Archiv für Februar 2018

Objekt der Woche #8 – „Richard Strauss dirigiert in Königsberg 1927“ von Ernst Schaumann

Mittwoch, 28. Februar 2018

Bei unserem achten Objekt der Woche handelt es sich um eine Lithografie von Ernst Schaumann aus dem Jahr 1927. Sie stammt somit aus einer Zeit, als es noch Pressezeichner gab und Momente während der Aufführung auf diese Weise festgehalten wurden. Diese Grafik zeigt den Komponisten Richard Strauss während er am 29. März 1927 ein Konzert in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, dirigiert. Sie wird in der neuen Dauerausstellung in der Abteilung Literatur zu sehen sein.

„Richard Strauss dirigiert in Königsberg 1927“ von Ernst Schaumann

„Richard Strauss dirigiert in Königsberg 1927“ von Ernst Schaumann

Ernst Schaumann wurde 1890 in Königsberg geboren und besuchte die Königsberger Kunstakademie, bevor er von 1909 bis 1914 an der Berliner Kunstakademie lernte. Während des Ersten Weltkrieges war er als Kriegsmaler tätig, nach Kriegsende lebte Schaumann als freier Künstler in Warnicken an der Samlandküste, später in Königsberg. Aus dieser Zeit stammen seine vielbeachteten Pferdebilder. Daneben war er als Grafiker für Zeitungen tätig. In diesem Zusammenhang entstand auch das vorliegende Blatt von Richard Strauss. Im Zweiten Weltkrieg wurde er wieder als Kriegsmaler eingesetzt, nach seiner Ausweisung aus Königsberg 1948 lebte er bis zu seinem Tod 1955 in Teltow.

Objekt der Woche #7 – Küchensieb aus einem Stahlhelm gefertigt

Mittwoch, 21. Februar 2018

Nach Kriegsende fehlte es gerade den mittellosen Flüchtlingen an der nötigsten Ausstattung. Auch die Produktion war aufgrund der Kriegsschäden und Rohstoffmangel zum Erliegen gekommen. So ging man dazu über, zuvor militärisch genutzte und zum Teil eingelagerte Ausrüstungsgegenstände durch (industrielle) Veränderungen einem zivilen Nutzen zuzuführen (Konversion).
Diesem Stahlhelm wurden zwei Henkel angeschraubt und Löcher eingestanzt, so dass er der ostpreußischen Flüchtlingsfamilie in ihrer neuen niedersächsischen Heimat lange Jahre als Küchensieb diente. Da die hochlegierten Stahlhelme schnell rosteten, wurden sie in diesem Fall schwarz überlackiert.

Küchensieb aus einem Stahlhelm gefertigt

In der Nachkriegszeit wurden Wehrmachtshelme mit geringen Veränderungen auch als Kochtöpfe, als Nachttopf oder als Jauchekelle genutzt. Auch Gasmasken, Munitionshülsen oder Feldbetten wurden in Haushaltswaren wie Aschenbecher, Kannen, Kaffeebecher, Koffer oder gar Spinnräder umgewandelt. Eine kleine Auswahl solcher Nachkriegsobjekte werden Sie in unserer neuen Dauerausstellung, in der wir erstmals auch die Zeit nach 1945 thematisieren, im Bereich „Flucht, Vertreibung, Ankunft und Integration“ wiederfinden.

Objekt der Woche #6 – Strumpfband Königin Luise

Mittwoch, 14. Februar 2018

Strumpfband aus Leinen und Glas, gestickt von der preußischen Königin Luise (1776-1810), der Gattin Friedrich-Wilhelms III. Das Objekt wird in der neuen Dauerausstellung in der historischen Abteilung zu sehen sein.

Strumpfband Königin Luise

Strumpfband Königin Luise

1806 erlitten die Verbündeten Preußen und Russen bei Jena und Auerstedt eine verheerende Niederlage gegen Napoleon. Der königliche Hof floh vor den rasch vorrückenden Franzosen in Panik von Berlin bis Königsberg und über die winterliche Kurische Nehrung noch bis Memel. Luise und ihre Kinder, darunter die späteren Könige/Kaiser Friedrich-Wilhelm IV. und Wilhelm I., erlebten äußerst dramatische Tage. Legendär die Szene, als sie angeblich mit ihrem Diamantring in das Fenster eines Gasthauses in Nidden geritzt haben soll: „Wer nie sein Brod mit Thränen aß, wer nicht die kummervollen Nächte auf seinem Bette weinend saß, der kennt Euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“

Auf dieser Flucht soll Königin Luise als Dank für Beherbergung und Stellungen einer Kutsche für die weitere Flucht nach Ostpreußen dem Grafen Podewils 1806 dieses selbstgestickte Strumpfband in Graudenz vermacht haben.

Objekt der Woche #5 – Blick auf Reval (Tallinn)

Mittwoch, 7. Februar 2018

Mit der neugeschaffenen Deutschbaltischen Abteilung werden ab Ende August 2018 erstmals wichtige Werke deutschbaltischer Geschichte im Ostpreußischen Landesmuseum präsentiert und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter befindet sich ein idyllisches Gemälde mit einer Ansicht der Stadt Reval (heute Tallinn, die Hauptstadt Estlands) vom Laaksberg (estnisch Lasnamägi).

Blick auf Reval (Tallinn)

Das Ölgemälde aus der Zeit um 1840/50 zeigt den Ausblick aus einem Aussichtsturm, der oberhalb der Bucht von Reval auf dem Laaksberg steht. Vorn sind Spaziergänger in einem umzäunten Bereich, die ebenfalls den schönen Landschaftsanblick genießen. Im Hintergrund liegt die Stadt mit ihrer Festung und den markanten Kirchtürmen. Daneben erstreckt sich der Hafenbereich, die Quelle des Reichtums der alten Hanse-und Handelsstadt. Ganz vorn rechts steht ein Mann in russischer Uniform, der ein Fernrohr hält. Reval war damals die Hauptstadt der russischen Ostseeprovinz Estland.