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Studienreise nach Nidden

Freitag, 31. Juli 2015

In Nidden...

Ein Bericht von Dr. Jörn Barfod, Kustos im Ostpreußischen Landesmuseum

Das Zauberwort Nidden wirkt auch heute noch. Kein Wunder also, dass das Pommersche Landesmuseum in Greifswald vom 12. bis 21. Juni 2015 eine Studienreise nach Nidden, Vilnius und Riga angeboten hatte als eine Begleitveranstaltung zu ihrer großen Sonderausstellung „Zwei Männer – ein Meer – Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee“.  Dazu hatte die dortige Kulturreferentin für Pommern, Frau Dr. Magdalena Gebala, sich Unterstützung aus dem Ostpreußischen Landesmuseum geholt. Die Künstlerkolonie Nidden gehört hier seit Jahren zu den wichtigen Themenfeldern der Sammel- und Ausstellungstätigkeit, weshalb das Lüneburger Museum nicht nur über die wohl wichtigste Sammlung zur Künstlerkolonie Nidden verfügt, sondern auch über entsprechende Expertise.

Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff hatten bei der die Kurische Nehrung und den Künstlerort Nidden besucht. Vor allem Pechstein hatte sich dort während seiner insgesamt sechs Aufenthalte viele Anregungen geholt und ebenso auf andere Maler durch Persönlichkeit und Stil großen Eindruck gemacht.

So verlief die Reise von der litauischen Hauptstadt Vilnius, deren Geschichte und Bauweise der Reisegruppe durch Führungen nahe gebracht wurde, über die mittelalterliche Burg Trakai und die zweitgrößte Stadt Litauens, Kaunas, zum Höhepunkt Nidden, heute ebenfalls litauisch. Hier war der Reisegruppe bewusst viel Zeit gegeben, sich die Landschaft und den Ort gehend langsam zu erschließen. Ein Tagesausflug nach Klaipeda, dem alten Memel, und eine Fahrt auf die andere Seite des Kurischen Haffs per Boot, ergänzten das Programm. Während dieser Tage kam die Unterstützung aus dem Ostpreußischen Landesmuseum durch Herrn Dr. Barfod zum Zuge.

Die Reise fand ihren Abschluss schließlich in Riga, der lettischen Hauptstadt, in deren Geschichte und Kultur durch Führungen ebenfalls Einblicke möglich waren. Da das Wetter ganz überwiegend dem Reiseeindruck günstig war und die Organisation wie Zusammenstellung des Programms geschickt gewählt und versiert durchgeführt wurden, fand die Studienfahrt bei allen 24 Teilnehmern ein sehr positives Echo. Uns hat die gelungene Kooperation mit den Greifswalder Kollegen viel Spaß gemacht. Gerne einmal wieder!

Mal-und Kulturreise nach Krakau vom 8. bis 15. Juli 2013. Ein Reisebericht

Freitag, 4. Oktober 2013

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und Baltikum am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg
Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 8. Juli 2013 die Malkursteilnehmer und weitere Mitreisende, sowie die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger Flughafen. Warschau war das Zwischenziel, dann ging es weiter nach Krakau. Einige Teilnehmer hatten ihre Anreise selber organisiert. Das Hotel lag so zentral in der Altstadt, dass wir direkt zu Fuß starten konnten. Schon am ersten Abend hat uns die lebendige Kulturmetropole mit einer lauer Sommernacht voller Gaukler, Kleinkünstler, Musiker und junger Menschen auf den Straßen begrüßt.

Die nächsten Tage waren reichlich angefüllt mit einem hervorragend geleiteten Besichtigungsprogramm und anschließendem Malkurs direkt vor den Motiven.

Residenz als Motiv

Die Wawelburg

Auf der oben gelegenen Terrasse, direkt auf den berühmten Tuchhallen, konnten wir recht ungestört die ersten Versuche starten. Die Skizzenbücher, Aquarellblöcke, Pinsel und Stifte wurden gezückt, dem Turmbläser gelauscht. Die riesige Marienkirche mit dem farbenfrohen Treiben auf dem Marktplatz entpuppte sich zu einer echten Herausforderung.Nach der „Eroberung“ und Besichtigung der Wawelburg wurde am Nachmittag am Weichselufer, auf der gegenüberliegenden Seite in einem schattigen Plätzchen, die imposante Residenz gemalt.

Das schattige Plätzchen

Das schattige Plätzchen

Kazimierz: das jüdische Viertel wurde leider unter Regenschirmen besichtigt, doch sein malerischer Charme reizte uns Maler zu einem weiteren Besuch.
Der Platz vor unserem Hotel bot sich wunderbar an, um Übungen in Perspektive und Farbenlehre zu praktizieren und das Trainieren schneller Farbskizzen zu unterrichten.

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Krakau zeigte sich in allen Facetten: stürmisch und regnerisch, heiß und farbenfroh. Die vielen Bars, Kneipen und Restaurants rundeten nach einem arbeitsreichen Tag am Motiv das sinnliche Erlebnis mit wahren Gaumengenüssen ab.

Krakauer Eindrücke

Krakauer Eindrücke

Am letzten Maltag wurden wir wieder von der Sonne begrüßt. Es ging ein letztes Mal zu dem berühmten Platz und wir versuchten gegen die davon flitzende Zeit an zu arbeiten. Alle Maler und Malerinnen hatten große Fortschritte gemacht, schade, gerade jetzt am Ende des Tages den Pinsel wieder einpacken zu müssen. Die große Werkschau krönte als Abschlußausstellung den letzten Tag der Malreise. Es ist ein ergreifender Moment, wenn alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen werden. Weit über 60 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess.

Gudrun Jakubeit

Gudrun Jakubeit

Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen, gab konstruktive Kritik, Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Teilnehmer

Teilnehmer der Malreise

Eine weitere Mal- und Kulturreise Anfang Juli 2014 nach Nidden, auf den Spuren der Künstlerkolonie auf die Kurische Nehrung, Litauen, in Zusammenarbeit mit Frau Agata Kern, Herrn Dr. Barfod und der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern: Tel: 04131 – 7599515
oder an das Atelier Gudrun Jakubeit: Tel: 04131 – 603555

Wer neugierig geworden ist, ist sehr herzlich zum Besuch unserer Ausstellung eingeladen: Impressionen aus Masuren und Krakau: 5.10. – 3.11.2013 im Ostpreußischen Landesmuseum

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013


Mein Praktikum im OL oder Wie ich Ernst Mollenhauer entdeckte

Freitag, 26. Juli 2013

Anfang des Jahres bewarb ich mich beim OL im schönen Lüneburg. In einer netten Antwort schrieb mir Dr. Barfod, Kustos des OL, das er mir tatsächlich einen Praktikumsplatz für die Semesterferien anbieten könne. Oh Freude! Bereits in einem persönlichen Gespräch im April erklärte er mir meine zukünftigen Aufgaben.

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Das Museum hatte von der Tochter des Malers Ernst Mollenhauers (1892-1963), Maja Ehlermann-Mollenhauer, einen Nachlass mit seinen Werken erhalten, die nun inventarisiert werden mussten. Auf die Frage was ich schon über diesen Künstler wüsste, musste ich kleinlaut mit “nix” antworten. Dieser erste „faux pas“ wurde mir großzügig verziehen. Ich erhielt Informationsmaterial, um mich ein wenig in das Thema einzulesen, bevor ich das Projekt “Mollenhauer” starten würde.

Auspacken und Staunen

Erst Auspacken dann Worte finden

Einige Expressionisten, wie z. B. Otto Dix waren mir schon durch meine Uni-Kurse in Kunstgeschichte bekannt, Ich dachte eigentlich, dass sie in ihren Werken eher ihre innersten Ängste und ihre Abneigung gegen die moderne Welt ausleben würden. Viele Bilder wirken aggressiv und brutal. Mollenhauer stattdessen huldigt den Urgewalten der Natur oder dem einfachen Leben in abgelegenen Dörfern auf andere Weise. Seine Landschaften geben dem Betrachter das Gefühl, die Strahlen der Sonne direkt auf der Haut zu spüren, und aus seinen Meeresansichten hört man das Rauschen der Brandung. So viel zu meinen ersten Gedanken über den Herrn, der mich nun die nächsten zehn Wochen beschäftigt halten soll.

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Die ersten drei Wochen meines Praktikums sind inzwischen fast vorbei. Ich habe bisher über 100 Werke Mollenhauers ausgepackt, mit einer Inventarnummer versehen, gemessen, liebevoll wieder eingepackt und beschrieben. ‘Wie erkläre ich jemandem eine Szene verständlich ohne dass er sie selbst vor Augen hat?’- Dies ist nicht gar so einfach wie man denkt, und ich stellte schnell fest, dass mein Wortschatz an maritimen Ausdrücken doch sehr dürftig ist…

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild  sehe...

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild sehe...

Meine neuen Kollegen stehen mir jedoch tatkräftig zur Seite und werfen auch gerne mal einen neugierigen Blick auf die Schätze, die ich aus den Verpackungen zutage bringe. Das Schöne ist zudem, das ich Einiges, was ich an der Uni bis jetzt gelernt habe, endlich aktiv umsetzen kann. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen hier noch für mich bereit halten.

Karen Westendorf , Studentin “Museum and Gallery Studies”, Aberystwyth / Wales