Großer Andrang bei Ausstellungseröffnung

Unsere neue Ausstellung begeistert:

Karl Storch (1864-1954): Zwischen Holstein und Königsberg – Ein Berliner Sezessionist der ersten Stunde

(29. März bis 15. Juni 2014)

Karl Storch in Luisenwahl in Königsberg

Karl Storch in Luisenwahl in Königsberg

Ob es allein die Anziehungskraft der Gemälde, der frühlingsmilde Abend, die zahlreichen Nachfahren des Künstlers oder vielleicht sogar der Umstand war, dass dies die letzte große Sonderausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums vor seiner Schließung im Oktober darstellt, wenn die gesamte Dauerausstellung modernisiert und ein Anbau errichtet wird – jedenfalls kamen am vergangenen Freitag weit über 100 Gäste zur Vernissage mit Werken von Karl Storch d. Ä.. Die Stühle reichten nicht, und so musste mancher stehen, um einer umfassenden und aussagestarken Einführung in das Leben und Werk des Malers durch die Ausstellungskuratorin Felicitas Brachert-Schneider zu lauschen.

Es galt allerdings auch, ein langes Künstlerleben von der Berliner Sezession über eine 40-jährige Wirkungszeit in Königsberg bis hin zu einem noch immer intensiv künstlerischen Lebensabend in Bad Segeberg abzubilden. Diese Ausstellung beleuchtet alle Facetten dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlers.

Sein vielfältiges Werk umfasst Landschaften, Städteansichten, Personendarstellungen wie auch historische Szenerien. In seinen lebhaften Schilderungen trifft Storch gestaltungssicher Charaktere wie Stimmungen. Das riesige Oeuvre Storchs aus einer Schaffensperiode von über 70 Jahren ist wie bei fast allen seiner ostpreußischen Malerkollegen zu einem Gutteil verschollen oder verbrannt. Da Storch jedoch regelmäßig im Westen ausgestellt und viel verkauft hatte außerdem mehrere Bilderkisten in letzter Minute aus Ostpreußen herausschicken konnte, sind von ihm weit mehr Werke erhalten, als man es bei einem Flüchtling aus Königsberg erwarten würde. Die ausgestellten Werke stammen überwiegend aus Privatbesitz und wurden seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich gezeigt. Kein Wunder, dass die Ausstellung einer 60 Jahre währenden Schaffensperiode, von der frühen Phase in Berlin bis zum Spätwerk in Holstein, über 100 Exponate umfasst.

Die Ausstellung ist anlässlich seines 150. Geburtstages einem Maler gewidmet, der zu den einfallsreichsten und beliebtesten seinerzeit gehörte. In Berlin hatte er zum Kreis der ersten „modernen“ Maler der Sezession gehört und wurde deshalb 1902 nach Königsberg berufen, da er den damals neuen Stil des Impressionismus an die Akademie bringen sollte. Er begründete die Kunsterzieherausbildung dort und lieferte wichtige Impulse für den schulischen Werkunterricht.

Die 27-jährige Wirkenszeit Storchs als Lehrer der Königsberger Kunstakademie (1902-29) stellt ein gewichtiges Kapitel der ostpreußischen Kunstgeschichte dar. Mit seinem Werk wird zugleich der ostpreußischen Landschaftsmalerei in ihrer längsten Wirkungsphase eine Gedächtnisausstellung gewidmet. Karl Storch blieb bis 1944 in Königsberg.

Mit dieser Ausstellung wird abschließend ein künstlerischer Höhepunkt präsentiert, bevor das Museum am 6. Oktober für einige Monate schließen muss. Zuvor wird ab 10. Mai im kleineren Kabinettausstellungsbereich bis August noch eine Ausstellung zu Ehren des Schriftstellers Arno Surminski anlässlich seines 80. Geburtstags zu sehen sein.

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