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Mal- und Kulturreise nach Masuren/Steinort vom 11.9. – 18.9.2012 – ein Reisebericht

Donnerstag, 15. November 2012

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und das Baltikum am OL in Lüneburg

Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 11.September 2012 neun Malkursteilnehmer, drei Mitreisende und die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger  Flughafen. Warschau war das Flugziel und dann ging es mit einem Kleinbus durch die polnische Landschaft bis zum Ziel, der masurischen Seenplatte.

Das Schloss in Steinort samt Malkursteilnehmer

Die letzte Stunde der Anreise entschädigte das hungrige Malerauge für den langen Reisetag: Ankommen in Ostpreußen in der goldenen tiefstehenden Abendsonne. Die kleine Straße schlängelte sich durch sanfte Hügel mit schwerem frisch gepflügtem Ackerboden, Seenlandschaften, deren Wasserfarbe von Türkis über Indigoblau bis Tiefschwarz reichte und das Glitzern des Lichtes, das gleich weißen Perlen über die Oberfläche huschte. Dazu gab es Birkenwälder, wie hingeworfene vertikale weiße Linien, deren Spiegelungen  kaum malerischer auf den dunklen Wasserflächen von einem Künstler hätte komponiert werden können.

Am nächsten Morgen gab es die ersten Unterrichtsstunden Pleinair am Mauersee:  Kennenlernen des Aquarellkastens, im 10 –Minutentakt mussten die ersten fünf praktischen Übungen bewältigt werden. Noch waren die bestaunten Landschaften frisch in der Erinnerung und konnten so, ohne theoretische Fachlehre, aus der Tiefe der eigenen Empfindung ungestört aufs Papier gebracht werden. Der Zauber des Anfangs ist immer wieder eine köstliche Erfahrung bei jeder Malreise. Sehr konzentriertes Arbeiten. Die Kursteilnehmer sind glücklich erschöpft, die Kursleiterin ist zufrieden.

Am Nachmittag wurde das Wetter etwas zu feucht, um die Malschule im Freien fortführen zu können. Frau Kern konnte sehr spontan eine Führung in Steinort im und um das Schloss der Familie Heinrich Graf von Lehndorff organisieren. Piotr Wagner von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz erklärte uns die Geschichte des Schlosses und dessen aktuellen Zustand. Tief bewegt und durch das Buch „Doppelleben – Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Wiederstand gegen Hitler und von Ribbentrop“ von Antje Vollmer sehr gut vorbereitet, konnten alle Schlossbesucher den Atem der Geschichte noch aus jeder Pore des Bauwerkes spüren.

Schloss Steinort: Das historische Treppenhaus

Am folgenden Tag ging es zu einem Ausflug nach Allenstein. Eine kompetente Führerin leitete die Burg- und Stadtbesichtigung. Kulinarische Genüsse in einem typischen polnischen Restaurant ließen den Regen fast vergessen. Der Malblock musste an diesem Tag in der Tasche bleiben. Abends wurde sich am Kamin in den Ferienhäusern gewärmt.

Am nächsten Morgen ging über dem Feriendorf Mamry wieder die Masurische Sonne auf. Zur größten Bewunderung der Kursleiterin gingen fast jeden Morgen einige der Mitreisenden vor dem Frühstück im Mauersee schwimmen. Wer so mutig vor der Unterrichtsstunde schon ohne zu zögern in das Motiv abtaucht, der kann nur gestärkt sich später diesem Motiv mit Pinsel und Stift nähern.

Auf der Terrasse mussten die Hausaufgaben gemacht werden. Das kleine Einmaleins der Farbenlehre, kalte und warme Farben, reine und getrübte Mischungen und perspektivische Wirkung, unterstützt durch die Farbenlehre, wurden erarbeitet. Dazu wärmte die Masurische Sonne den Rücken. In der Verschnaufpause erhielt das hauseigene Gästebuch die Ehre einer gemalten Eintragung.

Nach der Theorie folgte die Praxis. Von dem Ausflug nach Allenstein wurden Postkarten mitgebracht und unterstützten das Gedächtnis beim Zeichnen der Stadtansichten. Doch womit sollte man anfangen? Erst den Himmel farblich anlegen oder erst eine Vorzeichnung fertigen? Und wenn ja, mit dem Pinsel und Farbe oder doch lieber mit einem Bleistift? Ein Reiseskizzenbuch unterstützte die Erinnerung. Architekturdarstellung, Backsteingotik in Ostpreußen, alte Stadttore, Giebel und Türme oder doch lieber grüne Botanik? Jetzt hatte alle das Malfieber gepackt. Es wurde bis zum Sonnenuntergang gearbeitet. Persönliche Korrekturgespräche brachten jeden Einzelnen über seine eigenen Grenzen hinaus.

Gudrun Jakubeit übernahm die künsterlische Leitung

Der folgende Tag knüpfte an die Malfreude an, und der Ausflug nach Rastenburg begann mit einer schnellen Aquarellskizze vor Ort. 45 Minuten durfte die Maleinheit dauern, bevor es zur Kirchen- und Burgführung weiterging. Für die warmgelaufenen Maler mittlerweile kein Problem. Am Ende schloss die Bildbesprechung mit dem „Strecke legen“ traditionell die Übungseinheit ab. Der folgende Besuch der Kirche Heilige Linde mit einem kleinen Orgelkonzert lieferte ein nettes Unterhaltungsprogramm als Abwechslung zu dem intensiven Malunterricht.

Welch ein Luxus: ein ganzes Ausflugsschiff stand für uns als Malgruppe den ganzen Tag zur Verfügung! Der Kapitän holte uns mit dem Malgepäck am Privatbootssteg des Feriendorfes ab und los ging die Fahrt über die Masurische Seenplatte. Zuerst hieß es unter Deck, wettergeschützt die Baustelle einrichten. Gute Panoramafenster gaben den Blick auf die Wolken, die Uferkanten und die Weite der Seenplatte bis zum Horizont frei. Angeleitete Übungen zum Motiv ließen gar nicht erst Fragen aufkommen.

Am 7. Tag der Mal- und Kulturreise ging es noch einmal nach Steinort, zum Schloss der Familie von Lehndorff. Bei dem ersten Besuch hatte uns Piotr Wagner das Konzept zur Rettung  und Nutzung durch die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz vorgestellt. Nun hatten alle genügend Zeit und Sonnenlicht, um mit dem Malerauge den Genius loci dieses besonderen Ortes zu erfassen. Es wurde ein sehr kreativer Vormittag, der wunderbar passend die ersten düsteren Begegnungen mit Steinort in ein hoffnungsfrohes abschließendes Licht tauchte. Endlich waren die Maler zufrieden.

Die große Werkschau krönte als Abschlussausstellung den letzten Tag der Malreise. Es war ein ergreifender Moment, als alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen wurden. Weit über 50 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess. Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Sie gab konstruktive Kritik und Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Eine weitere Mal- und Kulturreise des Kulturreferats am Ostpreußischen Landesmuseum im Mai 2013 nach Krakau in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern, Tel: 04131 – 7599515

oder an das Atelier Gudrun Jakubeit, Tel: 04131 – 603555