Archiv für Juli 2010

Sensationelle Leihgabe – das Strumpfband der Königin!

Donnerstag, 22. Juli 2010

Kaum ist die Ausstellung über die “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos” vorige Woche eröffnet worden, wird die Aktualität des Luisenmythos auf ungewöhnliche Weise bestätigt:

Ein Lüneburger meldete sich mit einem Erbstück seiner Familie, geheimnisumwittert, voller Legenden und Rätsel, wie es ein Mythos verlang.

Seine Eltern oder Großeltern, nichts Genaues weiß man nicht, erhielten dieses Strumpfband, zwei kleine Hundchen aus Holz und dazu ein erklärenden Brief von 1916, akkurat in Süterlin geschrieben. Der oder die Briefschreiber(in) erzählt darin von den Erzählungen einer älteren Dame, einer geborenen von Witzleben, die leider bereits 1913 verstorben war. Sie hatte zu berichten gewusst, dass dieses Strumpfband zusammen mit anderen Kleinigkeiten von der Königin Luise den Grafen Podewils vermacht wurde – ein Dank für deren Unterstützung bei der dramatischen Flucht vor Napoleons Truppen ins ostpreußische Exil. Die Mutter der älteren Dame war eine geborene Podewils.

Ein besonderes Stück. Eine Musealie voller Legenden. Jetzt in der Ausstellung zu bewundern.

Strumpfband (der Königin, angeblich von 1807) und erklärender Brief zur Geschichte von 1916

Ausstellungseröffnung “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos”

Donnerstag, 22. Juli 2010

Letzten Freitag, am 16.7.2010, wurde die wohl wichtigste Ausstellung im Luisenjahr 2010 speziell  zum “Mythos Luise” anlässlich ihres 200. Todestages (19.7.1810)  im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg eröffnet.

Reges Interesse an der Eröffnungsfeier

Trotz großer Hitze hatten sich nahezu 200 neugierige Kulturinteressierte aufgemacht, um die persönliche Sicht Seiner königlichen Hoheit Christian Sigismund Prinz von Preußen, Urenkel des letzten deutschen Kaisers, auf seine so berühmte Vorfahrin zu erfahren. Es hatte sich gelohnt. Der Prinz sprach über die Volksnähe der Königin, ihrer trotz arrangierter Ehe großen Liebe zum König Friedrich Wilhelm III. und ihrer unkonventionellen Art am preußischen Hofe mit seinen für Luise zu steifen Konventionen und Etiketten.

Das Grußwort von SKH Prinz von Preußen

Der Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Thomas Lindner, würdigte nicht nur die große Königin, sondern auch den seiner Meinung vielfach unterschätzten König an ihrer Seite. Er arbeitete die Bedeutung Ostpreußens im Leben Luises heraus und wagte einen Brückenschlag von der früh verklärten „Passion“ Luises im Rahmen ihrer dramatischen Flucht ins ostpreußische Exil zur „Stunde der Frauen“, die knapp anderthalb Jahrhunderte später schlug, als im Winter 1944/45 in Folge des deutschen Vernichtungskrieges beim Einmarsch der Roten Armee Chaos und Vernichtung über die Zivilbevölkerung in Ostpreußen hereinbrachen.

Grußwort von Dr. Thomas Lindner (BKM)

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der  Trägerstiftung des Museums, Wilhelm von Gottberg, betonte die Bedeutung dieser Ausstellung nicht nur für Ostpreußen, sondern für das Museum selber, das in seiner vielfältigen Geschichte mit zahlreichen Wechselausstellungen eine Präsentation in dieser Qualität bisher wohl noch nicht gezeigt habe.

Der Stiftungsratsvorsitzende

In der abschließenden Rede, die Einführung in die Ausstellung, wurde herausgearbeitet, in welcher Form sich die Ausstellung explizit dem mit musealen Methoden kaum auszudifferenzierenden Konglomerat von Leben und Mythos der Königin nähert. Luises Präsenz als früher „Medienstar“ des 19. Jahrhunderts wird  belegt durch eine große Auswahl von idealisierenden Stichen und Drucken aus der umfangreichen Sammlung des Museums, die nicht nur das Konterfei von Deutschlands beliebtester Monarchin vielfältig variieren, sondern auch die tradierten Episoden ihres Lebens beständig zitieren und somit manifestieren.

Einführung in die Ausstellung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Die Ausstellung will die historischen Hintergründe ausleuchten, etwa Luises Auseinandersetzung mit Napoleon, aber auch mittels eines umfangreichen Schlenkers die Befreiungskriege verbunden mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes, die auf das Engste mit der posthumen Mythisierung verknüpft sind. Wenn es den Kuratoren auch vorrangig um die Rahmenumstände geht, in denen der Mythos Luise sich so erfolgreich entwickeln konnte. will die Ausstellung aber keineswegs der Ausstrahlung dieser so bedeutenden Königin schaden wollen. Vielmehr begegnet die Ausstellung ihr mit großer Sympathie.

Aus geschichtsdidaktischer Sicht soll der Mythos Luise vielmehr genutzt werden, um kulturhistorisches Interesse zu wecken und in die faszinierende, wenn auch schwierige Geschichte des 19. Jahrhunderts einzuführen. Immerhin sind mit Luise nicht nur die ersten Jahrzehnte, die großen Napoleonischen Kriege verknüpft. Vielmehr fußt sich der Luisenmythos auf seinem Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts wesentlich auf der Gründung des Deutschen Reiches 1871, als Luises zweiter Sohn als Wilhelm I. den deutschen Kaiserthron bestieg.

Interesse an den wertvollen Kunstwerken