Eduard Bischoff und Ten Little Fingers

16. April 2012

“Which colours do you see?“ war wohl die am häufigsten gestellte Frage des Osterferienprogramms: Kunterbuntes Englisch und farbenfrohe Kunst für Kinder. Die Idee hinter dem viertägigen Programm war, in den acht- bis vierzehnjährigen Gästen spielerisch ein Gespür und Interesse für Kunst zu wecken – in diesem Fall besonders für die Kunst von Eduard Bischoff, denn das Programm war eng mit der derzeitigen Ausstellung „Ich übertrage das Gefühl“ – Der ostpreußische Maler Eduard Bischoff (1890-1974) verknüpft.

"Which colours do you see?"

Und so war eine zweisprachige Besprechung der Gemälde (Warum benutzt Bischoff in seinem Norwegen-Bild kalte Farben? Wie unterscheidet sich der Stil seiner frühen Werke von dem der späteren?) ein ebenso fester Bestandteil jeden Tages wie Bewegungsspiele und die Lieder Hello and Welcome, If you’re happy and you know it und Ten Little Fingers.

Osterferienkinder bei kritischer Bildbetrachtung!

Diese zehn kleinen Finger waren dann im Kreativteil selbst gefordert: inspiriert von der Ausstellung, erprobten die Kinder verschiedene Techniken von Nass-in-Nass-Aquarellmalerei bis (bei Andy Warhol angelehnten) Selbstporträts in Acrylfarbe. Und zwischen Farbkreisen, dem täglichen Stimmungsbarometer und abschließendem Muffinbacken war auch noch reichlich Zeit, unter Künstlerkollegen einige neue Freundschaften zu schließen.

Farbige Selbstportraits in Acryl

Caroline Borowski

Eine Vernissage der besonderen Art

28. März 2012

Versöhnung ist und bleibt ein großes Wort – im Großen wie im Kleinen. Und daher ist es kein Zufall, dass das Ostpreußische Landesmuseum dieses Thema in der neuen Sonderausstellung, dessen feierliche Eröffnung am vergangenen Freitag, den 23. März 2012, stattfand, aufgriff.

„Versöhnender Schmerz. Deutsch-Russische Erinnerungen an den Exodus der Ostpreußen in Werken von Elena Steinke und Erhard Kalina“ lautet der Titel – und er hält, was er verspricht.

Versöhnen hat oft mit Erinnern zu tun. Ohne Erinnerung sind ein Verarbeiten und ein Verzeihen kaum möglich. 2011 haben sich ein deutscher Künstler und eine russische Künstlerin erinnert. Vorher haben sie zugehört und den schmerzlichen Inhalt eigener Familienerinnerungen künstlerisch umgesetzt. Die Kunstwerke der Ausstellung thematisieren Tragödien, die Menschen damals in Ostpreußen erlebt haben, die sich aber bis heute in vergleichbarer Art und Weise auf der Welt abspielen.

Dr. Barfod, Kurator der Ausstellung, und Elena Steinke sprechen über das "Wiegenlied im Eis"

Aber die Ausstellung heißt nicht ohne Grund „Versöhnender Schmerz“. Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und über 20 Jahre nach Überwindung des „Eisernen Vorhangs“ dient ein Erinnern an schreckliche, aber gemeinsame Erfahrungen nicht mehr der Spaltung und Verletzung, sondern dem Verarbeiten und Versöhnen und zum Aufbau guter nachbarschaftlicher Beziehungen. Auf diesen Gedanken und die damit verbundenen Schwierigkeiten ging der Direktor des Museums, Dr. Mähnert, in seiner Begrüßungsrede ein. Gemeinsames Erinnern und Versöhnen ist noch keine Selbstverständlichkeit, wie die Schwierigkeiten der „Stiftung Flucht, Vertreibung Versöhnung“ zeigen.

Besucher der Vernissage beim Betrachten des Zyklus`von Erhard Kalina

Im Anschluss an die zum Nachdenken anregenden Worte des Direktors, führte der Kurator Dr. Jörn Barfod kenntnisreich in die Ausstellung ein. Die Künstler befassen sich auf jeweils ganz eigene Weise und mit unterschiedlichen Techniken mit dem Thema. Kalinas Werke bilden einen Zyklus in geschlossener Form ab – von der Flucht und Vertreibung bis hin zur Ankunft und des langwierigen Prozesses des Wiederaufbaus in einem neuen Leben. Steinkes Werke hingegen zeigen eindrucksvolle Einzelmotive. die neben dem Leid der Vertreibung zusätzlich den „Roten Terror“ des Stalinismus widerspiegeln.

Elena Steinke und Erhard Kalina

Der Abend endete mit einer beeindruckenden Vernissage, bei der die Besucher die Gelegenheit nutzten mit den anwesenden Künstlern ins Gespräch zu kommen, um mehr über die Hintergründe der Werke zu erfahren. Besonderes Interesse weckte zudem ein Bild, welches im Mittelpunkt einer besonderen Spendenaktion steht, die das Museum in Zusammenarbeit mit Elena Steinke veranstaltet und die dem Hilfsprojekt “Jablonka” für Straßenkinder in Kaliningrad/Königsberg zugute kommen soll. Die Ausstellung ist noch bis zum 23. September 2012 im Ostpreußischen Landesmuseum zu sehen.

Elena Steinke: Sehnsucht. Die Malerin, selbst in Jablonka geboren, wird dieses, eigens für die Spendenaktion angefertigte Bild, stiften und im Anschluss der Ausstellung zur Versteigerung anbieten

Das OL zu Gast in Polen

20. März 2012

Ausstellung über Walter von Sanden-Guja in Allenstein / Olsztyn zu bewundern

Walter von Sanden (1888 – 1972) gehört zu den wichtigsten Natur- und Tierschriftstellern des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Doch ist er heute, wie auch das Genre, in dem er schrieb, weitgehend vergessen. Zu Unrecht, wie das Ostpreußische Landesmuseum meint, das 2011 eine wanderfähige Ausstellung über sein Leben Werk neu erstellte. Diese neue Präsentation wurde bewusst zweisprachig, deutsch und polnisch, angelegt, denn seine ostpreußische Heimat gehört heute zu Polen.

Dr. Christoph Hinkelmann vom OL mit Dr. Krzysztof Gebura (links), der hier als Übersetzer fungierte und Janusz Cyganski, Direktor des Museums für Ermland und Masuren

In seiner unverwechselbaren Darstellung wird uns das Land, das ihm Heimat war, anschaulich vor Augen geführt. Er konnte es uns aber auch physisch so erhalten wie es war, weil er Farbdias hinterließ, die heute einzigartige Zeitdokumente sind. Diese Bilder bilden das Rückgrat der biographischen Ausstellung über Walter von Sanden, der nach 1945 seinem Namen den des verlorenen Besitzes am Nordenburger See, Guja, hinzufügte.

Dr. Christoph Hinkelmann im Gespräch mit Besuchern der Ausstellung, hier mit einer autochtonen Allensteinerin

Die Ausstellung wurde im Sommerhalbjahr 2011 im Volkskulturmuseum Angerburg/ Muzeum Kultury Ludowej Węgorzewo gezeigt und ist nun im Naturmuseum in Allenstein/ Muzeum Przyrody Olsztyn zu sehen. Bei der Eröffnung am 29. Februar 2012 im Erdgeschoss des wunderbar restaurierten, repräsentativen Gebäudes, das einmal eine Villa am Allensteiner Stadtrand war, zeigten fast 50 Gäste Interesse an diesem besonderen Mann, der seine Heimat so sehr liebte und ihre Natur achtete. Er mag im deutschsprachigen Raum fast vergessen sein, doch vielleicht erlebt er nun eine Art Wiedergeburt in der Wahrnehmung im polnischen Sprachraum? Auf jeden Fall ist er gewissermaßen in seine Heimat zurückgekehrt und willkommen.

Das Naturmuseum in Allenstein - Muzeum Przyrody Olsztyn

Dies drückt auch ein Buchprojekt aus, das sich zufällig zeitgleich ergab. Grazyna Czausz, Autorin in Allenstein/Olsztyn, hat gerade die wohl schönste Tiergeschichte Walter von Sandens, „Ingo – die Geschichte meines Fischotters“ ins Polnische übersetzt, die demnächst als erstes Buch des deutschen Autors überhaupt in polnischer Sprache erscheinen wird. Sie war bei der Eröffnung im Naturmuseum persönlich anwesend.

Dr. Christoph Hinkelmann mit Grazyna Czausz

Marian Szymkiewicz, Leiter der zum Museum für Ermland und Masuren/Muzeum Warmii i Mazur gehörenden Einrichtung, führte in das Thema der Ausstellung ein. Im Anschluss daran stellte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, Dr. Christoph Hinkelmann, der das Ausstellungsprojekt konzipiert hatte, Walter von Sanden in einem biographischen Bildervortrag näher vor. Er ging dabei auch auf seine wichtigsten Bücher, das genannte über den Fischotter (1939) und „Alles um eine Maus“ (1940), die Geschichte der ersten Entdeckung der seltenen Birkemaus im damaligen Deutschland, ein. Ebenso auf seine wichtigen autobiographischen Darstellungen „Das gute Land“ (1938) und „Schicksal Ostpreußen“ (1968), die eindrucksvoll beweisen, dass Walter von Sanden weit über die Naturschriftstellerei hinaus beobachten und analysieren konnte.

Alles um eine Maus - Im Mittelpunkt dieser Lektüre steht die kleine Birkenmaus.

Die Ausstellung wird bis Ende Juni 2012 im Naturmuseum Allenstein zu sehen sein.

“Die Arbeit im Museum macht Spaß”

12. März 2012

Schulpraktikumsbericht von Benita Heitmann
30.01. – 17.02.12

Wenn ich meinen Freunden erzähle, dass ich mein dreiwöchiges Schulpraktikum im Ostpreußischen Landesmuseum gemacht habe, fragen mich alle, ob ich mich zu Tode gelangweilt habe. Und immer wieder muss ich ihnen versichern, dass die Arbeit im Museum Spaß macht.

Ich habe mein Praktikum im Kulturreferat bei Frau Kern gemacht, die immer spannende Aufgaben für mich hatte. Einmal durfte ich einen Flyer für die Mal- und Kulturreise nach Steinort mitgestalten, mal durfte ich eine Schülerreise nach Krakau planen und mal beim Kinderclub mitmachen, was eher in den Bereich der Museumspädagogik fällt. Diese Aufgaben waren vielfältig und ich musste kaum normale „Praktikanten-Aufgaben“ machen, die übrigens nicht nur für Praktikanten sind. Aber Frau Kern hat vor allem dafür gesorgt, dass ich einen Einblick in die Museumsarbeiten erhalte – und zwar in alle Bereiche! In der Museumspädagogik durfte ich bei einer Führung mitmachen und bei einem Kindergeburtstag zum Thema Bernstein mithelfen, der ganz toll von einem freien Mitarbeiter, Martin Stempfle, organisiert und gestaltet wurde. (Ich zähle gerade unbewusst ganz viele Museumsangebote auf. Wenn Sie sich dafür interessieren, rate ich Ihnen, sich auf der Homepage weitere Informationen zu verschaffen. Es lohnt sich!)

Benita Heitmann "hinter den Kulissen" im Museum

Ein Besuch bei der Restauratorin Susanne Kolditz ist ebenfalls interessant und lehrreich und man weiß erst, wie lustig es in einem Museum zugehen kann, wenn man hinten an dem Praktikanten-Laptop mindestens drei Wochen gearbeitet hat. Doch ich erläutere Ihnen jetzt noch einmal, was ich genau machen musste.

Ich habe Frau Kern, die Kulturreferentin, unterstützt, deren Aufgabe es ist, die breite Öffentlichkeit (also Sie, lieber Leser) über Ostpreußen zu informieren und Veranstaltungen wie zum Beispiel Lesungen, Buchvorstellungen, Konzerte usw. zu planen und durchzuführen. Auch organisiert das Kulturreferat Schulprojekte und Studienfahrten mit Hilfe von Schulen, Universitäten usw. Ein solches Schulprojekt habe ich ebenfalls geplant. Dafür musste man sehr viel recherchieren – und zwar nicht nur im Internet, sondern auch in Büchern, die mir Frau Kern zur Verfügung gestellt hat. Bei der Gestaltung eines Flyers muss man darauf achten, dass der Text bündig ist, die Bilder nicht zu wild und die Seiten richtig angeordnet werden.

Alles in allem, kann ich Ihnen ein Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum  nur empfehlen. Es macht Spaß, man hat vielfältige Aufgaben und die Mitarbeiter sind sehr nett und sehr hilfsbereit. Ich habe die Zeit dort wirklich genossen und werde Frau Kern und die anderen bald wieder besuchen gehen. Besuchen Sie doch auch mal das Museum. Die Ausstellung ist sehr interessant und die Geschichte ist spannend!

Benita Heitmann

Weit ist der Weg nach Osten

2. März 2012

Weit ist der Weg nach Osten. Unter diesem Titel lud das Ostpreußische Landesmuseum zu  einer Veranstaltung am Mittwoch, den 29. Februar, ins Museum, um die grenzüberschreitenden Schulprojekte des Kulturreferats vorzustellen. Zudem bot der Abend Raum für einen Vortrag von Tatjana Gräfin Dönhof. Weit über 100 Personen, Schüler, Lehrer, junge und ältere Interessierte haben den Weg zu uns gefunden. Doch bereits früh am Abend geriet das „gefühlte“ Weltbild bei einigen ins Wanken.

Ist es tatsächlich weit bis in den Osten? Oder ist es nicht nur in unseren Köpfen so? Holger Wendebourg, Lateinlehrer vom Hamburger Hansa-Kolleg warf diese Fragen auf und hatte auch eine Antwort parat. Von Lüneburg nach Kaliningrad sind es gerade mal 150 km weiter als nach München und es ist nur halb so weit wie bis nach Rom. Ein Katzensprung also?

Holger Wendebourg stellt die Studienreise nach Kaliningrad vor, welche im Zeichen des 10-jährigen Todestages von Marion Gräfin Dönhoff steht

Man kann es wohl so oder so sehen. Und in den Reihen der Schüler der Lüneburger Wilhelm-Rabe Schule, die im vergangenen Herbst zusammen mit Agata Kern und Schülern der Ernst-Moritz-Arndt-Regionalschule Greifswald in den ehemals deutschen Gebieten von Pommern bis Ostpreußen in Polen unterwegs waren, raunte ein tiefes Stöhnen, als sie sich an die 12-Stunden Busfahrt erinnerten. Letztlich war diese Studienfahrt aber ein voller Erfolg und hat positive und bleibende Eindrücke bei den Schülern hinterlassen. Die Ergebnisse dieser Exkursion präsentierten sie selbst in einer Fotoausstellung, welche noch bis zum 11. März im Ostpreußischen Landesmuseum zu sehen ist und berichteten am Abend von ihren Erfahrungen.

„Suche nach der Ortsidentität“ - Schüler der Wilhelm Rabe Schule Lüneburg stellen ihre Studienreise aus dem letzten Herbst vor

Im Mai geht die Spuren- und Identitätssuche in die zweite Runde. Studierende des Hamburger Hansa-Kollegs erwartet eine Fahrt in den russischen Norden Ostpreußens. Diese Reise soll im Zeichen des 10-jährigen Todestages von Marion Gräfin Dönhoff stehen. Holger Wendebourg hat diese Region bereits vor ein paar Jahren für sich entdeckt, Rom hinter sich gelassen und einen Schritt in den Osten gewagt, in die Oblast Kaliningrad, bis in die „gesichtslose monströse Plattenbaustadt“ Kaliningrad. Doch auch er entdeckte, dass diese Stadt und Region begonnen haben sich zu verändern, ein modernes Gesicht zu entwickeln. Die Vergangenheit wird angenommen und deren (un)sichtbare Reste wiederentdeckt. Für die Schüler wird es eine interessante und spannende Reise werden, auf die auch Tatjana Gräfin Dönhoff Lust machte. Lust auf Entdecken von Spuren, auf einen „Abenteuerurlaub“, auf genaues Hinschauen.

Das Bild wurde im Rahmen der Studienreise aufgenommen und zeigt das Schloss in Steinort / Sztynort

Till Jacob: Verlorener Glanz. Das Bild wurde im Rahmen der Studienreise aufgenommen und zeigt das ehemalige Schloss der Familie von Lehndorff in Steinort / Sztynort

Als Gastrednerin und angekündigter Höhepunkt der Veranstaltung hatte die Großnichte von Marion Gräfin Dönhoff genau das auf zahlreichen Reisen in die Heimat ihrer Vorfahren bereits getan und ihre Eindrücke und Bilder unter anderem in dem Buch „Weit ist der Weg nach Westen“ veröffentlicht. Am Mittwoch konnten alle Besucher lebhaft diesen Eindrücken lauschen und sich wieder in die Vergangenheit einladen lassen, aber auch Blicke in die Gegenwart und Zukunft werfen. Tatjana Gräfin Dönhoff hat genau hingeschaut, zeigte eindrucksvolle vorher/nachher Bilder, berichtete von Bekanntschaften und Freundschaften von neuen Bewohnern der Region, zeigte aber auch einen humorvollen Blick zurück in die Jahrhunderte dauernde Geschichte der Dönhoffs im Osten – „einen Vorteil hat Adeligkeit: der Familienstammbaum ist gut dokumentiert“.

Tatjana Gräfin Döhnhoff und Museumsdirektor Dr. Mähnert im Gespräch

Dem Besucher blieb es selbst überlassen, mit welchem Auge er die Ruinenromantik Ostpreußens zu sehen hatte – an diesem Abend gab es weinende aber auch fröhliche. Vieles ist mittlerweile passiert im so fernen Osten, vieles restauriert. Nicht nur wir schauen in diese Richtung, sondern vor Ort schaut man hin. Und eines bleibt – die wundervolle Natur dieses Landstriches. Nicht den verloren gegangenen oder erhaltenen Steinen verdankt es Tatjana Gräfin Dönhoff, dass sie sich in Ostpreußen zu Hause fühlt, sondern der Landschaft.

Tatjana Gräfin Dönhoff bei der Preisverleihung

Den Abschluss des Abends bildete die Preisverleihung der gelungenen Fotoausstellung. Das Ostpreußische Landesmuseum freut sich bereits auf die Ergebnisse der Studienfahrt im Mai.

Betrachter der Fotoausstellung

Fortbildung der Museumspädagogen in der Kunsthalle Bremen

27. Februar 2012

Erfahrungsbericht von Sina Schurrer, Studentin der Kulturwissenschaften an der Leuphana-Universität Lüneburg und Praktikantin in der Museumspädagogischen Abteilung des Ostpreußischen Landesmuseums

Sina Schurrer, Praktikantin im Ostpreußischen Landesmuseum

Eigentlich bin ich keine große Kunst-Kennerin und mich zieht es auch eher in historische und kulturgeschichtliche Museen als in die Kunsthalle. Die erste Fortbildung der Museumspädagogischen Abteilung im Jahr 2012 führte mich nun aber in die Kunsthalle Bremen. Dort wird noch bis zum 26.02.2012 die Ausstellung “Edvard Munch – Rätsel hinter der Leinwand” gezeigt. Auch wenn ich von Kunstgeschichte nicht viel verstehe, Edvard Munch kenne sogar ich und so war ich gespannt, was mich in der Ausstellung erwartet.

Elf Teilnehmer, Honorarkräfte und Ehrenamtliche der Museumspädagogik, machten sich am Donnerstagmorgen, den 23.02.2012 auf den Weg nach Bremen. Nachdem wir nach einigen Irrungen und Wirrungen aufgrund von Baustellenarbeiten und Zugausfällen in der Kunsthalle angekommen waren, begrüßte uns erst einmal eine lange Warteschlange an der Garderobe und vor dem Einlassbereich. Das Servicepersonal am Eingangsbereich wirkte leicht überfordert mit dem Besucheransturm und Schließfächer für unsere Taschen waren leider auch rar.

Die Munch-Ausstellung selber entschädigte aber schließlich für das Gedränge. Auch hier standen Menschentrauben vor den Bildern, aber man konnte dennoch gut sehen und sich alles in Ruhe angucken und durchlesen. Besonders spannend war die Geschichte um das neue Munch-Bild, das man in Bremen entdeckt hat und das schließlich auch der Ausstellung ihren Titel gab: “Rätsel hinter der Leinwand”. Es handelt sich dabei um ein Bild, das 2005 bei der Untersuchung des Gemäldes “Das Kind und der Tod” entdeckt wurde. Hinter diesem Kunstwerk befand sich eine weitere Leinwand mit einem eigenständigen Bild.

Restauratoren haben es geschafft, die Leinwand abzuspannen und das Bild darunter zum Vorschein zu bringen: Die Aktdarstellung eines Mädchens, daneben drei Männerköpfe, die mit Händen nach dem Mädchen greifen. In der Bremer Kunsthalle können nun beide Werke bestaunt werden.

Hartwig Dingfelder, Leiter der Abteilung Bildung und Vermittlung der Kunsthalle Bremen

Im Anschluss an den Gang durch die Ausstellung wurde uns von Hartwig Dingfelder, dem Leiter der Abteilung Bildung und Vermittlung der Kunsthalle Bremen, das museumspädagogische Begleitprogramm zur Sonderausstellung vorgestellt. Dabei konnten wir erst einmal staunende und auch ein wenig neidische Blicke auf die Räumlichkeiten der Museumspädagogik werfen, die durch den neuen Anbau an die Kunsthalle in den letzte zwei Jahren entstanden sind: Sehr große, helle und moderne Räume mit einer breiten Fensterfront und nicht zuletzt sehr gemütliche Sitzkissen gab es hier.

Herr Dingfelder erklärte uns die Herangehensweise und Entwicklung des Begleitprogramms, wobei besonders interessant war, wie Kinder dabei angesprochen wurden, da diese Altersgruppe nicht gerade die eigentliche Zielgruppe einer Edvard Munch-Ausstellung ist. Uns wurde jedoch erklärt, dass gerade die Themen, die Munch in seinen Bildern aufgreift – Tod, Krankheit, Kindheit, Erwachsenwerden, Liebe, Gefühle – jeden Menschen, von Kind bis ins hohe Alter, ansprechen und emotional berühren. Jeder hat seine Erfahrungen mit diesen Themen gemacht, was auch das Fesselnde und die Ausdrucksstärke erklärt, die von Munchs Bildern ausgeht. Für Kinder entwickelte die Kunsthalle daher ein breites Angebot: Es werden spezielle Malkurse angeboten, in denen die Kinder ähnlich wie Munch Gefühle und Emotionen malen oder Bilder zum Thema Kindheit anfertigen. Weiterhin steht Kindern ein spezieller Audio-Guide zur Verfügung, der die Ausstellung in Form eines Hörspiels erklärt. Es werden Führungen für verschiedene Altersgruppen angeboten und den Schulklassen Unterrichtmaterialien zur Verfügung gestellt, damit der Museumsbesuch in der Schule vorbereitet werden kann. Darüber hinaus hat Hartwig Dingfelder im Rahmen der Ausstellung das Buch “Edvard Munch für Kinder” geschrieben, welches nun auch im Dumont-Verlag erschienen ist.

Am interessantesten fand ich das Projekt “Familientag mit den ‘Die drei ???’” Hier wurde gemeinsam mit dem Produzenten der “Drei ???” zusammengearbeitet und eine Folge geschrieben, die zum Teil auch in der Kunsthalle spielt. Am Familientag erwartet die Besucher nun eine spezielle Führung durch die Ausstellung und eine Lesung dieses Kinderkrimis. Ich denke, diese Veranstaltung eignet sich besonders, um neue Zielgruppen anzusprechen, das heißt Kinder, die “Drei ???”-Fans sind, sonst mit ihren Familien aber eher selten oder gar nicht ins Museum gehen.

Sehr gelungen finde ich auch die Ansprache möglichst verschiedener Zielgruppen durch das Begleitprogramm – Kinder, Jugendlicher, Studenten, Erwachsener, Behinderter. Die Kunsthalle Bremen profitiert hierbei sicherlich auch von einem breiten Netzwerk aus verschiedenen Kooperationspartnern, wie z.B. Schulen, der Werkstadt Bremen oder dem Theater Bremen.

Abschließend ist mein Fazit für die Fortbildung in der Bremer Kunsthalle:

1. Es gab viele interessante Anregungen von Seiten der Museumspädagogischen Abteilung.

2. Ich bin überrascht, wie gut mir die Ausstellung gefallen hat und werde demnächst sicher öfter auch in Kunstausstellungen gehen!

Das Museumspädagogische Team des Ostpreußischen Landesmuseum

Multimediale Lesung „Ostpreussen. Biographie einer Provinz“

16. Februar 2012

Buchvorstellungen können überraschen und Emotionen wecken. Der gestrige Abend im Ostpreußischen Landesmuseum spiegelte genau dies wieder. Gegen 19 Uhr füllte sich das Foyer mit vielen Besuchern, die gekommen waren, um mit dem Autor Hermann Pölking selbst, den so genannten Mythos Ostpreußen in seinem neuesten Buch „Ostpreussen. Biographie einer Provinz“ zu entdecken. Das Buch erzählt die Vergangenheit des einst östlichsten Teils Deutschlands unter Einbeziehung der aktuellen historischen Forschung.

Nicht Hermann Pölking eröffnete die Lesung, sondern Peter Kämpfe, Theater- und Filmschauspieler und erfolgreicher Fernsehdokumentationssprecher. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme verlieh er den geschriebenen Worten eine tiefgehende Lebendigkeit, die alle Zuhörer begeisterte. Doch auch wer sich dazu entscheiden wird, selbst zu lesen, wird keinen trockenen 900-Seiten-Wälzer vorfinden. Pölkings Buch lebt von Zitaten, persönlichen Eindrücken und Erlebnissen von Menschen, die in Ostpreußen lebten oder diese Provinz nur besuchten.

Peter Kämpfe bei der Lesung

Durch die Lesung bekam der Zuhörer bereits einen Eindruck von den unzähligen Augenzeugenberichten und Erinnerungen, die Pölking mit historischen Fakten unterlegte. Zwischen den Lesungen berichtete der Autor selbst von seiner Arbeit an dem Buch und seiner Beziehung zu Ostpreußen. Dies überraschte. Pölking als gebürtiger Bremer hat selbst keine ostpreußischen Wurzeln. Sein ehemaliger Geschichtslehrer steckte ihn wohl mit seiner Begeisterung an und so wuchs über die Jahre die Beschäftigung mit deutschen und deutschsprachigen Ländern und Regionen.

Letztlich sollte ein Buch entstehen, was nicht nur die politischen und sozialwirtschaftlichen Fakten beleuchtet, sondern auch von der Zeit des Krieges, der Landschaft und von den Bewohnern selbst erzählt. So erzählt das Buch auch, wie bedeutende Persönlichkeiten, wie beispielsweise Thomas Mann, zu Ostpreußen standen: “Der Ostpreuße ist so anders, so einmalig in seiner Art. Vielleicht, dass unbewusst in diesen Herzen und Hirnen ein fremder großer Mythos lebt.”

Hermann Pölking während der Diskussion

Lebendig und kurzweilig wurde dieser Abend aber auch durch die kurzen Filmvorführungen, die jeweils in ein neues Thema einführten. Pölking ist leidenschaftlicher Dokumentarfilmer und Sammler. Mit vier kurzen Filmausschnitten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigte er den Zuschauern Ausschnitte aus dem Leben Ostpreußens, die man bisher nicht kannte. So machte Pölking auch auf ein neues Projekt aufmerksam.

Geplant ist ein fünfstündiger Dokumentarfilm mit allen Filmaufnahmen aus der Region, die jemals gemacht worden sind. „Mit allen“ – diesen Superlativ nimmt man Pölking ab. Mit Leidenschaft berichtete er in der anschließenden Diskussion von seinen großen Plänen. Er möchte vor allem ungewöhnliche Filme finden und so führt ihn seine Suche durch die Archive Deutschlands. Und bereits jetzt kann man davon profitieren.

Intro Ostpreussen

Auf die Frage, ob auch aktuelles oder Nachkriegsmaterial gesucht wird, antwortete Pölking mit einem entschiedenen „nein“. Für ihn sei Ostpreußen kein geographischer Begriff und damit seit 1948 nicht mehr existent. Vielleicht kann gerade dadurch der Mythos weiterleben und Ostpreußen faszinieren. Der gestrige Abend hat auf jeden Fall neugierig gemacht. In Ostpreußen wurde Weltgeschichte geschrieben.

Kinderclub im Ostpreußischen Landesmuseum

6. Dezember 2011

Ein Praktikumsbericht von Zohra Koudri aus Algerien

Erst ein Mal soll ich sagen, dass mein Lehrer Herr Holger Ina vom Bildungszentrum Lüneburg und ich, die Praktikumsstelle im Internet gesucht  und per Telefon einen Termin mit der Museumspädagogin Frau Silke Straatman arrangiert haben. Natürlich die Idee, ein Praktikum in einem großen Museum wie dem Ostpreußischen Landesmuseum zu machen war toll, besonders in der Abteilung, die mich interessiert: Museumspädagogik, denn die hat viel zu tun mit meinem Studium und meinem erlernten Beruf als Lehrerin.

Also, zum Glück wurde ich von dem Museum angenommen. Meine Aufgabe war es, ein Projekt für den Museumskinderclub zu realisieren. Das war eine Präsentation über das Thema Religionen und Rituale: Taufe und Namengebung  in verschiedenen Religionen wie Christentum (Katholisch-, Evangelisch-, Orthodoxe Kirche), Judentum, Islam, Jesidentum. Jesidentum  deshalb, weil es im Kinderclub einige kurdische Kinder gibt, die Jesidischen Glaubens sind.

Genau waren meine Tätigkeiten: Informationen und die Erklärungen zu recherchieren, lesen, selektieren, resümieren, tippen und den Bericht so einfach zu machen, damit die Kinder es verstehen können. Auch sollte ich Fotos  suchen und scannen, die mit dem Thema, besonders mit jedem Religion zu tun haben. Mit großem Interesse habe ich mich in das Thema eingearbeitet mit Büchern, Wörterbuch, Computer, Internet, Scanner und natürlich mit der Orientierungshilfe von der Abteilungsleiterin eine Powerpoint-Präsentation zusammengestellt. Als meine Recherche, scannen und tippen in eine Powerpoint-Präsentation fertig war, bereitete mein Team, die Abteilungs-Leiterin, meine Kollegin Frau Eveline Hofer und ich, die Präsentation mit dem Beamer zur Probe vor.

Licht und Taufe

Die Idee war, das Thema durch Hand-Puppentheater für die Kinder zu präsentieren, damit  das Inhalt “Namensgebung im verschiedenen Religionen als Kultur Vergleich” attraktiv und lustig, für unser kleinen Schüler wird, ganz im Sinne von Shakespeare: “Gib mir ein Theater und ich gebe dir ein kultiviertes Volk”. In der Tat, nicht nur die Kinder waren begeistert und hatten viel Spaß, auch die Erwachsenen waren fasziniert.

Puppenspiel: Linnea und Esmeralda sprechen mit den Kindern über Gemeinsamkeiten der Religionen

Die Kinder des Museumskinderklubs sind nicht alle gleichen Alters, deswegen merkte man dass die Kleineren mit 5 bis 7 Jahren, weniger aufmerksam waren als die Älteren mit 8 bis 13 Jahren. Aber sicher, alle Kinder und Erwachsenen die dabei waren, haben einen interessanten Nachmittag mit den neuen und unterschiedlichen Kulturen erlebt.

Süßspeise aus Algerien

Die Kinder stellten viele Fragen. Die Antworten wurden manchmal von mir oder auch von den Kindern selbst gegeben. Danach haben die Kinder im praktischen Teil Kerzen mit Wachsplatten und Kerzenstiften bunt verziert und konnten so ihre Gefühle auszudrücken und sinnlich umsetzen.

Kerzen basteln

Persönlich bin ich sehr zufrieden mit meiner Praktikumserfahrung, weil es meine Hoffnungen erfüllt hat: Ich habe durch das Museumsprojekt  etwas Neues über andere Kulturen (Siehe: Thema und Sprache) gelernt, sogar über meine  eigene Kultur.

Die Stimmung bei meinem Praktikum war gut, nicht nur bei der Museumspädagogik,  sondern alle Leute im Ostpreußischen Landmuseum waren freundlich, ermutigend und kultiviert. Das Praktikum in einem Museum erlaubte mir, mich noch mehr über andere Kulturen und andere Geschichte zu informieren, nicht zu vergessen was man noch mit den Kindern, während den Aktivitäten und Kommunikation z.B. Pädagogik, Geduld, Sozialverhaltung lernen kann; dazu entdeckt man sich selbst.

Auch hatte ich die Chance, bei einer andern Museumspädagogische Aktion “Ein Koffer voll Erinnerungen” im Museum zu hospitieren.  Ich konnte  die Stadtbücherei besuchen, mit deutschen Mitarbeitern kommunizieren und das Vokabular der Deutschen Verwaltung hören. Auch war es interessant zu sehen, wie das Leben in einem Museum läuft.  Z.B wusste ich vorher nicht, dass die Temperatur in einem Museum unten bleiben soll, damit die Gemälde und andere Exponate – die einzigartigen zeugen die Vergangenheit – keinen Schaden nehmen.

Prof. Bazon Brock (Künstler und Kunsttheoretiker) sagt: “In den Museen lernt man die Antworten auf diese Fragen von Generationen ehemals Lebender kennen. Im Museum lernt man, die eigenen Zukunftserwartungen – Hoffnungen und Befürchtungen – zu beurteilen”. Als neue Praktikantin und besonders als Emigrantin gewinnt man  die Motivation, um sich in der deutschen Gesellschaft zu integrieren.  Also tatsachlich, die Betreuung, Zusammenarbeit und Atmosphäre während des Praktikums gefiel mir sehr.
Zohra Koudri
Lüneburg, 30.11.2011

Studienfahrt nach Polen

15. November 2011

Auf der Marienburg

Vom 29. September bis zum 8. Oktober fuhren 13 Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule (gemeinsam mit Frau Seemann und Herrn Hörig sowie Frau Kern, der  Kulturreferentin des Ostpreußischen Landesmuseums) für zehn Tage nach Polen, um dort „Auf der Suche nach der Ortsidentität“ die ehemaligen deutschen Ostgebiete zu besuchen. In Greifswald schloss sich uns eine Gruppe von Schülern der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Schule an (ebenfalls mit Lehrerin und Kulturreferentin). Ein paar Eindrücke von dieser abwechslungsvollen, lehrreichen, unterhaltsamen Fahrt sollen folgen.

Mit den polnischen Schülern in Nikolaiken

In Steinort

Nach mehreren Vorbereitungstreffen fuhren wir am Donnerstagmorgen um sieben Uhr am Busparkplatz auf den Sülzwiesen ab. Unser Busfahrer Georg begleitete uns über die ganzen zehn Tage und war damit – neben der eigentlichen Reisegruppe natürlich – eine der wenigen Konstanten in dieser Zeit: Immerhin übernachteten wir innerhalb von anderthalb Wochen in acht verschiedenen Unterkünften, sodass wir zwischendurch selbst durcheinander kamen, welche Orte wir jetzt wann besucht hatten. Am Ende der Fahrt sollte einerseits das Gefühl bleiben, außergewöhnlich viel erlebt zu haben, wodurch einem einzelne Erinnerungen teils lange zurückliegend erschienen, andererseits kam uns die Fahrt dennoch kurz vor – wir hätten problemlos noch eine Woche „da drüben“ bleiben können. Das ist auch kein Wunder, wenn man sich die vielen sehenswerten Orte im Norden Polens anschaut, zumal es eine Region ist, in die man sonst eher selten kommt: Begonnen in Stettin (Luftschutzbunker, Alltag im Zweiten Weltkrieg) und Danzig (eine wunderschöne wiederaufgebaute Innenstadt, Ausstellung zum Thema Solidarnośc), über Marienburg (Deutscher Orden im Mittelalter) und Galkowen (ein 150-Seelen-Dorf in Masuren mit einer Ausstellung zu Marion Gräfin Dönhoff), bis zur Wolfsschanze („Führerhauptquartier” im Zweiten Weltkrieg) und nach Thorn (Nikolaus Kopernikus) – überall konnte man Neues entdecken und sein geschichtliches Wissen vertiefen.

Westerplatte

Das eigentliche „Studieren” war aber nur ein Aspekt der Studienreise: Daneben sollten wir auch die polnische Kultur kennenlernen, wozu unter anderem ein Treffen mit Schülern eines Lyzeums in Nikolaiken gehörte. Außerdem aßen wir zu Mittag immer eine typisch polnische Mahlzeit, was bedeutete, dass es grundsätzlich eine Suppe als Vorspeise gab – ein Höhepunkt war in dieser Hinischt das Restaurant in Stettin, wo die Suppe statt in einem Teller in einem ausgehöhlten Brotlaib serviert wurde, den wir auch aufessen konnten. Als Hauptspeise konnten wir zwischen einem vegetarischen und einem fleischhaltigen Gericht wählen, zum Durstlöschen standen meist Orangensaft oder Wasser in Glaskrügen auf dem Tisch. Wir frühstückten immer in der Unterkunft, wo es oft ein reichhaltiges Buffet gab. Überhaupt fühlten wir uns in den Quartieren insgesamt wohl. Ansonsten war es interessant zu sehen, dass die Polen zwar viel englischsprachige Musik hören (mehrmals wurden in den Restaurants im Hintergrund Songs von Phil Collins gespielt), es aber nirgendwo ausländische Zeitungen oder Magazine zu kaufen gab. Die Speisekarte hingegen war in den größeren Städten fast immer zwei-, manchmal sogar dreisprachig gehalten.

Schifffahrt auf dem Spirdingsee

Was bleibt von der Studienfahrt? Erstens war es sehr interessant – das Wort ist dafür viel zu schwach –, mehr über unser östliches Nachbarland zu erfahren, über seine Geschichte und über seine Kultur (auch wenn wir – Schande über uns – nur zwei, drei polnische Vokabeln regelmäßig benutzt haben: Dzién dobry! – Guten Tag, dziękuje – danke und proszę – bitte). Zweitens gab es wirklich herrliche Orte: zum Fotografieren, zum Nachdenken oder zum Ausruhen. Und drittens, was ich auch als sehr wichtig empfand, damit die Studienfahrt zu einer herausragenden Veranstaltung wurde, war die Reisegruppe einfach großartig. Obwohl wir Raabe-Schüler aus vier verschiedenen zehnten Klassen kamen und uns vorher teilweise nur vom Sehen kannten, hatten wir keine Probleme miteinander und konnten uns richtig anfreunden. Insgesamt also eine wirklich wunderbare, vielfältige, grandiose Fahrt.

Freundschaftsspiel in Nikolaiken

Anmerkung: Im Text sind immer die deutschen Ortsnamen benutzt, da wir die polnischen Bezeichnungen so gut wie nie verwendet haben.

Vor dem Gasthaus in Galkowo

Christoph Reese, Klasse 10a

On the steps of Nicolas Copernicus

15. November 2011

Mit Nicolaus Copernicus in Allenstein/Olzstyn

It was the second time we were part of a study journey through Poland. The journey stood under the topic of “On the steps of Nicolas Copernicus”.

More than last year, we have realized how sensitive visiting today’s Poland is for our fellow German participants: they have strong roots with Eastern Prussia and other regions that had once belonged to Germany. We have felt the pain and sorrow of those who had to leave their homes and places where they were born without having the possibility of returning for many years.

Accommodation: as usual, the hotels were of an acceptable quality with a special mention of the Hotel Radisson Blu in Warsaw which is of a very high International level

Transport: our driver – Gregor Kusiak – was the same as last year and we appreciated his kindness and the services of coffee and ‘Würstchen’ he provided during the mandatory pauses. As a driver myself, I admired his capacity to maneuver his huge bus in very confined location, while remaining extremely cautious in all occasions.

Unser Busfahrer Gregor Kusiak

Doctor Hamel: my wife and I are not specially acquainted with astronomy, so thanks to Doctor Hamel, we have discovered many aspects of this science which were unknown to us. His encyclopedic knowledge of everything related to space, stars, planets, astronomy and even astrology, allowed us to get clear answers to our naïve questions we put forward. To temper the monotony of a long distance trip between stops, he would address a specific subject and answer questions. On a more personal note, we have learnt that Doctor Hamel had a very innocent hobby which was to discover paintings or statues of sand-glasses in churches.  Sand-glasses depicted with or without wings are symbols of the time which passes. Sometimes one can find the personified Death (Knochenmann) with his scythe, too. Most of the time those symbols are stressed with the presence of a skull. All these adornments tend to remind mankind of its mortal condition.

Frauenburg

And I must admit that his ‘addiction’ is contagious since we are systematically looking for sand-glasses every time we visit churches after we left Lüneburg.

Poland: our first visit to this country was in 1986 and I must say that Poles have done tremendous efforts to modernize their country. Today it is very difficult to see any difference between Polish towns and any town in Western Europe in terms of modernity. Streets are clean, taxis are frequent and cheap, road surfaces are excellent, people are well dressed and cars are the same as ours. After travelling more than 2000 kilometers on Polish roads, one could only regret that there are not more motorways linking large towns. We have heard of a project to extend some of the existing motorways through private companies at the occasion of the next European Football championship together with Ukraine. This will imply toll payment for the vehicles using them.

Nicolas Copernicus: Copernicus is a brilliant scholar of the 15th century and belongs to the entire mankind like other scientists like Albert Einstein, Alexander Fleming or Marie Sklodowska-Curie. Their geniuses have no nationality. Thanks to Doctor Hamel, we have realized that this man was able to figure out the movement of the Earth around the Sun in opposition to the belief promoted by the Church. This was done without any real scientific instrument, just by pure reasoning and eye observation. Contrary to other scientists Copernicus was smart enough avoiding any kind of argumentation with the Church authorities who would have put him into difficulties and eventually an end to his astronomy research.

Frauenburg

Dr. Hamel never got tired in commenting Copernicus’ comprehensive studies. Whenever lecturing, either during our evening conversations or on the bus, his descriptions of scientific matters were put forward as simple as possible for a non expert audience.  Thanks to his steady explanations we are now much more knowledgeable on stars, shooting stars, black holes, dark matter, supernovae, nebulae, galaxies, asteroids, comets and such a difficult subject as parallax!

The guides: in each town we had the pleasure to make a tour of the city accompanied by a local guide. Just let me quote two particular experiences:

- We had been especially lucky with the tours offered at the Observatory of Thorn. As the initial guide was not available Mrs. Kern was able to obtain a replacement by no less than the director of the Observatory himself. So his visit was in English and Doctor Hamel was translating into German. Indeed who would have been more appropriate than the director himself?  I am sure that the quality of the visit was certainly superior to what it would have been had with any other normal guide.

- We were shown beautiful Krakau by the young lady Joanna. She was such a knowledgeable person and in addition had a perfect level of German. She guided us through the old town and castle and eventually the tour ended up in the Jewish quarter of Kazimierz. Joanna was brilliant and did her utmost to fill us in with cultural information:  Polish History, art, literature and Jewish culture.

The group: My wife and I are really grateful for the way people from the group were so nice with us. I must also insist on the punctuality that everyone displayed at every occasion and we never had to wait before leaving the hotel for a visit or for the travel to the next stop over.

Food: Mrs. Kern organized a number of dinners in town which distracted us from the usual international cuisine you find in hotels. In Thorn, for example we had a dinner in a very nice restaurant where we had a large room for us alone. In the next room, a pianist played some old French songs and American standards: the ambiance, the food, the music was really fantastic. The most remarkable occasion was a restaurant of the Jewish district of Krakau where we enjoyed not only the typical food but also the performance of three talented artists playing music from the Jewish folklore. At the Radisson Blu hotel in Warsaw, we also had a very nice dinner in a dining room for us alone with waiters just taking care of offering us with a glass of Sekt to begin with.

Being French of course means…. that we are hungry at noon and that we like to sit down and have a warm lunch. So every time when being on our own, we went out looking for local restaurants and local food. Our search for food was mixed with expectation and fear: fear not to be able to read the menu, because our Polish needs still SOME improvements. But French are courageous when food is concerned and needed.  Therefore we ventured into many small restaurants and were lucky. We loved the different krauts, Bigos and Pierogi and last not least cheese pancakes. At the end of the trip we became experts and for sure we look forward to a new journey to Poland in a near future.

Organization: As usual, the organization was perfect. Mrs. Kern showed her ability to improvise a constructive solution each time she faced the inconvenience of defecting guides or any other problem. The whole trip had been well thought in advance, taking care of limiting the time it took the bus to reach the next stop and the distance between towns were adjusted accordingly.  The fact that Mrs. Kern is able to deal with Poles in their own language is certainly a major asset.

Conclusion: My wife and I enjoyed this trip through Poland very much. The ambiance in the group was excellent, everybody talked to everybody; nobody was left alone. The visit of gorgeous places combined with the extended explanations given by Doctor Hamel on any scientific aspect of our trip was a tremendous benefit for each of us.

So again we are in the starting blocks for new adventures. As we know we will be heading for Berlin.

In der Salzmine von Wieliczka

Patrice de Laminne