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Das Ostpreußische Landesmuseum zu Gast in Rastenburg / Kętrzyn: Alexander Kolde

Montag, 10. April 2017

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod

Seitdem im vergangenen Jahr im Museum in Kętrzyn (Polen), dem historischen Rastenburg in Ostpreußen, das Ostpreußische Landesmuseum eine Ausstellung über den Maler Alexander Kolde (1886-1963), eröffnete, besteht eine gute Zusammenarbeit der beiden Museen.

Die Burg in Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Die Burg in Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

In der beeindruckenden mittelalterlichen Ordensburg ist das Museum der Stadt Kętrzyn untergebracht. In diesem besonderen Ambiente ausstellen zu können, macht Spaß. Dazu kommt, dass die Kollegen im Hause sehr freundlich und zuvorkommend sind. Das erleichtert die Zusammenarbeit.

Burghof Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Burghof Rastenburg / Kętrzyn (Polen)

Die Alexander Kolde Ausstellung brachte einen expressionistischen Maler an den Ort seiner Jugend zurück. Kolde wuchs in Rastenburg vor dem Ersten Weltkrieg auf. Später wurde er einer der führenden Maler in der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg, bis er 1936 von den Nationalsozialisten Malverbot erhielt. 1945 musste er flüchten und kam nach Schleswig-Holstein. Seine farbstarken expressionistischen Werke können bis heute die Betrachter in ihren Bann ziehen. In seinem Werk nach 1945 finden sich viele Erinnerungen an Rastenburg, was in der Ausstellung gebührend hervorgehoben wurde.

Alexander Kolde: St. Georg in Rastenburg, Öl, um 1955

Alexander Kolde: St. Georg in Rastenburg, Öl, um 1955

Nach dem Erfolg dieser Malerei-Ausstellung bat das Museum in Kętrzyn gleich um eine weitere Präsentation aus dem Ostpreußischen Landesmuseum. Unter den Vorschlägen fiel die Wahl auf ein historisches Thema: Napoleon und die Königin Luise. In 30 historischen Grafiken werden die Geschichte der Eroberung Preußens durch Napoleon und seine Armee 1806, der Friedensschluss in Tilsit 1807 und die Begegnung Napoleons mit Königin Luise geschildert. Hinzu kommen einige Szenen aus dem Leben der preußischen Königin.

Ausstellung: Napoleon und Luise

Ausstellung: Napoleon und Königin Luise

Auch diese Geschichte berührte Ostpreußen und Rastenburg/Kętrzyn. Die Besucher entdecken sie als Teil ihrer Regionalgeschichte. Das Museum steuert zur Ausstellung zwei historische Objekte aus der Zeit der Kriege 1813-15 bei. Mit den Totenlisten der in den Schlachten gestorbenen Männer aus Rastenburg kommt man der Lebenswirklichkeit jener Zeit sehr nahe.

Totenschein für den Kanonier Christian Kroll aus Rastenburg, 1813_

Totenschein für den Kanonier Christian Kroll aus Rastenburg, 1813

Bedeutendes Exponat für unser Museum

Freitag, 13. August 2010

Ein Lehrbeispiel in Kunst und Geschichte

Gustav Eberlein: Königin Luise und Napoleon in Tilsit 1807. Bildrechte: Ostpreußisches Landesmuseum

Es war einer der dramatischsten Momente in einem reichen Leben und der Keim eines der bedeutendsten nationalen Mythen des Deutschen Reiches: Die noch junge preußische Königin Luise, schon zu Lebzeiten eine „Königin der Herzen“, musste sich 1807 im ostpreußischen Tilsit dem siegreichen Kaiser Napoleon stellen – ihn, den sie gerade noch als „Ungeheuer“ und „Höllenmenschen“ bezeichnet hatte. Aber Preußen war am Ende, das Land von den Franzosen besetzt, König und Königin hatten bis an den äußersten Zipfel ihres Reiches fliehen müssen. Fatal: König Friedrich Wilhelm III. wurde als Verhandlungspartner von Napoleon nicht ernst genommen. Nun sollte Preußens berühmte Schönheit den Kaiser milde stimmen und einen erträglichen Frieden erbetteln. „Das tiefste und vollste Dekollete, das eine Deutsche je zeigte“ soll Napoleons Diplomat Talleyrand die Episode kommentiert haben. Genützt hat es bekanntlich nicht.

Eine berühmte Szene deutsch-französischer Geschichte, die vielfach künstlerisch aufgegriffen und jeweils national interpretiert wurde. In Frankreich etwa malte man die Königin nicht nur genauso groß wie Napoleon, also künstlich kleiner, vielmehr wurde sie gleich wie eine Braut dem Sieger „zugeführt“.

In vielen anderen Darstellungen fleht die liebliche Luise zum herrischen Sieger; oft mahnt im Hintergrund Friedrich der Große als Gemälde Preußens Glorie an, etwa bei dem Monumentalgemälde von Rudolf Eichstädt:

R. Eichstaedt, Luise und Napoleon in Tilsit (1895). Alle Rechte: Ostpreußisches Landesmuseum

Ein Umsetzung aber ragt heraus: ein überlebensgroßer Denkmalentwurf von Gustav Eberlein aus dem Jahr 1901. Denn 90 Jahre später blickte man sehr eigen auf diesen historischen Moment. Napoleon war schließlich längst besiegt und abgesetzt und Frankreich 1871 erneut besiegt worden. Der preußische König – Luises Sohn – ward zum ersten Deutschen Kaiser in Versailles gekrönt.

Eberlein schuf eine Gipsskulptur, welche die vermeintliche Überlegenheit Preußens und Deutschlands über Frankreich mit Mitteln der Kunst ausdrücken sollte. Der unter Wilhelm II. beliebteste Bildhauer stellte Luise nicht nur auf eine (moralisch) höhere Stufe, er ließ sie den fast zwergenhaften, ins Leere starrenden Napoleon auch arrogant die kalte Schulter zeigen.

Eine Umdeutung der Geschichte. Hier ist Luise nicht mehr die sich für ihr Land aufopfernde Märtyrerin, die wenig später am gebrochenen Herzen viel zu früh verstarb, nicht mehr das „Mordopfer“ des Erbfeindes Frankreich. Im Gegenteil: Luise geht aus dem Treffen zumindest als moralische Siegerin heraus. Die nachfolgenden militärischen Erfolge waren aus dieser Perspektive dann schon keine Frage mehr …

Zu einer Umsetzung in Bronze oder Marmor ist es nie gekommen, auch wenn der Künstler ein Jahr zuvor in Anwesenheit des Kaisers sein gefeiertes Luisendenkmal in Tilsit enthüllen konnte. Mit dem Ende der Hohenzollernherrschaft sank auch Eberleins Stern. Bald war er vergessen, seine Kunst galt nichts mehr, und auch dieser Entwurf drohte endgültig zu verfallen.

Mit Mitteln verschiedener Einrichtungen und Privatleuten, darunter dem Ostpreußischen Landesmuseum, gelang es dem Gustav-Eberlein-Forschung e.V. die Skulptur vom Eberlein-Experten Erhard Joseph aufwendig restaurieren zu lassen. Sie wurde erstmals in der Luisenausstellung im Berliner Schloss präsentiert und avancierte dort rasch zum beliebtesten Exponat.

Nun bildet sie einen Höhepunkt in unserer aktuellen Ausstellung und bleibt auch nach deren Ende als Dauerleihgabe des Städtischen Museums Hann. Münden weiterhin hier im Museum.

Anlieferung des Kunstwerkes unter Aufsicht des Restaurators Joseph:

Die Presse war natürlich dabei:

Festlegung des Standortes mit Kustos Dr. Jörn Barfod und Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert:

Ausstellungseröffnung “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos”

Donnerstag, 22. Juli 2010

Letzten Freitag, am 16.7.2010, wurde die wohl wichtigste Ausstellung im Luisenjahr 2010 speziell  zum “Mythos Luise” anlässlich ihres 200. Todestages (19.7.1810)  im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg eröffnet.

Reges Interesse an der Eröffnungsfeier

Trotz großer Hitze hatten sich nahezu 200 neugierige Kulturinteressierte aufgemacht, um die persönliche Sicht Seiner königlichen Hoheit Christian Sigismund Prinz von Preußen, Urenkel des letzten deutschen Kaisers, auf seine so berühmte Vorfahrin zu erfahren. Es hatte sich gelohnt. Der Prinz sprach über die Volksnähe der Königin, ihrer trotz arrangierter Ehe großen Liebe zum König Friedrich Wilhelm III. und ihrer unkonventionellen Art am preußischen Hofe mit seinen für Luise zu steifen Konventionen und Etiketten.

Das Grußwort von SKH Prinz von Preußen

Der Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Dr. Thomas Lindner, würdigte nicht nur die große Königin, sondern auch den seiner Meinung vielfach unterschätzten König an ihrer Seite. Er arbeitete die Bedeutung Ostpreußens im Leben Luises heraus und wagte einen Brückenschlag von der früh verklärten „Passion“ Luises im Rahmen ihrer dramatischen Flucht ins ostpreußische Exil zur „Stunde der Frauen“, die knapp anderthalb Jahrhunderte später schlug, als im Winter 1944/45 in Folge des deutschen Vernichtungskrieges beim Einmarsch der Roten Armee Chaos und Vernichtung über die Zivilbevölkerung in Ostpreußen hereinbrachen.

Grußwort von Dr. Thomas Lindner (BKM)

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der  Trägerstiftung des Museums, Wilhelm von Gottberg, betonte die Bedeutung dieser Ausstellung nicht nur für Ostpreußen, sondern für das Museum selber, das in seiner vielfältigen Geschichte mit zahlreichen Wechselausstellungen eine Präsentation in dieser Qualität bisher wohl noch nicht gezeigt habe.

Der Stiftungsratsvorsitzende

In der abschließenden Rede, die Einführung in die Ausstellung, wurde herausgearbeitet, in welcher Form sich die Ausstellung explizit dem mit musealen Methoden kaum auszudifferenzierenden Konglomerat von Leben und Mythos der Königin nähert. Luises Präsenz als früher „Medienstar“ des 19. Jahrhunderts wird  belegt durch eine große Auswahl von idealisierenden Stichen und Drucken aus der umfangreichen Sammlung des Museums, die nicht nur das Konterfei von Deutschlands beliebtester Monarchin vielfältig variieren, sondern auch die tradierten Episoden ihres Lebens beständig zitieren und somit manifestieren.

Einführung in die Ausstellung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert

Die Ausstellung will die historischen Hintergründe ausleuchten, etwa Luises Auseinandersetzung mit Napoleon, aber auch mittels eines umfangreichen Schlenkers die Befreiungskriege verbunden mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes, die auf das Engste mit der posthumen Mythisierung verknüpft sind. Wenn es den Kuratoren auch vorrangig um die Rahmenumstände geht, in denen der Mythos Luise sich so erfolgreich entwickeln konnte. will die Ausstellung aber keineswegs der Ausstrahlung dieser so bedeutenden Königin schaden wollen. Vielmehr begegnet die Ausstellung ihr mit großer Sympathie.

Aus geschichtsdidaktischer Sicht soll der Mythos Luise vielmehr genutzt werden, um kulturhistorisches Interesse zu wecken und in die faszinierende, wenn auch schwierige Geschichte des 19. Jahrhunderts einzuführen. Immerhin sind mit Luise nicht nur die ersten Jahrzehnte, die großen Napoleonischen Kriege verknüpft. Vielmehr fußt sich der Luisenmythos auf seinem Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts wesentlich auf der Gründung des Deutschen Reiches 1871, als Luises zweiter Sohn als Wilhelm I. den deutschen Kaiserthron bestieg.

Interesse an den wertvollen Kunstwerken