Archiv für August 2018

Objekt der Woche #31 – Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie

Mittwoch, 8. August 2018

Als eines der ganz wenigen Gemälde, die aus dem Schaffen des Malers und Grafikers Norbert Dolezich (1906-1996) von der Zeit vor 1945 erhalten blieben, ist dieser Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie etwa 1940 ein stimmungsvolles Zeugnis.
Da der Akademiebetrieb in Königsberg nach 1900 stark anwuchs, wurde ein neues Gebäude geplant. Der berühmte Königsberger Architekt Friedrich Lahrs (1880-1964) erbaute es schließlich 1911 bis 1916. Zudem war er Lehrer an der Kunstakademie für Architektur, Raumlehre und Flächenkunst.

Objekt der Woche #31 – Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie

Objekt der Woche #31 – Blick in den Wandelgang der Königsberger Kunstakademie

Das Gemälde zeigt die stimmungsvolle Raumwirkung des klassizistischen Baustils von Lahrs. Der Stützpfeiler neben dem Treppenaufgang zeigt ein leichtes florales Rankenrelief, die Wand zu den Anräumen rechts ist durch flache Pilaster gefällig gegliedert. Man erkennt hierin den Stil des Architekten wieder, der auch die Pfeilerhalle um das Kant-Erinnerungsmal am Königsberger Dom 1924 erbaute. Dies ist erhalten, wie auch das Akademiegebäude in weiten Zügen, dazu glücklicherweise einige weitere Bauten im heutigen Kaliningrad.
Das Gemälde von Norbert Dolezich, der als Schüler und später als Lehrer an der Königsberger Kunstakademie wirkte, befindet sich in der neuen Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg.

Objekt der Woche #30 – Eine Prunkkanne aus der größten Stadt im schwedischen Gesamtreich: Riga

Mittwoch, 1. August 2018

Eine spannungsreiche Zeit in der Auseinandersetzung zweier Großmächte im Ostseeraum – Schweden und Russland – war das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Am Ende dieser Zeit, 1710, eroberte Zar Peter der Große Riga und Livland, es brach eine Pest infolge des Krieges aus. Kurz vorher schuf einer der bedeutendsten Goldschmiede Rigas seine großartigen Werke: Johann Georg Eben (1674-1710). Eben stammte aus Biberach an der Riß, war zuletzt noch Geselle beim Rigaer Meister Georg Dechant, bis er 1702 selbst Goldschmiedemeister wurde. Hier fand er reiche Auftraggeber, etwa den Rat der Stadt und die noble Schwarzhäuptergilde und viele andere. Heute stehen Ebens Arbeiten in berühmten Museen in New York, Moskau, London und St. Petersburg.

Objekt der Woche #30 – Eine Prunkkanne aus der größten Stadt im schwedischen Gesamtreich: Riga

Objekt der Woche #30 – Eine Prunkkanne aus der größten Stadt im schwedischen Gesamtreich: Riga

In der Deutschbaltischen Abteilung des Ostpreußischen Landesmuseums ist eine reiche, schwersilberne und ganzvergoldete Prunkkanne ausgestellt, die Eben um 1705 für einen unbekannten Auftraggeber schuf. Sie zeigt für ihre Zeit sehr moderne spätbarocke Formen. Vor allem die aus der Architektur entlehnten sogenannten Pfeifen, am unteren Gefäßkörper, am Fuß und auf der Manschette um den kurzen Schaft, sind es, die das Akanthusornament mit Blüten- und Fruchtgehängen oben am Deckel zeitlich ablösen. Mit der Höhe von 36 cm und einem Gewicht von 2765 g ist diese Deckelkanne ein wirkliches Prunkgefäß, das auf jeder vornehmen Tafel Eindruck macht.