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Arbeitskreis Jagdmuseum trifft im Berliner Jagdschloss Grunewald

Mittwoch, 28. Juni 2017

Ein Bericht von Dr. Christoph Hinkelmann

Am 7. April 2017 fand im Berliner Jagdschloss Grunewald das jährliche Treffen des Arbeitskreises Jagdmuseen statt. Es war bereits das achte seit der ersten Zusammenkunft im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum im September 2010 in München. Das Ostpreußische Landesmuseum mit seiner bedeutenden jagdhistorischen und –kulturellen Geschichte war jedes Mal durch den Leiter der Abteilung Naturkunde/Landwirtschaft, Dr. Christoph Hinkelmann, vertreten.

Es ist kein Verein, der sich am 10. September 2010 in München zusammengefunden hat, sondern eine lose Verbindung von Fachleuten in jeweils etwas ungewöhnlicher Aufgabenstellung mit gemeinsamen Interessen und Sorgen. Frauen und Männer, die Jagd- (und Fischerei-) Museen bzw. jagdkundlichen Abteilungen oder Bereichen, wie im Fall unseres Museums, vorstehen, vertreten Spezialthemen innerhalb einer Museumslandschaft, die von Kunst und Kultur bzw. von Darstellungen der uns umgebenden Natur, von ihrer Nutzung und naturkundlichen Themen ganz allgemein geprägt ist. Mit all diesen Bereichen haben Jagdmuseen Berührungspunkte.

Jagdschloss Grunewald (Foto Wikipedia)_

Jagdschloss Grunewald (Foto Wikipedia)_

Die Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch, dem Kennenlernen der einladenden Einrichtungen oder Vorträgen über alle interessierende Themen. Im Jagdschloss Grunewald standen zudem gemeinsame, die verschiedenen Häuser interessierende Themen im Mittelpunkt. Es wurden in Berlin-Grunewald ein gemeinsamer Flyer konkret beschlossen und ein gemeinsamer Internet-Auftritt diskutiert, denn mehr Außenwahrnehmung unserer vielseitigen Angebote kann gewiss nicht schaden.

Ostpreußen als Reiseland – vor 1945

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Vortragsangebot von Dr. Christoph Hinkelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ostpreußischen Landesmuseum

Seit der politischen Öffnung in Mitteleuropa sind die auf drei Staaten verteilten ostpreußischen Städte und Landschaften wieder zugänglich und ein interessantes Reiseziel geworden. Wieder – muss man erneut sagen, denn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg spielte der Fremdenverkehr eine wesentliche wirtschaftliche Rolle in der damaligen Nordostecke Deutschlands.

Tourismuswerbung in den 1930er Jahren

Die Kurische Nehrung mit ihren Sanddünen war ein klassisches Reiseziel vor dem Zweiten Weltkrieg, Aufnahme 1940 (E. Schütz)

Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert begann man, andere Regionen und weiter entfernt liegende Orte wegen ihrer Geschichte, Bauwerke, Bibliotheken usw. zu besuchen. Diesen „Gelehrten-Reisen“ gesellten sich im 19. Jahrhundert Erholungsreisen hinzu, die zunehmend auch nach Ostpreußen führten. Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur, doch in den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle im geographisch abgetrennten und v.a. landwirtschaftlich geprägten Ostpreußen.

Städte und Regionen warben in Prospekten mit ihren jeweiligen Besonderheiten (Marienburg, 1930er Jahre)

Die Verkehrsinfrastruktur der Provinz war vielseitig und gut auf den Fremdenverkehr eingestellt.

Ostpreußen warb mit guter Infrastruktur, moderaten Preisen für Reisen im Land ebenso wie für Übernachtungen und deutschlandweit bekannten Reisezielen. Innerhalb des Landes gelangte man mit Kleinbahnen, der Kraftpost und anderen Omnibusverbindungen sowie dem PKW zum Ziel. Für letztere gab die Mineralölfirma Shell die besten Straßenkarten heraus. Zwölf Gebiete bildeten den Schwerpunkt der Reiseziele: das Weichselland, die Frische Nehrung, Stadt und Landkreis Königsberg, das Samland, die Kurische Nehrung, das Ermland, das Oberland, Masuren, das Pregeltal, der Nordosten, die Rominter Heide sowie die immer mitberücksichtige Freie Stadt Danzig. Ferner lockten die größeren und attraktiveren Städte mit ihren Besonderheiten und ihrem Umland ebenso wie wichtige Gedenkstätten, z.B. die Abstimmungsdenkmale oder das „Reichsehrenmal“ Tannenberg, die an die Kämpfe im und die Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg erinnerten, Bildungsreisende und  „Sommerfrischler“ in die entlegene Provinz. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endete diese Epoche.

Auch der Tourismus in Ostpreußen blieb von der Politik und Propaganda nicht verschont. Nach dem "Wiederanschluss" des Memelgebiets im Frühjahr 1939 wurden die bis dahin verwendeten Prospekte kurzerhand einfach überdruckt.

Einen Vortrag über das Reiseland bzw. über andere landeskundliche Besonderheiten Ostpreußens vermittelt das Ostpreußische Landesmuseum bei Interesse (Dr. Christoph Hinkelmann, Tel. 04131 75995-19).

„Da liegt der Hase im Pfeffer“ Das OL beim internationalen Jagdkulturkongress in Polen

Montag, 23. September 2013

Am 30. und 31. August 2013 fand in der Hotelanlage „Warszawianka“ in Jachranka unweit von Warschau der 3. Internationale Jagdkulturkongress statt. Eingeladen hatten der Polnische Jagdverband und das Museum für Jagd und Reiterei in Warschau. Der eigentliche Motor des Treffens war jedoch Prof. Dr. Tadeusz J. Żuchowski von der Universität Posen/Poznán.

3. Internationaler Jagdkulturkongress in Warschau

3. Internationaler Jagdkulturkongress in Warschau

Zum ersten Mal überhaupt war ein Vertreter des Ostpreußischen Landesmuseums eingeladen, sich mit einem Vortrag zu beteiligen. Dr. Christoph Hinkelmann, der als Leiter der Abteilung Naturkunde/Landwirtschaft auch die Jagd betreut, sprach dort über „Historische und soziale Aspekte der Jagd in Ostpreußen vor 1945, mit besonderer Berücksichtigung der Rominter Heide“.

Dr. Christoph Hinkelmann während seines Vortrags in Warschau, Foto: Andrzej Wierzbieniec

Dr. Christoph Hinkelmann während seines Vortrags in Warschau, Foto: Andrzej Wierzbieniec

Dieses Thema verbindet die Interessen der deutschen wie der polnischen Jäger ebenso wie die Vergangenheit mit der Gegenwart und fand großes Interesse. Zwei weitere Vorträge „Jagdkultur und Zeitgeist. Eine kulturhistorische Betrachtung mit Ausblick auf die Gegenwart in Deutschland“ (Dieter Stahmann) und „Da liegt der Hase im Pfeffer. Zur Jagd- und Kulturgeschichte des Feldhasen“ (Dr. Rolf Roosen) wurden von deutschen Referenten präsentiert, während die übrigen 20 Beiträge von polnischen, russischen, tschechischen und italienischen Fachleuten vorgetragen wurden.

Von links: Dr. Christoph Hinkelmann, Dr. Rolf Roosen, Dieter Stahmann Foto: A. Wierzbieniec

Von links: Dr. Christoph Hinkelmann, Dr. Rolf Roosen, Dieter Stahmann, Foto: Andrzej Wierzbieniec

Einen Schwerpunkt des ebenso vielfältig wie interessant gestalteten Themenspektrums bildete die Jagdmusik mit vielen praktischen Darbietungen – von den Jagdsignalen über die große Vielfalt der jagdlichen Musikinstrumente bis zu ihrer Verwendung in der hohen Musikkunst wie in Opern und Symphonien.

Die Veranstaltung im EU-Partnerland Polen zeigte auf beeindruckende Weise, wie die Völker in Europa zu einer Einheit zusammen wachsen, wenn sich Menschen mit gleichen Interessen begegnen und über die Sprachgrenzen hinweg verständigen können. Nach dem Kongress besuchte Dr. Hinkelmann das Naturkundemuseum in Allenstein/Olsztyn, um sich mit seinem dortigen Kollegen, Marian Szymkiewicz, über gemeinsame Projekte im kommenden Jahr, 2014, zu verständigen. Wir dürfen gespannt sein.

Das OL zu Gast in Polen

Dienstag, 20. März 2012

Ausstellung über Walter von Sanden-Guja in Allenstein / Olsztyn zu bewundern

Walter von Sanden (1888 – 1972) gehört zu den wichtigsten Natur- und Tierschriftstellern des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Doch ist er heute, wie auch das Genre, in dem er schrieb, weitgehend vergessen. Zu Unrecht, wie das Ostpreußische Landesmuseum meint, das 2011 eine wanderfähige Ausstellung über sein Leben Werk neu erstellte. Diese neue Präsentation wurde bewusst zweisprachig, deutsch und polnisch, angelegt, denn seine ostpreußische Heimat gehört heute zu Polen.

Dr. Christoph Hinkelmann vom OL mit Dr. Krzysztof Gebura (links), der hier als Übersetzer fungierte und Janusz Cyganski, Direktor des Museums für Ermland und Masuren

In seiner unverwechselbaren Darstellung wird uns das Land, das ihm Heimat war, anschaulich vor Augen geführt. Er konnte es uns aber auch physisch so erhalten wie es war, weil er Farbdias hinterließ, die heute einzigartige Zeitdokumente sind. Diese Bilder bilden das Rückgrat der biographischen Ausstellung über Walter von Sanden, der nach 1945 seinem Namen den des verlorenen Besitzes am Nordenburger See, Guja, hinzufügte.

Dr. Christoph Hinkelmann im Gespräch mit Besuchern der Ausstellung, hier mit einer autochtonen Allensteinerin

Die Ausstellung wurde im Sommerhalbjahr 2011 im Volkskulturmuseum Angerburg/ Muzeum Kultury Ludowej Węgorzewo gezeigt und ist nun im Naturmuseum in Allenstein/ Muzeum Przyrody Olsztyn zu sehen. Bei der Eröffnung am 29. Februar 2012 im Erdgeschoss des wunderbar restaurierten, repräsentativen Gebäudes, das einmal eine Villa am Allensteiner Stadtrand war, zeigten fast 50 Gäste Interesse an diesem besonderen Mann, der seine Heimat so sehr liebte und ihre Natur achtete. Er mag im deutschsprachigen Raum fast vergessen sein, doch vielleicht erlebt er nun eine Art Wiedergeburt in der Wahrnehmung im polnischen Sprachraum? Auf jeden Fall ist er gewissermaßen in seine Heimat zurückgekehrt und willkommen.

Das Naturmuseum in Allenstein - Muzeum Przyrody Olsztyn

Dies drückt auch ein Buchprojekt aus, das sich zufällig zeitgleich ergab. Grazyna Czausz, Autorin in Allenstein/Olsztyn, hat gerade die wohl schönste Tiergeschichte Walter von Sandens, „Ingo – die Geschichte meines Fischotters“ ins Polnische übersetzt, die demnächst als erstes Buch des deutschen Autors überhaupt in polnischer Sprache erscheinen wird. Sie war bei der Eröffnung im Naturmuseum persönlich anwesend.

Dr. Christoph Hinkelmann mit Grazyna Czausz

Marian Szymkiewicz, Leiter der zum Museum für Ermland und Masuren/Muzeum Warmii i Mazur gehörenden Einrichtung, führte in das Thema der Ausstellung ein. Im Anschluss daran stellte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, Dr. Christoph Hinkelmann, der das Ausstellungsprojekt konzipiert hatte, Walter von Sanden in einem biographischen Bildervortrag näher vor. Er ging dabei auch auf seine wichtigsten Bücher, das genannte über den Fischotter (1939) und „Alles um eine Maus“ (1940), die Geschichte der ersten Entdeckung der seltenen Birkemaus im damaligen Deutschland, ein. Ebenso auf seine wichtigen autobiographischen Darstellungen „Das gute Land“ (1938) und „Schicksal Ostpreußen“ (1968), die eindrucksvoll beweisen, dass Walter von Sanden weit über die Naturschriftstellerei hinaus beobachten und analysieren konnte.

Alles um eine Maus - Im Mittelpunkt dieser Lektüre steht die kleine Birkenmaus.

Die Ausstellung wird bis Ende Juni 2012 im Naturmuseum Allenstein zu sehen sein.