11. Lüneburger Museumsnacht im Ostpreußischen Landesmuseum

26. August 2010

Das diesjährige Motto “Leben” der Lüneburger Museumsnacht wurde als „Über-Lebens-Kunst“ interpretiert und zog immerhin ca. 3.000 Museumsbegeisterte und damit mehr als im Vorjahr an. Die Stimmung war wie immer ausgezeichnet, was sicher nicht zuletzt auch am optimalen Wetter lag, das wie geschaffen war für ein Flanieren durch die traumhafte Lüneburger Altstadt mit ihren Cafes, Biergärten und eben nicht zuletzt ihren Museen.

Schlag 18 Uhr eröffnete Museumsdirektor Joachim Mähnert das Event, musikalisch legte sodann gleich die litauische Tanzgruppe „Vite“ los.

Einleitende Worte durch Museumsdirektor Joachim Mähnert

Die litauische Tanzgruppe Vite

Kustos Dr. Jörn Barfod erläuterte die Bedeutung von Kunst als Überlebenskunst am Beispiel des Nehrungs-Tryptichon von Eduard Bischoff, der sich seine verlorene Heimat immer wieder neu malerisch erschuf.

Reges Interesse erweckte der Start einer neuen Reihe “Talk im Museum”, mit der das Ostpreußische Landesmuseum zukünftig alle zwei bis drei Monate aktuelle Kulturdebatten aufgreifen und seinen Besuchern zugänglich machen möchte.

Dieser erste Termin widmete sich der Neukonzeption des Ostpreußischen Landesmuseums. Diesem steht schließlich eine grundlegende Modernisierung und besonders auch die Erweiterung um eine deutschbaltische Abteilung bevor.

Unter der Moderation der Leiterin des hiesigen NDR-Studios, Regine Schramm, debattierte Direktor Dr. Joachim Mähnert mit dem ausgewiesenen Museumsfachmann Professor Dr. Hermann Schäfer, sowie mit dem neuen Direktor des benachbarten Instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im Nordöstlichen Europa, Dr. Joachim Tauber, über ein zukunftsträchtiges Museumskonzept des Ostpreußischen Landesmuseum.

vlnr: Hermann Schäfer, Regine Schramm, Joachim Mähnert, Joachim Tauber

Frau Schramm hob einleitend die bisherige Überlebenskunst der Ostpreußen bevor und frug nach dem Rezept für die Zukunft. Herr Mähnert führte in groben Zügen aus, dass mit dem Wegbruch der Erlebnisgeneration zwar neue Zielgruppen für das Museum gefunden werden müssten, dass aber auf der anderen das Ostpreußische Landesmuseum seinen selbstverständlichen Anspruch in der Reihe anderer, etwa auch niedersächsischer Landesmuseen beanspruche, da Ostpreußen zwar heute nicht mehr Teil Deutschlands sei, aber eben doch über eine etwa 700jährige deutsche Geschichte verfüge, die nicht nur eine Brückenfunktion in den Osten innehatte, sondern auch direkt und spezifisch wesentliche Impulse zur christlich-abendländische Kulturtradition beigetragen habe, etwa über Kopernikus, Kant, Herder u.a. Diese gelte es stärker hervorzuheben.

Selbstverständlich müsse die neue Dauerausstellung zeitgemäßes Rezeptionsverhalten berücksichtigen und Themen aufgreifen, die auch aktuell von Interesse sind und Menschen anziehen, die zunächst wenig Ostpreußenaffin seien.

Moderatorin Regine Schramm, Museumsdirektor Joachim Mähnert

Herr Schäfer führte die Bedeutung einer klaren Erzählstruktur aus und betonte die Notwendigkeit, mittels neuer Medien auch junge Menschen zu erreichen. Wichtig sei prinzipiell, die Exponate nicht nach Sachgruppen geordnet, sondern in einer ausgewogenen Mixtur zu präsentieren.

Er ging auch auf die geplante Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin ein. In diesem Zusammenhang zitierte er Günter Grass, wonach die Vertriebenen ihre Heimat zweimal verloren hätten, 1945 und später durch das Schweigen der Mehrheitsgesellschaft zu diesem Umstand. Er warnte davor, diesen Fehler erneut zu begehen, denn mit dem Aussterben der Erlebnisgeneration müsse die Erinnerungskultur den Museen und Gedenkstätten übertragen werden, aber auch diese seien zu wenig wohl gelitten und zudem unterfinanziert.

Hermann Schäfer: Erfolgreicher Museumsfachmann als ehemaliger Gründungsdirektor des Hauses der Geschichte in Bonn bzw. Abteilungsleiter beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Herr Tauber sprach von der Schwierigkeit eines Historikers, der mit Quellen und nicht mit Exponaten arbeite und wenig Erfahrung mit Öffentlichkeitsarbeit und dem Herunterbrechen komplexer Sachverhalte in allgemein verständliche und ansprechende Formate, dem Museum echte Empfehlungen auszusprechen. Er wies aber darauf hin, auch die zwischenzeitlich schwierigen Beziehungen zu den östlichen Nachbarn nicht zu verschweigen.

Immer wieder wurde auch auf die neu deutschbaltische Abteilung eingegangen. Gefragt nach den mehrsprachlichen Zugängen etwa durch Audioguides auch in Litauisch, Estisch und Lettisch bot er seine Kontakte an, um diese wichtige, aber kostenintensive Leistung möglich zu machen.

Die wissenschaftliche Perspektive: Joachim Tauber

Das Publikum nahm überhaupt regen Anteil. Verschiedene neue Schwerpunkte wurden angeregt, etwa eine klare Betonung auch der naturwissenschaftlichn Errungenschaften etwa des Nikolaus Kopernikus, aber auch die Bedeutung der Seefahrt und des Handels in Ostpreußen für Deutschland und Europa herauszuheben.

Rege Beteiligung des Publikums

Nach einer guten Stunde endete das Gespräch und hinterließ eine zufriedene Gästeschar. Der Auftakt dieser Reihe jedenfalls war gelungen.

Es folgten Vorträge und Lesungen in ostpreußischer Mundart mit dem Lüneburger Schauspieler Hans-Jürgen Gündling, ein Zeitzeugengespräch mit dem gebürtigen Ostpreuße Elimar Labusch und eine Führung über ungebeten Gäste im Museum, die aber gut zu überleben wissen: Mäuse, Schnaken, Ameisen und dergleichen Unerfreuliches mehr mit dem Biologen Dr. Christoph Hinkelmann.

Hans Jürgen Gündling

Elimar Labusch

Immer wieder traten die Musik- und Tanzgruppe Vite aus Litauen auf. Ihre Kunstfertigkeit, die ungewohnten Instrumente, vor allem aber die fröhliche Ausstrahlung der Musiker begeisterten das Publikum. Der Funken sprang über, die Menschen gingen mit der Musik mit und hinterließen zufriedene Gäste, die noch am gleichen Abend auf die lange Heimfahrt antraten.

Wie immer nahezu überrannt: Die Angebote für die jungen Besucher von unserer Museumspädagogischen Abteilung:

Der Expressionist Kolde als Vorbild: Junge Künstler bei der Arbeit

Und um den Abend durchzuhalten gab es wieder Köstlichkeiten der Lüneburger Landfrauen und frisch gebackene Waffeln:

Frische Waffeln von Ehrenamtlichen und Mitarbeitern

So konnte auch diese Museumsnacht wieder uneingeschränkt als Erfolg gewertet werden.

Museumsnacht 2010

Bedeutendes Exponat für unser Museum

13. August 2010

Ein Lehrbeispiel in Kunst und Geschichte

Gustav Eberlein: Königin Luise und Napoleon in Tilsit 1807. Bildrechte: Ostpreußisches Landesmuseum

Es war einer der dramatischsten Momente in einem reichen Leben und der Keim eines der bedeutendsten nationalen Mythen des Deutschen Reiches: Die noch junge preußische Königin Luise, schon zu Lebzeiten eine „Königin der Herzen“, musste sich 1807 im ostpreußischen Tilsit dem siegreichen Kaiser Napoleon stellen – ihn, den sie gerade noch als „Ungeheuer“ und „Höllenmenschen“ bezeichnet hatte. Aber Preußen war am Ende, das Land von den Franzosen besetzt, König und Königin hatten bis an den äußersten Zipfel ihres Reiches fliehen müssen. Fatal: König Friedrich Wilhelm III. wurde als Verhandlungspartner von Napoleon nicht ernst genommen. Nun sollte Preußens berühmte Schönheit den Kaiser milde stimmen und einen erträglichen Frieden erbetteln. „Das tiefste und vollste Dekollete, das eine Deutsche je zeigte“ soll Napoleons Diplomat Talleyrand die Episode kommentiert haben. Genützt hat es bekanntlich nicht.

Eine berühmte Szene deutsch-französischer Geschichte, die vielfach künstlerisch aufgegriffen und jeweils national interpretiert wurde. In Frankreich etwa malte man die Königin nicht nur genauso groß wie Napoleon, also künstlich kleiner, vielmehr wurde sie gleich wie eine Braut dem Sieger „zugeführt“.

In vielen anderen Darstellungen fleht die liebliche Luise zum herrischen Sieger; oft mahnt im Hintergrund Friedrich der Große als Gemälde Preußens Glorie an, etwa bei dem Monumentalgemälde von Rudolf Eichstädt:

R. Eichstaedt, Luise und Napoleon in Tilsit (1895). Alle Rechte: Ostpreußisches Landesmuseum

Ein Umsetzung aber ragt heraus: ein überlebensgroßer Denkmalentwurf von Gustav Eberlein aus dem Jahr 1901. Denn 90 Jahre später blickte man sehr eigen auf diesen historischen Moment. Napoleon war schließlich längst besiegt und abgesetzt und Frankreich 1871 erneut besiegt worden. Der preußische König – Luises Sohn – ward zum ersten Deutschen Kaiser in Versailles gekrönt.

Eberlein schuf eine Gipsskulptur, welche die vermeintliche Überlegenheit Preußens und Deutschlands über Frankreich mit Mitteln der Kunst ausdrücken sollte. Der unter Wilhelm II. beliebteste Bildhauer stellte Luise nicht nur auf eine (moralisch) höhere Stufe, er ließ sie den fast zwergenhaften, ins Leere starrenden Napoleon auch arrogant die kalte Schulter zeigen.

Eine Umdeutung der Geschichte. Hier ist Luise nicht mehr die sich für ihr Land aufopfernde Märtyrerin, die wenig später am gebrochenen Herzen viel zu früh verstarb, nicht mehr das „Mordopfer“ des Erbfeindes Frankreich. Im Gegenteil: Luise geht aus dem Treffen zumindest als moralische Siegerin heraus. Die nachfolgenden militärischen Erfolge waren aus dieser Perspektive dann schon keine Frage mehr …

Zu einer Umsetzung in Bronze oder Marmor ist es nie gekommen, auch wenn der Künstler ein Jahr zuvor in Anwesenheit des Kaisers sein gefeiertes Luisendenkmal in Tilsit enthüllen konnte. Mit dem Ende der Hohenzollernherrschaft sank auch Eberleins Stern. Bald war er vergessen, seine Kunst galt nichts mehr, und auch dieser Entwurf drohte endgültig zu verfallen.

Mit Mitteln verschiedener Einrichtungen und Privatleuten, darunter dem Ostpreußischen Landesmuseum, gelang es dem Gustav-Eberlein-Forschung e.V. die Skulptur vom Eberlein-Experten Erhard Joseph aufwendig restaurieren zu lassen. Sie wurde erstmals in der Luisenausstellung im Berliner Schloss präsentiert und avancierte dort rasch zum beliebtesten Exponat.

Nun bildet sie einen Höhepunkt in unserer aktuellen Ausstellung und bleibt auch nach deren Ende als Dauerleihgabe des Städtischen Museums Hann. Münden weiterhin hier im Museum.

Anlieferung des Kunstwerkes unter Aufsicht des Restaurators Joseph:

Die Presse war natürlich dabei:

Festlegung des Standortes mit Kustos Dr. Jörn Barfod und Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert:

Sensationelle Leihgabe – das Strumpfband der Königin!

22. Juli 2010

Kaum ist die Ausstellung über die “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos” vorige Woche eröffnet worden, wird die Aktualität des Luisenmythos auf ungewöhnliche Weise bestätigt:

Ein Lüneburger meldete sich mit einem Erbstück seiner Familie, geheimnisumwittert, voller Legenden und Rätsel, wie es ein Mythos verlang.

Seine Eltern oder Großeltern, nichts Genaues weiß man nicht, erhielten dieses Strumpfband, zwei kleine Hundchen aus Holz und dazu ein erklärenden Brief von 1916, akkurat in Süterlin geschrieben. Der oder die Briefschreiber(in) erzählt darin von den Erzählungen einer älteren Dame, einer geborenen von Witzleben, die leider bereits 1913 verstorben war. Sie hatte zu berichten gewusst, dass dieses Strumpfband zusammen mit anderen Kleinigkeiten von der Königin Luise den Grafen Podewils vermacht wurde – ein Dank für deren Unterstützung bei der dramatischen Flucht vor Napoleons Truppen ins ostpreußische Exil. Die Mutter der älteren Dame war eine geborene Podewils.

Ein besonderes Stück. Eine Musealie voller Legenden. Jetzt in der Ausstellung zu bewundern.

Strumpfband (der Königin, angeblich von 1807) und erklärender Brief zur Geschichte von 1916

Ausstellungseröffnung “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos”

22. Juli 2010

Letzten Freitag, am 16.7.2010, wurde die wohl wichtigste Ausstellung im Luisenjahr 2010 speziell  zum “Mythos Luise” anlässlich ihres 200. Todestages (19.7.1810)  im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg eröffnet.

Reges Interesse an der Eröffnungsfeier

Trotz großer Hitze hatten sich nahezu 200 neugierige Kulturinteressierte aufgemacht, um die persönliche Sicht Seiner königlichen Hoheit Christian Sigismund Prinz von Preußen, Urenkel des letzten deutschen Kaisers, auf seine so berühmte Vorfahrin zu erfahren. Es hatte sich gelohnt. Der Prinz sprach über die Volksnähe der Königin, ihrer trotz arrangierter Ehe großen Liebe zum König Friedrich Wilhelm III. und ihrer unkonventionellen Art am preußischen Hofe mit seinen für Luise zu steifen Konventionen und Etiketten.

Das Grußwort von SKH Prinz von Preußen

Der Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Thomas Lindner, würdigte nicht nur die große Königin, sondern auch den seiner Meinung vielfach unterschätzten König an ihrer Seite. Er arbeitete die Bedeutung Ostpreußens im Leben Luises heraus und wagte einen Brückenschlag von der früh verklärten „Passion“ Luises im Rahmen ihrer dramatischen Flucht ins ostpreußische Exil zur „Stunde der Frauen“, die knapp anderthalb Jahrhunderte später schlug, als im Winter 1944/45 in Folge des deutschen Vernichtungskrieges beim Einmarsch der Roten Armee Chaos und Vernichtung über die Zivilbevölkerung in Ostpreußen hereinbrachen.

Grußwort von Dr. Thomas Lindner (BKM)

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der  Trägerstiftung des Museums, Wilhelm von Gottberg, betonte die Bedeutung dieser Ausstellung nicht nur für Ostpreußen, sondern für das Museum selber, das in seiner vielfältigen Geschichte mit zahlreichen Wechselausstellungen eine Präsentation in dieser Qualität bisher wohl noch nicht gezeigt habe.

Der Stiftungsratsvorsitzende

In der abschließenden Rede, die Einführung in die Ausstellung, wurde herausgearbeitet, in welcher Form sich die Ausstellung explizit dem mit musealen Methoden kaum auszudifferenzierenden Konglomerat von Leben und Mythos der Königin nähert. Luises Präsenz als früher „Medienstar“ des 19. Jahrhunderts wird  belegt durch eine große Auswahl von idealisierenden Stichen und Drucken aus der umfangreichen Sammlung des Museums, die nicht nur das Konterfei von Deutschlands beliebtester Monarchin vielfältig variieren, sondern auch die tradierten Episoden ihres Lebens beständig zitieren und somit manifestieren.

Einführung in die Ausstellung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Die Ausstellung will die historischen Hintergründe ausleuchten, etwa Luises Auseinandersetzung mit Napoleon, aber auch mittels eines umfangreichen Schlenkers die Befreiungskriege verbunden mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes, die auf das Engste mit der posthumen Mythisierung verknüpft sind. Wenn es den Kuratoren auch vorrangig um die Rahmenumstände geht, in denen der Mythos Luise sich so erfolgreich entwickeln konnte. will die Ausstellung aber keineswegs der Ausstrahlung dieser so bedeutenden Königin schaden wollen. Vielmehr begegnet die Ausstellung ihr mit großer Sympathie.

Aus geschichtsdidaktischer Sicht soll der Mythos Luise vielmehr genutzt werden, um kulturhistorisches Interesse zu wecken und in die faszinierende, wenn auch schwierige Geschichte des 19. Jahrhunderts einzuführen. Immerhin sind mit Luise nicht nur die ersten Jahrzehnte, die großen Napoleonischen Kriege verknüpft. Vielmehr fußt sich der Luisenmythos auf seinem Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts wesentlich auf der Gründung des Deutschen Reiches 1871, als Luises zweiter Sohn als Wilhelm I. den deutschen Kaiserthron bestieg.

Interesse an den wertvollen Kunstwerken

Aktuelles aus Lüneburg

4. April 2010

Willkommen im neuen Blog des Ostpreußischen Landesmuseums. Hier wollen wir unsere Freunde und Besucher über Entwicklungen, Planungen und Herausforderungen auf dem Laufenden halten.

Moderne Museumsarbeit ist für uns Kommunikation nicht nur über Ausstellungen. Seien Sie eingeladen, uns auf unserem Weg zu einem erweiterten, modernen und besucherfreundlichen Museum zu begleiten!