Archiv für die Kategorie „Studienreise“

Studienreise: Auf den Spuren des Deutschen Ordens von Würzburg nach Wien

Donnerstag, 21. September 2017

Ein Bericht von Dr. Martin Maurach

Die Studienreise „Auf den Spuren des Deutschen Ordens“ vom 8. – 13.8.2017 wurde organisiert von der Kulturreferentin für Ostpreußen, Frau Agata Kern (Ostpreußisches Landesmuseum in Lüneburg), und Dr. Martin Maurach vom DAAD-Lektorat an der Schlesischen Universität in Opava. An der Studienreise haben tschechische, polnische, deutsche und österreichische Studierende, Deutschlehrer/innen und Hochschullehrer/innen teilgenommen. Dass sich eine solche, bunt gemischte Gruppe heutzutage für den Deutschen Orden interessiert, erscheint nicht selbstverständlich. Gehört es nicht unter ‚aufgeklärten‘ Zeitgenossen derzeit beinahe zum guten Ton, religiöse Einrichtungen für die Quellen allen Übels zu halten? Nicht, dass unsere Gruppe sich nicht auch über fragwürdige Aspekte der Rezeption des Deutschen Ordens hätte orientieren lassen; nicht, dass nicht auch Widersprüche offen diskutiert worden wären. Dazu gab es fachkundige Beiträge aus dem Teilnehmerkreis. Vor allem aber gab es eine große Aufgeschlossenheit für die achthundert Jahre zurück führende Spurensuche – und das Gefühl, sich auf jeder Station reich belohnt zu finden.

Zunächst präsentierte sich der Auf- oder Abstieg in die Geschichte als imposantes steinernes Schnecken-Treppenhaus, in das man hinauffotografieren kann. So zum Auftakt der Reise im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, wo ein guter Überblick über die Geschichte des Ordens vermittelt wurde, insbesondere auch über seine bis heute andauernde karitative Tätigkeit, dazwischen über die Geschichte des Ordensstaats in Preußen, die zeitweise auch für Protestanten mögliche Zugehörigkeit und vieles mehr.

Das Siebenbürgische Museum auf Schloss Horneck weitete dank seiner Lage den Blick nicht nur ins Neckartal – sondern auch in die Geschichte Siebenbürgens. Die Führung verdeutlichte vor allem das schwierige Zusammenleben religiöser und ethnischer Gruppen auf dem Gebiet der sogenannten Siebenbürger Sachsen, die vor allem aus Rhein- und Moselfranken kamen. Schloss Horneck selbst war seit Mitte des dreizehnten Jahrhunderts Besitz des Deutschen Ordens und zeitweise Sitz des Deutschmeisters sowie später einer Komturei.

Besichtigung der Burg Horneck in Gundelsheim

Besichtigung der Burg Horneck in Gundelsheim

Aus der reichen Geschichte der markgräflich-hohenzollernschen Residenz Ansbach lernten wir dank einer sehr sachkundigen, unterhaltsamen Führung sowohl tragisch-düstere Seiten kennen – Kindersärge in der Fürstengruft, Totenfahnen von St. Gumbertus, Kaspar Hausers Schicksal -, als auch zum Beispiel die Erinnerungsräume für die Partnerstadt Krnov (früher Jägerndorf) in der Nachbarschaft von Opava, die bedeutende wissenschaftliche Bibliothek aus hohenzollernscher Zeit und das Denkmal für den Dichter August Graf von Platen. Im Deutschordensschloss von Ellingen bot uns das Ostpreußische Kulturzentrum Sonderausstellungen zur Reformationsgeschichte sowie über Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach, der ja eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung des preußischen Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum spielte. Außerdem erhielten wir eine Einführung in die Arbeit der Ostpreußischen Kulturstiftung, insbesondere ihre vielfältigen Ausstellungsaktivitäten.

Im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen

Im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen

Das Kloster St. Nikola in Passau ist das Mutterhaus der deutschen Provinz der Deutschordensschwestern; dort wurde uns in persönlich beeindruckender Weise von der Bedeutung des Schwesterninstituts des Deutschen Ordens und seinen karitativen Aufgaben berichtet, insbesondere auch von der Aufhebung und Enteignung des Ordens sowohl durch den deutschen Faschismus als auch unter den Kommunisten, der Flucht nach Westen, aber auch von der mühevollen Wiedergründung des Schwesterninstituts in Opava nach 1990.

Besuch im Kloster St. Nikola in Passau

Besuch im Kloster St. Nikola in Passau

Höhepunkt der Reise war die Besichtigung von Kirche, Schatzkammer und Archiv des Deutschen Ordens in Wien; die Schatzkammer mit bedeutenden Kunstwerken, Gewändern, Bildmaterial und Urkunden, das Archiv als eine zweite Schatzkammer für unterschiedlichste historische, heraldische und genealogische Forschungsinteressen. Die für Wien-Anfänger und ‑Kenner gleichermaßen interessante Stadtführung wurde dann auch spürbar von oben ausgezeichnet durch den einzigen heftigen Regenschauer der Reise direkt gegenüber dem Südturm von St. Stephan. Das weitläufige Wiener Heeresgeschichtliche Museum verbindet die wichtigsten Karten, Portraits und Artefakte durch regelrechte Auf- und Abmärsche, auf denen dann die Ordensgeschichte in den Hintergrund trat. Nach deren intensivem Studium während der vergangenen Tage waren diese Operationen aber der verdiente Übergang zu weiteren Feldforschungen etwa einer Sonderausstellung zu König Jan III. Sobieski, dem Befreier von Wien 1683, oder dem Wiener Literaturmuseum, mit seinen Schätzen aus der Österreichischen Nationalbibliothek und einer interessant inszenierten Sonderausstellung zum „Rausch des Schreibens“.

Im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien

Im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien

Seminarreise über die ostpreußische Literatur vom 20.-25.8. 2016

Montag, 14. November 2016

Ein Reisebericht von
Martin Maurach (Schlesische Universität in Opava / DAAD)

„Wir müssen herausfinden, ob es so etwas auch bei uns gibt“ oder: „Wir müssen so bald wie möglich wieder so eine Reise machen“: Wenn solche Äußerungen schon während eines Projektes fallen, spricht viel für sein Gelingen – und das war wohl auch der überwiegende Eindruck, mit dem die bunt gemischte Gruppe aus deutschen, österreichischen, polnischen und tschechischen Studierenden und Dozenten, von Anfang Zwanzig bis ins Seniorenalter, nach einer knappen Woche wieder auseinanderging – mit dem Wunsch: „Fortsetzung folgt!“ Das und der sehr gute, harmonische Verlauf sind vor allem der umsichtigen und hoch professionellen Reiseleitung von Seiten der Kulturreferentin für Ostpreußen, Frau Agata Kern, zu verdanken.

Erster Höhepunkt der Reise war die Marienburg des Deutschen Ordens bei Malbork, ein lebendes Denkmal, da die gewaltige Anlage mit den über Jahrhunderte verteilten Spuren von Zerstörung und Wiederaufbau gewissermaßen immer noch im Bau ist. Auf der Galerie der äußerlich viel bescheideneren Burg von Olsztyn / Allenstein zeigte sich später, dass weltbewegende Entdeckungen nicht immer einen milliardenteuren Teilchenbeschleuniger brauchen: Kopernikus genügten die über Wände und Decke wandernden Lichtreflexe eines Wassergefäßes, um die scheinbare Bewegung der Sonne zu beschreiben.

Mit Nikolaus Kopernikus in Olsztyn/Allenstein

In Mragowo / Sensburg gab es eine Stadtführung mit einem Besuch des Ernst-Wiechert-Museums; die Struktur der im Kern mittelalterlichen Stadt war noch zu erkennen, ebenso die Spuren ihrer einst so einfachen wie wirkungsvollen Befestigung durch Verbindungsgräben zwischen mehreren Seen.

Vor dem Geburtshaus von Erich Mendelsohn in Olsztyn/Allenstein

Geschichte und Gegenwart der so oft als reaktionär verschrieenen ostpreußischen Adelsfamilien reichen bei den Dönhoffs und Lehndorffs allein im zwanzigsten Jahrhundert vom Widerstand gegen Hitler bis zur Begründung eines demokratisch-liberalen Journalismus und einer völkerverbindenden Publizistik in der Bundesrepublik. Das wurde beim Besuch des Marion Dönhoff Salons (Galkowo) im Gespräch mit Renate Marsch-Potocki deutlich. Quasi nebenan zeigte sich am Beispiel von Schloss Sztynort/Steinort aber auch, wie dramatisch die Lage mancher gerade noch als Ruinen erhaltener ehemaliger Adelssitze heute ist – ganz im Gegensatz zum grotesken Gruseltourismus, der in der Nachbarschaft aus rein kommerziellen Motiven in der ehemaligen ‚Wolfsschanze‘ betrieben wird.

Gespräch mit Renate Marsch-Potocki

In Ełk / Lyck erlebte die Gruppe mit Herrn Dr. Rafał Żytyniec ein sehr lebendiges Seminar zur Stadtgeschichte, zur Jugend von Siegfried Lenz in Lyck und zu einigen seiner Werke. Schauplatz war das im Entstehen begriffene Stadtmuseum mit einer künftigen Siegfried-Lenz-Abteilung. Themen waren unter anderem die Geschichtensammlung „So zärtlich war Suleyken“ und der Roman „Heimatmuseum“. Bei beiden ging es um den Bezug zur masurischen Region, ihre Stellung innerhalb der Heimat- und Erinnerungsliteratur, ihren Beitrag zur Aussöhnung mit der Geschichte und ihre Rezeption in verschiedenen Medien in Deutschland und Polen, u.a. im Film. Außerdem kamen interessante Details über Lenzens spätere Besuche in Ełk/Lyck und seine geistig-emotionale Wiederannäherung an seine Heimatstadt zur Sprache.
Von den beiden eingangs zitierten Aussprüchen galt der zweite der Planung einer neuen Reise auf den Spuren des Deutschen Ordens. Der erste bezog sich auf die vielfältigen Aktivitäten der Stiftung Borussia, die wir in Olsztyn kennenlernten: internationale Begegnungen und Erziehung zur Toleranz vor allem für ehrenamtlich engagierte jüngere Menschen, Denkmal- und Grabpflege, Publikationen u.v.m.

Literaturseminar in Lyck Elk mit Dr.Rafal Zytyniec

Den Abschluss der Reise bildete noch ein herrlicher Tag in Gdańsk / Danzig, zur Hälfte den Spuren von Günter Grass, zur anderen der Altstadt gewidmet. Hätte die ganze Gruppe zugleich auf jener Bank zwischen den Skulpturen von Oskar Matzerath und seinem Schöpfer Platz gefunden, sie hätte die Gelegenheit auf jeden Fallgenutzt; so entstanden dafür viele einzelne Erinnerungsfotos.

Mit Günter Grass und Oskar Matzerath in Gdansk/Danzig

Nicht vergessen sei schließlich die wunderbare masurische Sommerlandschaft mit ihren Seen und Blumengärten, die für mich als Nachgeborenen sozusagen eine neu zu erbende Erinnerung darstellte und als literarische Inspirationsquelle glaubhaft wird.

Auf den Spuren von Martin Luther

Montag, 11. Juli 2016

Studienreise vom 19.4. bis 24.4. 2016
Wissenschaftliche Begleitung. Dr. Martin Treu

Unsere Reisegesellschaft von 22 Teilnehmern aus ganz Deutschland startete am 19. April von Hamburg/Lüneburg in aller Frühe zu einer wunderbaren Reise nach Mitteldeutschland.
Auf der Fahrt machten wir zunächst Station in Magdeburg, wo wir an einer angemeldeten Domführung teilnehmen konnten. Nach diesem gelungenen Auftakt fuhren wir weiter in die Lutherstadt Wittenberg, wo uns Herr Dr. Martin Treu in Empfang nahm und schon einen ersten Stadtspaziergang mit uns machte. Dr. Treu ist Theologe und Historiker und erwies sich als ein herausragender Kenner Luthers und seiner Zeit. Der folgende Tag führte uns in das Luthermuseum, für Dr. Treu ein Heimspiel, da er seinerzeit verantwortlich war für die Einrichtung dieser überwältigenden Luther-Ausstellung. Auch im Melanchthon-Haus, das sich mit einem modernen Neubau und einer entsprechenden Ausstellung präsentierte, erwies sich Dr. Treu als souveräner Führer. Es folgten die Stadtkirche St. Marien und die Cranach-Höfe.

Dr. Martin Treu mit einigen Teilnehmern der Reise

Der nächste Tag führte uns nach Torgau zur Katharina-Luther-Stube, einer liebevoll eingerichteten kleinen Gedenkstätte für Luthers Frau, die in Torgau starb, und zum Schloss Hartenfels, einem prächtigen Renaissance-Bau. Hier entstand der erste protestantische Kirchenbau in Gestalt der Schlosskapelle, in der Luther oft als Prediger wirkte. Anschließend dann die Stadtkirche St. Marien, eine wunderbare, lichte Hallenkirche mit der Grabstätte Katharina Luthers.
Weiter ging es nach Mansfeld zu Luthers Elternhaus und dem angeschlossenen avantgardistisch anmutenden Museum, das archäologische Funde aus Luthers Zeit präsentierte.

Mansfeld - Luthers Elternhaus

Von Mansfeld fuhren wir nach Eisleben, dem Geburts- und Sterbeort Luthers mit entsprechenden Gedenkstätten und wieder überraschend interessanten Kirchen. Luthers Taufkirche St. Petri und Pauli erwies sich in ihrer gelungenen modernen Restaurierung als besonders anregend, da die Pfarrerin über die jetzige Situation der Kirche im allgemeinen und über die Taufe im speziellen mit uns eine Diskussion führte, die viele Fragen aufwarf. Wir bekamen doch einen sehr guten Eindruck über die nicht einfache Lage hinsichtlich der Vermittlung des christlichen Glaubens – und das im Kernland der Reformation. Aber wir alle waren sehr berührt von der Persönlichkeit dieser engagierten Pfarrerin.
An den beiden letzten Tagen besichtigten wir Erfurt mit dem ehemaligen Augustiner-Eremiten Kloster, sowie das beeindruckende Ensemble von Dom und Severikirche. Es folgte Eisenach mit einer lebendigen Stadtführung.
Den Schlusspunkt bildete die Wartburg, wo wir über den Sängerkrieg, die Hl. Elisabeth und natürlich über Luther als Junker Jörg informiert wurden.

Wartburg

Wartburg

Zum Abschluss fand im noblen Restaurant der Wartburg ein festliches Mittagessen mit Dankesreden statt. Wir waren alle in gehobener Stimmung.
Ein großer Dank gebührt Herrn Dr. Treu, der uns auf höchstem Niveau die Persönlichkeit Martin Luthers näher brachte, sowie die Bedeutung der Reformation ausführlich erläuterte. Wir sind gut gewappnet für das Jubiläum 2017. Man kann die Leistung von Dr. Treu zusammenfassen in dem Satz:
Mehr Luther geht nicht!

Ein besonderer Dank geht auch an Frau Kern, die mit einer fabelhaften Organisation diese Reise ermöglicht hat. Es war wirklich eine Super-Idee, diese Reise vor dem großen Jubiläumsjahr durchgeführt zu haben.
Ich denke, alle Teilnehmer sind bereichert und beglückt zurückgekehrt und werden sicher noch oft in Gedanken auf Martins Luthers Spuren wandeln.
Dr. Renate Fechner

As a Frenchman educated in the Catholic tradition, Lutheranism is an unknown world. Of course we all know what Protestantism is about, but getting intimate with Martin Luther’s life, his work, his beliefs, his wife, his friends, his protectors, his powerful enemies and the places where he was born, where he went to school, where he became a monk and finally where he wrote his famous 95 thesis was an occasion that my curiosity could not miss.
Mrs. Agata Kern (Kulturreferentin of the Ostpreussisches Landesmuseum) had the excellent idea of organizing a study trip through the various places where Martin Luther and his wife Katharina lived and died.
We could not visit all those places without being accompanied by a person of great knowledge who could give us all the details which are not usually known to the layman. Doctor Martin Treu has just published a book called ‘Am Anfang war das Wort’ – (In the beginning was the Word) which covers Luther’s life and the Reformation movement in Europe.
His encyclopedic knowledge of everything which concerns Martin Luther was impressive and no part of Luther’s life details was left uncovered.
We started our journey in Wittenberg or more precisely Lutherstadt-Wittenberg where we visited his house, his best friend Philip Melanchton’s house and Lucas Cranach’s workshop. We went then to Torgau, visiting the Hartenfels Castle and the house where Katharina Luther died in 1552. In Mansfeld has been built a little museum opposite his parents’ house that we visited as well. Next step was Lutherstadt-Eisleben where he was born in 1483 and died in the same town in 1546: the two houses are a few hundred meters apart.
In the church St Petri/Pauli where he was baptized, we had a very interesting session of questions and answers with Mrs. Simone Carstens-Kant, the local minister. We had so many questions, and Mrs. Carstens-Kant was so willing to answer and explain the situation of Christianism and religion in this part of Germany which despite so many souvenirs of Martin Luther, is in majority atheist. She was very enthusiastic about her mission, not discouraged by the difficult conditions of her ministry.
In Erfurt, we visited the Augustinerkloster where Martin Luther was a monk starting in 1505 and was ordained there in 1507. Our final stopping place was Eisenach from where we visited the Wartburg castle where Martin Luther was kept hidden for almost a year.
In the many churches we visited, with the exception of St Petri/Pauli which has been entirely restored in a modern fashion, what was striking is the fact that it was impossible to distinguish between the Catholic churches they once had been and the Lutheran churches they are today. What was just missing for a Catholic was the holy water basin at the entrance and the red light near the altar which signals the presence of the Holy Sacrament in the tabernacle. Nothing has really been changed: the same altar, the same statues, all the signs which identify a church of the period before the Reformation.
There are discussions about what triggered Martin Luther’s decision to criticize the way the Roman Church was run at that period. Some suggest that this may stem from his trip to Rome in 1510/1511 where he could see the munificence way that bishops, cardinals and priests really live a life far from charity and prayer.  His main criticism concerned the sale of indulgences. Indulgences were an easy way to erase committed sins without needing any repentance or confession: you paid and you were forgiven. In addition indulgences could reduce the time the sinner would spend in purgatory.  That was the substance of the 95 thesis he posted on the door of the Wittenberg church in 1517. Later on he also criticized the celibacy imposed on priests although this was never required in the New Testament. He opposed the fact that very young people were sent to convents for their entire life without even been asked if they liked it or not. This produced the effect that a group of young nuns escaped from their convent and joined Luther’s disciples. He finally married one of them, Katharina von Bora, in 1525; she was sixteen years younger than he. They had six children and only four survived.
All those criticisms generated the ire of the Pope and the Roman Church. Luther was asked to retract every criticism he had expressed publicly. Supported by more and more people and princes, he refused to change one word of his teaching. He was finally excommunicated in 1521. Skirmishes between Luther and the Vatican lasted a number of years. Eventually Protestantism spread; the very first country adopting the Lutheran faith as state religion was Brandenburg-Preussen.
Whilst being protected from the action of the Church in the Wartburg, he translated the New Testament from Greek into the German language. This was a necessary step to apply his vision of the Christian religion: each Christian should be able to read the Holy Scriptures and understand them as he sees fit. Christians should no more be told by a priest what to believe and what not. He also declared that a pope was not necessary.
Translating the New Testament within an extraordinary short time was not only an outstanding performance, but as well an important contribution to German literature. Indeed, Luther’s achievement is still accounted today as the first major piece of literature written in the German language.  As Luther put it: “Reading from the lips of common people….”  He followed his intuition and thus put the Bible’s message in common language to be understood by everyone.
The dark side of this great man’s intellectual and religious contribution to mankind and History was the fact that towards the end of his life he became more and more aggressive against the Jews who refused to convert. Martin Luther considered their refusal as a personal failure.
Georg did a wonderful job in driving us safely through Martin Luther’s home country and doing this always smiling and having a nice word. I also want to thank the group for offering the Barbarians (Gudrun and I) – in the Roman sense of course – a warm welcome. Indeed we enjoyed every minute of this excellent trip.  Last but not least I want to praise the way Mrs Agata Kern organised everything, having a nice word for everyone and showing an equal mood even when things could be a little difficult.

Patrice de Laminne (Autor des englischen Blog-Artikels)

Arno Surminski-Ausstellung in Königsberg / Kaliningrad

Montag, 24. August 2015
Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Russisches Plakat der Ausstellung "Erinnertes Leben - Gelebte Erinnerung"

Am 6. August 2015 wurde im Museum „Friedländer Tor“ in Kaliningrad/Königsberg die Ausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums über das Leben und Werk des bekannten ostpreußischen Schriftstellers Arno Surminski eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung waren Arno Surminski und seine Frau persönlich anwesend.

Es war die erste Kooperation unseres Hauses mit den Kollegen aus dem einstigen Königsberg, die in ihrem Museum die Geschichte der ehrwürdigen Stadt an der Pregel präsentieren.

Die Direktorin des Museums, Frau Marina Yadova, begrüßte zahlreiche Gäste und Besucher. Besonders freundliche Worte richtete sie an Arno Surminski, der sich, wie sie sagte, mit seinem ganzen Werk gegen den Krieg ausspreche. Er stelle die Geschichte Ostpreußens literarisch dar, das Museum erfülle die gleiche Aufgabe, bloß mit museumsspezifischen Darstellungsformen. Es gebe viel Verbindendes.

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Marina Yadova, Direktorin des Museums Friedländer Tor

Anknüpfend an die Worte von Frau Yadova brachte Arno Surminski in seiner Rede zum Ausdruck, wie froh er ist, dass die Ausstellung nach zahlreichen Stationen in Deutschland und Polen auch in Kaliningrad in Russland gezeigt werde. Sie könne helfen, das Verbindende zwischen den Menschen unterschiedlicher Nationen zu zeigen: Polen, Russen und Deutschen, jetzigen und alten Bewohnern Ostpreußens. Er wünschte der Ausstellung viel Erfolg. Nach der Eröffnung fand eine Lesung statt, in der Arno Surminski aus seinem Buch „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ die Passagen über die Zerstörung Königsbergs vorgetragen hat.

Lesung

Arno Surminski wurde 1934 in Jäglack (heute Jeglawki) im Kreis Rastenburg (heute Ketrzyn/Polen) in Ostpreußen geboren. Dort lebte er gemeinsam mit seiner Familie, bis seine Eltern 1945 deportiert wurden. Surminski blieb allein zurück und wurde 1947 nach mehreren Lageraufenthalten von einer Familie in Schleswig-Holstein aufgenommen. Seit 1972 arbeitet er freiberuflich als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller. Zu seinen Bestsellern gehören die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Polninken oder Eine deutsche Liebe“. Einige große Romane spielen im nördlichen Teil Ostpreußens, der heute zu Russland gehört, wie  „Sommer vierundvierzig oder Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen“ und „Winter Fünfundvierzig oder Die Frauen von Palmnicken“. Die Romane „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“ und „Vaterland ohne Väter“ sowie zahlreiche Erzählungen wurden ins Russische übersetzt.

Arno Surminski vor der Ausstellung

Arno Surminski vor der Ausstellung

Wir bedanken uns herzlich für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere gemeinsame Projekte!

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede

Studienreise nach Nidden

Freitag, 31. Juli 2015

In Nidden...

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod, Kustos im Ostpreußischen Landesmuseum

Das Zauberwort Nidden wirkt auch heute noch. Kein Wunder also, dass das Pommersche Landesmuseum in Greifswald vom 12. bis 21. Juni 2015 eine Studienreise nach Nidden, Vilnius und Riga angeboten hatte als eine Begleitveranstaltung zu ihrer großen Sonderausstellung „Zwei Männer – ein Meer – Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee“.  Dazu hatte die dortige Kulturreferentin für Pommern, Frau Dr. Magdalena Gebala, sich Unterstützung aus dem Ostpreußischen Landesmuseum geholt. Die Künstlerkolonie Nidden gehört hier seit Jahren zu den wichtigen Themenfeldern der Sammel- und Ausstellungstätigkeit, weshalb das Lüneburger Museum nicht nur über die wohl wichtigste Sammlung zur Künstlerkolonie Nidden verfügt, sondern auch über entsprechende Expertise.

Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff hatten bei der die Kurische Nehrung und den Künstlerort Nidden besucht. Vor allem Pechstein hatte sich dort während seiner insgesamt sechs Aufenthalte viele Anregungen geholt und ebenso auf andere Maler durch Persönlichkeit und Stil großen Eindruck gemacht.

So verlief die Reise von der litauischen Hauptstadt Vilnius, deren Geschichte und Bauweise der Reisegruppe durch Führungen nahe gebracht wurde, über die mittelalterliche Burg Trakai und die zweitgrößte Stadt Litauens, Kaunas, zum Höhepunkt Nidden, heute ebenfalls litauisch. Hier war der Reisegruppe bewusst viel Zeit gegeben, sich die Landschaft und den Ort gehend langsam zu erschließen. Ein Tagesausflug nach Klaipeda, dem alten Memel, und eine Fahrt auf die andere Seite des Kurischen Haffs per Boot, ergänzten das Programm. Während dieser Tage kam die Unterstützung aus dem Ostpreußischen Landesmuseum durch Herrn Dr. Barfod zum Zuge.

Die Reise fand ihren Abschluss schließlich in Riga, der lettischen Hauptstadt, in deren Geschichte und Kultur durch Führungen ebenfalls Einblicke möglich waren. Da das Wetter ganz überwiegend dem Reiseeindruck günstig war und die Organisation wie Zusammenstellung des Programms geschickt gewählt und versiert durchgeführt wurden, fand die Studienfahrt bei allen 24 Teilnehmern ein sehr positives Echo. Uns hat die gelungene Kooperation mit den Greifswalder Kollegen viel Spaß gemacht. Gerne einmal wieder!

Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen?

Mittwoch, 15. Juli 2015

Eine Lesereise mit Arno Surminski nach Jokehnen und Polninken vom 1.06. bis 10.06.2015

Ein Bericht von Patrice de Laminne aus Frankreich

Arno Surminski in Danzig

Arno Surminski

One rarely has the chance to visit the various places where the action of a autobiographical novel takes place. It’s even more exceptional to do it in company with the author himself. But we were able to do so, thanks to the OL museum which organized a journey through Ostpreussen. There we saw the places where Arno Surminski spent his first eleven years until he escaped to the West a few months after the end of the war. Herr Surminski was our guide through the world described in his book ‘Jokehnen oder wie lange fährt man von Ostpreussen nach Deutschland’.

The journey started in a hotel in Ogonken (Ogonki today) on the shore of Lake Święcajny. From this base we discovered his village Jäglack (The actual name of ‘Jokehnen’) and the exact place where his house once stood. We also saw and visited part of the nearby little castle mentioned in the book which is being entirely restored.

The once magnificent manor of the Lehndorff family, for a short while ‘haut lieu’ of German anti-Nazi resistance, was on our program too. Located ideally on Lake Mauersee (Mamry), we could visit a small part of the castle which had been left derelict for many years. Since 2009 the foundation Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz from Görlitz with a handful of courageous archeology strudents is currently restoring this beautiful place.

From Steinort, Mrs Kern had arranged our return to Ogonken through a two hour cruise on the lake. This region is really beautiful and would deserve to be known and visited by more Western Europeans. To add to the beauty of the lake, a typical Polish soup, the excellent Żurek, was served by a pretty young lady. What a treat!

We can easily imagine the emotion that Arno Surminski must have felt when revisiting all those places from his youth. In a number of them, he read a few chapters of his book in front of an audience composed of our twenty-member group and many Polish people who had read his book. Thus we learnt that his fame was not only limited to German readers, but crossed the borders and that Poles too, wanted to know what his writings were about.

In situations which could have been embarrassing, Herr Surminski always insisted on the feeling of friendship which he felt towards the Polish population which now lives in this region. Mutual understanding, reappraisal of history, acceptance of responsibility and eventually forgiveness were the key words to be found in his interviews. To a certain extent his work can be assimilated to that of an ambassador. Herr Surminski would always give a very positive answer often inflected with smiling humour.

In Angerburg (Today Wegorzewo), our visit was the occasion of the inauguration of an exhibition about the author, his life and his books. The Polish TVP television network and some important persons from the town attended the ceremony in front of a large audience that included many students that Herr Surminski invited to join instead of waiting outside. By this small gesture he expressed his concernedness with youth. Nobody should be left behind. History must be explained to our youngsters as well if we want the world to improve.

After visiting Marion Dönhoff’s Salons in Galkowen, followed by a small promenade on a little boat on the Kruttina accompanied by Pani Kristina’s patriotic and wistful singing, we finally reached Allenstein. It was the occasion to pay a visit to the Borussia foundation which is dedicated to maintain the memory of the very important Jewish cultural presence in the region.

We then travelled to Frauenburg, Elbing, the Stutthof KL and finally Danzig.

In Frauenburg/Frombork am Gedenkstein der Flucht über das zugefrorene Haff Januar 1945

Der Gedenkstein in Frauenburg/Frombork

In Danzig, we had the excellent guide Pan Florian who took us through the old part of the town with very crisp, precise and often funny descriptions.

Lesung in Danzig

Another very interesting visit was the European Solidarity Center on the site of the old Gdansk Shipyards. It is a huge museum opened in August 2014 which describes the struggle that Solidarnosc had to fight to obtain recognition from the then communist régime of general Jaruzelski. The many peaceful demonstrations which were systematically dispersed through violent action from the militia resulted in a number of deaths. When martial law was proclaimed on December 1981, the leaders of the movement were sent directly to jail, while a curfew and censorship of the mail and press were put in place.

The group we were part of was of an extremely high quality. We met many people with a very interesting background and with whom conversations were a delight.

We owe Mrs Agata Kern our deep gratitude for the excellence of her organization and for the opportunity to exchange views with an admirable author in the very much the places that his autobiographical novel describes.