in den 1930er Jahren in der Cadiner Keramikmanufaktur in Ostpreußen (heute polnisch Cadyny) wahrscheinlich nach einem Modell des Königsberger Bildhauers Arthur Steiner gefertigt, wurde kürzlich dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, zusammen mit einigen anderen Cadiner Keramikarbeiten, geschenkt.

Frauenkopf, Cadiner Keramik, um 1930 - 35

Frauenkopf, Cadiner Keramik, um 1930 - 35

Sie stammt aus dem Besitz einer Familie, die bis in den Zweiten Weltkrieg hinein in der ostpreußischen Hafenstadt Pillau (heute Russland, Kaliningrader Gebiet) wohnte und dann nach Bremen umzog, wodurch der ganze Hausstand bis heute erhalten blieb.

Dieser Frauenkopf ist in jedem Fall ein Unikat, da er außer dem Manufakturzeichen von Cadinen keine weitere Produktionsnummer oder andere Zeichen aufweist.