Artikel-Schlagworte: „Ostpreußisches Landesmuseum“

Sommerferienprogramm im Ostpreußischen Landesmuseum

Dienstag, 16. August 2016

Unter dem Motto „Ziegel erzählen vom Mittelalter”  konnten Ferienkinder zwischen 8 und 12 Jahren vom 27. Juni bis 1. Juli 2016 mit der Kamera auf Spurensuche durch die Hansestadt Lüneburg gehen

Das Ferienprogramm fand im im Rahmen der Sonderausstellung “Backsteinarchitektur im Ostseeraum” statt.

Der Taustein (Foto: Ella, 8 J.)

Eine Zeitreise ins Mittelalter erlebten die teilnehmenden Kinder bei dem Sommerferienprogramm im Ostpreußischen Landesmuseum. Mehrere Spaziergänge durch Lüneburg zeigten, dass die mittelalterliche Hansestadt zu diesem Thema einiges zu bieten hat. Die Spurensuche in und an alten Gebäuden und Häuserwänden war so spannend, dass Foto- und Handy-Kameras der Kinder voll waren mit Entdeckungen – und der Blick geschult für wunderbare Detailaufnahmen.

Foto zeigen

Gewölbekeller "Scharffsches Haus" (Foto: Ella, 8 J.)

Entdeckung des Löwen (Foto: Ella, 8 J.)

Bei dem Besuch der Lüneburger Nicolaikirche ging es weiter auf die Suche nach dem Besonderen: Teilweise kleine Dinge, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt wahrnimmt wie Formsteine, Medaillons als Schlusssteine in der Gewölbedecke, Reliefs und Skultpuren wurden staunend bemerkt.

Blick auf Lüneburger Nicolaikirche (Foto: Beda, 8 J.)

Fensterornament Nicolaikirche (Foto: Beda, 8 J.)

Mit einem Suchspiel unter der Anleitung von Kirchenpädagogin Karin Aulike wurde es dann richtig interessant, denn hinter einigen Dingen verbergen sich wundersame Geschichten, die im Raum der Stille vorgetragen wurden.

SchlusssteinWo ist der Schlusstein_im_Gewölbe?

Besonders gut gelungen sind die Frottagen (Abriebe mit Papier und Stiften oder Kreiden) auf den hübsch ornamentierten Fußbodenkacheln.

Frottage

Eine Gewölbe mit Holzklötzen zu bauen erforderte zudem noch echtes Geschick.

Gewölbebauer

Am Ende dieser kurzweiligen Ferienwoche gab es eine anschauliche Präsentation der Ergebnisse für Eltern und Besucher, die im Rahmen der Sonderausstellung „Backsteinarchitektur im Ostseeraum“ (noch bis 28. August 2016) im Ostpreußischen Landesmuseum gezeigt wird.

Silke Straatman (Abteilungsleitung Bildung und Vermittlung)

Ferienstarter – Großer Familientag in den Lüneburger Museen

Dienstag, 2. August 2016

Sonntag, 26. Juni 2016 von 11 bis 17 Uhr


Dieser Aktionstag der vier Lüneburger Museen (Deutsches Salzmuseum, Museum Lüneburg, Ostpreußisches Landesmuseum und Kloster Lüne), der am ersten Ferien-Sonntag der Niedersächsischen Sommerferien stattfand, war ein voller Erfolg. Das Wetter hat mitgespielt, so dass viele Familien das Angebot gern wahrgenommen haben und per Fahrrad eine Lüneburger Museumstour starten und dabei auch noch an einem attraktiven Gewinnspiel teilnehmen konnten. Insgesamt waren ca. 200 Museumsbesucher unterwegs und haben die Chance genutzt, die Lüneburger Museen einmal anders kennenzulernen. Es lockten tolle Mitmach-Aktionen für die Kinder wie Filzen, Salzsieden, Bernsteinschleifen sowie Schreiben mit Feder und Tinte im Kloster-Skriptorium. Die Erwachsenen konnten derweil bei Kurzführungen die Museen kennenlernen. Ein prima Familienangebot, welches von den Teilnehmenden sehr gelobt wurde.

Bernsteinschleifen bei bestem Wetter vor dem Ostpreußischen Landesmuseum

Im Ostpreußischen Landesmuseum wurde Rohbernstein zu wunderschönen Schmuckstücken geschliffen. Das gefiel nicht nur den Kindern, auch die Eltern hatten viel Spaß daran. Bei Kurzführungen konnten sich die Erwachsenen zudem das Brauereimuseum anschauen, das direkt mit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum verbunden ist.

Spannend für die ganze Familie

Ein toller Talisman

Wer sich in jedem Museum einen Stempel abgeholt hat, nahm an einem Gewinnspiel teil und konnte einen von vier  Gutscheinen für einen Kindergeburtstag seiner Wahl in einem der vier Museen gewinnen. Viele Kinder nahmen begeistert daran teil. Die glücklichen Gewinner  sind: Tilmann H.  7 J. aus Lüneburg, Louis K.  9 J. aus Brietlingen, Lotta W. 7 J. aus Adendorf und Pelle F.  6 J. aus Lüneburg. Die Preisverleihung fand im Kloster Lüne statt.

Die_gluecklichen_Gewinner

Silke Straatman (Abteilungsleitung Bildung und Vermittlung)

Auf den Spuren von Martin Luther

Montag, 11. Juli 2016

Studienreise vom 19.4. bis 24.4. 2016
Wissenschaftliche Begleitung. Dr. Martin Treu

Unsere Reisegesellschaft von 22 Teilnehmern aus ganz Deutschland startete am 19. April von Hamburg/Lüneburg in aller Frühe zu einer wunderbaren Reise nach Mitteldeutschland.
Auf der Fahrt machten wir zunächst Station in Magdeburg, wo wir an einer angemeldeten Domführung teilnehmen konnten. Nach diesem gelungenen Auftakt fuhren wir weiter in die Lutherstadt Wittenberg, wo uns Herr Dr. Martin Treu in Empfang nahm und schon einen ersten Stadtspaziergang mit uns machte. Dr. Treu ist Theologe und Historiker und erwies sich als ein herausragender Kenner Luthers und seiner Zeit. Der folgende Tag führte uns in das Luthermuseum, für Dr. Treu ein Heimspiel, da er seinerzeit verantwortlich war für die Einrichtung dieser überwältigenden Luther-Ausstellung. Auch im Melanchthon-Haus, das sich mit einem modernen Neubau und einer entsprechenden Ausstellung präsentierte, erwies sich Dr. Treu als souveräner Führer. Es folgten die Stadtkirche St. Marien und die Cranach-Höfe.

Dr. Martin Treu mit einigen Teilnehmern der Reise

Der nächste Tag führte uns nach Torgau zur Katharina-Luther-Stube, einer liebevoll eingerichteten kleinen Gedenkstätte für Luthers Frau, die in Torgau starb, und zum Schloss Hartenfels, einem prächtigen Renaissance-Bau. Hier entstand der erste protestantische Kirchenbau in Gestalt der Schlosskapelle, in der Luther oft als Prediger wirkte. Anschließend dann die Stadtkirche St. Marien, eine wunderbare, lichte Hallenkirche mit der Grabstätte Katharina Luthers.
Weiter ging es nach Mansfeld zu Luthers Elternhaus und dem angeschlossenen avantgardistisch anmutenden Museum, das archäologische Funde aus Luthers Zeit präsentierte.

Mansfeld - Luthers Elternhaus

Von Mansfeld fuhren wir nach Eisleben, dem Geburts- und Sterbeort Luthers mit entsprechenden Gedenkstätten und wieder überraschend interessanten Kirchen. Luthers Taufkirche St. Petri und Pauli erwies sich in ihrer gelungenen modernen Restaurierung als besonders anregend, da die Pfarrerin über die jetzige Situation der Kirche im allgemeinen und über die Taufe im speziellen mit uns eine Diskussion führte, die viele Fragen aufwarf. Wir bekamen doch einen sehr guten Eindruck über die nicht einfache Lage hinsichtlich der Vermittlung des christlichen Glaubens – und das im Kernland der Reformation. Aber wir alle waren sehr berührt von der Persönlichkeit dieser engagierten Pfarrerin.
An den beiden letzten Tagen besichtigten wir Erfurt mit dem ehemaligen Augustiner-Eremiten Kloster, sowie das beeindruckende Ensemble von Dom und Severikirche. Es folgte Eisenach mit einer lebendigen Stadtführung.
Den Schlusspunkt bildete die Wartburg, wo wir über den Sängerkrieg, die Hl. Elisabeth und natürlich über Luther als Junker Jörg informiert wurden.

Wartburg

Wartburg

Zum Abschluss fand im noblen Restaurant der Wartburg ein festliches Mittagessen mit Dankesreden statt. Wir waren alle in gehobener Stimmung.
Ein großer Dank gebührt Herrn Dr. Treu, der uns auf höchstem Niveau die Persönlichkeit Martin Luthers näher brachte, sowie die Bedeutung der Reformation ausführlich erläuterte. Wir sind gut gewappnet für das Jubiläum 2017. Man kann die Leistung von Dr. Treu zusammenfassen in dem Satz:
Mehr Luther geht nicht!

Ein besonderer Dank geht auch an Frau Kern, die mit einer fabelhaften Organisation diese Reise ermöglicht hat. Es war wirklich eine Super-Idee, diese Reise vor dem großen Jubiläumsjahr durchgeführt zu haben.
Ich denke, alle Teilnehmer sind bereichert und beglückt zurückgekehrt und werden sicher noch oft in Gedanken auf Martins Luthers Spuren wandeln.
Dr. Renate Fechner

As a Frenchman educated in the Catholic tradition, Lutheranism is an unknown world. Of course we all know what Protestantism is about, but getting intimate with Martin Luther’s life, his work, his beliefs, his wife, his friends, his protectors, his powerful enemies and the places where he was born, where he went to school, where he became a monk and finally where he wrote his famous 95 thesis was an occasion that my curiosity could not miss.
Mrs. Agata Kern (Kulturreferentin of the Ostpreussisches Landesmuseum) had the excellent idea of organizing a study trip through the various places where Martin Luther and his wife Katharina lived and died.
We could not visit all those places without being accompanied by a person of great knowledge who could give us all the details which are not usually known to the layman. Doctor Martin Treu has just published a book called ‘Am Anfang war das Wort’ – (In the beginning was the Word) which covers Luther’s life and the Reformation movement in Europe.
His encyclopedic knowledge of everything which concerns Martin Luther was impressive and no part of Luther’s life details was left uncovered.
We started our journey in Wittenberg or more precisely Lutherstadt-Wittenberg where we visited his house, his best friend Philip Melanchton’s house and Lucas Cranach’s workshop. We went then to Torgau, visiting the Hartenfels Castle and the house where Katharina Luther died in 1552. In Mansfeld has been built a little museum opposite his parents’ house that we visited as well. Next step was Lutherstadt-Eisleben where he was born in 1483 and died in the same town in 1546: the two houses are a few hundred meters apart.
In the church St Petri/Pauli where he was baptized, we had a very interesting session of questions and answers with Mrs. Simone Carstens-Kant, the local minister. We had so many questions, and Mrs. Carstens-Kant was so willing to answer and explain the situation of Christianism and religion in this part of Germany which despite so many souvenirs of Martin Luther, is in majority atheist. She was very enthusiastic about her mission, not discouraged by the difficult conditions of her ministry.
In Erfurt, we visited the Augustinerkloster where Martin Luther was a monk starting in 1505 and was ordained there in 1507. Our final stopping place was Eisenach from where we visited the Wartburg castle where Martin Luther was kept hidden for almost a year.
In the many churches we visited, with the exception of St Petri/Pauli which has been entirely restored in a modern fashion, what was striking is the fact that it was impossible to distinguish between the Catholic churches they once had been and the Lutheran churches they are today. What was just missing for a Catholic was the holy water basin at the entrance and the red light near the altar which signals the presence of the Holy Sacrament in the tabernacle. Nothing has really been changed: the same altar, the same statues, all the signs which identify a church of the period before the Reformation.
There are discussions about what triggered Martin Luther’s decision to criticize the way the Roman Church was run at that period. Some suggest that this may stem from his trip to Rome in 1510/1511 where he could see the munificence way that bishops, cardinals and priests really live a life far from charity and prayer.  His main criticism concerned the sale of indulgences. Indulgences were an easy way to erase committed sins without needing any repentance or confession: you paid and you were forgiven. In addition indulgences could reduce the time the sinner would spend in purgatory.  That was the substance of the 95 thesis he posted on the door of the Wittenberg church in 1517. Later on he also criticized the celibacy imposed on priests although this was never required in the New Testament. He opposed the fact that very young people were sent to convents for their entire life without even been asked if they liked it or not. This produced the effect that a group of young nuns escaped from their convent and joined Luther’s disciples. He finally married one of them, Katharina von Bora, in 1525; she was sixteen years younger than he. They had six children and only four survived.
All those criticisms generated the ire of the Pope and the Roman Church. Luther was asked to retract every criticism he had expressed publicly. Supported by more and more people and princes, he refused to change one word of his teaching. He was finally excommunicated in 1521. Skirmishes between Luther and the Vatican lasted a number of years. Eventually Protestantism spread; the very first country adopting the Lutheran faith as state religion was Brandenburg-Preussen.
Whilst being protected from the action of the Church in the Wartburg, he translated the New Testament from Greek into the German language. This was a necessary step to apply his vision of the Christian religion: each Christian should be able to read the Holy Scriptures and understand them as he sees fit. Christians should no more be told by a priest what to believe and what not. He also declared that a pope was not necessary.
Translating the New Testament within an extraordinary short time was not only an outstanding performance, but as well an important contribution to German literature. Indeed, Luther’s achievement is still accounted today as the first major piece of literature written in the German language.  As Luther put it: “Reading from the lips of common people….”  He followed his intuition and thus put the Bible’s message in common language to be understood by everyone.
The dark side of this great man’s intellectual and religious contribution to mankind and History was the fact that towards the end of his life he became more and more aggressive against the Jews who refused to convert. Martin Luther considered their refusal as a personal failure.
Georg did a wonderful job in driving us safely through Martin Luther’s home country and doing this always smiling and having a nice word. I also want to thank the group for offering the Barbarians (Gudrun and I) – in the Roman sense of course – a warm welcome. Indeed we enjoyed every minute of this excellent trip.  Last but not least I want to praise the way Mrs Agata Kern organised everything, having a nice word for everyone and showing an equal mood even when things could be a little difficult.

Patrice de Laminne (Autor des englischen Blog-Artikels)

Kant-Stadt Lüneburg

Mittwoch, 11. Mai 2016

“Kant-Stadt Lüneburg” – so könnte sich die hübsche mittelalterliche Hansestadt künftig auch nennen. Denn besiegelt ist: Die weltweit umfänglichste Sammlung zu Immanuel Kant (1724-1804) und bedeutende Werke von Käthe Kollwitz (1867-1945) kommen nach Lüneburg. Am 7.4. wurde der Übernahmevertrag in einem feierlichen Festakt zwischen beiden Trägern – der Ostpreußischen Kulturstiftung und der Stiftung Königsberg im Stifterverband für die deutsche Wissenschaft – unterzeichnet.

Das Ostpreußische Landesmuseum übernimmt damit den wesentlichen Teil der Exponate des Anfang 2016 geschlossenen Museums „Stadt Königsberg“ aus Duisburg. Aus wissenschaftlicher Perspektive eine ideale Gelegenheit, Ostpreußen als Erinnerungsort für ganz Deutschland darzustellen und seine Bedeutung überzeugend gegenüber der Öffentlichkeit zu vermitteln.
Mit den in fast 50 Jahren gewachsenen Königsberger Sammlungen erhält das Ostpreußische Landesmuseum nach Einschätzung von Fachexperten und der Bundesregierung hochwertiges Kulturgut. Damit wird Lüneburg in den nächsten Jahren zur wichtigsten Stadt in Deutschland für die Präsentation des Königsberger Philosophen Immanuel Kant, dessen 300. Geburtstag im Jahre 2024 bevorsteht. Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert ist begeistert, denn die Exponate aus Duisburg schließen wichtige Lücken in den Beständen seines Hauses. Auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge zeigte sich höchst erfreut über den historisch bedeutsamen Zuwachs in seiner Hansestadt.

Acryl-Malworkshop im neuen Kunst-Atelier

Donnerstag, 28. April 2016

Das neue lichtdurchflutete Kunst-Atelier im Ostpreußischen Landesmuseum ist künftig der Ort für Kunst und Kreativität. Beim ersten Malworkshop in den großzügigen Räumlichkeiten ging es um kunsthistorische Hintergründe und Maltechniken mit Acrylkünstlerfarben. Acrylfarben reiften im Laufe der Zeit in rasanten Entwicklungsschritten zu einem exzellenten Malmedium heran. Sie geben den Künstlern die variabelsten Ausdrucksmöglichkeiten: Lasierende Effekte wie bei der Aquarellmalerei, Spachteltechnik wie bei der Ölmalerei oder für Collagen und Assemblagen. Alles ist mit Acrylfarben möglich!

Während des Wochenendseminars mit der Künstlerin Elena Steinke wurden die fast unbegrenzten Möglichkeiten der vielfältigen Nutzung von Acrylfarben studiert und auf verschiedenen Malgründen ausprobiert. Elena Steinke ist 1964 in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg/Ostpreußen geboren. Sie studierte Kunst, Computergraphik und Design. Seit 2001 lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und Dozentin in Breklum / Nordfriesland. Sie hat an zahlreichen Ausstellungen in Museen und Galerien mitgewirkt.

Gemeinsames kreatives Schaffen mit begeisterten Teilnehmerinnen beim Acryl-Malworkshop können im Video angeschaut werden: https://youtu.be/bBeN5v7N2tk

Ostpreußen als Reiseland – vor 1945

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Vortragsangebot von Dr. Christoph Hinkelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ostpreußischen Landesmuseum

Seit der politischen Öffnung in Mitteleuropa sind die auf drei Staaten verteilten ostpreußischen Städte und Landschaften wieder zugänglich und ein interessantes Reiseziel geworden. Wieder – muss man erneut sagen, denn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg spielte der Fremdenverkehr eine wesentliche wirtschaftliche Rolle in der damaligen Nordostecke Deutschlands.

Tourismuswerbung in den 1930er Jahren

Die Kurische Nehrung mit ihren Sanddünen war ein klassisches Reiseziel vor dem Zweiten Weltkrieg, Aufnahme 1940 (E. Schütz)

Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert begann man, andere Regionen und weiter entfernt liegende Orte wegen ihrer Geschichte, Bauwerke, Bibliotheken usw. zu besuchen. Diesen „Gelehrten-Reisen“ gesellten sich im 19. Jahrhundert Erholungsreisen hinzu, die zunehmend auch nach Ostpreußen führten. Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur, doch in den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle im geographisch abgetrennten und v.a. landwirtschaftlich geprägten Ostpreußen.

Städte und Regionen warben in Prospekten mit ihren jeweiligen Besonderheiten (Marienburg, 1930er Jahre)

Die Verkehrsinfrastruktur der Provinz war vielseitig und gut auf den Fremdenverkehr eingestellt.

Ostpreußen warb mit guter Infrastruktur, moderaten Preisen für Reisen im Land ebenso wie für Übernachtungen und deutschlandweit bekannten Reisezielen. Innerhalb des Landes gelangte man mit Kleinbahnen, der Kraftpost und anderen Omnibusverbindungen sowie dem PKW zum Ziel. Für letztere gab die Mineralölfirma Shell die besten Straßenkarten heraus. Zwölf Gebiete bildeten den Schwerpunkt der Reiseziele: das Weichselland, die Frische Nehrung, Stadt und Landkreis Königsberg, das Samland, die Kurische Nehrung, das Ermland, das Oberland, Masuren, das Pregeltal, der Nordosten, die Rominter Heide sowie die immer mitberücksichtige Freie Stadt Danzig. Ferner lockten die größeren und attraktiveren Städte mit ihren Besonderheiten und ihrem Umland ebenso wie wichtige Gedenkstätten, z.B. die Abstimmungsdenkmale oder das „Reichsehrenmal“ Tannenberg, die an die Kämpfe im und die Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg erinnerten, Bildungsreisende und  „Sommerfrischler“ in die entlegene Provinz. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endete diese Epoche.

Auch der Tourismus in Ostpreußen blieb von der Politik und Propaganda nicht verschont. Nach dem "Wiederanschluss" des Memelgebiets im Frühjahr 1939 wurden die bis dahin verwendeten Prospekte kurzerhand einfach überdruckt.

Einen Vortrag über das Reiseland bzw. über andere landeskundliche Besonderheiten Ostpreußens vermittelt das Ostpreußische Landesmuseum bei Interesse (Dr. Christoph Hinkelmann, Tel. 04131 75995-19).

Studienreise nach Nidden

Freitag, 31. Juli 2015

In Nidden...

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod, Kustos im Ostpreußischen Landesmuseum

Das Zauberwort Nidden wirkt auch heute noch. Kein Wunder also, dass das Pommersche Landesmuseum in Greifswald vom 12. bis 21. Juni 2015 eine Studienreise nach Nidden, Vilnius und Riga angeboten hatte als eine Begleitveranstaltung zu ihrer großen Sonderausstellung „Zwei Männer – ein Meer – Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee“.  Dazu hatte die dortige Kulturreferentin für Pommern, Frau Dr. Magdalena Gebala, sich Unterstützung aus dem Ostpreußischen Landesmuseum geholt. Die Künstlerkolonie Nidden gehört hier seit Jahren zu den wichtigen Themenfeldern der Sammel- und Ausstellungstätigkeit, weshalb das Lüneburger Museum nicht nur über die wohl wichtigste Sammlung zur Künstlerkolonie Nidden verfügt, sondern auch über entsprechende Expertise.

Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff hatten bei der die Kurische Nehrung und den Künstlerort Nidden besucht. Vor allem Pechstein hatte sich dort während seiner insgesamt sechs Aufenthalte viele Anregungen geholt und ebenso auf andere Maler durch Persönlichkeit und Stil großen Eindruck gemacht.

So verlief die Reise von der litauischen Hauptstadt Vilnius, deren Geschichte und Bauweise der Reisegruppe durch Führungen nahe gebracht wurde, über die mittelalterliche Burg Trakai und die zweitgrößte Stadt Litauens, Kaunas, zum Höhepunkt Nidden, heute ebenfalls litauisch. Hier war der Reisegruppe bewusst viel Zeit gegeben, sich die Landschaft und den Ort gehend langsam zu erschließen. Ein Tagesausflug nach Klaipeda, dem alten Memel, und eine Fahrt auf die andere Seite des Kurischen Haffs per Boot, ergänzten das Programm. Während dieser Tage kam die Unterstützung aus dem Ostpreußischen Landesmuseum durch Herrn Dr. Barfod zum Zuge.

Die Reise fand ihren Abschluss schließlich in Riga, der lettischen Hauptstadt, in deren Geschichte und Kultur durch Führungen ebenfalls Einblicke möglich waren. Da das Wetter ganz überwiegend dem Reiseeindruck günstig war und die Organisation wie Zusammenstellung des Programms geschickt gewählt und versiert durchgeführt wurden, fand die Studienfahrt bei allen 24 Teilnehmern ein sehr positives Echo. Uns hat die gelungene Kooperation mit den Greifswalder Kollegen viel Spaß gemacht. Gerne einmal wieder!

Vom Kreisauer Kreis bis hin zur modernen Website ODER Mein Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg

Freitag, 13. Dezember 2013

Ein Praktikumsbericht von Annika Ahrens

Mein erster Eindruck vom Museum und seinen Mitarbeitern fiel bereits zu Anfang sehr positiv aus und trug schnell dazu bei, dass ich mich hier gut „einlebte“.

Mein Aufgabenspektrum im Museum war bedingt durch die Aufspaltung in die Bereiche Presseabteilung sowie Kulturreferat sehr abwechslungsreich. Da ich bisher bereits Erfahrungen in der Verwaltung und in der Pressearbeit gesammelt hatte, bekam ich nun während meiner Zeit im OL die Möglichkeit, eine für mich so vollkommen neue Konstellation des Praktikums zu absolvieren.

Als Einstieg wurde mir der „Arbeitsauftrag“ zugeteilt, mich doch einmal genauer im Museum umzuschauen und meinen persönlichen Eindruck zu erläutern. Besonders eindrucksvoll stellte sich dabei für mich erneut die Zeit von Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen dar. Die nachgestellte „Fluchtszene“ mit originalen Kleidungsstücken und Gegenständen der damaligen Zeit wirkte beeindruckend und berührend zugleich. Da auch meiner Familie das Thema Flucht und Vertreibung nicht fremd ist, war es umso interessanter, sich anhand der Ausstellung in diese Zeit rein zu versetzen und gewissermaßen nachvollziehen zu können, wie es damals für die Betroffenen gewesen sein musste.

vor der Fluchtszene

vor der Fluchtszene

Geschichtlich ging es an meinem ersten Arbeitstag im Kulturreferat auch gleich weiter, indem ich mich im Rahmen der Ausgestaltung eines Schulprojektes mit dem „Kreisauer Kreis“ befasste. Der „Kreisauer Kreis“ war mir noch durch die Geschichtsstunden in der Schule durchaus bekannt. Für das Kulturreferat hatte ich aber in einem anderen Rahmen über diese Widerstandsgruppe und ihre Pläne recherchiert und bekam so einen neuen Blickwinkel auf die damaligen Geschehnisse.

Die Mitarbeit in der Presseabteilung machte mir besonders viel Spaß, da es nicht nur bedeutet, „reine Büroarbeit“ zu leisten: die Aufgaben in diesem Bereich sind besonders vielfältig und interessant gestaltet – und darüber hinaus bekommt man immer wieder die Möglichkeit, das Museum der Öffentlichkeit entsprechend zu präsentieren.

bei der Arbeit in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

bei der Arbeit in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Während meiner Praktikumszeit im OL lernte ich weitere wertvolle Dinge für meine berufliche Zukunft hinzu. Schön war es darüber hinaus auch zu wissen, dass man, sei es auch nur für eine kurze Zeit, intensiv dazu beiträgt, eine „Brücke bauen zu können“ – zwischen den Ländern und den Kulturen.

60 Jahre Kulturförderung nach §96 Bundesvertriebenengesetz

Freitag, 29. März 2013

Am 19.3.2013 stellte Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert anlässlich des 60. Jubiläums die Kulturförderung des Bundes auf Grundlage des §96 Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) vor, welche auch die Finanzierungsbasis des Ostpreußischen Landesmuseums darstellt.

Wörtlich heißt es im §96:

Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern. Die Bundesregierung berichtet jährlich dem Bundestag über das von ihr Veranlasste.”

In der gut besuchten Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe “Museum erleben” wurde einführend das historische Umfeld und die zunächst noch schwierige Situation der Vertriebenen in der jungen Bundesrepublik vorgestellt, welche u.a. mit dem Lastenausgleichgesetz verbessert werden sollte. Hierfür bedurfte es eine klare Regelung, wer in den Genuss dieser Leistungen kommen konnte – geregelt wurde dies alles schließlich im über 100 Paragraphen umfassenden BVFG von 1953. Heute findet es neben der Kulturförderung vorrangig bei Spätaussiedlern noch Anwendung.

Da die Flüchtlinge und Vertriebene selbstverständlich integriert, aber eben nicht in einer Form assimiliert werden sollten, dass sie als eigenständige Opfergruppe nicht mehr erkennbar gewesen wären, bedurfte es einer Förderung ihrer Kulturpflege, die angesichts der damals noch offenen Frage der Oder-Neiße-Grenze explizit auch Wirkung im Ausland entfalten sollte. Hierfür wurden im § 96 BVFG, dem so genannten Kulturparagraphen, Bund und Länder in die Pflicht genommen.

Die Bomben auf Königsberg 1944 im Kunstunterricht

Die exakte Formulierung des § 96 BVFG muss als Glücksfall eingeschätzt werden, da bei aller Sperrigkeit sich sein Auftrag als besonders zukunftsträchtig erwiesen hat. So wird ausdrücklich vom „Kulturgut der Vertreibungsgebiete“ gesprochen, was einen weiteren Rahmen umreißt als etwa eine Reduzierung auf die Vertriebenen selbst, wie es ein erster Entwurf auch vorsah. Auf dieser Basis erlischt der gesetzliche Auftrag der Kulturförderung nun eben nicht mit dem Ende der Erlebnisgeneration, davon abgesehen, dass auch die bereits 1953 genannten „Archive, Museen und Bibliotheken“ Einrichtungen darstellen, die grundsätzlich keinen befristeten Ansatz folgen, sondern qua Definition auf Langfristigkeit konzipiert sind. Dem §96 BVFG wohnt also eine unbefristete Verpflichtung der öffentliche Hände inne.

Eines der wichtigsten Stücke des OL, angeschafft mit Bundesmitteln: Der barocke Kreuzfuß aus Bernstein und Elfenbein

Gleichwohl haben sich über die verschiedenen Dekaden Auftrag und Ausstattung den jeweiligen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst. Herr Mähnert führte die jeweilige Finanzierung, die Zielgruppen und die dahinter stehende politische Intention aus. Sicher die größte Veränderung war der Trend zur Musealisierung in der 1982 verabschiedeten „Grundsatzkonzeption zur Weiterführung ostdeutscher Kulturarbeit“. Darin wurde unmissverständlich festgehalten, dass das kulturelle Erbe und die geistige Substanz der deutschen Kulturlandschaften des Ostens Teil der deutschen Kultur und nicht anders als andere Teile des kulturellen Nationalerbes zu behandeln seien.

Der große Königsberger Immanuel Kant hat Ostpreußen zwar nie verlassen; sein Erbe ist aber für ganz Deutschland und Europa von Bedeutung

Es kam entsprechend zur Gründung bundesgeförderter Landesmuseen, wissenschaftlicher Institute und zur Einführung der so erfolgreich wirkenden Kulturreferate für die kulturelle Breitenwirkung. All diese Maßnahmen kosteten Geld und waren daher mit einer wesentlichen Mittelsteigerung verbunden. Eine neue Phase der Kulturförderung wurde eingeläutet, die von der Wende 1989 noch weiter stimuliert wurde. Im Jahr 1992 wurden immerhin über 36 Millionen DM allein vom Bund zur Verfügung gestellt.

Obwohl 1997 eine einstimmige interfraktionelle Entschließung des Deutschen Bundestages festhielt, dass viele deutsche Heimatvertriebene zu „Botschaftern der Aussöhnung und Verständigung“ geworden seien und auch die Kulturförderung längst unter der Prämisse der Völkerverständigung stand, wurde in der Neukonzeption von 2000 die institutionelle Förderung gerade von vertriebenennahen Stiftungen und Vereinen ausgesetzt; dies betraf z.B. den Ostdeutschen Kulturrat oder die Kulturstiftung der Vertriebenen. Obwohl ausdrücklich eine Professionalisierung durch hauptamtliche Wissenschaftler gegenüber ehrenamtlicher Aktivitäten der Vertriebenen vorgesehen war, sank der Gesamtbetrag der institutionellen Förderung für Museen und Institute von gut 9 Millionen Euro 1998 auf nur noch 6 Millionen im Jahr 2006 und liegt auch heute noch bei knapp unter 8 Millionen Euro. Die Projektmittel sanken von knapp 6 Millionen auf ein Minimum von ca. 2,5 Millionen im Jahr 2004 und liegen heute bei etwa 3,5 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen von gut 20 Millionen Euro 2013 liegt damit noch fast 3,5 Millionen Euro unter dem Wert von 1998, allerdings deutlich oberhalb des bislang tiefsten Wertes von ca. 14 Millionen Euro 2006. Dabei ist nicht nur die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung als neue Institution in die Förderung aufgenommen worden, d.h. für die bereits etablierten Häuser ist der Kuchen noch kleiner geworden. Vielmehr muss betont werden, dass angesichts der immer geringer werdenden Kenntnisse von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa und dem Wegbruch der Erlebnisgeneration Aufgaben und Verantwortung der nach §96 BVFG geförderten Kulturarbeit wesentlich zunehmen, welche mit den geringeren Fördermitteln indes immer schwerer zu bewerkstelligen sind.

Entwicklung der Bundesförderung nach §96 BVFG; Quelle: BKM

In diesem Zusammenhang stellte Herr Mähnert kurz sämtliche derzeit bundesgeförderte Einrichtungen des §96 BVFG vor. Am Beispiel des Ostpreußischen Landesmuseums wurde gezeigt, wie zukunftsorientiert Kulturarbeit in diesem Sektor sein kann. Sein Museum hat 2012 erneut 10 Prozent mehr Besucher gewinnen können. Zudem wurden erstmals mehr Kinder und Jugendliche gezählt als Senioren, was zeigt, dass Ostpreußen keineswegs nur für die Erlebnisgeneration von Relevanz ist.

Dies ist allerdings nur möglich durch umfangreiche und aufwendige Kulturangebote. Das Museum zeigt jährlich 6-8 Wechselausstellungen in Lüneburg und darüber hinaus etwa die gleiche Zahl an verschiedenen Standorten in Deutschland sowie in Litauen, Polen und Russland. Zahlreiche Konzerte, Lesungen, Vorträge und Führungen binden trotz der 25 Jahre alten Dauerausstellung auch Stammbesucher. Zugleich rückt die grenzüberschreitende Kulturarbeit immer mehr in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Gerade seine letzten Ausstellungsprojekte zur Hanse und den baltischen Herrenhäusern waren durch anspruchsvolle Kooperationen mit Kultureinrichtungen im ehemaligen Ostpreußen bzw. in Estland und Lettland verbunden. Immer wieder begeistert das große Interesse auch junger Menschen in den östlichen Nachbarländern an der alten deutschen Geschichte. Es steht zu hoffen, dass auch hierzulande dieser kulturelle Reichtum wieder mehr Würdigung erlangt.

Deutsche und polnische Schüler gemeinsam beim Denkmal zum Beginn des 2. Weltkriegs auf der Westernplatte bei Danzig

Das Museum wurde 2011 als erstes der nach §96 BVFG finanzierten Einrichtungen vom Museumsverband als professionell arbeitende Einrichtung zertifiziert und kann damit belegen, Teil der musealen scientic community in Deutschland und Europa zu sein.

Die nun anstehende Erweiterung um eine deutschbaltische Abteilung, die es zugleich ermöglichen wird, die lange überfällige Modernisierung der 25 Jahre alten Dauerausstellung anzugehen, wird einen weiteren Schub auslösen. Damit und mit der Ausweitung des musealen Themenspektrums, der endlich die Integration der Vertriebenen beinhaltet sowie den multiperspektivischen Blick auf den Umgang mit dem deutschen Kulturerbe in der Bezugsregion des Museums, wird das Ostpreußische Landesmuseum eine zukunftsträchtige Umsetzung des gesetzlichen Auftrags nach §96 BVFG zur Bereicherung aller Kulturinteressierten in Deutschland und Europa vorstellen.

Das "Scharffsche Haus" in der Heiligengeiststraße - bald der neue Haupteingang des Museums