Artikel-Schlagworte: „Lüneburg“

Umbau und Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung

Donnerstag, 20. August 2015

Ein Bericht von Silke Straatman

Seit vielen Jahren wurde darum gerungen, nun endlich wurden die langen Mühen belohnt: Im Sommer 2014 beginnen erste bauliche Maßnahmen zur Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums. Neben dem Ostpreußischen Kernbereich soll das Museum künftig auch um eine Deutschbaltische Abteilung erweitert und vor allem rundum modernisiert werden. Hierzu erhält es einen Neubau auf der westlich angrenzenden Freifläche mit einem neuen Eingangsfoyer im Erdgeschoss und einem großen modernen Sonderausstellungsraum im ersten Stock. Der neue Zugang des Museums liegt nun in der beliebten und belebten “Heiligengeiststraße” inmitten der historischen Altstadt wenige Meter vom wichtigsten Platz Lüneburgs “Am Sande”. Für die Umsetzung wurde im Vorfeld das renommierte schleswig-holsteinische Architektenbüro Gregor Sunder-Plassmann aus Kappeln an der Schlei ausgewählt.

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (Gregor Sunder-Plassmann)

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (© Gregor Sunder-Plassmann)

Bauen in einer historischen Altstadt ist immer eine Herausforderung. So auch hier. Aber am 10. November 2014 wird endlich die sehnsüchtig erwartete Grundsteinlegung gefeiert. Wohlwollend ist die Rede von Ministerialrat Dr. Thomas Lindner als Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der dem Bau gutes Gelingen wünscht und sich bei allen Mitförderern, dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Klosterkammer, der Europäischen Union und nicht zuletzt den Ostpreußen und Deutschbalten für ihr finanzielles und ideelles Engagement bedankt. Er hebt lobend hervor, dass sich so viele Einzelne beruflich und im Ehrenamt über so lange Zeit für dieses Bauvorhaben eingesetzt haben. Stellvertretend für alle dankt er dem Museumsteam unter Leitung von Dr. Joachim Mähnert und würdigt zugleich an dieser Stelle den 2011 viel zu früh verstorbenen für dieses Vorhaben außerordentlich engagierten deutschbaltischen Architekten Richard Westrén-Doll.

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Mit weiteren Erdaushebungen auf der Baustelle sind die Archäologen schnell zur Stelle und werden natürlich fündig. In Lüneburg, einer Stadt mit mittelalterlichen Wurzeln, gehört Historie dazu: Zwei Kloaken werden entdeckt und einzigartige kleine Objekte wie ein Pilgerzeichen aus der Hansezeit ausgegraben. Wir freuen uns mit den Archäologen, aber der Weiterbau verzögert sich um einige Wochen. Ein Wermutstropfen, denn das kostet viel Geld und Geduld.

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Am 16. Februar 2015 schließt das „alte“ Museum mit einer feierlichen gut besuchten Finissage. Alle wollen noch einmal gucken und Abschied nehmen von der alten Dauerausstellung und liebgewonnenen Exponaten. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen sich richtig ins Zeug und stellen ein attraktives Programm auf die Beine.

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Am 7. April 2015 kann die Verwaltung des Museums in das neu restaurierte 500 Jahre alte ehemalige Brauhaus, das so genannte “Scharffsche Haus” in der Heiligengeiststraße 38, einziehen. Hier wird auch künftig der neue Museumseingang sein. Alles ist noch provisorisch und riecht nach Farbe. Die Räume sind neu und modern, nur die Möbel sind die alten. Dafür reicht das Geld dann doch nicht. Dem Leben aus den Kisten wird mit Eifer bald ein Ende gesetzt. Und obwohl der neue Verwaltungseingang sich nur um eine Straße vorverlagert hat, fühlen sich die Mitarbeiter auf einmal voll im Leben, mitten in der Altstadt. Toll, ein echter Gewinn. Und im Altbau werden die ehemaligen Büros in schöne Räume für Gruppen und Schulklassen sowie für die Dauerausstellung umgebaut.

Umzug ins "Scharffsche Haus"

Umzug ins "Scharffsche Haus"

10. Juli: Der Rohbau ist fertig. Erleichterung bei allen, denn es gab nach dem Einsatz der Archäologen zum Glück keine unvorhergesehenen Verzögerungen mehr. Ein großes Richtfest wird nicht gefeiert, aber Grund zum Anstoßen gibt es allemal und natürlich wird das Gebäude zünftig “getauft” und mit Richtspruch und -krone eingeweiht. Ein herzliches Glück auf und die besten Wünsche für einen weiterhin unfallfreien Bauverlauf! Dank gebührt diesmal vor allem den Handwerkern, Architekten und Planern, aber letztendlich natürlich allen Beteiligten.

Endliche Richtfest!

Endlich Richtfest!

Und weiter geht’s mit Planungssitzungen und  Besprechungsrunden. Die Museumswissenschaftler, Architekten des Büros Gregor Sunder-Plassmann sowie die Ausstellungsgestalter Homann, Güner, Blum (hgb) beraten über Aussehen und gestalterische Umsetzung des historischen Innenhofes und des Eingang-Foyers. Wie können Besucherinnen und Besucher neugierig gemacht werden auf ein neu gestaltetes Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung?

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Am 27. Juli 2015 wird das „Café Bernstein“ im  Erdgeschoss des „Scharffschen Haus“ mit mehr als 300 geladenen Gästen eröffnet. Der Pächter des neuen Museumscafés, Kevin James Meier, ist zufrieden und freut sich: „Mit soviel Andrang habe ich nicht gerechnet.“ Das Café zeigt sein besonderes Ambiente mit einem Lesesaal, der zum Verweilen bei einer Tasse Kaffee und leckerem Kuchen einlädt. Auch kleine ostpreußische Gerichte, wie beispielsweise „Königsberger Klopse“, stehen auf der vielseitigen Karte.

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

Im Herbst 2015 muss der Neubau mit einem faszinierenden Sonderausstellungsraum fertig sein, denn Anfang November (7./8.11.2015) will sich das Museum mit seinem beliebten Museumsmarkt in den neuen Räumlichkeiten präsentieren. Wir können gespannt sein!
Der Neubau geht voran!

Der Neubau geht voran!

Demnächst in diesem Blog: Neues von der Bausstelle …

“Man hob von dieser Welt ab” – Der 5. ökumenische Ost-Heimatgottesdienst in Lüneburg

Mittwoch, 2. Oktober 2013

„Ich habe ein Zuhause“ unter diesem Thema fand am Samstag, dem 07.09.2013 der 5. ökumenische Ost-Heimatgottesdienst in der St. Johanniskirche in Lüneburg statt. Die Predigt zum Thema der Jahreslosung „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebräer 13,14), hielt der in Masuren geborene Pastor Fryderyk Tegler aus Scharnebeck. Der Gottesdienst fand bei über 250 Teilnehmern großes Interesse.

Der Chor der ev. Brüdergemeinde Lüneburg

Der Chor der ev. Brüdergemeinde Lüneburg

Die eigens für den Gottesdienst eingeladenen 16 Gäste aus Ostpreußen (Giźycko/Lötzen) wurden bereits am Freitag von den vielen Helfern und Unterstützern in Empfang genommen.

Der Chor „Stimme der Heimat aus Lötzen / Giźycko in St. Johannis

Der Chor „Stimme der Heimat aus Lötzen / Giźycko in St. Johannis

Neben den Pastoren Tegler und Dreyer vertrat Dechand Menges die katholische Kirche, Friedrich von Mansberg den Rat der Stadt Lüneburg, Nicole Ziemer den Landkreis Lüneburg und Dr. Joachim Mähnert das Ostpreußische Landesmuseum. Die musikalische Umrahmung gestalteten der Posaunenchor Bleckede, der Chor „Stimme der Heimat” aus Lötzen / Giźycko, Lena Buko am Zimbal, ein Flötenchor sowie der Chor der Brüdergemeinde aus Lüneburg.

"Man hob von dieser Welt ab!!!" so bedankte sich eine 90 jährige Frau aus Bonn bei Pastor Tegler, die extra zum Gottesdienst angereist war.

"Man hob von dieser Welt ab!!!" so bedankte sich eine 90 jährige Frau aus Bonn bei Pastor Tegler, die extra zum Gottesdienst angereist war.

Nach dem Gottesdienst gab es im Ostpreußischen Landesmuseum die Möglichkeit zum Austausch und Gesprächen bei Kaffee und Kuchen. Ein weiterer Auftritt vom Lötzener Chor und der aus Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, stammenden Zymbalistin Lena Buko rundeten den Nachmittag ab.

Lena Buko an ihrem Zimbal im Ostpreußischen Landesmuseum

Lena Buko an ihrem Zimbal im Ostpreußischen Landesmuseum

Veranstalter der Lüneburger Ost-Heimatgottesdienste ist die „Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen“, in deren Vorstand Pastor Fryderyk Tegler tätig ist. Pastor Tegler pflegt enge Kontakte zu seiner alten Heimat und wurde dafür in Polen mehrfach ausgezeichnet.

Das Ostpreußische Landesmuseum feierte Geburtstag

Mittwoch, 8. August 2012

25 Jahre OL – ein Rück- und Ausblick mit viel Lob und rosigen Aussichten für die Zukunft

Rosige Aussichten in Zeiten des “Kulturinfarktes”? Ja! Zumindest was die ambitionierten Um- und Neubau-Pläne des OL anbelangt. Durch die Feierlichkeiten zum Jubiläum, bei welchem das Museum mit viel Lob von allen Seiten bedacht wurde, hat sich die Aufbruchsstimmung gefestigt und nicht nur die gesamte Mannschaft des Museum freut sich auf das, was bald kommen mag, sondern auch all die Gäste. Die Weichen sind gestellt, Erweiterung und Modernisierung des Museums rücken in greifbare Nähe.

25-Jahre Ostpreußisches Landesmuseum

25 Jahre Ostpreußisches Landesmuseum

Aber der Reihe nach. Am Samstag, den 14 Juli, wurde im Lüneburger Rathaus gefeiert. Das Ostpreußische Landesmuseum hatte aus Anlass seines 25jährigen Jubiläums geladen und viele, viele kamen. Mit fast 250 Personen war der mit mittelalterlichen Malereien prächtig ausstaffierte Fürstensaal bis auf den letzten Platz gefüllt, darunter viel Prominenz: Der niedersächsische Kultusminister Dr. Bernd Althusmann war ebenso unter den geladenen Gästen wie mehrere Abgeordnete des Deutschen Bundestags und des niedersächsischen Landtags, Ratsmitglieder und Bürgermeister der Hansestadt. Ebenso wenig fehlten Kulturschaffende wie der Schriftsteller Arno Surminski oder der Architekt und Autor Christian Papendieck. Viele Lüneburger feierten „ihr“ Landesmuseum, aber auch das polnische Generalskonsulat erwies dem Museum die Ehre. Selbstverständlich gehörten zu den Gästen auch zahlreiche Ostpreußen mit Vertretern aus Stiftungen und Vereinen sowie Vertreter der Deutschbalten – schließlich entsteht mit dem Umbau des Museums auch eine deutschbaltische Abteilung.

Ein Streichertrio eröffnete den Festakt mit Antonin Dvorak, Terzetto für 2 Violinen und Viola 75a

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge eröffnete die Reihe der Grußworte. Er betonte die Bedeutung des Museums als wichtigen Bestandteil der städtischen Museumslandschaft, wies auf seine überregionale Bedeutung hin und bedankte sich für die vielen für die Stadt wertvollen Museumsaktivitäten wie etwa die aktuelle Hanse-Ausstellung. Zugleich verschwieg er nicht den schwierigen Start ebenso wenig wie seine persönliche damalige Skepsis, als er 1987 während der Eröffnungsfeier unter den Gegendemonstranten stand. Inzwischen sei für ihn allerdings, so hob er unter lautstarken Beifall hervor, dieses schwierige Anfangskapitel abgeschlossen und nunmehr nach vorne zu schauen.

Zu Gast im Fürstensaal v.l.: Wilhelm von Gottberg, Dr.Berggreen-Merkel, Ulrich Mädge, Dr. Josef Lange, Dr. Joachim Mähnert

Frau Dr. Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), hob hervor, dass das Museum in Lüneburg das Einzige sei, welches „die reiche Kultur und über siebenhundertjährige Geschichte der historischen Region Ostpreußen in Gänze bewahrt, erforscht und einer breiten Öffentlichkeit im In- und Ausland vermittelt.“ Zugleich erinnerte sie daran, dass „die deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte im nordöstlichen und östlichen Europa Teil des geschichtlichen Erbes aller Deutschen, unabhängig ihrer Herkunft“ sei. Europa sei eine Wertegemeinschaft, und das Erinnern an diese gemeinsame kulturhistorische Wurzel sei eine wichtige Legitimation dieses modernen Museums mit seinen zahlreichen Partnern aus Deutschland, aber eben auch aus Litauen, Polen und Russland.

Dr. Berggreen-Merkel betonte, dass die Pflege der Erinnerung im Museum wichtig sei, denn „es wird eine Zeit kommen, nicht all zu fern, wo die letzten, die die Zeit noch persönlich erlebten haben (…) nicht mehr unter uns sein werden.“ Für diese Zeit bedürfe es anderer Zeugen – das Ostpreußische Landesmuseum werde diese Aufgabe übernehmen.

Staatssekretär Dr. Josef Lange vertrat das Land. Er wies darauf hin, dass Niedersachsen neben Bayern den größten Teil der Flüchtlinge und Vertriebenen aufnahm; ihr Bevölkerungsanteil lag damals immerhin bei knapp 30 Prozent. Entsprechend sah er die Bedeutung des Museums auch in der Anerkennung der beeindruckenden Leistung, welche die Heimatvertriebenen beim Wiederaufbau der Bundesrepublik erbracht haben. Er lobte das Haus als ein weithin anerkanntes Museum und als Ort der Versöhnung.

BKM Referatsleiter Dr. Thomas Lindner mit dem Schriftsteller Arno Surminski

Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert wies auf die erfolgreiche Arbeit der letzten 25 Jahre hin: Über 130 Wechselausstellungen, eine nahezu ähnlich hohe Zahl von Leihausstellungen, präsentiert im In- und Ausland sowie hunderte von Lesungen, Konzerten und Studienreisen. Mähnert bedankte sich bei den Zuwendungsgebern Bund und Land sowie bei seiner hoch motivierten, kompetenten Mannschaft, zu der neben den Angestellten immerhin auch 50 aktive Ehrenamtliche zählen.
Übrigens, wer eine Übersicht der letzten 133 Ausstellungen sehen will, der muss sich nur mal die Außenfront des Museums anschauen. Beeindruckend.

Dr. Eckert führte im Anschluss an den Empang im Rathaus durch die Ausstellung „Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum“ im Museum

Immerhin noch etwa 100 Besucher waren vom Rathaus ins Museum gekommen, um zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen – etwa ein Rückblick, nicht nur der letzten 25 Jahre, durch den langjährigen Kustos Dr. Jörn Barfod oder einen Ausblick auf die anstehende Erweiterung mit Direktor Dr. Joachim Mähnert. Es gab Gelegenheit, den neuen Historiker für die deutschbaltische Abteilung und dem Modul „Integration der Vertriebenen“, Herrn Dr. Eike Eckert, kennenzulernen, der durch die aktuelle Sonderausstellung zur historischen Hanse führte oder mit Dr. Christoph Hinkelmann eine Führung durch die Dauerausstellung mitzumachen, bevor diese in den kommenden zwei Jahren komplett umgebaut werden wird.

Rückblick auf die Anfänge des Ostpreußischen Landesmuseum - Dr. Barfod erinnerte auch an das 1958 entstandene Ostpreußische Jagdmuseum im Lüneburger Alten Kaufhaus am Alten Kran

25 Jahre erfolgreiche Arbeit des Ostpreußischen Landesmuseums waren Anlass genug für diese würdige wie fröhliche Feier, die sichtlich den vielen Anwesenden Spaß machte. Von den Schwierigkeiten des Anfangs, die in manchen Reden anklangen, ist kaum mehr etwas geblieben. Heute ist das Museum eine nicht nur in der Region für seine professionelle Arbeit anerkannte und geschätzte Einrichtung, dessen umfangreiches Ausstellungs- und Begleitprogramm längst auch Besucher zu begeistern versteht, die keine gebürtigen Ostpreußen sind. Seine national wie international wichtige Aufgabe ist unumstritten, und sein guter Ruf bei den Kultureinrichtungen in den heutigen Ländern des historischen Ostpreußens spricht für sich.

Kinder im Sternenzelt im Ostpreußischen Landesmuseum

In den Worten des Museumsdirektors klang das so: „Museen sind heute quicklebendige Orte, in denen Menschen zueinander kommen, schöne Momente der Besinnung und Untererhaltung erleben, Überraschendes erfahren und neugierig werden auf eine Vertiefung der gezeigten Themen. Auch das Ostpreußische Landesmuseum ist so ein lebendiger Ort, in denen z.B. Kinder mit Begeisterung ihren Geburtstag feiern und unsere Museumsräume mit ihrem fröhlichen Lachen erfüllen. Und wenn diejenigen, die noch eigene, persönliche Erinnerungen an das wunderbare und legendenerfüllte Ostpreußen mitbringen, wenn diese Jüngsten der Erlebnisgeneration heute über 70 Jahre alt sind, dann wissen sie, dass ihre Erinnerungen nicht verloren gehen, sondern bei uns im Museum weiterleben können und werden.“

Museumsmarkt 2010: Landschaften und Traditionen

Montag, 20. Dezember 2010

"Alter". Bronze von Hubertus von der Goltz im Museumseingang

Einen besseren Beweis kann es nicht geben: Mehr als 1600 Besucher strömten am 6. und 7. November 2010 in das Ostpreußische Landesmuseum. Und unterstrichen erneut damit, dass der Museumsmarkt auch in diesem Jahr nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.
30 Aussteller aus Nah und Fern verwandelten den unteren Ausstellungsbereich in ein Reich der Sinne. Zum Einen lockten Düfte von Honig, ostpreußischem Pfefferkuchen, Marzipan sowie Kartoffelsuppe. Zum Anderen verstanden es unter anderen Drechselkünstler, Handspinner, Korbflechter, Künstler der Ölmalerei auf Kupferblech, Sammler pommerscher Bauern- und Weißstickerei, Tiffany-Glaskünstler und Experten von Bernsteinschmuck eine vielfältige Palette von unterschiedlichstem Kunsthandwerk zu präsentieren.

Drechseln mit Kindern

Der Besucher fand zudem in entspannter Atmosphäre Freude am intensiven Dialog mit den Ausstellern aus verschiedenen Bundesländern. Gerade der Aspekt, oft verloren geglaubte Traditionen sprichwörtlich auch in Händen halten und mit nach Hause nehmen zu können, begeisterte Jung und Alt. Der Imker Heinz Götzmann, seit Jahren dem Museum treu verbunden, stand beispielsweise permanent Rede und Antwort darüber, wie Kerzen gezogen werden, Honig hergestellt und das Bienenvolk über den harten Winter gebracht wird.

Bunter Imkereistand

Vor dem Stand von Robert Schmidt bildeten sich Trauben, wenn der Holzbildhauer virtuos an einer neuen Figur arbeitete. Und der Sammler Johannes Martin hatte seine Freude daran, wenn sich Liebhaber von erzgebirgischer Volkskunst selbst an Miniaturfiguren begeistern konnten. Erstmals dabei war unter anderem Annegret Bösch. Sie zeigte virtuos, wie Strohsterne und -kugeln unter ihren geschickten Händen entstehen. Eine perfekte Einstimmung auf die Adventszeit, eine schöne Dekoration für den Weihnachtsbaum.

Die "Amtsspinnerinnen" beim Museumsmarkt

Während Mütter und Väter von Stand zu Stand schlenderten, konnten sich die Kinder wieder im obersten Stockwerk unter Leitung der museumspädagogischen Abteilung kreativ austoben. Es wurde gemalt, geklebt, mit der Schere wurden fantasievolle Figuren ausgeschnitten und zur Einstimmung auf die Vorweihnachtszeit romantische Teelichter hergestellt.

Kreatives Programm für Kinder

Zwei Tage Museumsmarkt im Ostpreußischen Landesmuseum –eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Stadt Lüneburg!

Ohne Worte ...

11. Lüneburger Museumsnacht im Ostpreußischen Landesmuseum

Donnerstag, 26. August 2010

Das diesjährige Motto “Leben” der Lüneburger Museumsnacht wurde als „Über-Lebens-Kunst“ interpretiert und zog immerhin ca. 3.000 Museumsbegeisterte und damit mehr als im Vorjahr an. Die Stimmung war wie immer ausgezeichnet, was sicher nicht zuletzt auch am optimalen Wetter lag, das wie geschaffen war für ein Flanieren durch die traumhafte Lüneburger Altstadt mit ihren Cafes, Biergärten und eben nicht zuletzt ihren Museen.

Schlag 18 Uhr eröffnete Museumsdirektor Joachim Mähnert das Event, musikalisch legte sodann gleich die litauische Tanzgruppe „Vite“ los.

Einleitende Worte durch Museumsdirektor Joachim Mähnert

Die litauische Tanzgruppe Vite

Kustos Dr. Jörn Barfod erläuterte die Bedeutung von Kunst als Überlebenskunst am Beispiel des Nehrungs-Tryptichon von Eduard Bischoff, der sich seine verlorene Heimat immer wieder neu malerisch erschuf.

Reges Interesse erweckte der Start einer neuen Reihe “Talk im Museum”, mit der das Ostpreußische Landesmuseum zukünftig alle zwei bis drei Monate aktuelle Kulturdebatten aufgreifen und seinen Besuchern zugänglich machen möchte.

Dieser erste Termin widmete sich der Neukonzeption des Ostpreußischen Landesmuseums. Diesem steht schließlich eine grundlegende Modernisierung und besonders auch die Erweiterung um eine deutschbaltische Abteilung bevor.

Unter der Moderation der Leiterin des hiesigen NDR-Studios, Regine Schramm, debattierte Direktor Dr. Joachim Mähnert mit dem ausgewiesenen Museumsfachmann Professor Dr. Hermann Schäfer, sowie mit dem neuen Direktor des benachbarten Instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im Nordöstlichen Europa, Dr. Joachim Tauber, über ein zukunftsträchtiges Museumskonzept des Ostpreußischen Landesmuseum.

vlnr: Hermann Schäfer, Regine Schramm, Joachim Mähnert, Joachim Tauber

Frau Schramm hob einleitend die bisherige Überlebenskunst der Ostpreußen bevor und frug nach dem Rezept für die Zukunft. Herr Mähnert führte in groben Zügen aus, dass mit dem Wegbruch der Erlebnisgeneration zwar neue Zielgruppen für das Museum gefunden werden müssten, dass aber auf der anderen das Ostpreußische Landesmuseum seinen selbstverständlichen Anspruch in der Reihe anderer, etwa auch niedersächsischer Landesmuseen beanspruche, da Ostpreußen zwar heute nicht mehr Teil Deutschlands sei, aber eben doch über eine etwa 700jährige deutsche Geschichte verfüge, die nicht nur eine Brückenfunktion in den Osten innehatte, sondern auch direkt und spezifisch wesentliche Impulse zur christlich-abendländische Kulturtradition beigetragen habe, etwa über Kopernikus, Kant, Herder u.a. Diese gelte es stärker hervorzuheben.

Selbstverständlich müsse die neue Dauerausstellung zeitgemäßes Rezeptionsverhalten berücksichtigen und Themen aufgreifen, die auch aktuell von Interesse sind und Menschen anziehen, die zunächst wenig Ostpreußenaffin seien.

Moderatorin Regine Schramm, Museumsdirektor Joachim Mähnert

Herr Schäfer führte die Bedeutung einer klaren Erzählstruktur aus und betonte die Notwendigkeit, mittels neuer Medien auch junge Menschen zu erreichen. Wichtig sei prinzipiell, die Exponate nicht nach Sachgruppen geordnet, sondern in einer ausgewogenen Mixtur zu präsentieren.

Er ging auch auf die geplante Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin ein. In diesem Zusammenhang zitierte er Günter Grass, wonach die Vertriebenen ihre Heimat zweimal verloren hätten, 1945 und später durch das Schweigen der Mehrheitsgesellschaft zu diesem Umstand. Er warnte davor, diesen Fehler erneut zu begehen, denn mit dem Aussterben der Erlebnisgeneration müsse die Erinnerungskultur den Museen und Gedenkstätten übertragen werden, aber auch diese seien zu wenig wohl gelitten und zudem unterfinanziert.

Hermann Schäfer: Erfolgreicher Museumsfachmann als ehemaliger Gründungsdirektor des Hauses der Geschichte in Bonn bzw. Abteilungsleiter beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Herr Tauber sprach von der Schwierigkeit eines Historikers, der mit Quellen und nicht mit Exponaten arbeite und wenig Erfahrung mit Öffentlichkeitsarbeit und dem Herunterbrechen komplexer Sachverhalte in allgemein verständliche und ansprechende Formate, dem Museum echte Empfehlungen auszusprechen. Er wies aber darauf hin, auch die zwischenzeitlich schwierigen Beziehungen zu den östlichen Nachbarn nicht zu verschweigen.

Immer wieder wurde auch auf die neu deutschbaltische Abteilung eingegangen. Gefragt nach den mehrsprachlichen Zugängen etwa durch Audioguides auch in Litauisch, Estisch und Lettisch bot er seine Kontakte an, um diese wichtige, aber kostenintensive Leistung möglich zu machen.

Die wissenschaftliche Perspektive: Joachim Tauber

Das Publikum nahm überhaupt regen Anteil. Verschiedene neue Schwerpunkte wurden angeregt, etwa eine klare Betonung auch der naturwissenschaftlichn Errungenschaften etwa des Nikolaus Kopernikus, aber auch die Bedeutung der Seefahrt und des Handels in Ostpreußen für Deutschland und Europa herauszuheben.

Rege Beteiligung des Publikums

Nach einer guten Stunde endete das Gespräch und hinterließ eine zufriedene Gästeschar. Der Auftakt dieser Reihe jedenfalls war gelungen.

Es folgten Vorträge und Lesungen in ostpreußischer Mundart mit dem Lüneburger Schauspieler Hans-Jürgen Gündling, ein Zeitzeugengespräch mit dem gebürtigen Ostpreuße Elimar Labusch und eine Führung über ungebeten Gäste im Museum, die aber gut zu überleben wissen: Mäuse, Schnaken, Ameisen und dergleichen Unerfreuliches mehr mit dem Biologen Dr. Christoph Hinkelmann.

Hans Jürgen Gündling

Elimar Labusch

Immer wieder traten die Musik- und Tanzgruppe Vite aus Litauen auf. Ihre Kunstfertigkeit, die ungewohnten Instrumente, vor allem aber die fröhliche Ausstrahlung der Musiker begeisterten das Publikum. Der Funken sprang über, die Menschen gingen mit der Musik mit und hinterließen zufriedene Gäste, die noch am gleichen Abend auf die lange Heimfahrt antraten.

Wie immer nahezu überrannt: Die Angebote für die jungen Besucher von unserer Museumspädagogischen Abteilung:

Der Expressionist Kolde als Vorbild: Junge Künstler bei der Arbeit

Und um den Abend durchzuhalten gab es wieder Köstlichkeiten der Lüneburger Landfrauen und frisch gebackene Waffeln:

Frische Waffeln von Ehrenamtlichen und Mitarbeitern

So konnte auch diese Museumsnacht wieder uneingeschränkt als Erfolg gewertet werden.

Museumsnacht 2010

Aktuelles aus Lüneburg

Sonntag, 4. April 2010

Willkommen im neuen Blog des Ostpreußischen Landesmuseums. Hier wollen wir unsere Freunde und Besucher über Entwicklungen, Planungen und Herausforderungen auf dem Laufenden halten.

Moderne Museumsarbeit ist für uns Kommunikation nicht nur über Ausstellungen. Seien Sie eingeladen, uns auf unserem Weg zu einem erweiterten, modernen und besucherfreundlichen Museum zu begleiten!