Artikel-Schlagworte: „Umbau“

Objekt der Woche #5 – Blick auf Reval (Tallinn)

Mittwoch, 7. Februar 2018

Mit der neugeschaffenen Deutschbaltischen Abteilung werden ab Ende August 2018 erstmals wichtige Werke deutschbaltischer Geschichte im Ostpreußischen Landesmuseum präsentiert und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter befindet sich ein idyllisches Gemälde mit einer Ansicht der Stadt Reval (heute Tallinn, die Hauptstadt Estlands) vom Laaksberg (estnisch Lasnamägi).

Blick auf Reval (Tallinn)

Das Ölgemälde aus der Zeit um 1840/50 zeigt den Ausblick aus einem Aussichtsturm, der oberhalb der Bucht von Reval auf dem Laaksberg steht. Vorn sind Spaziergänger in einem umzäunten Bereich, die ebenfalls den schönen Landschaftsanblick genießen. Im Hintergrund liegt die Stadt mit ihrer Festung und den markanten Kirchtürmen. Daneben erstreckt sich der Hafenbereich, die Quelle des Reichtums der alten Hanse-und Handelsstadt. Ganz vorn rechts steht ein Mann in russischer Uniform, der ein Fernrohr hält. Reval war damals die Hauptstadt der russischen Ostseeprovinz Estland.

Objekt der Woche #4 – Bernstein-Kreuzfuß

Mittwoch, 31. Januar 2018

Das heutige Objekt war schon zu unserer Eröffnung 1987 ein Highlight unserer Sammlung und wird auch in unserer neuen Dauerausstellung in der Bernstein-Abteilung wieder zu sehen sein: Der Bernstein-Kreuzfuß aus der Zeit um 1675. Der Kreuzfuß besteht aus einem mit Bernstein beklebten Holzkern sowie eingearbeiteten Elfenbeinreliefs, die Szenen aus der Passionsgeschichte und Barockornamente zeigen. Rechts und links oben stehen Maria und Johannes als Beifiguren der Kreuzgruppe, das eigentliche Kreuz ist leider nicht mehr erhalten.

Bernstein-Kreuzfuß

Das Objekt stammt aus englischem Adelsbesitz und stand vermutlich früher in einer Privatkapelle. Es ist ein repräsentatives Objekt der ostpreußischen Bernsteinkunst des Barock und ein bemerkenswertes Werk des europäischen Kunsthandwerks.
Gerade an der Küste des Samlands ist das Bernsteinvorkommen besonders hoch, sodass wir uns glücklich schätzen können, einige herausragende Bernsteinobjekte in unserer Sammlung zu besitzen.

Objekt der Woche #3 – Porträt des Daniel von Tettau, dem „Helden von Malplaquet“

Mittwoch, 24. Januar 2018

Am 18. Januar 1701 setzte sich in Königsberg der bisherige Kurfürst Friedrich III. selbst als neuer „König in Preußen“ Friedrich I. die Krone auf und legte damit einen wichtigen Grundstein für den weiteren Aufstieg Preußens. Das zerrissene Land – im Osten das Herzogtum Preußen, im Zentrum die Mark Brandenburg und im Westen am Rhein weitere Gebiete wie Kleve und Ravensberg – fand sich im neuen Königreich zusammen; der Name Preußen galt bald für das gesamte Königreich.
Der Weg dahin war allerdings steinig, da der Kaiser in Wien eine solche Rangerhebung zunächst ablehnte. Als 1700 der König von Spanien, kinderlos starb, begann über den vakanten Thron ein Streit zwischen Frankreich und dem Kaiser Leopold I., der nun dringend Verbündete brauchte.
Er erlaubte Friedrich daher die Krönung, wenn sie außerhalb des Reiches – etwa in Königsberg – erfolgte und sich nur auf Preußen, nicht aber auf Brandenburg bezog – daher der Titel „König in Preußen“. Neben hohen Geldzahlungen sollte Friedrich auch noch 8.000 Mann für den Kampf im 1701 ausbrechenden Spanischen Erbfolgekrieg stellen.

Porträt des Daniel von Tettau

Porträt des Daniel von Tettau

Und hier kommt der 1670 in Königsberg geborene Daniel von Tettau ins Spiel, ein General im preußischen Heer und Sohn eines Kanzlers des Herzogtums Preußen, Joh. Dietrich von Tettau. Er begleitete den Kronprinzen und späteren „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., fiel aber 1709 in der blutigsten Schlacht des 13 Jahre währenden Erbfolgekrieges, als bei Malplaquet 90.000 Alliierte unter Prinz Eugen von Savoyen und dem Duke von Marlborough auf 80.000 Franzosen unter Marshall Villars aufeinanderstießen und zusammen mindestens 36.000 Tote und Verwundete auf dem Feld blieben.
Das Gemälde wurde 1945 aus dem historischen Rahmen geschnitten, zusammengerollt und mit dem Flugzeug vom Tettauschen Gut Tolks bei Preußisch-Eylau aus Ostpreußen in den Westen gerettet. Der Familienverband hat für die neue Dauerausstellung einige dieser seltenen Porträts dem Museum zur Verfügung gestellt, das Porträt Daniel von Tettaus wird in der historischen Abteilung zu sehen sein.

Objekt der Woche #2 – „Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

Mittwoch, 17. Januar 2018

Diese Woche stellen wir Ihnen eine Grafik von Norbert E. Dolezich aus dem Jahr 1934 vor. Diese kleine Radierung ist nur circa 6 cm hoch und 18 cm breit und ist ein späterer Abzug von der originalen Platte. Dieses Exemplar ist zudem koloriert.
Zu sehen ist ein Blick in den Königsberger Hafen. Mehrere Schuppen verteilen sich am Kai, im Wasser liegen Frachtkähne, rechts ein größerer Frachtdampfer und ein großer Ruderkahn. Im Hintergrund ist eine Kirche zu erkennen.

„Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

„Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

Norbert Ernst Dolezich wurde 1906 in Bielschowitz, Oberschlesien, geboren und studierte in Königsberg, Berlin und Köln Kunstpädagogik und Bildende Kunst. Von 1941 bis 1945 war er als Dozent für Graphik an der Kunstakademie in Königsberg tätig. Nach dem Krieg ließ er sich in Recklinghausen nieder, wo er weiter als Kunsterzieher und Schriftsteller arbeitete. Er starb 1996. Nur wenige seiner Werke aus der Zeit in Ostpreußen sind erhalten geblieben. Umso mehr freuen wir uns, Ihnen dieses Werk in der neuen Dauerausstellung im Bereich „Bildende Kunst“ präsentieren zu können. Die Künstler und Künstlerinnen der Königsberger Kunstakademie stellen einen Schwerpunkt unserer Sammlung dar, sodass neben Norbert E. Dolezich noch viele weitere Namen der Königsberger Kunstakademie in unserer Sammlung vertreten sind.

Objekt der Woche #1 – Kugelfußbecher

Mittwoch, 10. Januar 2018

Dieses Jahr ist es endlich so weit! Unsere neue Dauerausstellung wird Ende August ihre Türen öffnen und wir sind schon mächtig gespannt auf das Ergebnis unserer jahrelangen Arbeit. Um Ihnen und uns die Wartezeit zu verkürzen, veröffentlichen wir ab sofort jede Woche ein Objekt, das in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein wird.

Kugelfußbecher

Den Anfang macht dieser Kugelfußbecher aus dem Jahr 1715, der in dem Ausstellungsbereich „Religion“ zu sehen sein wird. Er ist aus Silber, innen vergoldet, und in ihn sind insgesamt dreizehn Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert eingelassen. Sie stammen aus Brandenburg, Preußen und Polen. Der Becher wurde in Allenstein, im heutigen polnischen Olsztyn, gefertigt und stellt ein bedeutendes Werk deutscher Goldschmiedekunst dar. Zu dieser Zeit war es insbesondere das wohlhabende Bürgertum, das solche Arbeiten in Auftrag gab. So ist es auch bei diesem Objekt, denn der Münzbecher war ein Geschenk des Taufpaten an den Täufling.

Umbau und Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung

Donnerstag, 20. August 2015

Ein Bericht von Silke Straatman

Seit vielen Jahren wurde darum gerungen, nun endlich wurden die langen Mühen belohnt: Im Sommer 2014 beginnen erste bauliche Maßnahmen zur Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums. Neben dem Ostpreußischen Kernbereich soll das Museum künftig auch um eine Deutschbaltische Abteilung erweitert und vor allem rundum modernisiert werden. Hierzu erhält es einen Neubau auf der westlich angrenzenden Freifläche mit einem neuen Eingangsfoyer im Erdgeschoss und einem großen modernen Sonderausstellungsraum im ersten Stock. Der neue Zugang des Museums liegt nun in der beliebten und belebten “Heiligengeiststraße” inmitten der historischen Altstadt wenige Meter vom wichtigsten Platz Lüneburgs “Am Sande”. Für die Umsetzung wurde im Vorfeld das renommierte schleswig-holsteinische Architektenbüro Gregor Sunder-Plassmann aus Kappeln an der Schlei ausgewählt.

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (Gregor Sunder-Plassmann)

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (© Gregor Sunder-Plassmann)

Bauen in einer historischen Altstadt ist immer eine Herausforderung. So auch hier. Aber am 10. November 2014 wird endlich die sehnsüchtig erwartete Grundsteinlegung gefeiert. Wohlwollend ist die Rede von Ministerialrat Dr. Thomas Lindner als Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der dem Bau gutes Gelingen wünscht und sich bei allen Mitförderern, dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Klosterkammer, der Europäischen Union und nicht zuletzt den Ostpreußen und Deutschbalten für ihr finanzielles und ideelles Engagement bedankt. Er hebt lobend hervor, dass sich so viele Einzelne beruflich und im Ehrenamt über so lange Zeit für dieses Bauvorhaben eingesetzt haben. Stellvertretend für alle dankt er dem Museumsteam unter Leitung von Dr. Joachim Mähnert und würdigt zugleich an dieser Stelle den 2011 viel zu früh verstorbenen für dieses Vorhaben außerordentlich engagierten deutschbaltischen Architekten Richard Westrén-Doll.

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Mit weiteren Erdaushebungen auf der Baustelle sind die Archäologen schnell zur Stelle und werden natürlich fündig. In Lüneburg, einer Stadt mit mittelalterlichen Wurzeln, gehört Historie dazu: Zwei Kloaken werden entdeckt und einzigartige kleine Objekte wie ein Pilgerzeichen aus der Hansezeit ausgegraben. Wir freuen uns mit den Archäologen, aber der Weiterbau verzögert sich um einige Wochen. Ein Wermutstropfen, denn das kostet viel Geld und Geduld.

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Am 16. Februar 2015 schließt das „alte“ Museum mit einer feierlichen gut besuchten Finissage. Alle wollen noch einmal gucken und Abschied nehmen von der alten Dauerausstellung und liebgewonnenen Exponaten. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen sich richtig ins Zeug und stellen ein attraktives Programm auf die Beine.

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Am 7. April 2015 kann die Verwaltung des Museums in das neu restaurierte 500 Jahre alte ehemalige Brauhaus, das so genannte “Scharffsche Haus” in der Heiligengeiststraße 38, einziehen. Hier wird auch künftig der neue Museumseingang sein. Alles ist noch provisorisch und riecht nach Farbe. Die Räume sind neu und modern, nur die Möbel sind die alten. Dafür reicht das Geld dann doch nicht. Dem Leben aus den Kisten wird mit Eifer bald ein Ende gesetzt. Und obwohl der neue Verwaltungseingang sich nur um eine Straße vorverlagert hat, fühlen sich die Mitarbeiter auf einmal voll im Leben, mitten in der Altstadt. Toll, ein echter Gewinn. Und im Altbau werden die ehemaligen Büros in schöne Räume für Gruppen und Schulklassen sowie für die Dauerausstellung umgebaut.

Umzug ins "Scharffsche Haus"

Umzug ins "Scharffsche Haus"

10. Juli: Der Rohbau ist fertig. Erleichterung bei allen, denn es gab nach dem Einsatz der Archäologen zum Glück keine unvorhergesehenen Verzögerungen mehr. Ein großes Richtfest wird nicht gefeiert, aber Grund zum Anstoßen gibt es allemal und natürlich wird das Gebäude zünftig “getauft” und mit Richtspruch und -krone eingeweiht. Ein herzliches Glück auf und die besten Wünsche für einen weiterhin unfallfreien Bauverlauf! Dank gebührt diesmal vor allem den Handwerkern, Architekten und Planern, aber letztendlich natürlich allen Beteiligten.

Endliche Richtfest!

Endlich Richtfest!

Und weiter geht’s mit Planungssitzungen und  Besprechungsrunden. Die Museumswissenschaftler, Architekten des Büros Gregor Sunder-Plassmann sowie die Ausstellungsgestalter Homann, Güner, Blum (hgb) beraten über Aussehen und gestalterische Umsetzung des historischen Innenhofes und des Eingang-Foyers. Wie können Besucherinnen und Besucher neugierig gemacht werden auf ein neu gestaltetes Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung?

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Am 27. Juli 2015 wird das „Café Bernstein“ im  Erdgeschoss des „Scharffschen Haus“ mit mehr als 300 geladenen Gästen eröffnet. Der Pächter des neuen Museumscafés, Kevin James Meier, ist zufrieden und freut sich: „Mit soviel Andrang habe ich nicht gerechnet.“ Das Café zeigt sein besonderes Ambiente mit einem Lesesaal, der zum Verweilen bei einer Tasse Kaffee und leckerem Kuchen einlädt. Auch kleine ostpreußische Gerichte, wie beispielsweise „Königsberger Klopse“, stehen auf der vielseitigen Karte.

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

Im Herbst 2015 muss der Neubau mit einem faszinierenden Sonderausstellungsraum fertig sein, denn Anfang November (7./8.11.2015) will sich das Museum mit seinem beliebten Museumsmarkt in den neuen Räumlichkeiten präsentieren. Wir können gespannt sein!
Der Neubau geht voran!

Der Neubau geht voran!

Demnächst in diesem Blog: Neues von der Bausstelle …