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Karl Eulenstein wieder in Klaipeda zu sehen

Mittwoch, 13. November 2013

Ausstellungsdauer: 25. Oktober bis 8. Dezember 2013

Ein frischer Wind von der Ostsee hielt die Wolken über der größten Hafenstadt Litauens, dem alten, 1252 gegründeten Memel (heute Klaipeda), in Schach und ermöglichte es der Sonne, ein herbstlich schönes Licht zu geben. Eine Stimmung, wie sie in manchen Gemälden des eben dort 1892 geborenen Malers Karl Eulenstein meisterlich wiedergegeben ist.

Das Titelmotiv der Eulenstein-Ausstellung in Klaipeda

Das Titelmotiv der Eulenstein-Ausstellung in Klaipeda. Sie ist vom 25. Oktober bis 8. Dezember in der Kunstgalerie zu sehen.

Am Freitag, den 25. Oktober 2013, wurde in der Kunstgalerie in Klaipeda eine Ausstellung des Malers Karl Eulenstein (1892-1981) eröffnet, die in Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum entstand. Bereits seit 1992 besteht die Kooperation mit den Museen im Memelgebiet, das die Litauer „Kleinlitauen“ nennen. In Klaipeda sind es das Historische Museum und die Kunstgalerie, in Silute, dem alten Heydekrug, ist es das Regionalmuseum.

Kurator Dr. Barfod führte zur Ausstellungseröffnung in das Thema ein

Kurator Dr. Barfod führte zur Ausstellungseröffnung in das Thema ein

Da aus Memel nicht eben viele bildende Künstler stammen, ist es besonders reizvoll, wenn einer von denen vor Ort gezeigt werden kann. Karl Eulenstein ist zudem wohl der bekannteste und bedeutendste Künstler, der dort vor 1945 geboren wurde.

Unter großer Besucherbeteiligung fand die Eröffnung statt. Die Werke Eulensteins stießen auf eine große Resonanz, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie alle Motive aus der Region oder der Stadt zeigen. Eulenstein, der seit 1925 in Berlin lebte, war schon 1925, 1931 und 1932 in seiner Geburtsstadt mit Ausstellungen vertreten. Zu seinem 100. Geburtstag 1992 wurde eine vom Ostpreußischen Landesmuseum erarbeitete umfangreiche Werkschau in Klaipeda gezeigt.

Einblick in die Ausstellung

Einblick in die Ausstellung

In den Abendnachrichten des litauischen Fernsehens wurde am 28. Oktober ein Kulturbeitrag zur Ausstellung ausgestrahlt. Wer Interesse hat und des Litauischen mächtig ist: Ab Minute 24:58 gibt es hier Einblicke in die Ausstellung.

Für die Zukunft wurden laut Kurator Dr. Jörn Barfod weitere Ausstellungsvorhaben mit den Museen in Klaipeda und Silute „recht konkret“ besprochen. Wir sind wie immer gespannt.

Schwermütige Romantik im Ostpreußischen Landesmuseum

Freitag, 25. Oktober 2013

Laba diena!

Ich heiße Adele und komme aus Litauen. An der litauischen Universität für Erziehungswissenschaft in Vilnius (Wilna) habe ich Angewandte Geschichte studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen.

Das Ostpreußische Landesmuseum ist für mich ein Platz voll mit großartigen Geschichten und interessanter Arbeit. Am Anfang meines Praktikums habe ich das Museum kennengelernt. Mit jedem neuen Rundgang durch die Ausstellung hat sich mir das Museum mehr und mehr erschlossen.

Besonders gern bin ich in der Museumsabteilung für Gemälde und Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts mit den Gemälden der Maler der Königsberger Kunstakademie 1845-1944 sowie der Künstlerkolonie in Nidden. Hier habe ich meine baltische Seele gefunden – zumindest das, was ich vermisst habe oder was ich zuvor nie so tief empfunden habe. Schwermütige Romantik liegt dort, und das ist eine sehr besondere Art von Romantik.

Adele vor "ihrer" 20er Jahre Foto-Wand

Adele vor "ihrer" 20er Jahre Foto-Wand

Ich habe während meines Praktikums viele verschiedene Arbeiten in den unterschiedlichen Abteilungen verrichtet. Alles hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte die Möglichkeit, Karl Eulensteins Gemälde des Museums in der Sonderausstellung zu erleben. Karl Eulenstein hat mir gezeigt, wie tief die Menschen mit ihrer Heimat verbunden sind. Das Ostpreußische Landesmuseum hat mir ein besseres Verständnis für und Respekt vor der ostpreußischen und preußisch-litthauischen Geschichte gegeben. Durch die Kenntnis der preußischen Geschichte habe ich die Geschichte Litauens besser verstanden.

In der Museumsnacht erlebte ich, wie das Museum lebendig und anschaulich Kultur vermitteln kann. Ich habe für die Museumspädagogik ein riesiges Bild für eine Foto-Wand gezeichnet, hinter der sich Kinder (und Erwachsene) fotografieren lassen konnten. Die Arbeit mit Kindern in der Museumsnacht und im Museum machte mir sehr viel Spaß. Ich war überglücklich!

Die verschiedenen Aufgaben im Museum haben mir viel Freude bereitet. Jeder Moment dort hatte für mich Bedeutung und hat mir sehr viel gegeben. Schade, dass mein Praktikum bald zu Ende geht. Das OL – ein großartiger Platz!

Sommerakademie „Expressionismus und Moderne“

Donnerstag, 18. Juli 2013

Als vor 100 Jahren der Begriff „Expressionismus“ Eingang in die Kunst fand, war der expressionistische Ausdruckswille eines Künstlers – unabhängig vom herrschenden Malstil oder von konformistischer Malweise – in der Kunstgeschichte längst eine Tatsache. Die Werke aus den späteren Lebensphasen von Feofan Grek (1340-1410), El Greco (1541-1614) oder Goya (1746-1828) sind ein überzeugender Beweis dafür. In der Tat erweist sich der Expressionismus als farbenprächtiger Ausdruck des Lebensgefühls eines Künstlers aus einer inneren Notwendigkeit heraus, die mit seinem Leben und seinen Gefühlen eng verbunden bleibt.

Inspiration nach Karl Eulenstein

Margret Hachmeister, Inspiration nach Karl Eulenstein „Leuchtturm“

Unsere Sommerakademie „Expressionismus und Moderne“ haben wir mit einem Blick in die Kunstgeschichte begonnen. Es wurden Parallelen in Leben und Werk von Vincent Van Gogh (1853-1890),  Paul Gauguin (1848-1903) und Edvard Munch (1863-1944) angesprochen. Hervorgehoben wurde die  expressionistische Tendenz in der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die geistigen Verbindungen und Einflüsse auf das Werk von Karl Eulenstein.

Eine Führung durch die Ausstellung „Das Erleben des Elementaren. Der Expressionist Karl Eulenstein“ half den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Sommerakademie, ihren persönliches Zugang zu den Werken des ostpreußischen Malers Eulenstein zu finden. Die Bilderpräsentation der entstandenen Werke am letzten Tag unserer Sommerakademie im Ausstellungsraum hat dieses sichtbar gemacht.

Junge Frau

Ulrich Soldt-Heller "Junge Frau"

Um dem Anspruch einer künstlerischen Sommerakademie gerecht zu werden, legte der Unterricht großen Wert auf die maltechnische Ausführung. Die schon Erfahrenen und die, die ihre ersten Schritte in der Malerei wagten, wurden professionell von der Künstlerin und Dozentin Elena Steinke angeleitet.

Nach einem Motto von Henri Matisse (1869-1954): „Wenn ich grün male, ist nicht Gras gemeint; wenn ich Blau male, ist nicht Himmel gemeint“  wurde eine Farbpalette  mit den drei Grundfarben in Rot, Blau, Gelb zusammengestellt und in Verbindung mit Schwarz und Weiß  bewusst expressiv umgesetzt.

Rote Kuh

Doris Paland "Rote Kuh"

So entstanden unter anderem Bilder wie „Rote Kuh“ (Doris Paland) oder „Mutter und Kind“ (Shashikala Voegeli-Paranjpe), deren leidenschaftliche Farben und beunruhigende, lineare Rhythmen ihre Sympathie und  das Verständnis für den Expressionismus verraten. Noch mehr Einblicke in Die Sommerakademie gibt es bei youtube.

Mutter und Kind

Shashikala Voegeli-Paranjpen "Mutter und Kind"

“Ich glaube, dass der Expressionismus bis heute eine prägende Kraft unseres Zeitgeistes ist und dass die mit der Aureole (Glorienschein) des Expressionismus neugeschaffenen zeitgenössischen Werke des 21. Jahrhundert nicht als Reaktion auf Nachfragen des Kunstmarktes, sondern aus innerer Notwendigkeit ihrer Schöpfer entstanden sind.” Elena Steinke