Artikel-Schlagworte: „Neue Dauerausstellung“

Objekt der Woche #11 – Harzendes Stück eines Baumstamms

Mittwoch, 21. März 2018

Dieses Kirschbaumstück aus Scharnebeck, Landkreis Lüneburg, soll anschaulich vermitteln, wie Bernstein entsteht und wie kleine Tiere oder Teile von Pflanzen und Tieren in den Bernstein hineingelangen. Es zeigt den Ausfluss von Harz nach einer Verletzung der Baumoberfläche am Stamm oder an den Ästen. Das klebrige Harz im Innern des Pflanzenkörpers bildet einen Wundverschluss. Es ist durch seine Farbe und seinen Geruch attraktiv für viele kleine Insekten, die – ganz wörtlich – darauf fliegen und dann kleben bleiben. Tritt das Harz in mehreren Schüben aus, kann es sie einschließen. Die chemische Zusammensetzung des Harzes verhindert ihre Zersetzung und konserviert fast alle Teile.

Harzendes Stück eines Baumstamms

Harzendes Stück eines Baumstamms

Um zu Bernstein zu werden, muss das Harz allerdings mindestens eine Million Jahre alt werden. Erst dann ist die Aushärtung – chemisch spricht man von einem Polymerisationsprozess – abgeschlossen. Dies geschieht nur unter günstigen Bedingungen, z.B. im Wasser von Flüssen und Seen. Die kleinen Tiere oder Pflanzenteile darin nennt man Inklusen oder Einschlüsse. Man findet sie nur im Schlaubenbernstein, der auf den Harzaustritt in mehreren Schüben zurückzuführen ist.
Das Ostpreußische Landesmuseum erhielt dieses wertvolle, etwa 30 Jahre alte Anschauungsstück von Peter Laging geschenkt, der viele Jahre lang als Lehrer an der Realschule Scharnebeck tätig war. Es wird in der Abteilung Bernstein zu sehen sein.

Objekt der Woche #10 – Pferdeplastik „Tempelhüter“ von Reinhold Kuebart

Mittwoch, 14. März 2018

Das natürliche Vorbild wurde 1905 im Hauptgestüt Trakehnen geboren, war zunächst Landbeschäler in Braunsberg und von 1916 bis 1931 Hauptbeschäler im Hauptgestüt. Der Hengst hat die Trakehner Zucht grundlegend beeinflusst und vereinigte die wesentlichen Anforderungen Kraft, Eleganz, Ausdauer und Charakter. Er wirkte in einer Zeit, in der die Anforderungen der Pferdehalter an einen bestimmten Pferdetyp vom wendigen Militärreitpferd zum kräftigen Alltagspferd in der Landwirtschaft wandelten. In den 1920er Jahren waren Pferde die Universalkraftquelle für alle Zug- und Transportaufgaben.

Pferdeplastik Tempelhüter

Pferdeplastik „Tempelhüter“ von Reinhold Kuebart

Aus Anlass der 200jährigen Wiederkehr der Gründung des Hauptgestüts wurde 1932 eine lebensgroße Plastik des „Tempelhüter“ vor dem Landstallmeisterhaus aufgestellt. Diese Bronzefigur befindet sich heute in Moskau. Ein Abguss steht vor dem Deutschen Pferdemuseum in Verden. In Trakehnen selbst, dem heute russischen Jasnaja Poljana, steht seit 2013 eine Nachbildung auf dem originalen, 1932 hergerichteten Sockel. Unsere Bronzeplastik ist eine Miniatur des Originals, die vor dem Zweiten Weltkrieg mehrfach gegossen wurde. Sie wird in der Abteilung Trakehnen gezeigt.

Objekt der Woche #9 – „Cadiner Majolika“

Mittwoch, 7. März 2018

Kaiser Wilhelm II. besaß neben vielen Immobilien einen Gutsbetrieb in Cadinen, bei Elbing (heute Elblag in Polen) am Frischen Haff. Hier versuchte er, technisch und sozial einen Musterbetrieb aufzubauen. Zu den Wirtschaftsbetrieben des Gutes gehörte eine Ziegelei. Neben Baustoffen, wie Backstein, Dachziegel und Tonröhren, wollte Wilhelm aber auch gern Kunstkeramik herstellen lassen.
Mit Hilfe der Spezialisten der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM) in Berlin wurde ein Werk errichtet, in dem aus speziell aufbereiteten Cadiner Ton ab 1902/3 künstlerische Erzeugnisse hergestellt werden konnten. Entsprechend dem vom Kaiser bevorzugten Kunststil des Historismus ließ Wilhelm Gefäße, Reliefs und Figuren entwerfen und ausführen, die oft nach dem Vorbild italienischer Keramik der Renaissancezeit (15.-16. Jahrhundert) gestaltet wurden. So bekamen sie, nach dem Fachwort für ihre Vorbilder „Majolika“, den Namen „Cadiner Majolika“. Mit der Verbreitung dieser Keramiken, auch in Architektur, wollte Wilhelm zur Geschmacksbildung im Volk beitragen.

„Cadiner Majolika“

„Cadiner Majolika“

Das abgebildete Gießgefäß zeigt die typische farbige Gestaltung der Majolika: Auf weißem Grund sind Ornamente, Figuren und Schrift in bunten Farben, blau, grün, gelb, rot u.a. gemalt. Das bürgerliche und großbürgerliche Käuferpublikum schätze Anfang des 20. Jahrhunderts diese Art der Kunstkeramik. „Cadiner Majolika“ zu besitzen war darüber hinaus auch ein sichtbares Bekenntnis zum Kaisertum, trugen doch die Keramiken aus Cadinen im Fabrikzeichen die deutsche Kaiserkrone als Hinweis auf den Fabrikherren. Das Objekt wird in der Abteilung 19. Jahrhundert/Wilhelminische Zeit gezeigt werden.

Objekt der Woche #8 – „Richard Strauss dirigiert in Königsberg 1927“ von Ernst Schaumann

Mittwoch, 28. Februar 2018

Bei unserem achten Objekt der Woche handelt es sich um eine Lithografie von Ernst Schaumann aus dem Jahr 1927. Sie stammt somit aus einer Zeit, als es noch Pressezeichner gab und Momente während der Aufführung auf diese Weise festgehalten wurden. Diese Grafik zeigt den Komponisten Richard Strauss während er am 29. März 1927 ein Konzert in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, dirigiert. Sie wird in der neuen Dauerausstellung in der Abteilung Literatur zu sehen sein.

„Richard Strauss dirigiert in Königsberg 1927“ von Ernst Schaumann

„Richard Strauss dirigiert in Königsberg 1927“ von Ernst Schaumann

Ernst Schaumann wurde 1890 in Königsberg geboren und besuchte die Königsberger Kunstakademie, bevor er von 1909 bis 1914 an der Berliner Kunstakademie lernte. Während des Ersten Weltkrieges war er als Kriegsmaler tätig, nach Kriegsende lebte Schaumann als freier Künstler in Warnicken an der Samlandküste, später in Königsberg. Aus dieser Zeit stammen seine vielbeachteten Pferdebilder. Daneben war er als Grafiker für Zeitungen tätig. In diesem Zusammenhang entstand auch das vorliegende Blatt von Richard Strauss. Im Zweiten Weltkrieg wurde er wieder als Kriegsmaler eingesetzt, nach seiner Ausweisung aus Königsberg 1948 lebte er bis zu seinem Tod 1955 in Teltow.

Objekt der Woche #7 – Küchensieb aus einem Stahlhelm gefertigt

Mittwoch, 21. Februar 2018

Nach Kriegsende fehlte es gerade den mittellosen Flüchtlingen an der nötigsten Ausstattung. Auch die Produktion war aufgrund der Kriegsschäden und Rohstoffmangel zum Erliegen gekommen. So ging man dazu über, zuvor militärisch genutzte und zum Teil eingelagerte Ausrüstungsgegenstände durch (industrielle) Veränderungen einem zivilen Nutzen zuzuführen (Konversion).
Diesem Stahlhelm wurden zwei Henkel angeschraubt und Löcher eingestanzt, so dass er der ostpreußischen Flüchtlingsfamilie in ihrer neuen niedersächsischen Heimat lange Jahre als Küchensieb diente. Da die hochlegierten Stahlhelme schnell rosteten, wurden sie in diesem Fall schwarz überlackiert.

Küchensieb aus einem Stahlhelm gefertigt

In der Nachkriegszeit wurden Wehrmachtshelme mit geringen Veränderungen auch als Kochtöpfe, als Nachttopf oder als Jauchekelle genutzt. Auch Gasmasken, Munitionshülsen oder Feldbetten wurden in Haushaltswaren wie Aschenbecher, Kannen, Kaffeebecher, Koffer oder gar Spinnräder umgewandelt. Eine kleine Auswahl solcher Nachkriegsobjekte werden Sie in unserer neuen Dauerausstellung, in der wir erstmals auch die Zeit nach 1945 thematisieren, im Bereich „Flucht, Vertreibung, Ankunft und Integration“ wiederfinden.

Objekt der Woche #6 – Strumpfband Königin Luise

Mittwoch, 14. Februar 2018

Strumpfband aus Leinen und Glas, gestickt von der preußischen Königin Luise (1776-1810), der Gattin Friedrich-Wilhelms III. Das Objekt wird in der neuen Dauerausstellung in der historischen Abteilung zu sehen sein.

Strumpfband Königin Luise

Strumpfband Königin Luise

1806 erlitten die Verbündeten Preußen und Russen bei Jena und Auerstedt eine verheerende Niederlage gegen Napoleon. Der königliche Hof floh vor den rasch vorrückenden Franzosen in Panik von Berlin bis Königsberg und über die winterliche Kurische Nehrung noch bis Memel. Luise und ihre Kinder, darunter die späteren Könige/Kaiser Friedrich-Wilhelm IV. und Wilhelm I., erlebten äußerst dramatische Tage. Legendär die Szene, als sie angeblich mit ihrem Diamantring in das Fenster eines Gasthauses in Nidden geritzt haben soll: „Wer nie sein Brod mit Thränen aß, wer nicht die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt Euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“

Auf dieser Flucht soll Königin Luise als Dank für Beherbergung und Stellungen einer Kutsche für die weitere Flucht nach Ostpreußen dem Grafen Podewils 1806 dieses selbstgestickte Strumpfband in Graudenz vermacht haben.

Objekt der Woche #5 – Blick auf Reval (Tallinn)

Mittwoch, 7. Februar 2018

Mit der neugeschaffenen Deutschbaltischen Abteilung werden ab Ende August 2018 erstmals wichtige Werke deutschbaltischer Geschichte im Ostpreußischen Landesmuseum präsentiert und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter befindet sich ein idyllisches Gemälde mit einer Ansicht der Stadt Reval (heute Tallinn, die Hauptstadt Estlands) vom Laaksberg (estnisch Lasnamägi).

Blick auf Reval (Tallinn)

Das Ölgemälde aus der Zeit um 1840/50 zeigt den Ausblick aus einem Aussichtsturm, der oberhalb der Bucht von Reval auf dem Laaksberg steht. Vorn sind Spaziergänger in einem umzäunten Bereich, die ebenfalls den schönen Landschaftsanblick genießen. Im Hintergrund liegt die Stadt mit ihrer Festung und den markanten Kirchtürmen. Daneben erstreckt sich der Hafenbereich, die Quelle des Reichtums der alten Hanse-und Handelsstadt. Ganz vorn rechts steht ein Mann in russischer Uniform, der ein Fernrohr hält. Reval war damals die Hauptstadt der russischen Ostseeprovinz Estland.

Objekt der Woche #4 – Bernstein-Kreuzfuß

Mittwoch, 31. Januar 2018

Das heutige Objekt war schon zu unserer Eröffnung 1987 ein Highlight unserer Sammlung und wird auch in unserer neuen Dauerausstellung in der Bernstein-Abteilung wieder zu sehen sein: Der Bernstein-Kreuzfuß aus der Zeit um 1675. Der Kreuzfuß besteht aus einem mit Bernstein beklebten Holzkern sowie eingearbeiteten Elfenbeinreliefs, die Szenen aus der Passionsgeschichte und Barockornamente zeigen. Rechts und links oben stehen Maria und Johannes als Beifiguren der Kreuzgruppe, das eigentliche Kreuz ist leider nicht mehr erhalten.

Bernstein-Kreuzfuß

Das Objekt stammt aus englischem Adelsbesitz und stand vermutlich früher in einer Privatkapelle. Es ist ein repräsentatives Objekt der ostpreußischen Bernsteinkunst des Barock und ein bemerkenswertes Werk des europäischen Kunsthandwerks.
Gerade an der Küste des Samlands ist das Bernsteinvorkommen besonders hoch, sodass wir uns glücklich schätzen können, einige herausragende Bernsteinobjekte in unserer Sammlung zu besitzen.

Objekt der Woche #3 – Porträt des Daniel von Tettau, dem „Helden von Malplaquet“

Mittwoch, 24. Januar 2018

Am 18. Januar 1701 setzte sich in Königsberg der bisherige Kurfürst Friedrich III. selbst als neuer „König in Preußen“ Friedrich I. die Krone auf und legte damit einen wichtigen Grundstein für den weiteren Aufstieg Preußens. Das zerrissene Land – im Osten das Herzogtum Preußen, im Zentrum die Mark Brandenburg und im Westen am Rhein weitere Gebiete wie Kleve und Ravensberg – fand sich im neuen Königreich zusammen; der Name Preußen galt bald für das gesamte Königreich.
Der Weg dahin war allerdings steinig, da der Kaiser in Wien eine solche Rangerhebung zunächst ablehnte. Als 1700 der König von Spanien, kinderlos starb, begann über den vakanten Thron ein Streit zwischen Frankreich und dem Kaiser Leopold I., der nun dringend Verbündete brauchte.
Er erlaubte Friedrich daher die Krönung, wenn sie außerhalb des Reiches – etwa in Königsberg – erfolgte und sich nur auf Preußen, nicht aber auf Brandenburg bezog – daher der Titel „König in Preußen“. Neben hohen Geldzahlungen sollte Friedrich auch noch 8.000 Mann für den Kampf im 1701 ausbrechenden Spanischen Erbfolgekrieg stellen.

Porträt des Daniel von Tettau

Porträt des Daniel von Tettau

Und hier kommt der 1670 in Königsberg geborene Daniel von Tettau ins Spiel, ein General im preußischen Heer und Sohn eines Kanzlers des Herzogtums Preußen, Joh. Dietrich von Tettau. Er begleitete den Kronprinzen und späteren „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., fiel aber 1709 in der blutigsten Schlacht des 13 Jahre währenden Erbfolgekrieges, als bei Malplaquet 90.000 Alliierte unter Prinz Eugen von Savoyen und dem Duke von Marlborough auf 80.000 Franzosen unter Marshall Villars aufeinanderstießen und zusammen mindestens 36.000 Tote und Verwundete auf dem Feld blieben.
Das Gemälde wurde 1945 aus dem historischen Rahmen geschnitten, zusammengerollt und mit dem Flugzeug vom Tettauschen Gut Tolks bei Preußisch-Eylau aus Ostpreußen in den Westen gerettet. Der Familienverband hat für die neue Dauerausstellung einige dieser seltenen Porträts dem Museum zur Verfügung gestellt, das Porträt Daniel von Tettaus wird in der historischen Abteilung zu sehen sein.

Objekt der Woche #2 – „Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

Mittwoch, 17. Januar 2018

Diese Woche stellen wir Ihnen eine Grafik von Norbert E. Dolezich aus dem Jahr 1934 vor. Diese kleine Radierung ist nur circa 6 cm hoch und 18 cm breit und ist ein späterer Abzug von der originalen Platte. Dieses Exemplar ist zudem koloriert.
Zu sehen ist ein Blick in den Königsberger Hafen. Mehrere Schuppen verteilen sich am Kai, im Wasser liegen Frachtkähne, rechts ein größerer Frachtdampfer und ein großer Ruderkahn. Im Hintergrund ist eine Kirche zu erkennen.

„Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

„Aus dem Königsberger Hafen“ von Norbert E. Dolezich

Norbert Ernst Dolezich wurde 1906 in Bielschowitz, Oberschlesien, geboren und studierte in Königsberg, Berlin und Köln Kunstpädagogik und Bildende Kunst. Von 1941 bis 1945 war er als Dozent für Graphik an der Kunstakademie in Königsberg tätig. Nach dem Krieg ließ er sich in Recklinghausen nieder, wo er weiter als Kunsterzieher und Schriftsteller arbeitete. Er starb 1996. Nur wenige seiner Werke aus der Zeit in Ostpreußen sind erhalten geblieben. Umso mehr freuen wir uns, Ihnen dieses Werk in der neuen Dauerausstellung im Bereich „Bildende Kunst“ präsentieren zu können. Die Künstler und Künstlerinnen der Königsberger Kunstakademie stellen einen Schwerpunkt unserer Sammlung dar, sodass neben Norbert E. Dolezich noch viele weitere Namen der Königsberger Kunstakademie in unserer Sammlung vertreten sind.