Archiv für Dezember 2016

Hinter den Kulissen: Mein Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum

Mittwoch, 28. Dezember 2016

„Machen Sie Praktika, gehen Sie ins Ausland!“ – Diesen Rat eines Professors an der Uni befolgend, habe ich, Christina Ramsch, Studentin der Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg, mich vor einem Jahr entschieden, mir nach meinem vierten Semester Zeit zu nehmen, um Praktika zu absolvieren, denn: Nichts geht bekanntlich über Praxiserfahrung. Zum jetzigen Zeitpunkt befinde ich mich sozusagen auf der Schwelle zwischen den beiden Praktika, die mich in diesem Semester beschäftigen. Ich blicke zurück auf neun ereignis- und erfahrungsreiche Wochen im Ostpreußischen Landesmuseum und bin gleichzeitig gespannt auf weitere zehn Wochen Praktikum in der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Ankommen im Museum – von Irrungen und (Ent)wirrungen
Mein Praktikum habe ich unter der Anleitung von Silke Straatman in der von ihr geleiteten Abteilung Bildung und Vermittlung absolviert. Nach einem allseits äußerst freundlichen Empfang durch Silke Straatman und die übrigen Mitarbeiter, wurde sehr schnell deutlich: Der Zeitpunkt war günstig gewählt – „Es gibt Arbeit!“, wurde mir verkündet. Da ich motiviert war, möglichst viel zu erfahren und kennenzulernen, kam mir diese Tatsache natürlich entgegen. So boten bereits die ersten Tage reichlich Gelegenheit, mich einzubringen und aktiv zu werden. Und weil man ja bekanntlich am besten durch praktisches Arbeiten lernt („learning by doing“), verschwanden auch die anfänglichen kleinen Verwirrungen wie „Welches Büro gehört zu welchem Mitarbeiter?“, „Welcher Drucker ist gerade der Richtige?“ und „Ach ja, wo war nochmal der Aktionsraum?“ recht schnell.

Das neue Eingangsfoyer des Ostpreußischen Landesmuseums

Der Museumsmarkt 2016 – Wer? Wie? Wann? Und vor allem Was?
Anfang November stand der Museumsmarkt 2016 vor der Tür. Der Einblick in die Organisation dieser Veranstaltung bot mir einen aufschlussreichen Eindruck davon, wie ein solcher Markt koordiniert wird, was alles beachtet werden muss, wer involviert ist sowie viele weitere in die Planung zu integrierende Elemente. Ich selbst durfte mich mit der Organisation eines Gewinnspiels zugunsten des Museumskinderclubs befassen und mich anhand weiterer Aufgaben an der Umsetzung der Veranstaltung beteiligen. Dass der Museumsmarkt ein über mehrere Monate hinweg geplantes Ereignis ist, wurde mir spätestens zu dem Zeitpunkt bewusst, als ich bereits kurze Zeit nach der Veranstaltung die Akquise neuer Aussteller für den Museumsmarkt 2017 miterleben durfte.

Litauische Bernsteinkunst: Daiva Molyté und Audrius Lukauskas aus Nidden

Langeweile im Museum? Unmöglich! – Aufgabenvielfalt im Praktikum
Stand während der ersten Wochen des Praktikums noch unbestritten der Museumsmarkt im Zentrum der Aufmerksamkeit der Abteilung Bildung und Vermittlung, so prägten unterschiedlichste Themen und Aufgaben den zweiten Teil meiner Zeit im Museum. Hier nur ein kleiner Einblick:
Zum einen stand die Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Bernstein – Goldenes Fenster zu Vorzeit“ bevor. Jede Ausstellung, egal zu welchem Fachbereich gehörend, soll den unterschiedlichen Besuchern, ob jung oder alt, bestmöglich zugänglich gemacht werden. Im Rahmen der neuen Sonderausstellung wird daher ein kostenloses Quiz angeboten, welches Kindern ermöglicht, die Ausstellung eigenständig zu entdecken. Dieses Quiz zu erstellen gehörte zu meinen Aufgaben. Einen großen Teil meiner Zeit verwendete ich außerdem auf die Aktualisierung des Schulverteilers. Dieser ist relevant, damit das Museum bestmöglich mit den Schulen im näheren und weiteren Umkreis kommunizieren kann. Außerordentlich interessant waren für mich darüber hinaus die Treffen der Museumspädagoginnen in Lüneburg, bei denen ich Genaueres über die bestehenden Kooperationen zwischen den einzelnen Lüneburger Museen erfahren konnte. Ganz praktische Aspekte der museumspädagogischen Arbeit eröffneten sich mir schließlich während des Hospitierens bei einem Kindergeburtstag sowie beim Treffen des Kinderclubs im Museum als auch bei der Besprechung der Gestaltung neuer Räumlichkeiten für die Abteilung Bildung und Vermittlung.

Sonderausstellung: Bernstein - Goldenes Fenster zur Vorzeit

Besonders spannend waren für mich auch die Besprechungen zur Gestaltung der neuen Dauerausstellung, die zurzeit im Museum konzipiert wird. Diese Sitzungen haben mir einen kleinen Eindruck von all den Prozessen, unterschiedlichen Aufgaben und Personen vermittelt, die in ein solches Projekt integriert sind – ein Umfang und eine Komplexität, die ich mir zuvor nicht hätte vorstellen können.

Museum von A bis Z – Ein Resumée
Die vergangenen Monate waren für mich eine äußerst positive Zeit. Das hängt unter anderem mit der guten Arbeitsatmosphäre zusammen, die ich im Museum erleben durfte. Allen Mitarbeitern, aber insbesondere Silke Straatman habe ich es zu verdanken, dass ich mich dort sehr schnell wohl gefühlt habe. Es wurde mir sehr viel erklärt und gezeigt, ich konnte zudem jederzeit jede Frage stellen, die mir in den Sinn kam (und in zwei Monaten kommen da so einige Fragen zusammen!) und durfte bei einer Vielzahl von Terminen und Besprechungen anwesend sein, sodass das Praktikum immer abwechslungsreich blieb und keine Chance auf Langeweile bestand.

Insgesamt hatte ich somit eine äußerst aufschlussreiche Zeit im Ostpreußischen Landesmuseum, die mich um einige Erkenntnisse und Erfahrungen reicher gemacht hat. Eine Erkenntnis besteht sicherlich auch darin, dass zwei Monate nicht annähernd ausreichen, um auch nur eine Abteilung gänzlich kennenzulernen, aber ich bin überzeugt davon, dass ich einen intensiven Einblick in das Arbeitsfeld „Museum“, insbesondere in die Museumspädagogik, erhalten habe. Jetzt ist für mich jedenfalls klar: Ich werde mich auch in Zukunft im Zuge meines Studiums weiter in diese Richtung orientieren.

In diesem Sinne: Vielen Dank an das Museumsteam für diese spannende Zeit!

Praktikantin Christina Ramsch

Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Dienstag, 27. Dezember 2016

Ein Bericht von Christine von Brühl

Karminfarbener Verputz, bunt schimmernde Mosaiksteine, goldglänzende Sterne – das Innere des Mendelssohn-Hauses in Olsztyn wirkt wie aus einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Jahre haben die Mitstreiter der Stiftung Borussia darauf verwendet, dieses Kleinod wieder herzustellen. Aus der einstigen Bauruine der Leichenhalle des ehemaligen jüdischen Friedhofs ist ein stimmungsvoller Ort der Begegnung geworden.

Am 1. Dezember hatte ich die Freude, auf Einladung von Agata Kern vom Ostpreußischen Landesmuseum in diesem märchenhaften Ambiente mein Buch „Out of Adel“ vorzustellen. Es ist im Juni 2016 auf Polnisch unter dem Titel „Jak przestalam byc arystokratka“ im Verlag Dobra Literatura erschienen. Der Allensteiner Rundfunkjournalist Robert Lesinski unterstütze mich vor gut gefülltem Haus bei der Präsentation, Stiftungsvorsitzende Kornelia Kurowska begrüßte uns und stellte die Mitwirkenden vor.

Dr. Christine von Brühl, Robert Lesinski und Kornelia Kurowska (v.l.)

Nicht nur das Buch, auch die Geschichte meiner Familie stieß beim Publikum auf großes Interesse. Mein Großvater war bis 1934 Landrat in Allenstein, widersetzte sich als gläubiger Katholik den Nazis und wurde zur Strafe in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Meine Großmutter, geboren und aufgewachsen in Ostpreußen, wurde denunziert und kam ins Gefängnis. Beide Großeltern sowie drei ihrer vier Kinder – ein Sohn ist im Februar 1945 gefallen – konnten gegen Kriegsende fliehen und lebten in Westfalen. Sie sind nie wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

Dr. Christine von Brühl

Trotz dieser traurigen Ereignisse war das Wiedersehen mit Olsztyn ein freudiges Ereignis. Die Besucher der Lesung waren samt und sonders gut informiert und bewiesen Anteilnahme, Offenheit und Neugier. Zweifelsohne ist das auf das unermüdliche Engagement der Stiftung zurückzuführen. Tag für Tag beweist sie durch ihre Arbeit, welche kulturellen und ideellen Werte man aus der Vergangenheit schöpfen kann, sei sie auch noch so traurig. Einzelne Mitglieder der Stiftung stammen selbst aus Familien, die ihre Heimat nach dem Krieg verlassen mussten, wie beispielswiese aus der Gegend um Vilnius. Statt in Larmoyanz zu versinken, nutzen sie die historische Verbundenheit mit Ländern wie Litauen, Ukraine oder Deutschland, um einen regen internationalen Kulturaustausch zu pflegen. Sie schauen nach vorn und betrachten die geschichtlichen Ereignisse ihrer Region als Chance und Anlass zur Vielfalt. Das hat mich tief beeindruckt.

Kunst erfassen mit den Sinnen – Besuch der Hamburger Kunsthalle am 8. November 2016

Dienstag, 20. Dezember 2016

Ein Bericht von Jutta Pruchner
Im Rahmen des Kunstunterrichts besuchten die Klasse 2 und die IVK (Internationale Vorbereitungsklasse) der Schule Cranz
in Kooperation mit dem Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg, vertreten durch Frau Kern, die Kunsthalle Hamburg.
Die IVK  gibt es seit dem April 2016 an unserer Schule. Siebzehn Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren, die sowohl aus Flüchtlingsgebieten (Syrien, Iran, Afghanistan) kommen als auch Kinder, die ohne Deutschkenntnisse neu in Deutschland sind (Rumänien, Polen Ukraine), lernen ein Jahr die deutsche Sprache, erhalten Unterricht im Fach Mathematik,  Sachunterricht und Sport und gehen danach in die jeweilige Regelklasse über.

Dies war bereits der zweite gemeinsame Ausflug mit der zweiten Klasse. Erste Freundschaften bahnen sich an. Gespannt erwarteten alle die unbekannte Reise durch die Hamburger Kunsthalle. Der Vermittler der Kunsthalle Heiko Lietz nahm uns in Empfang und leitete uns durch das Programm „Spürnasen“.

Mit der Gruppe vor dem Bild "Flora" von Lovis Corinth

Vor dem Kunstwerk „Flora“ von Lovis Corinth sprachen die Kinder über ihre Eindrücke und Ideen in Bezug auf Farbgebung, Ausdruck und Körperhaltung der dargestellten Flora. Als Vorbereitung für eine Zeichenübung durften die Kinder dann aus vielen verschiedenen Geruchsproben den Geruch auswählen, der für sie am besten zu der Flora passte. Mit ihren kleinen Geruchsdöschen gingen sie nun an die praktische Arbeit. In Partnerarbeit setzten sie ihren ausgewählten Duft mit Ölkreiden gestalterisch um.

In der Werkstatt der Kunsthalle

Die Kinder waren von ihrer Aufgabe und den Eindrücken während ihres Museumsaufenthaltes begeistert. Der Geruchssinn hatte bei ihnen viele Erinnerungen wachgerufen und das gemeinsame Gestalten weckte Staunen, Schaffensfreude und Sinnhaftigkeit.
Bewegte und farbenfrohe Bilder entstanden, ließen sich anschließend bestaunen und regten zu zahlreichen Sprechanlässen an.

Die gemalten Bilder