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Als Neuerwerbung grüßt im Ostpreußischen Landesmuseum:

Mittwoch, 10. April 2013

Frau Amtsrat Dallmer blickt aus diesem Portraitgemälde den Betrachter ruhig an. Sie ist schon über ihre Lebensmitte hinaus, in den 50ern, aber sie hat auch noch gut 20 Jahre vor sich. Als sie geboren wurde, 1726, regierte der Soldatenkönig in Preußen, zu dem ihr Geburtsort in der Provinz Ostpreußen, Loebegallen, gehörte. Als sie mit gut 78 Jahren 1805 in der Bezirkshauptstadt Gumbinnen starb, war Friedrich Wilhelm III. König und seine Frau Luise eine europaweit gefeierte Königin.

Catharina Dorothea Gertrud wuchs in Loebegallen im Kreis Pillkallen, damals in Ostpreußen, heute im russischen Gebiet Kaliningrad, als Tochter des landwirtschaftlichen Gutspächters Caspar Dietrich Filius und seiner Frau Anna Magdalena Seiden, auf. Später heiratete sie einen ebensolchen Gutspächter im Nachbarkreis Gumbinnen, den Johann Friedrich Dallmer (1711-95) in Plicken, 1742. Sie war noch nicht 16 Jahre alt.

Bildnis Catharina Dorothea Dallmer, Öl, unbekannter Künstler, um 1780

Bildnis Catharina Dorothea Dallmer, Öl, unbekannter Künstler, um 1780

Mindestens drei Kinder sind aus den Quellen bekannt: 1751 wird die Tochter Catharina Helene Dorothea geboren, 1753 der Sohn Ludwig Christoph Bernhard und 1756 der Sohn Karl Reinhold Dallmer, alle in Plicken. Im nahen Gumbinnen wurden sie getauft. Nur zwei Jahre danach kam der Krieg nach Ostpreußen, das als Teil des Königreichs Preußen von russischen Truppen erobert und bis 1762 besetzt wurde.  In Europa wütete der Siebenjährige Krieg.

Es kamen wieder friedliche Zeiten und Frau Amtsrat Dallmer konnte das Großwerden ihrer Kinder erleben. Später zogen sie und ihr Mann in eine Wohnung in der Stadt Gumbinnen. Aus dieser Zeit, um 1780, mag das Gemälde stammen, das uns überliefert ist. Wahrscheinlich gab es als Gegenstück auch das Portrait ihres Mannes dazu. Das Gemälde trägt keine Malersignatur, nur hinten die Angabe des Namens und Sterbedatum der Dargestellten. Sie überlebte ihren Mann um 10 Jahre und starb in Gumbinnen am 28. April 1805, musste also Preußens Niederlage gegen Frankreich 1806 und die französische Besetzung nicht mehr miterleben.

Einblick in den Ausstellungsaufbau zu "Auserwählt". Die Ausstellung ist vom 13. April bis 22- September 2013 zu sehen.

Einblick in den Ausstellungsaufbau zu "Auserwählt". Ein Teil der Bilder hängt schon. Doch zeigt die Ausstellung noch viel mehr. "Auserwählt" stellt höchst unterschiedliche Einzelstücke aus der Sammlung des OL, die zwar wichtig sind, aber bislang nicht präsentiert wurden. Zu sehen ist die Ausstellung vom 13. April bis 22. September 2013.

Dieses Stück Geschichte anschaulich machen zu können hat wiederum eine private Spende an das Ostpreußische Landesmuseum ermöglicht! Zu sehen ist es ab Samstag in der neuen Ausstellung “Auserwählt. Sammlungsobjekte mit Geschichte“.

Ausstellungseröffnung “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos”

Donnerstag, 22. Juli 2010

Letzten Freitag, am 16.7.2010, wurde die wohl wichtigste Ausstellung im Luisenjahr 2010 speziell  zum “Mythos Luise” anlässlich ihres 200. Todestages (19.7.1810)  im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg eröffnet.

Reges Interesse an der Eröffnungsfeier

Trotz großer Hitze hatten sich nahezu 200 neugierige Kulturinteressierte aufgemacht, um die persönliche Sicht Seiner königlichen Hoheit Christian Sigismund Prinz von Preußen, Urenkel des letzten deutschen Kaisers, auf seine so berühmte Vorfahrin zu erfahren. Es hatte sich gelohnt. Der Prinz sprach über die Volksnähe der Königin, ihrer trotz arrangierter Ehe großen Liebe zum König Friedrich Wilhelm III. und ihrer unkonventionellen Art am preußischen Hofe mit seinen für Luise zu steifen Konventionen und Etiketten.

Das Grußwort von SKH Prinz von Preußen

Der Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Thomas Lindner, würdigte nicht nur die große Königin, sondern auch den seiner Meinung vielfach unterschätzten König an ihrer Seite. Er arbeitete die Bedeutung Ostpreußens im Leben Luises heraus und wagte einen Brückenschlag von der früh verklärten „Passion“ Luises im Rahmen ihrer dramatischen Flucht ins ostpreußische Exil zur „Stunde der Frauen“, die knapp anderthalb Jahrhunderte später schlug, als im Winter 1944/45 in Folge des deutschen Vernichtungskrieges beim Einmarsch der Roten Armee Chaos und Vernichtung über die Zivilbevölkerung in Ostpreußen hereinbrachen.

Grußwort von Dr. Thomas Lindner (BKM)

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der  Trägerstiftung des Museums, Wilhelm von Gottberg, betonte die Bedeutung dieser Ausstellung nicht nur für Ostpreußen, sondern für das Museum selber, das in seiner vielfältigen Geschichte mit zahlreichen Wechselausstellungen eine Präsentation in dieser Qualität bisher wohl noch nicht gezeigt habe.

Der Stiftungsratsvorsitzende

In der abschließenden Rede, die Einführung in die Ausstellung, wurde herausgearbeitet, in welcher Form sich die Ausstellung explizit dem mit musealen Methoden kaum auszudifferenzierenden Konglomerat von Leben und Mythos der Königin nähert. Luises Präsenz als früher „Medienstar“ des 19. Jahrhunderts wird  belegt durch eine große Auswahl von idealisierenden Stichen und Drucken aus der umfangreichen Sammlung des Museums, die nicht nur das Konterfei von Deutschlands beliebtester Monarchin vielfältig variieren, sondern auch die tradierten Episoden ihres Lebens beständig zitieren und somit manifestieren.

Einführung in die Ausstellung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Die Ausstellung will die historischen Hintergründe ausleuchten, etwa Luises Auseinandersetzung mit Napoleon, aber auch mittels eines umfangreichen Schlenkers die Befreiungskriege verbunden mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes, die auf das Engste mit der posthumen Mythisierung verknüpft sind. Wenn es den Kuratoren auch vorrangig um die Rahmenumstände geht, in denen der Mythos Luise sich so erfolgreich entwickeln konnte. will die Ausstellung aber keineswegs der Ausstrahlung dieser so bedeutenden Königin schaden wollen. Vielmehr begegnet die Ausstellung ihr mit großer Sympathie.

Aus geschichtsdidaktischer Sicht soll der Mythos Luise vielmehr genutzt werden, um kulturhistorisches Interesse zu wecken und in die faszinierende, wenn auch schwierige Geschichte des 19. Jahrhunderts einzuführen. Immerhin sind mit Luise nicht nur die ersten Jahrzehnte, die großen Napoleonischen Kriege verknüpft. Vielmehr fußt sich der Luisenmythos auf seinem Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts wesentlich auf der Gründung des Deutschen Reiches 1871, als Luises zweiter Sohn als Wilhelm I. den deutschen Kaiserthron bestieg.

Interesse an den wertvollen Kunstwerken