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Objekt der Woche #32 – „Schrägklappensekretär“ aus dem Louis-seize

Mittwoch, 15. August 2018

Einen Sekretär findet man heute nur noch selten in einem Büro oder Privathaushalt. Büromöbel folgen heute vor allem den Maßgaben von Funktionalität und Ergonomie: Sie sollen ihren Zweck erfüllen und die Arbeitsbedingungen optimal gestalten. In Zeiten höfischer Repräsentation und absolutistischer Verwaltungsapparate waren Büromöbel hingegen auch deutliche Anzeiger von Ordnung, Status und Geschmack. Schon der Besitz eines Sekretärs verkündete, dass man Korrespondenz pflegte und Besitz hatte, den es zu verwalten galt.
Das Ostpreußische Landesmuseum zeigt in seiner neuen Deutschbaltischen Abteilung einen sogenannten Schrägklappensekretär aus dem Louis-seize, einem Stil der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Benannt ist er nach Ludwig XVI., dem letzten König des „Ancien Régime“,  der 1793 im Zuge der Französischen Revolution hingerichtet wurde. Es war eine Umbruchphase in herrschaftlicher Prachtentfaltung, was sich in weniger Üppigkeit und mehr „antiker“ Klarheit ausdrückte. Der Messingdekor ist zurückhaltend, vor allem fällt die Regelmäßigkeit im Muster der Holzarbeit auf. Es handelt sich um eine Marketerie: Stücke oft unterschiedlicher Holzarten werden passgenau geschnitten und neu zusammengesetzt. In diesem Fall sind sie in Würfeln angeordnet, was optische Illusionen auf der Oberfläche erzeugt. Das französische Königshaus war ein wichtiges Vorbild für den Adel in ganz Europa, auch im Baltikum.

Objekt der Woche #32 – „Schrägklappensekretär“ aus dem Louis-seize

Objekt der Woche #32 – „Schrägklappensekretär“ aus dem Louis-seize

Zwei große Schubladen bieten Platz für allerhand Unterlagen. Hinter der schrägen Klappe verbergen sich vier weitere kleine Schubfächer und ein abschließbares Mittelteil. In die Tür des Mittelteils ist eine Garbe intarsiert, vielleicht als Symbol der Gutswirtschaft, die hier verwaltet werden konnte. Die geöffnete Klappe dient als Schreibunterlage. Der Sekretär verfügt über Geheimfächer – etwas durchaus Übliches in dieser Zeit. Durch einen versteckten Federmechanismus kann der Mittelteil herausgezogen werden. Auf seiner Rückseite werden so acht weitere Schubfächer sichtbar. Vor besonders neugierigen Blicken verborgen, konnten hier sensible Unterlagen aufbewahrt werden.
Unser heutiges, und vorletztes, Objekt der Woche steht noch nicht an seinem finalen Platz in der Dauerausstellung, deshalb bekommen Sie hier ein aktuelles Baustellenfoto zu sehen.

Das OL freut sich über ein neues Gesicht im Haus

Dienstag, 11. April 2017

„PriMus – Promovieren am Museum“ – So lautet das neue Validierungsprogramm der Leuphana Universität Lüneburg in Zusammenarbeit mit sechs Museen der Region. Mit dabei ist natürlich auch das Ostpreußische Landesmuseum. Julian Windmöller wird im Rahmen des Programms in den nächsten drei Jahren seine Doktorarbeit über den Münnich-Nolcken’schen Nachlass am OL schreiben und gleichzeitig dazu eine Ausstellung konzipieren. Ein ambitioniertes wie spannendes Projekt!

Julian Windmöller hat Geschichte, Philosophie und Englisch in Tübingen und Moskau studiert.

Insgesamt sechs Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler fertigen im Rahmen von PriMus ihre Doktorarbeiten an. Ziel von Primus ist es, Theorie und Praxis, das heißt auch Universität und Museum enger miteinander zu verbinden. So entstehen nicht nur sechs wissenschaftliche Arbeiten über noch schlummernde Sammlungsschätze, sondern auch sechs Ausstellungskonzepte, um die Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit zu vermitteln. Ein weiteres Ziel ist es, die Einstiegssituation in das Berufsfeld „Museum“ zu verbessern. Derzeit werden nach einem mindestens fünfjährigem Studium, zwei Jahre Volontariat und oft vier Jahre Promotion verlangt, um dann auf befristeten und gering bezahlten Stellen einzusteigen. PriMus möchte mit seinem Modell einen Gegenentwurf entwickeln, junge Experten für das Museum zu qualifizieren: Promotion und Volontariat werden befruchtend auf zusammen drei Jahre miteinander verzahnt. Ein solches Vorhaben ist ambitioniert, aber wir sind davon überzeugt, dass nur solche Programme dabei helfen, das Berufsfeld „Museum“ nachhaltig zu verbessern.

Für Julian Windmöller heißt das zunächst: Inventarisieren, denn der über 300 Objekte umfassende Nachlass der deutschbaltischen Adelsfamilie von Nolcken wird von ihm erstmals dokumentarisch und fotografisch erfasst. „Die Inventarisierung stellt die Grundlage für meine Arbeit dar – sowohl für die Promotion als auch für die Ausstellung“. Die vielfältige Sammlung reicht von Porzellan über Silber und Porträts hin zu Möbeln und Stichen. Zusätzlich befindet sich der schriftliche und fotografische Teil des Nachlasses im Herder-Institut, unserer Partnerinstitution in Marburg. Es stehen also auch Forschungsreisen nach Hessen an. Aber nicht nur dorthin. „Ich hoffe für die Ausstellung auch mit weiteren Partnern im In- und Ausland kooperieren zu können. Das Schloss Allatzkiwi in Estland, das früher der Familie von Nolcken gehörte und aus dem ein Teil der Sammlung stammt, beherbergt heute ein Museum. Eine Kooperation bietet sich hier geradezu an.“

Die Finanzierung der Ausstellung ist dabei nochmal ein Projekt für sich. Im Rahmen von PriMus werden zunächst nur die Konzepte erarbeitet, die Realisierung erfolgt erst danach. Bereits jetzt freuen wir uns daher, wenn sich Leute vorstellen können, die Ausstellung von Julian Windmöller finanziell zu unterstützen. Neben der Ausstellung selbst werden Restaurierungsmaßnahmen, Transport- und Leihkosten und weitere Kosten anfallen. Wir freuen uns bereits jetzt auf die Ausstellung und sind gespannt, welche Ergebnisse die Arbeit von Julian Windmöller zu Tage fördern werden. Herzlich Willkommen!

Weitere Informationen: www.leuphana.de/ipk/primus