Archiv für Juni 2018

Objekt der Woche #23 – Sprietkahn vom Kurischen Haff

Mittwoch, 13. Juni 2018

Das Modell im Maßstab 1:15 zeigt detailgenau den Aufbau, die Besegelung und die Oberfläche an Bord eines charakteristischen Fischerkahns vom Kurischen Haff. Die Sprietstange, ein langes Holzstück, das das Großsegel spannt, war typisch für die Boote der Nehrungsbewohner, während die vom Ostufer des Haffs eine Gaffel verwendeten. Dieses Boot war ein Keitelkahn, das den Stintkeitel, ein sackartiges Grundnetz, über den Gewässerboden zog.

Objekt der Woche #23 – Sprietkahn vom Kurischen Haff

Das Modell wurde von Klaus Plonus nach sechsjähriger Bauzeit 2006 fertiggestellt und uns 2014 geschenkt. In der Zwischenzeit wurde es auf sieben nationalen und internationalen Wettbewerben vorgestellt und sechsmal mit Gold und einmal mit Silber prämiert. Es ist in der Abteilung Wirtschaft in der Weimarer Zeit zu sehen.

Objekt der Woche #22 – Ermländische Trachtenhaube

Mittwoch, 6. Juni 2018

Aus Ostpreußen sind nicht sehr viele ältere Bekleidungsformen erhalten geblieben. Gegen 1900 versuchten verschiedene Vereine auf dem Land, oft von Lehrern initiiert, aus vorhandenen Resten die letzte Trachtenform zu erhalten und zu festlichen Angelegenheiten zu präsentieren. Dabei wurden Tanzgruppen gebildet und entsprechend ausgestattet mit alten oder nach alten Vorbildern neu geschneiderten Trachtenteilen. Auf diesem Weg rette man in einigen Gegenden alte Textilien und das Erscheinungsbild der Tracht, wie sie bis Anfang oder Mitte des 19. Jahrhunderts noch in Gebrauch gewesen war.

Ermländische Trachtenhaube

Das Ermland als katholisch geprägte Region mitten im evangelischen Ostpreußen hatte aufgrund seiner eigenen kulturellen Prägung länger traditionelle Bekleidungsformen behalten. Zu der Sonntags- und Festtracht der Frauen vor allem auf dem Land gehörte im frühen 19. Jahrhundert eine besonders aufwendig gearbeitete Haube mit gold- oder silberfarbenen Faden und langen seidenen Bändern. Später galt sie als eines der bekanntesten Trachtenteile Ostpreußens überhaupt und wurde seit um 1900 wieder getragen und nachgearbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition im Westen weiter gepflegt.