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Das Ostpreußische Landesmuseum zu Gast in der Domsaitis Galerie, Klaipeda/Memel in Litauen

Mittwoch, 18. Oktober 2017

von Dr. Jörn Barfod

Eine Malerlandschaft mit Licht und Raum und Wasser und Sonne – so beschrieb der Künstler Ernst Mollenhauer (1892-1963) die Kurische Nehrung. Er musste es wissen: Ein Vierteljahrhundert fast verbrachte der dort sein Leben und Arbeiten, im Zentrum der Künstlerkolonie Nidden. Der berühmte Hermann Blode wurde sein Schwiegervater und Mollenhauer übernahm das Hotel von ihm, das der Treffpunkt für die Künstler auf der Nehrung war. Neben vielen kulturellen initiativen verhalf er auch Thomas Mann zu seinem Sommerhaus in Nidden (heute Nida, Litauen).

In Erinnerung an die alte Künstlerkolonie Nidden und zum 125. Geburtstag des Malers Ernst Mollenhauer wurde am 6. Oktober in der Pranas-Domsaitis Galerie in Klaipeda/Memel eine Ausstellung mit Werken dieses ostpreußischen Expressionisten aus dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg eröffnet.

Dr. Jörn Barfod vom Ostpreußischen Landesmuseum eröffnet die Ausstellung in der Domsaitis Galerie

Dr. Jörn Barfod vom Ostpreußischen Landesmuseum eröffnet die Mollenhauer-Ausstellung in der Domsaitis Galeriei Klaipeda/Memel in Litauen

Das Ostpreußische Landesmuseum kann einen repräsentativen Querschnitt durch das malerische Werk Mollenhauers in Memel präsentieren, darunter auch drei der der absolut raren früheren Arbeiten. Der Künstler verlor 1945 fast sein gesamtes bis dahin geschaffenes Werk. Seine Tochter, Frau Maja Ehlermann-Mollenhauer, vermachte den künstlerischen Nachlass dem Ostpreußischen Landesmuseum.

Mollenhauers farbstarke Gemälde stellen den Betrachter ganz unvermittelt vor die Wucht der Naturgewalten, die den eigentümlichen Landstrich der Kurischen Nehrung prägen. Beispielhaft dafür prangt auf manchen Bildern die große Sonne. Diese kraftvolle Malerei, sein Markenzeichen, entwickelte der Künstler nach dem Studium an der Königsberger Kunstakademie bei Ludwig Dettmann und Arthur Degner auf der Kurischen Nehrung und in Begegnungen mit Max Pechstein weiter.

Ernst Mollenhauer: "Nehrungssonne"

Ernst Mollenhauer: "Nehrungssonne"

Nach der Flucht 1945 wurde Mollenhauer in Düsseldorf und Keitum/Sylt ansässig. Er schuf noch einmal das gewaltige Panorama der malerischen Welt Niddens neu. Seine Begeisterung für diese einzigartige Landschaft wusste er auch poetisch auszudrücken: „Nidden, du unvergessliches Wunderland! Wenn der Herbst seine Farben ausschüttete, dann warst du ein einziges Märchen, in dem Gott, der aus weitem Himmel zusah, den Menschen verzauberte, dann war Frieden, dann war Hohezeit, ein heiliges Lied zu singen, IHM zur Ehre.“

Besucher bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie_Domsaitis

Besucher bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Domsaitis

Auch die Besucher der Vernissage in der Domsaitis-Galerie in Klaipeda/Memel spürten etwas von dieser besonderen Energie in der Malerei von Ernst Mollenhauer.

Mein Praktikum im OL oder Wie ich Ernst Mollenhauer entdeckte

Freitag, 26. Juli 2013

Anfang des Jahres bewarb ich mich beim OL im schönen Lüneburg. In einer netten Antwort schrieb mir Dr. Barfod, Kustos des OL, das er mir tatsächlich einen Praktikumsplatz für die Semesterferien anbieten könne. Oh Freude! Bereits in einem persönlichen Gespräch im April erklärte er mir meine zukünftigen Aufgaben.

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Das Museum hatte von der Tochter des Malers Ernst Mollenhauers (1892-1963), Maja Ehlermann-Mollenhauer, einen Nachlass mit seinen Werken erhalten, die nun inventarisiert werden mussten. Auf die Frage was ich schon über diesen Künstler wüsste, musste ich kleinlaut mit “nix” antworten. Dieser erste „faux pas“ wurde mir großzügig verziehen. Ich erhielt Informationsmaterial, um mich ein wenig in das Thema einzulesen, bevor ich das Projekt “Mollenhauer” starten würde.

Auspacken und Staunen

Erst Auspacken dann Worte finden

Einige Expressionisten, wie z. B. Otto Dix waren mir schon durch meine Uni-Kurse in Kunstgeschichte bekannt, Ich dachte eigentlich, dass sie in ihren Werken eher ihre innersten Ängste und ihre Abneigung gegen die moderne Welt ausleben würden. Viele Bilder wirken aggressiv und brutal. Mollenhauer stattdessen huldigt den Urgewalten der Natur oder dem einfachen Leben in abgelegenen Dörfern auf andere Weise. Seine Landschaften geben dem Betrachter das Gefühl, die Strahlen der Sonne direkt auf der Haut zu spüren, und aus seinen Meeresansichten hört man das Rauschen der Brandung. So viel zu meinen ersten Gedanken über den Herrn, der mich nun die nächsten zehn Wochen beschäftigt halten soll.

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Die ersten drei Wochen meines Praktikums sind inzwischen fast vorbei. Ich habe bisher über 100 Werke Mollenhauers ausgepackt, mit einer Inventarnummer versehen, gemessen, liebevoll wieder eingepackt und beschrieben. ‘Wie erkläre ich jemandem eine Szene verständlich ohne dass er sie selbst vor Augen hat?’- Dies ist nicht gar so einfach wie man denkt, und ich stellte schnell fest, dass mein Wortschatz an maritimen Ausdrücken doch sehr dürftig ist…

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild  sehe...

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild sehe...

Meine neuen Kollegen stehen mir jedoch tatkräftig zur Seite und werfen auch gerne mal einen neugierigen Blick auf die Schätze, die ich aus den Verpackungen zutage bringe. Das Schöne ist zudem, das ich Einiges, was ich an der Uni bis jetzt gelernt habe, endlich aktiv umsetzen kann. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen hier noch für mich bereit halten.

Karen Westendorf , Studentin “Museum and Gallery Studies”, Aberystwyth / Wales

Kurzbericht zum Malkurs „Experimentelle Blitzreise – für 10 Stunden mit dem Pinsel auf der Kurischen Nehrung

Dienstag, 13. September 2011

26.3. – 27.3.2011 Begleitprogramm zur Ausstellung Ernst Mollenhauer, Malworkshop für Erwachsene

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

Am Samstag trafen sich 12 Teilnehmer zum Malworkshop im Ostpreußischen Landesmuseum. Die dort zurzeit laufende Ausstellung der Bilder Ernst Mollenhauers gaben den Anstoß zu diesem gelungen Workshop.
Wellen So begann die Kursleiterin und Künstlerin Gudrun Jakubeit den Kurs zwischen den Werken Mollenhauers. Ein einstündiger Rundgang, verbunden mit einer künstlerischen Analyse der Bilder, ließ die Teilnehmer tief in die Künstlerbiographie Mollenhauers und seinen emotionalen Welten einsteigen. Gespannt lauschten die Teilnehmer den Ausführungen über Bildaufbau, Motivwahl und den Gesetzen der Farbenlehre. Gerade die Farbwahl des Expressionisten Mollenhauers ermöglichte einen Blick in die Tiefen der Künstlerseele. Heimweh, Verlust der Heimat verbunden mit dem Verlust vieler Künstlerfreunde aus den Zeiten der Künstlerkolonie Nidden und des eigenen frühen Werkes aber auch viele schöne Erinnerungen dominierten die Bildinhalte und wurden meisterlich von Mollenhauer über die Wahl und Setzung der Farbe ausgedrückt.
Berührt und erfüllt gingen dann die Teilnehmer an das eigene Werk.

Sonne

Sonne

Zwei Tage lang bot der Ort Nidden, auf  der Kurischen Nehrung, die Bildthemen. Ob nun die Hohe Düne der ostpreußischen Sahara zu gewagten experimentellen Bildformaten und Techniken führte, oder die typischen Kurenkähne das Motiv lieferten, wurde von der Kursleiterin sehr individuell aufgegriffen. Jeder Einzelne wurde „maltechnisch an die Hand genommen“ und während des Kurses ermutigt eingefahrene Malwasser zu verlassen und über die eigenen Grenzen zu springen. So entstanden im Laufe des Kurses zahlreiche ausdrucksstarke Bilder, aus denen die Malfreude der Teilnehmer, symbolisch durch die gelbe Leuchtkraft der Nehrungssonne dargestellt, den Raum erfüllte.

Sonnenwerke

Sonnenwerke

Ein kreatives Knistern lag in der Luft, einige Teilnehmer sind gedanklich auf Reisen gegangen. Aus allen Bildern konnte man am Ende bei der großen Bildbesprechung eine Art Fernweh oder unbestimmte Sehnsucht spüren.
Farbe geht direkt beim Betrachten der Bilder, ohne intellektuelle Filterung, ins Herz. Dies war sicherlich die wichtigste Botschaft Mollenhauers, die er diesem gelungenen Workshop  mitgeben konnte.
Die Künstlerin Gudrun Jakubeit freut sich auf eine Fortsetzung des Malkurses, verbunden mit einer Malreisen nach Nidden, in Zukunft direkt vor dem Motiv.

Gudrun Jakubeit, 2011

Malen ist Meditation

Malen ist Meditation