Artikel-Schlagworte: „Ostpreußen“

Ostpreußische Motive sehr „gefragt“

Donnerstag, 29. August 2013

Eine besondere Schenkung für das Museum:

Im September 1940 schrieb der Maler Karl Storch (1864-1954) in einem Brief über einen Malausflug: „In der vorigen Woche war ich wieder an der Küste weil das Wetter schön geworden war, (…) ich habe vormittags und nachmittags gemalt (…). Fünf Bilder brachte ich mit nach Hause, 3 in meiner üblichen Größe und zwei kleinere. Auf zwei von den größeren hab´ ich dasselbe Motiv von der Steilküste aber zu verschiedenen Tageszeiten wiedergegeben, ich will davon ein großes Bild machen. Ostpreußische Motive sind sehr „gefragt“, ich soll für die Kunsthandlung auch durchaus ein Herbstbild aus Masuren malen, das ist das südöstliche Ostpreußen nach Polen zu, ich hab´ aber nicht recht Lust dazu bei diesen Ernährungsverhältnissen auf Reisen zu gehen.“

Karl Storch, Samlandküste bei Neukuhren, 1941

Karl Storch, Samlandküste bei Neukuhren, 1941

Der damals bereits 76-jährige Maler war seit 1902 in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg als Lehrer an der dortigen Kunstakademie tätig gewesen und lebte nun bereits gut 10 Jahre im Ruhestand. Er war jedoch sehr eifrig, denn die Beliebtheit seiner vielen Landschafts- und Stadtansichten erfreuten sich in weiten Kreisen großer Anerkennung.

Das Gemälde, “Die Samlandküste bei Neukuhren”, ist 1941 entstanden und folgt sicher dem größeren Werk, das in dem Briefzitat erwähnt wird. Es wurde übrigens von einer Familie erworben, die 1942 aus der Seestadt Pillau (heute russisch Baltijsk) nach Bremen umziehen musste, um eine Erinnerung an die Samlandküste mitnehmen zu können. Für das Museum und seine Besucher ein Glücksfall. So konnte es vor den Verwüstungen, denen so viele Kunstwerke in Ostpreußen anheim fielen, gerettet werden. Wir freuen uns jedenfalls sehr über die Schenkung und danken den Gebern!

Wer war die unbekannte Schöne?

Samstag, 3. August 2013

Diese Keramikfigur, in den 1930er Jahren in der Cadiner Keramikmanufaktur in Ostpreußen (heute polnisch Cadyny) wahrscheinlich nach einem Modell des Königsberger Bildhauers Arthur Steiner gefertigt, wurde kürzlich dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, zusammen mit einigen anderen Cadiner Keramikarbeiten, geschenkt.

Frauenkopf, Cadiner Keramik, um 1930 - 35

Frauenkopf, Cadiner Keramik, um 1930 - 35

Sie stammt aus dem Besitz einer Familie, die bis in den Zweiten Weltkrieg hinein in der ostpreußischen Hafenstadt Pillau (heute Russland, Kaliningrader Gebiet) wohnte und dann nach Bremen umzog, wodurch der ganze Hausstand bis heute erhalten blieb.

Dieser Frauenkopf ist in jedem Fall ein Unikat, da er außer dem Manufakturzeichen von Cadinen keine weitere Produktionsnummer oder andere Zeichen aufweist.

Mein Praktikum im OL oder Wie ich Ernst Mollenhauer entdeckte

Freitag, 26. Juli 2013

Anfang des Jahres bewarb ich mich beim OL im schönen Lüneburg. In einer netten Antwort schrieb mir Dr. Barfod, Kustos des OL, das er mir tatsächlich einen Praktikumsplatz für die Semesterferien anbieten könne. Oh Freude! Bereits in einem persönlichen Gespräch im April erklärte er mir meine zukünftigen Aufgaben.

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Das Museum hatte von der Tochter des Malers Ernst Mollenhauers (1892-1963), Maja Ehlermann-Mollenhauer, einen Nachlass mit seinen Werken erhalten, die nun inventarisiert werden mussten. Auf die Frage was ich schon über diesen Künstler wüsste, musste ich kleinlaut mit “nix” antworten. Dieser erste „faux pas“ wurde mir großzügig verziehen. Ich erhielt Informationsmaterial, um mich ein wenig in das Thema einzulesen, bevor ich das Projekt “Mollenhauer” starten würde.

Auspacken und Staunen

Erst Auspacken dann Worte finden

Einige Expressionisten, wie z. B. Otto Dix waren mir schon durch meine Uni-Kurse in Kunstgeschichte bekannt, Ich dachte eigentlich, dass sie in ihren Werken eher ihre innersten Ängste und ihre Abneigung gegen die moderne Welt ausleben würden. Viele Bilder wirken aggressiv und brutal. Mollenhauer stattdessen huldigt den Urgewalten der Natur oder dem einfachen Leben in abgelegenen Dörfern auf andere Weise. Seine Landschaften geben dem Betrachter das Gefühl, die Strahlen der Sonne direkt auf der Haut zu spüren, und aus seinen Meeresansichten hört man das Rauschen der Brandung. So viel zu meinen ersten Gedanken über den Herrn, der mich nun die nächsten zehn Wochen beschäftigt halten soll.

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Die ersten drei Wochen meines Praktikums sind inzwischen fast vorbei. Ich habe bisher über 100 Werke Mollenhauers ausgepackt, mit einer Inventarnummer versehen, gemessen, liebevoll wieder eingepackt und beschrieben. ‘Wie erkläre ich jemandem eine Szene verständlich ohne dass er sie selbst vor Augen hat?’- Dies ist nicht gar so einfach wie man denkt, und ich stellte schnell fest, dass mein Wortschatz an maritimen Ausdrücken doch sehr dürftig ist…

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild  sehe...

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild sehe...

Meine neuen Kollegen stehen mir jedoch tatkräftig zur Seite und werfen auch gerne mal einen neugierigen Blick auf die Schätze, die ich aus den Verpackungen zutage bringe. Das Schöne ist zudem, das ich Einiges, was ich an der Uni bis jetzt gelernt habe, endlich aktiv umsetzen kann. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen hier noch für mich bereit halten.

Karen Westendorf , Studentin “Museum and Gallery Studies”, Aberystwyth / Wales

Als Neuerwerbung grüßt im Ostpreußischen Landesmuseum:

Mittwoch, 10. April 2013

Frau Amtsrat Dallmer blickt aus diesem Portraitgemälde den Betrachter ruhig an. Sie ist schon über ihre Lebensmitte hinaus, in den 50ern, aber sie hat auch noch gut 20 Jahre vor sich. Als sie geboren wurde, 1726, regierte der Soldatenkönig in Preußen, zu dem ihr Geburtsort in der Provinz Ostpreußen, Loebegallen, gehörte. Als sie mit gut 78 Jahren 1805 in der Bezirkshauptstadt Gumbinnen starb, war Friedrich Wilhelm III. König und seine Frau Luise eine europaweit gefeierte Königin.

Catharina Dorothea Gertrud wuchs in Loebegallen im Kreis Pillkallen, damals in Ostpreußen, heute im russischen Gebiet Kaliningrad, als Tochter des landwirtschaftlichen Gutspächters Caspar Dietrich Filius und seiner Frau Anna Magdalena Seiden, auf. Später heiratete sie einen ebensolchen Gutspächter im Nachbarkreis Gumbinnen, den Johann Friedrich Dallmer (1711-95) in Plicken, 1742. Sie war noch nicht 16 Jahre alt.

Bildnis Catharina Dorothea Dallmer, Öl, unbekannter Künstler, um 1780

Bildnis Catharina Dorothea Dallmer, Öl, unbekannter Künstler, um 1780

Mindestens drei Kinder sind aus den Quellen bekannt: 1751 wird die Tochter Catharina Helene Dorothea geboren, 1753 der Sohn Ludwig Christoph Bernhard und 1756 der Sohn Karl Reinhold Dallmer, alle in Plicken. Im nahen Gumbinnen wurden sie getauft. Nur zwei Jahre danach kam der Krieg nach Ostpreußen, das als Teil des Königreichs Preußen von russischen Truppen erobert und bis 1762 besetzt wurde.  In Europa wütete der Siebenjährige Krieg.

Es kamen wieder friedliche Zeiten und Frau Amtsrat Dallmer konnte das Großwerden ihrer Kinder erleben. Später zogen sie und ihr Mann in eine Wohnung in der Stadt Gumbinnen. Aus dieser Zeit, um 1780, mag das Gemälde stammen, das uns überliefert ist. Wahrscheinlich gab es als Gegenstück auch das Portrait ihres Mannes dazu. Das Gemälde trägt keine Malersignatur, nur hinten die Angabe des Namens und Sterbedatum der Dargestellten. Sie überlebte ihren Mann um 10 Jahre und starb in Gumbinnen am 28. April 1805, musste also Preußens Niederlage gegen Frankreich 1806 und die französische Besetzung nicht mehr miterleben.

Einblick in den Ausstellungsaufbau zu "Auserwählt". Die Ausstellung ist vom 13. April bis 22- September 2013 zu sehen.

Einblick in den Ausstellungsaufbau zu "Auserwählt". Ein Teil der Bilder hängt schon. Doch zeigt die Ausstellung noch viel mehr. "Auserwählt" stellt höchst unterschiedliche Einzelstücke aus der Sammlung des OL, die zwar wichtig sind, aber bislang nicht präsentiert wurden. Zu sehen ist die Ausstellung vom 13. April bis 22. September 2013.

Dieses Stück Geschichte anschaulich machen zu können hat wiederum eine private Spende an das Ostpreußische Landesmuseum ermöglicht! Zu sehen ist es ab Samstag in der neuen Ausstellung “Auserwählt. Sammlungsobjekte mit Geschichte“.

Zweifach vertrieben – Spuren vergessener NS-Opfer und Gedenken im russischen Königsberger Gebiet

Donnerstag, 21. Februar 2013

Am 30. Januar 2013, zum 80. Jahrestag der Machtergreifung der Nationalsozialisten, stellte Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, im Ostpreußischen Landesmuseum ein Kapital ostpreußischer Geschichte vor, welches in der Forschung bisher nur unzureichend Beachtung findet. Der Vortrag widmete sich sieben – meist unbekannten – Orten im russischen Königsberger Gebiet (Kaliningrader Oblast), die für verschiedene Opfergruppen des Nationalsozialismus stehen, und Formen des dortigen Gedenkens an sie.

Uwe Neumaerker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Die Zeit des Dritten Reiches wird in der Erinnerungskultur zuweilen ausgeblendet, häufiger beschränkt sie sich auf die – tatsächlich – unvergleichliche Schönheit der Natur, das “Land der dunklen Wälder und kristall´nen Seen”, und auf die tragischen Ereignisse von Flucht und Vertreibung der Deutschen sowie die grausame Rache der Soldaten Stalins 1944/45. Beschwiegen werden dann aber jene, die bereits vor Kriegsende Opfer im Deutschen Osten geworden waren – durch die eigenen Landsleute. Sie wurden ihrer Heimat beraubt und aus der Erinnerung an Ostpreußen ´vertrieben`. Hierzu gehören die ostpreußischen Juden und die als ´Zigeuner` verfolgten Sinti, die Angehörigen der polnischen Minderheit und die Patienten aus Heil- und Pflegeheimen, ebenso wie der ´Todesmarsch` und die anschließende Massenerschießung am Ostseestrand von Palmnicken Anfang 1945 mit bis zu 7.500 ermordeten jüdischen Häftlingen.

Das Holocaustdenkmal in Palmnicken: gen Himmel ausgestreckte Hände des Künstlers und Überlebenden Frank Meisler, eingeweiht am 31. Januar 2011

Das Denkmal in Palmnicken: gen Himmel ausgestreckte Hände vom Künstler und Holocaust-Überlebenden Frank Meisler, eingeweiht am 31. Januar 2011

Was wenige wissen: In Ostpreußen lebte bis zum 2. Weltkrieg die größte Sintiminderheit Deutschlands. Reinhard Florian ist ein Sinto, der überlebte – die Konzentrationslager Mauthausen, Auschwitz, Gusen und einen Todesmarsch – und der bereits seit seiner Kindheit soziale Ausgrenzung, Gewalt und Entrechtung ertragen musste. Zweifach vertrieben, dies machte Neumärker bereits mit seinen ersten Sätzen deutlich. „Vier Wochen nach seiner Befreiung am 6. Mai 1945 hat der 22-jährige Sinto Reinhard Florian aus Matheningken bei Insterburg nichts anderes im Sinn als heimzukehren: ´Ich wollte unter allen Umständen schnell zurück nach Hause. Nach Ostpreußen! In meine Heimat. Von da komm’ ich. Da gehöre ich hin! (…) Ich war doch Deutscher, ein Deutscher aus Ostpreußen. Der Krieg hatte daran nichts geändert. Wie sollte ich mich auch anders fühlen? Ich bin groß geworden in Deutschland und kenne kein anderes Land. Ich spreche auch nur Deutsch. Selbst als ich aus dem Lager kam, gab es für mich nur Deutschland`“ Der gesamte Vortrag ist bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas nachzulesen.

Im Gespräch mit dem Puplikum: Uwe Neumärker, Dr. Joachim Tauber (Direktor Nordost-Institut), Dr. Joachim Mähnert (Direktor Ostpreußisches Landesmuseum)

Im Gespräch mit dem Publikum: Uwe Neumärker, Dr. Joachim Tauber (Direktor Nordost-Institut), Dr. Joachim Mähnert (Direktor Ostpreußisches Landesmuseum)

Neumärker veranschaulichte, dass mit diesem Kapitel ostpreußischer Geschichte auch ein Kapitel gesamtdeutscher Geschichte beleuchtet wird. Sein Vortrag gab gewissermaßen auch einen Ausblick auf die sich im Entstehungsprozess befindende neue Dauerausstellung des Museums, die auch dieses Thema selbstverständlich nicht ausschließen wird.

Seit 2005 leitet Uwe Neumärker das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas”, die im Zentrum Berlins gelegene zentrale Holocaustgedenkstätte Deutschlands. Das Denkmal besteht aus dem überirdischen Stelenfeld und einem unterirdischen Ausstellungsraum, dem „Ort der Information“. Seit seiner Einweihung vor knapp 8 Jahren haben mehr als 10 Millionen Menschen das Stelenfeld besichtigt.

Zu dem Vortrag eingeladen hatte das Ostpreußische Landesmuseum gemeinsam mit dem Nordost Institut / IKGN Lüneburg.

Lehrreiche, sensationelle oder liebliche Alltagsbegebenheiten

Freitag, 18. Januar 2013

Das Ostpreußische Landesmuseum konnte dank privater Spenden vor Kurzem zwei großartige Gemälde erweben, die eine wichtige Ergänzung für die kunst- und kulturgeschichtliche Sammlung des Ostpreußischen Landesmuseums darstellen.

Es handelt sich um Genrebilder von Reinhold Dannehl (1833-88) und Carl Hübner (1814-79). Genrebilder gehörten zu den beliebten Gemäldearten des 19. Jh., die häufig Alltagsszenen in einer meist idyllisch-lieblichen Art darstellen.

Wer aus bedrängten und bedrängenden Lebensverhältnissen heraus wollte, fand schon im Mittelalter manchmal den Ausweg des Auswanderns. Lockende Angebote, sein Glück zu machen, gab es vor 700 Jahren im Osten, im 18. und 19. Jahrhundert z.B. in Amerika, der „Neuen Welt“.

Für die Genremalerei des 19. Jh. bot diese Thematik offenbar reizvolle Aspekte, sie zu Kompositionen zu verarbeiten. So wanderten in jener Zeit auch aus Ostpreußen viele Menschen Richtung Westen aus, in die entstehenden Kohlereviere des Ruhrgebiets oder über den Ozean nach Amerika. Dies schildert das Gemälde aus dem Jahr 1865 des aus Königsberg stammenden Malers Carl Hübner: Die Auswanderer.

Carl Hübner, Die Auswanderer, Öl, 1862

Carl Hübner, Die Auswanderer, Öl, 1862

In einem kahlen Raum, der mit Kisten und Kasten angefüllt scheint, sitzt rechts eine Auswandererfamilie, Vater, Mutter und ein Kind, zwei Matrosen gegenüber, die rauchen und offenbar einen Grog zu sich genommen haben. Der als Bauer in seiner altertümlichen Kleidung erkennbare Auswanderer zahlt mühsam Münzen auf den Tisch, die er aus einem schon schmalen Geldbeutel zog. Seine Frau sieht besorgt zu. Hinter ihr an der Wand hängt eine Landkarte mit den Umrissen des amerikanischen Kontinents.

Die beiden Matrosentypen, der eine mit Ringelpullover und Strohhut, der andere in Ölzeughose und dunkler Jacke, sehen nicht sehr vertrauenerweckend aus. Sie sind aber diejenigen, die das weitere Reiseschicksal der Auswanderer zu bestimmen scheinen.

Hübner schuf im seinerzeit beliebten Genre-Fach, Darstellungen von lehrreichen, sensationellen oder lieblichen Alltagsbegebenheiten, offenbar gern dramatische, konfliktreiche Szenen, wie einige Bildtitel seiner in Königsberg zwischen 1833 und 1879 ausgestellten Arbeiten zeigen: Die Auspfändung, Der Wucherer, Die Brandstätte oder: Der Abschied der Waise, Die Eifersüchtige, Der unwillkomm’ne Freier, Die Sünderin vor der Kirchenthüre. Hübner verbrachte zwar seine Hauptschaffenszeit ab 1838 in Düsseldorf, seine Arbeiten waren aber stets in seiner Heimatstadt auf den wichtigen Kunstausstellungen vertreten.

Reinhold Dannehl malte 1865 den spielenden Knaben vor einem Bauernhaus. Gezeigt wird dem Betrachter ein Vorplatz eines Bauernhauses, auf dem ein Knabe mit einem Hund spielt. Da der Knabe links in der Hundehütte steckt und auf allen Vieren zu stehen scheint, ist er dem ihm gegenüber rechts vorn sitzenden Hund zugeordnet, mit dem er „verkehrte Welt“ zu spielen scheint. Im Bildfeld darüber sieht man eine jüngere Frau aus dem Fenster lehnend mit einem Strickzeug beschäftigt. Diese geruhsame Szene wird noch mit einigen dekorativ verteilten Hausratsgegenständen ergänzt. Das tiefstehende Licht und die geruhsame Stimmung der Schilderung deuten auf eine abendliche Szene hin. Es scheint, als erwarteten Frau und Kind den von der Arbeit heimkehrenden Vater.

Reinhold Dannehl, Genreszene, Öl, 1865

Reinhold Dannehl, Genreszene, Öl, 1865

In einer bürgerlichen Stube wäre das Gemälde ein Ausdruck traulichen Familienlebens. Es stellt dabei auch einen nachklang des von manchen Städtern idyllisch- idealisiert gedachten Landlebens. Aspekte wie die Härte des Lebens, Armut, schwere Arbeit usw. sind nicht zu finden.

Der Maler Reinhold Dannehl war Schüler der Königsberger Kunstakademie, lebte ab 1857 in der Hauptstadt Ostpreußens als freischaffender Maler und war einige Jahre lang auch Lehrer an der dortigen Kunst- und Gewerkschule. Er gehörte zum festen Bestandteil der Königsberger Maler und Kunstszene. Aus den Katalogen der Königsberger Kunstvereinsausstellungen, die Dannehl 1861-71 regelmäßig beschickte, wissen wir, dass er tatsächlich hier ausschließlich Genrebilder zeigte, u. a. auch eine „Bauernstube“.

Belege für diese im 19. Jh. auch in Ostpreußen typische Malerei gab es zuvor in der Museumssammlung fast nicht. Daher sind diese Neuzugänge eine wirklich bedeutende Ergänzung des Bestandes und schließen eine merkliche Lücke.

Arno Surminski am Hansa-Kolleg in Hamburg

Donnerstag, 3. Januar 2013

Am 22. November fand das erste große Projekt in einer neuen Kooperation des Kulturreferates am Ostpreußischen Landesmuseum mit dem Hansa-Kolleg Hamburg einen letzten Höhepunkt. Im Mai dieses Jahres waren 19 Schülerinnen und Schüler, die im Zweiten Bildungsweg das Abitur anstreben, in Begleitung zweier Lehrer und der Kulturreferentin Agata Kern für sechs Tage nach Kaliningrad gereist. Über diese eindrucksvolle Reise haben wir bereits am 15. Juni 2012 im Blog berichtet.

Eingerahmt wurde dieses Reiseprojekt, das unter dem Motto „Von Kaliningrad nach Königsberg – Auf den Spuren von Marion Dönhoff“ stand, von zwei Veranstaltungen mit prominenten Ehrengästen. Nachdem am 29. Februar bereits Tatjana Gräfin Dönhoff bei der Vorstellung des Projekts vor Schülern des Hansa-Kollegs und der Lüneburger Wilhelm-Rabe-Schule gesprochen hatte, war nun bei der feierlichen Abschlussveranstaltung in der Aula des Hamburger Hansa-Kollegs Arno Surminski zu Gast.

Vorstellung der Studienreise

Vorstellung der Studienreise

Eines der eindrücklichsten Erlebnisse auf unseren Fahrten durch das Kaliningrader Gebiet war ganz sicher der Besuch der Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Palmnicken. Vielen der Schüler waren die grausamen Geschehnisse des Januars 1945 aus der Lektüre von Arno Surminskis Roman „Winter Fünfunvierzig oder Die Frauen von Palmnicken“ bereits vor der Reise bekannt. Es war ein strahlender Frühlingstag, als wir auf unserer Reise das Mahnmal besuchten, das am weißen Ostseestrand an die Ermordung von 3000 jüdischen Frauen aus dem KZ Stutthoff durch Angehörige der SS erinnert – weitere 4000 Frauen hatten zuvor bereits den Todesmarsch nicht überlebt. Der friedliche Frühling an der Ostsee im Jahre 2012 – und der grausame Winter an genau der gleichen Stelle im Jahre 1945: Das war vermutlich der heftigste Kontrast auf dieser an Kontrasten überreichen Reise.

Lesung von Arno Surminski

Lesung von Arno Surminski

So war es für das Hansa-Kolleg ein ganz besonderes Glück, dass Arno Surminski sich bereit erklärte, in die Schule zu kommen und vor den Reiseteilnehmern und den Kollegiaten des Eingangsjahres aus seinem Buch zu lesen. Was an der Gedenkstätte, zumal bei Sonnenschein über der Ostsee, kaum fassbar erscheint, wird bei der Lesung plötzlich anschaulich. Die ermordeten Frauen bekommen Namen und Schicksale, und für einen Moment glauben wir, ihnen nahe zu kommen. Auf seine Weise ist Arno Surminskis Roman ein zweites Mahnmal für die ermordeten Frauen – eines nicht aus Stein, sondern aus Worten – und gerade dadurch viel fassbarer als das sichtbare Mahnmal am Strand im Norden Ostpreußens.

Die Schüler nutzten die Gelegenheit, den Autor nach seinen eigenen Erinnerungen an Ostpreußen zu fragen und zu erfahren, wie ein literarisches Werk wie dieser Roman entsteht. Am Ende der Veranstaltung stand die Preisverleihung an die Gewinner des Fotowettbewerbs, dem sich die reisenden Kollegiaten gestellt haben. Auch hier war das Motto: „Von Kaliningrad nach Königsberg“. Die Gewinner des ersten Preises haben das Thema auf ganz unterschiedliche Weise gelöst:

Während sich in der Fotographie von Thorben Beller im Fenster eines heruntergekommenen Kaliningrader Plattenbaus die Ruine eine Backsteinhauses aus deutscher Zeit spiegelt, lässt Richard Schuster vor dem im Dunkeln angestrahlten, aus Ruinen wiedererstandenen Königsberger Dom mit dem Lichtschein einer Taschenlampe den Schriftzug „Kaliningrad“ leuchten. Vergangenheit und Gegenwart; aber eben auch: Verfall und Zuversicht, vielleicht sogar ein wenig neuer Glanz – sie spiegeln sich auch in den Wettbewerbsbeiträgen der Kollegiaten. Es war eine Ehre für die Schule, dass die fünf Preisträger ihre Preise aus den Händen von Arno Surminski entgegennehmen konnten.

Wir schauen zurück und gleichzeitig nach vorn: Das erste große Projekt in der Kooperation zwischen Kolleg und Kulturreferat ist zuende. Aber weitere, kleine wie große, Projekte werden folgen. Und die Schüler des Eingangsjahres, die an diesem Vormittag zu Gast waren, konnten einen ersten Eindruck bekommen von dem, was sie in eineinhalb Jahren erwartet: Denn dann werden wir uns erneut auf den Weg machen, um Spuren des Vergangenen, vor allem aber die lebendige Gegenwart bei unseren östlichen Nachbarn zu erleben.

Holger Wendebourg (Lehrer am Hansa-Kolleg)

Herzlicher Empfang in Kaliningrad für die Teilnehmer der ersten Lesereise des Ostpreußischen Landesmuseums und Russland Reisen Romanova

Freitag, 19. Oktober 2012

Mit Arno Surminski, Stephanie Kuhlmann und Hans Graf zu Dohna

Ob im Deutsch-Russischen Haus, im Dohnaturm oder in Jantarny / Palmnicken, überall waren die deutschen Gäste willkommen und wurden die Lesungen von der russischen Bevölkerung und der Presse mit großem Interesse begleitet.

Die Reisegruppe am Kant Denkmal

Die Reisegruppe am Kant Denkmal

Freitags wird auch in Russland geheiratet. Jedes Kaliningrader Hochzeitspaar lässt sich am Dom und vor der Grabstätte Kants für die Familienalben ablichten. Denn gestern wie heute wird der Königsberger Philosoph von Russen und Deutschen gleichermaßen verehrt. Die Reisegruppe aus Deutschland fand Gefallen an einem der schönen Brautpaare und fotografierte es begeistert. Geschmeichelt von so viel Interesse, stellte es sich zu der Gruppe für weitere Fotos, denn das war ein ganz besonderes Motiv.

Solche und andere Begegnungen waren charakteristisch für die erste Lesereise nach Kaliningrad/Königsberg vom 27.09.-02.10.2012 organisiert vom Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und Russland Reisen Romanova. Es war ein Besuch unter freundlichen, herzlichen und offenen Menschen.

Ein russisches Hochzeitpaar mit den Teilnehmern der Reise

Ein russisches Hochzeitpaar mit den Teilnehmern der Reise

Bereits am ersten Tag nach der Anreise empfing Direktor A. P. Portnjagin vom Deutsch-Russischen Haus seine Gäste. Daniel Lissner, Kulturreferent des Deutschen Konsulates, betonte seine Verbundenheit und nannte Arno Surminski („Winter Fünfundvierzig oder die Frauen von Palmnicken“) den Grand Seigneur des Ostpreußenromans. Stephanie Kuhlmann („Hoffnung heißt Nadjeschda“) als Vertreterin der jüngeren Generation begrüßte ihre Gäste mit einer Ansprache auf Russisch: „Ich habe lange davon geträumt, in der Heimat meines Vaters vor russischem Publikum aus meinem Roman zu lesen, jetzt ist dieser Traum wahr geworden.“ Arno Surminski hatte im Deutsch-Russischen Haus, das für Verständigung steht, schon öfter gelesen. Zu den Besuchern der Lesung gehörten neben der deutschen Reisegruppe Russlanddeutsche, Studenten, Schriftsteller und Pressevertreter.

Einzigartige Natur und große Gesten im Dohnaturm

Die Kurische Nehrung zeigte sich auf der Reise bei schönstem Sonnenschein, sodass von der Epha-Düne aus eine gute Sicht bis nach Litauen möglich war. In der Außenstation der Vogelwarte Rybatschi / Rossitten konnten die Reiseteilnehmer die wissenschaftlichen Arbeiten hautnah miterleben. Der Ornitologe Prof. Leonid Sokolov demonstrierte die Beringung an Goldhähnchen, Tannenmeise und einer Eule. In Rossitten lud das Ufer am Kurischen Haff zu einer Erholungspause ein.

Ornitologe Prof. Leonid Sokolov

Ornitologe Prof. Leonid Sokolov

Ein weiteres Highlight der Reise war der herzliche Empfang im Dohnaturm. Dort bekam die Gruppe zunächst eine Führung durch die Bernsteinsammlung. Hans Graf zu Dohna hielt einen sehr persönlichen Vortrag über seine Familiengeschichte. Die stellvertretende Direktorin des Museums, Natalia Schewtschuk sagte in ihrer Begrüßungsrede: „Jeden Tag erwähnen wir Ihren Namen bei unseren Führungen, weil sich das Museum im Dohnaturm befindet.“ Das Interesse an dem adligen Autor war von Seiten des Museums und der örtlichen Presse sehr groß. Dohna hat ein beeindruckendes Buch über seine ostpreußischen Vorfahren geschrieben. Gedankt wurde ihm mit Gastgeschenken und einer besonders großen Geste: „Wenn Sie damit einverstanden sind, werden wir ein Dohnazimmer errichten, in dem wir Ihre Dokumentationen ausstellen.“

Hans Graf zu Dohna im Dohnaturm

Hans Graf zu Dohna im Dohnaturm

Sichtlich gerührt betonte Graf Dohna, er habe, nachdem er bei seinen ersten Reisen ein großes kulturelles Loch über dem Kaliningrader Gebiet vorgefunden hatte, nun das Gefühl, seine Heimat wiedergefunden zu haben. Avenir Ovsjanov, Heimatforscher und Autor zahlreicher Bücher, war ebenfalls gekommen und erklärte, er werde alles in seiner Macht Stehende tun, die in einer Liste aufgeführte „Beutekunst“ aus dem Schloss Schlobitten aufzuspüren.

Dunkle Seiten der Geschichte und Begegnungen an der Kantuniversität

Der einzige Tag mit Regen und Sturm stand unter einem bewegenden Thema. In Palmnicken bewegte sich die Gruppe auf den Spuren des so genannten Todesmarsches, der im Januar 1945 mit der Massenerschießung von tausenden von jüdischen Frauen bei der an der Ostsee gelegenen Annagrube endete. Nach dem Besuch des örtlichen Bernsteinkombinats versammelte sich die Gruppe an der Gedenkstätte der Opfer des Massakers von Palmnicken.

Mit Arno Surminski an der Gedenkstätte der Opfer des Massakers von Palmicken

Mit Arno Surminski an der Gedenkstätte der Opfer des Massakers von Palmicken

Im Kulturhaus fand im Anschluss eine Lesung mit Arno Surminski aus seinem Buch „Winter Fünfundvierzig oder die Frauen von Palmnicken“ statt. Interessierte Zuhörer waren die Vertreterin der Stadtverwaltung, Irina Ivanova, die Journalistin Valentina Lutschnikowa sowie die Deutschlehrerin Natalia Sopovo mit ihren Schülern. Entspannte Stunden genossen die Teilnehmer im mondänen Ostseebad Swetlogorsk / Rauschen.

Nach der Lesung in Palmnicken mit den Schülern der dortigen Schule

Nach der Lesung in Palmnicken mit den Schülern der dortigen Schule

In der Kantuniversität hielt das ungewöhnliche Autorengespann am letzten Tag seine Abschlusslesung. Eingeladen waren neben den Germanistikstudenten auch andere Interessierte. Ein Teilnehmer der Reise, Professor Martin Teising, Rektor der International Psychoanalytic University Berlin (kurz: IPU Berlin), hielt eine Ansprache, in der er die russischen jungen Leute nach Deutschland zu einem Austausch einlud. Die Dozentin Elena Gordeeva freute sich über das Angebot und betonte die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen und Programme für die deutsch-russische Verständigung. Bei Stephanie Kuhlmann bedankte sie sich für ihr Werk, da es das Kaliningrader Gebiet in ein positives Licht rücke.

Lesung an der Kantuniversität - Arno Surminski, Stephanie Kuhlmann, Hans Graf zu Dohna (von links)

Lesung an der Kantuniversität - Arno Surminski, Stephanie Kuhlmann, Hans Graf zu Dohna (von links)

Natalia Romanova, Inhaberin des Reisebüros Russland Reisen Romanova, und Kulturreferentin Agata Kern vom Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg sind sich einig: „Wir wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr um die gleiche Zeit eine weitere Lesereise nach Kaliningrad veranstalten.“ Der eine oder andere aus der Reisegruppe hat bereits sein Interesse dafür bekundet. Der ortskundige deutschsprachige Reiseleiter Evgenij Snegovskij, der die Gruppe an allen Tagen begleitete, forderte dazu auf: „Kommen Sie wieder!“

Von Stephanie Kuhlmann

Das Ostpreußische Landesmuseum feierte Geburtstag

Mittwoch, 8. August 2012

25 Jahre OL – ein Rück- und Ausblick mit viel Lob und rosigen Aussichten für die Zukunft

Rosige Aussichten in Zeiten des “Kulturinfarktes”? Ja! Zumindest was die ambitionierten Um- und Neubau-Pläne des OL anbelangt. Durch die Feierlichkeiten zum Jubiläum, bei welchem das Museum mit viel Lob von allen Seiten bedacht wurde, hat sich die Aufbruchsstimmung gefestigt und nicht nur die gesamte Mannschaft des Museum freut sich auf das, was bald kommen mag, sondern auch all die Gäste. Die Weichen sind gestellt, Erweiterung und Modernisierung des Museums rücken in greifbare Nähe.

25-Jahre Ostpreußisches Landesmuseum

25 Jahre Ostpreußisches Landesmuseum

Aber der Reihe nach. Am Samstag, den 14 Juli, wurde im Lüneburger Rathaus gefeiert. Das Ostpreußische Landesmuseum hatte aus Anlass seines 25jährigen Jubiläums geladen und viele, viele kamen. Mit fast 250 Personen war der mit mittelalterlichen Malereien prächtig ausstaffierte Fürstensaal bis auf den letzten Platz gefüllt, darunter viel Prominenz: Der niedersächsische Kultusminister Dr. Bernd Althusmann war ebenso unter den geladenen Gästen wie mehrere Abgeordnete des Deutschen Bundestags und des niedersächsischen Landtags, Ratsmitglieder und Bürgermeister der Hansestadt. Ebenso wenig fehlten Kulturschaffende wie der Schriftsteller Arno Surminski oder der Architekt und Autor Christian Papendieck. Viele Lüneburger feierten „ihr“ Landesmuseum, aber auch das polnische Generalskonsulat erwies dem Museum die Ehre. Selbstverständlich gehörten zu den Gästen auch zahlreiche Ostpreußen mit Vertretern aus Stiftungen und Vereinen sowie Vertreter der Deutschbalten – schließlich entsteht mit dem Umbau des Museums auch eine deutschbaltische Abteilung.

Ein Streichertrio eröffnete den Festakt mit Antonin Dvorak, Terzetto für 2 Violinen und Viola 75a

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge eröffnete die Reihe der Grußworte. Er betonte die Bedeutung des Museums als wichtigen Bestandteil der städtischen Museumslandschaft, wies auf seine überregionale Bedeutung hin und bedankte sich für die vielen für die Stadt wertvollen Museumsaktivitäten wie etwa die aktuelle Hanse-Ausstellung. Zugleich verschwieg er nicht den schwierigen Start ebenso wenig wie seine persönliche damalige Skepsis, als er 1987 während der Eröffnungsfeier unter den Gegendemonstranten stand. Inzwischen sei für ihn allerdings, so hob er unter lautstarken Beifall hervor, dieses schwierige Anfangskapitel abgeschlossen und nunmehr nach vorne zu schauen.

Zu Gast im Fürstensaal v.l.: Wilhelm von Gottberg, Dr.Berggreen-Merkel, Ulrich Mädge, Dr. Josef Lange, Dr. Joachim Mähnert

Frau Dr. Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), hob hervor, dass das Museum in Lüneburg das Einzige sei, welches „die reiche Kultur und über siebenhundertjährige Geschichte der historischen Region Ostpreußen in Gänze bewahrt, erforscht und einer breiten Öffentlichkeit im In- und Ausland vermittelt.“ Zugleich erinnerte sie daran, dass „die deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte im nordöstlichen und östlichen Europa Teil des geschichtlichen Erbes aller Deutschen, unabhängig ihrer Herkunft“ sei. Europa sei eine Wertegemeinschaft, und das Erinnern an diese gemeinsame kulturhistorische Wurzel sei eine wichtige Legitimation dieses modernen Museums mit seinen zahlreichen Partnern aus Deutschland, aber eben auch aus Litauen, Polen und Russland.

Dr. Berggreen-Merkel betonte, dass die Pflege der Erinnerung im Museum wichtig sei, denn „es wird eine Zeit kommen, nicht all zu fern, wo die letzten, die die Zeit noch persönlich erlebten haben (…) nicht mehr unter uns sein werden.“ Für diese Zeit bedürfe es anderer Zeugen – das Ostpreußische Landesmuseum werde diese Aufgabe übernehmen.

Staatssekretär Dr. Josef Lange vertrat das Land. Er wies darauf hin, dass Niedersachsen neben Bayern den größten Teil der Flüchtlinge und Vertriebenen aufnahm; ihr Bevölkerungsanteil lag damals immerhin bei knapp 30 Prozent. Entsprechend sah er die Bedeutung des Museums auch in der Anerkennung der beeindruckenden Leistung, welche die Heimatvertriebenen beim Wiederaufbau der Bundesrepublik erbracht haben. Er lobte das Haus als ein weithin anerkanntes Museum und als Ort der Versöhnung.

BKM Referatsleiter Dr. Thomas Lindner mit dem Schriftsteller Arno Surminski

Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert wies auf die erfolgreiche Arbeit der letzten 25 Jahre hin: Über 130 Wechselausstellungen, eine nahezu ähnlich hohe Zahl von Leihausstellungen, präsentiert im In- und Ausland sowie hunderte von Lesungen, Konzerten und Studienreisen. Mähnert bedankte sich bei den Zuwendungsgebern Bund und Land sowie bei seiner hoch motivierten, kompetenten Mannschaft, zu der neben den Angestellten immerhin auch 50 aktive Ehrenamtliche zählen.
Übrigens, wer eine Übersicht der letzten 133 Ausstellungen sehen will, der muss sich nur mal die Außenfront des Museums anschauen. Beeindruckend.

Dr. Eckert führte im Anschluss an den Empang im Rathaus durch die Ausstellung „Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum“ im Museum

Immerhin noch etwa 100 Besucher waren vom Rathaus ins Museum gekommen, um zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen – etwa ein Rückblick, nicht nur der letzten 25 Jahre, durch den langjährigen Kustos Dr. Jörn Barfod oder einen Ausblick auf die anstehende Erweiterung mit Direktor Dr. Joachim Mähnert. Es gab Gelegenheit, den neuen Historiker für die deutschbaltische Abteilung und dem Modul „Integration der Vertriebenen“, Herrn Dr. Eike Eckert, kennenzulernen, der durch die aktuelle Sonderausstellung zur historischen Hanse führte oder mit Dr. Christoph Hinkelmann eine Führung durch die Dauerausstellung mitzumachen, bevor diese in den kommenden zwei Jahren komplett umgebaut werden wird.

Rückblick auf die Anfänge des Ostpreußischen Landesmuseum - Dr. Barfod erinnerte auch an das 1958 entstandene Ostpreußische Jagdmuseum im Lüneburger Alten Kaufhaus am Alten Kran

25 Jahre erfolgreiche Arbeit des Ostpreußischen Landesmuseums waren Anlass genug für diese würdige wie fröhliche Feier, die sichtlich den vielen Anwesenden Spaß machte. Von den Schwierigkeiten des Anfangs, die in manchen Reden anklangen, ist kaum mehr etwas geblieben. Heute ist das Museum eine nicht nur in der Region für seine professionelle Arbeit anerkannte und geschätzte Einrichtung, dessen umfangreiches Ausstellungs- und Begleitprogramm längst auch Besucher zu begeistern versteht, die keine gebürtigen Ostpreußen sind. Seine national wie international wichtige Aufgabe ist unumstritten, und sein guter Ruf bei den Kultureinrichtungen in den heutigen Ländern des historischen Ostpreußens spricht für sich.

Kinder im Sternenzelt im Ostpreußischen Landesmuseum

In den Worten des Museumsdirektors klang das so: „Museen sind heute quicklebendige Orte, in denen Menschen zueinander kommen, schöne Momente der Besinnung und Untererhaltung erleben, Überraschendes erfahren und neugierig werden auf eine Vertiefung der gezeigten Themen. Auch das Ostpreußische Landesmuseum ist so ein lebendiger Ort, in denen z.B. Kinder mit Begeisterung ihren Geburtstag feiern und unsere Museumsräume mit ihrem fröhlichen Lachen erfüllen. Und wenn diejenigen, die noch eigene, persönliche Erinnerungen an das wunderbare und legendenerfüllte Ostpreußen mitbringen, wenn diese Jüngsten der Erlebnisgeneration heute über 70 Jahre alt sind, dann wissen sie, dass ihre Erinnerungen nicht verloren gehen, sondern bei uns im Museum weiterleben können und werden.“

Bedeutender Gemäldezyklus komplett

Montag, 9. Juli 2012

Dem Ostpreußischen Landesmuseum ist es kürzlich gelungen, ein Hauptwerk von Eduard Bischoff (1890-1974), einem der bedeutendsten ostpreußischen Maler des 20. Jh., zu entdecken und seiner Sammlung hinzuzufügen. Es handelt sich um den „Eisfischer“, ein Gemälde, das in der Fachliteratur schon seinen festen Platz hatte, sich aber seit über 30 Jahren in Privatbesitz befand und dessen Aufbewahrungsort lange schon nicht mehr bekannt war.

Eduard Bischoff, Der Eisfischer, Öl (1951)

Damit kam das dritte große Werk des Gemäldezyklusses mit Themen der Fischer der Kurischen Nehrung ins Museum. Das sog. Nehrungstriptychon mit Fischern nach einem großen Fang und zwei Nebenszenen bildet den Schwerpunkt der Reihe, das Gemälde „Fischerkneipe“ und der „Eisfischer sind die weiteren großformatigen Werke dieser Reihe.

Eduard Bischoff, Nehrungstriptychon

Der Maler, der die Fischer am Kurischen Haff aus vielen Aufenthalten auf der Kurischen Nehrung seit 1919 bis 1944 sehr genau kannte und oft an ihrem Leben und an ihrer schweren Arbeit auch aktiv teilgenommen hatte, setzte ihnen seit den 1920er Jahren und nach 1945 in vielen Arbeiten ein Denkmal.

Eduard Bischoff, Fischer in der Kneipe, Öl (1952)


Wie es zu den anderen Gemälden auch Vorarbeiten aus den Jahren zwischen 1920 und 1941 gab und in kraftvollen Holzschnitten die Themen in den 1950er Jahren aufgegriffen wurden, so ist es auch im Fall des Eisfischers. Ein Gemälde dieses Themas verbrannte 1944 in Königsberg. Aber ein Aquarell der gleichen Komposition von 1941 blieb in einem Foto bekannt.

Eduard Bischoff, Der Eisfischer, Aquarell, 1941 - Fotografie

Nachdem Eduard Bischoff nach der Flucht aus Ostpreußen 1945 zunächst im Kreis Uelzen angekommen war, hatte er ab 1948 Gelegenheit, in Gelsenkirchen in der Künstlersiedlung Halfmannshof wieder richtig Fuß zu fassen. Neben vielen neuen Aufträgen hatte er auch Gelegenheit, Motive aus seinen Schaffensjahren 1919-44 in Königsberg, deren frühere Arbeiten im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, neu zu schaffen, in einem durch den Eindruck der zeitgenössischen Kunst seit 1945 auch gewandelten Stil.

Eduard Bischoff, Der Eisfischer, Holzschnitt (1957)

Vergleicht man das Foto des verschollenen Aquarells von 1941, das Gemälde von 1951 und schließlich den Holzschnitt von 1957, erkennt man die gleich gebliebene Grundidee der kraftvollen Gestalt des leicht vorgebeugt das Netz aus dem Eisloch ziehenden Fischers. Der Stil Bischoffs wandelt sich zu stärkerer Abstraktion und Konzentration auf die Figurendarstellung. Die besonders reiche und überraschende Farbigkeit belegt weiterhin, wie intensiv sich der Künstler mit der Gestaltung des Werks befasst hat. Schließlich tut auch die auffallende Größe des Werks, 131 cm Höhe bei 1 m Breite, ein übriges, diese eindrucksvolle Gestaltung zur Wirkung zu bringen. Es zählt zu den herausragenden Arbeiten des Vermächtnisses der ostpreußischen Malerei des 20. Jh.

Dem Ostpreußischen Landesmuseum ist es kürzlich gelungen, ein Hauptwerk von Eduard Bischoff (1890-1974), einem der bedeutendsten ostpreußischen Maler des 20. Jh., zu entdecken und seiner Sammlung hinzuzufügen. Es handelt sich um den „Eisfischer“, ein Gemälde, das in der Fachliteratur schon seinen festen Platz hatte, sich aber seit über 30 Jahren in Privatbesitz befand und dessen Aufbewahrungsort lange schon nicht mehr bekannt war.

Damit kam das dritte große Werk des Gemäldezyklusses mit Themen der Fischer der Kurischen Nehrung ins Museum. Das sog. Nehrungstriptychon mit Fischern nach einem großen Fang und zwei Nebenszenen bildet den Schwerpunkt der Reihe, das Gemälde „Fischerkneipe“ und der „Eisfischer sind die weiteren großformatigen Werke dieser Reihe.

Der Maler, der die Fischer am Kurischen Haff aus vielen Aufenthalten auf der Kurischen Nehrung seit 1919 bis 1944 sehr genau kannte und oft an ihrem Leben und an ihrer schweren Arbeit auch aktiv teilgenommen hatte, setzte ihnen seit den 1920er Jahren und nach 1945 in vielen Arbeiten ein Denkmal.

Wie es zu den anderen Gemälden auch Vorarbeiten aus den Jahren zwischen 1920 und 1941 gab und in kraftvollen Holzschnitten die Themen in den 1950er Jahren aufgegriffen wurden, so ist es auch im Fall des Eisfischers. Ein Gemälde dieses Themas verbrannte 1944 in Königsberg. Aber ein Aquarell der gleichen Komposition von 1941 blieb in einem Foto bekannt.

Nachdem Eduard Bischoff nach der Flucht aus Ostpreußen 1945 zunächst im Kreis Uelzen angekommen war, hatte er ab 1948 Gelegenheit, in Gelsenkirchen in der Künstlersiedlung Halfmannshof wieder richtig Fuß zu fassen. Neben vielen neuen Aufträgen hatte er auch Gelegenheit, Motive aus seinen Schaffensjahren 1919-44 in Königsberg, deren frühere Arbeiten im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, neu zu schaffen, in einem durch den Eindruck der zeitgenössischen Kunst seit 1945 auch gewandelten Stil.

Vergleicht man das Foto des verschollenen Aquarells von 1941, das Gemälde von 1951 und schließlich den Holzschnitt von 1957, erkennt man die gleich gebliebene Grundidee der kraftvollen Gestalt des leicht vorgebeugt das Netz aus dem Eisloch ziehenden Fischers. Der Stil Bischoffs wandelt sich zu stärkerer Abstraktion und Konzentration auf die Figurendarstellung. Die besonders reiche und überraschende Farbigkeit belegt weiterhin, wie intensiv sich der Künstler mit der Gestaltung des Werks befasst hat. Schließlich tut auch die auffallende Größe des Werks, 131 cm Höhe bei 1 m Breite, ein übriges, diese eindrucksvolle Gestaltung zur Wirkung zu bringen. Es zählt zu den herausragenden Arbeiten des Vermächtnisses der ostpreußischen Malerei des 20. Jh.