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Studienfahrt nach Polen

Dienstag, 15. November 2011

Auf der Marienburg

Vom 29. September bis zum 8. Oktober fuhren 13 Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule (gemeinsam mit Frau Seemann und Herrn Hörig sowie Frau Kern, der  Kulturreferentin des Ostpreußischen Landesmuseums) für zehn Tage nach Polen, um dort „Auf der Suche nach der Ortsidentität“ die ehemaligen deutschen Ostgebiete zu besuchen. In Greifswald schloss sich uns eine Gruppe von Schülern der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Schule an (ebenfalls mit Lehrerin und Kulturreferentin). Ein paar Eindrücke von dieser abwechslungsvollen, lehrreichen, unterhaltsamen Fahrt sollen folgen.

Mit den polnischen Schülern in Nikolaiken

In Steinort

Nach mehreren Vorbereitungstreffen fuhren wir am Donnerstagmorgen um sieben Uhr am Busparkplatz auf den Sülzwiesen ab. Unser Busfahrer Georg begleitete uns über die ganzen zehn Tage und war damit – neben der eigentlichen Reisegruppe natürlich – eine der wenigen Konstanten in dieser Zeit: Immerhin übernachteten wir innerhalb von anderthalb Wochen in acht verschiedenen Unterkünften, sodass wir zwischendurch selbst durcheinander kamen, welche Orte wir jetzt wann besucht hatten. Am Ende der Fahrt sollte einerseits das Gefühl bleiben, außergewöhnlich viel erlebt zu haben, wodurch einem einzelne Erinnerungen teils lange zurückliegend erschienen, andererseits kam uns die Fahrt dennoch kurz vor – wir hätten problemlos noch eine Woche „da drüben“ bleiben können. Das ist auch kein Wunder, wenn man sich die vielen sehenswerten Orte im Norden Polens anschaut, zumal es eine Region ist, in die man sonst eher selten kommt: Begonnen in Stettin (Luftschutzbunker, Alltag im Zweiten Weltkrieg) und Danzig (eine wunderschöne wiederaufgebaute Innenstadt, Ausstellung zum Thema Solidarnośc), über Marienburg (Deutscher Orden im Mittelalter) und Galkowen (ein 150-Seelen-Dorf in Masuren mit einer Ausstellung zu Marion Gräfin Dönhoff), bis zur Wolfsschanze („Führerhauptquartier” im Zweiten Weltkrieg) und nach Thorn (Nikolaus Kopernikus) – überall konnte man Neues entdecken und sein geschichtliches Wissen vertiefen.

Westerplatte

Das eigentliche „Studieren” war aber nur ein Aspekt der Studienreise: Daneben sollten wir auch die polnische Kultur kennenlernen, wozu unter anderem ein Treffen mit Schülern eines Lyzeums in Nikolaiken gehörte. Außerdem aßen wir zu Mittag immer eine typisch polnische Mahlzeit, was bedeutete, dass es grundsätzlich eine Suppe als Vorspeise gab – ein Höhepunkt war in dieser Hinischt das Restaurant in Stettin, wo die Suppe statt in einem Teller in einem ausgehöhlten Brotlaib serviert wurde, den wir auch aufessen konnten. Als Hauptspeise konnten wir zwischen einem vegetarischen und einem fleischhaltigen Gericht wählen, zum Durstlöschen standen meist Orangensaft oder Wasser in Glaskrügen auf dem Tisch. Wir frühstückten immer in der Unterkunft, wo es oft ein reichhaltiges Buffet gab. Überhaupt fühlten wir uns in den Quartieren insgesamt wohl. Ansonsten war es interessant zu sehen, dass die Polen zwar viel englischsprachige Musik hören (mehrmals wurden in den Restaurants im Hintergrund Songs von Phil Collins gespielt), es aber nirgendwo ausländische Zeitungen oder Magazine zu kaufen gab. Die Speisekarte hingegen war in den größeren Städten fast immer zwei-, manchmal sogar dreisprachig gehalten.

Schifffahrt auf dem Spirdingsee

Was bleibt von der Studienfahrt? Erstens war es sehr interessant – das Wort ist dafür viel zu schwach –, mehr über unser östliches Nachbarland zu erfahren, über seine Geschichte und über seine Kultur (auch wenn wir – Schande über uns – nur zwei, drei polnische Vokabeln regelmäßig benutzt haben: Dzién dobry! – Guten Tag, dziękuje – danke und proszę – bitte). Zweitens gab es wirklich herrliche Orte: zum Fotografieren, zum Nachdenken oder zum Ausruhen. Und drittens, was ich auch als sehr wichtig empfand, damit die Studienfahrt zu einer herausragenden Veranstaltung wurde, war die Reisegruppe einfach großartig. Obwohl wir Raabe-Schüler aus vier verschiedenen zehnten Klassen kamen und uns vorher teilweise nur vom Sehen kannten, hatten wir keine Probleme miteinander und konnten uns richtig anfreunden. Insgesamt also eine wirklich wunderbare, vielfältige, grandiose Fahrt.

Freundschaftsspiel in Nikolaiken

Anmerkung: Im Text sind immer die deutschen Ortsnamen benutzt, da wir die polnischen Bezeichnungen so gut wie nie verwendet haben.

Vor dem Gasthaus in Galkowo

Christoph Reese, Klasse 10a