Archiv für August 2018

Objekt der Woche #33 – Friedrich Wilhelm III., der „Große Kurfürst“ (1620 – 1688)

Mittwoch, 22. August 2018

Am Sonntag eröffnet unsere neue Dauerausstellung. Werfen Sie noch einen letzten Blick auf unserer heutiges und letztes Objekt der Woche, bevor Sie es am Wochenende in der neuen Ausstellung betrachten können:
Geprägt von den Schrecken des 30jährigen Krieges (1618–1648) suchte der ab 1640 herrschende Kurfürst sein auseinandergerissenes Gebiet, das vom Herzogtum Preußen über die Mark Brandenburg bis an den Niederrhein reichte, durch ein stehendes Heer zu sichern. 1655 kam es zum Nordischen Krieg zwischen Schweden und Polen-Litauen, in den auch Preußen hineingezogen wurde. Als relevante militärische Kraft und nach mehreren Seitenwechseln konnte der Kurfürst in den Verträgen von Wehlau 1657 und Oliva 1660 die Lehnsunabhängigkeit des Herzogtums Preußen von Polen aushandeln.
Der Krieg reduzierte jedoch gerade in Masuren durch Gewalt und Plünderungen (sogenannter Tatareneinfall), Seuchen und Hunger die Bevölkerung um die Hälfte.

Mit harter Hand setzte sich der Kurfürst gegen die widerstrebenden preußischen Stände durch („Königsberger Aufstand“), konnte so die Grundlage für eine zentralistische, brandenburgisch-preußische Verwaltung legen und sich als absolutistischer Herrscher etablieren.
Das monumentale Repräsentationsgemälde stammt von Pieter Nason, einem holländischen Hofmaler des Barock, der kurze Zeit auch am Berliner Hof war und den Kurfürsten mehrfach portraitierte. Hier zeigt er ihn in dem glänzenden Gepränge eines absolutistischen und siegreichen Herrschers: Gekleidet in Plattenharnisch und hermelingefüttertem roten Samtmantel sieht man links Zepter und Kurhut, rechts hinten eine Schlachtszene.

Objekt der Woche #32 – „Schrägklappensekretär“ aus dem Louis-seize

Mittwoch, 15. August 2018

Einen Sekretär findet man heute nur noch selten in einem Büro oder Privathaushalt. Büromöbel folgen heute vor allem den Maßgaben von Funktionalität und Ergonomie: Sie sollen ihren Zweck erfüllen und die Arbeitsbedingungen optimal gestalten. In Zeiten höfischer Repräsentation und absolutistischer Verwaltungsapparate waren Büromöbel hingegen auch deutliche Anzeiger von Ordnung, Status und Geschmack. Schon der Besitz eines Sekretärs verkündete, dass man Korrespondenz pflegte und Besitz hatte, den es zu verwalten galt.
Das Ostpreußische Landesmuseum zeigt in seiner neuen Deutschbaltischen Abteilung einen sogenannten Schrägklappensekretär aus dem Louis-seize, einem Stil der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Benannt ist er nach Ludwig XVI., dem letzten König des „Ancien Régime“,  der 1793 im Zuge der Französischen Revolution hingerichtet wurde. Es war eine Umbruchphase in herrschaftlicher Prachtentfaltung, was sich in weniger Üppigkeit und mehr „antiker“ Klarheit ausdrückte. Der Messingdekor ist zurückhaltend, vor allem fällt die Regelmäßigkeit im Muster der Holzarbeit auf. Es handelt sich um eine Marketerie: Stücke oft unterschiedlicher Holzarten werden passgenau geschnitten und neu zusammengesetzt. In diesem Fall sind sie in Würfeln angeordnet, was optische Illusionen auf der Oberfläche erzeugt. Das französische Königshaus war ein wichtiges Vorbild für den Adel in ganz Europa, auch im Baltikum.

Objekt der Woche #32 – „Schrägklappensekretär“ aus dem Louis-seize

Objekt der Woche #32 – „Schrägklappensekretär“ aus dem Louis-seize

Zwei große Schubladen bieten Platz für allerhand Unterlagen. Hinter der schrägen Klappe verbergen sich vier weitere kleine Schubfächer und ein abschließbares Mittelteil. In die Tür des Mittelteils ist eine Garbe intarsiert, vielleicht als Symbol der Gutswirtschaft, die hier verwaltet werden konnte. Die geöffnete Klappe dient als Schreibunterlage. Der Sekretär verfügt über Geheimfächer – etwas durchaus Übliches in dieser Zeit. Durch einen versteckten Federmechanismus kann der Mittelteil herausgezogen werden. Auf seiner Rückseite werden so acht weitere Schubfächer sichtbar. Vor besonders neugierigen Blicken verborgen, konnten hier sensible Unterlagen aufbewahrt werden.
Unser heutiges, und vorletztes, Objekt der Woche steht noch nicht an seinem finalen Platz in der Dauerausstellung, deshalb bekommen Sie hier ein aktuelles Baustellenfoto zu sehen.

Objekt der Woche #31 – Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie

Mittwoch, 8. August 2018

Als eines der ganz wenigen Gemälde, die aus dem Schaffen des Malers und Grafikers Norbert Dolezich (1906-1996) von der Zeit vor 1945 erhalten blieben, ist dieser Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie etwa 1940 ein stimmungsvolles Zeugnis.
Da der Akademiebetrieb in Königsberg nach 1900 stark anwuchs, wurde ein neues Gebäude geplant. Der berühmte Königsberger Architekt Friedrich Lahrs (1880-1964) erbaute es schließlich 1911 bis 1916. Zudem war er Lehrer an der Kunstakademie für Architektur, Raumlehre und Flächenkunst.

Objekt der Woche #31 – Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie

Objekt der Woche #31 – Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie

Das Gemälde zeigt die stimmungsvolle Raumwirkung des klassizistischen Baustils von Lahrs. Der Stützpfeiler neben dem Treppenaufgang zeigt ein leichtes florales Rankenrelief, die Wand zu den Anräumen rechts ist durch flache Pilaster gefällig gegliedert. Man erkennt hierin den Stil des Architekten wieder, der auch die Pfeilerhalle um das Kant-Erinnerungsmal am Königsberger Dom 1924 erbaute. Dies ist erhalten, wie auch das Akademiegebäude in weiten Zügen, dazu glücklicherweise einige weitere Bauten im heutigen Kaliningrad.
Das Gemälde von Norbert Dolezich, der als Schüler und später als Lehrer an der Königsberger Kunstakademie wirkte, befindet sich in der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg.

Objekt der Woche #30 – Eine Prunkkanne aus der größten Stadt im schwedischen Gesamtreich: Riga

Mittwoch, 1. August 2018

Eine spannungsreiche Zeit in der Auseinandersetzung zweier Großmächte im Ostseeraum – Schweden und Russland – war das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Am Ende dieser Zeit, 1710, eroberte Zar Peter der Große Riga und Livland, es brach eine Pest infolge des Krieges aus. Kurz vorher schuf einer der bedeutendsten Goldschmiede Rigas seine großartigen Werke: Johann Georg Eben (1674-1710). Eben stammte aus Biberach an der Riß, war zuletzt noch Geselle beim Rigaer Meister Georg Dechant, bis er 1702 selbst Goldschmiedemeister wurde. Hier fand er reiche Auftraggeber, etwa den Rat der Stadt und die noble Schwarzhäuptergilde und viele andere. Heute stehen Ebens Arbeiten in berühmten Museen in New York, Moskau, London und St. Petersburg.

Objekt der Woche #30 – Eine Prunkkanne aus der größten Stadt im schwedischen Gesamtreich: Riga

Objekt der Woche #30 – Eine Prunkkanne aus der größten Stadt im schwedischen Gesamtreich: Riga

In der Deutschbaltischen Abteilung des Ostpreußischen Landesmuseums ist eine reiche, schwersilberne und ganzvergoldete Prunkkanne ausgestellt, die Eben um 1705 für einen unbekannten Auftraggeber schuf. Sie zeigt für ihre Zeit sehr moderne spätbarocke Formen. Vor allem die aus der Architektur entlehnten sogenannten Pfeifen, am unteren Gefäßkörper, am Fuß und auf der Manschette um den kurzen Schaft, sind es, die das Akanthusornament mit Blüten- und Fruchtgehängen oben am Deckel zeitlich ablösen. Mit der Höhe von 36 cm und einem Gewicht von 2765 g ist diese Deckelkanne ein wirkliches Prunkgefäß, das auf jeder vornehmen Tafel Eindruck macht.