Archiv für Oktober 2013

Schwermütige Romantik im Ostpreußischen Landesmuseum

Freitag, 25. Oktober 2013

Laba diena!

Ich heiße Adele und komme aus Litauen. An der litauischen Universität für Erziehungswissenschaft in Vilnius (Wilna) habe ich Angewandte Geschichte studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen.

Das Ostpreußische Landesmuseum ist für mich ein Platz voll mit großartigen Geschichten und interessanter Arbeit. Am Anfang meines Praktikums habe ich das Museum kennengelernt. Mit jedem neuen Rundgang durch die Ausstellung hat sich mir das Museum mehr und mehr erschlossen.

Besonders gern bin ich in der Museumsabteilung für Gemälde und Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts mit den Gemälden der Maler der Königsberger Kunstakademie 1845-1944 sowie der Künstlerkolonie in Nidden. Hier habe ich meine baltische Seele gefunden – zumindest das, was ich vermisst habe oder was ich zuvor nie so tief empfunden habe. Schwermütige Romantik liegt dort, und das ist eine sehr besondere Art von Romantik.

Adele vor "ihrer" 20er Jahre Foto-Wand

Adele vor "ihrer" 20er Jahre Foto-Wand

Ich habe während meines Praktikums viele verschiedene Arbeiten in den unterschiedlichen Abteilungen verrichtet. Alles hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte die Möglichkeit, Karl Eulensteins Gemälde des Museums in der Sonderausstellung zu erleben. Karl Eulenstein hat mir gezeigt, wie tief die Menschen mit ihrer Heimat verbunden sind. Das Ostpreußische Landesmuseum hat mir ein besseres Verständnis für und Respekt vor der ostpreußischen und preußisch-litthauischen Geschichte gegeben. Durch die Kenntnis der preußischen Geschichte habe ich die Geschichte Litauens besser verstanden.

In der Museumsnacht erlebte ich, wie das Museum lebendig und anschaulich Kultur vermitteln kann. Ich habe für die Museumspädagogik ein riesiges Bild für eine Foto-Wand gezeichnet, hinter der sich Kinder (und Erwachsene) fotografieren lassen konnten. Die Arbeit mit Kindern in der Museumsnacht und im Museum machte mir sehr viel Spaß. Ich war überglücklich!

Die verschiedenen Aufgaben im Museum haben mir viel Freude bereitet. Jeder Moment dort hatte für mich Bedeutung und hat mir sehr viel gegeben. Schade, dass mein Praktikum bald zu Ende geht. Das OL – ein großartiger Platz!

Mal-und Kulturreise nach Krakau vom 8. bis 15. Juli 2013. Ein Reisebericht

Freitag, 4. Oktober 2013

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und Baltikum am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg
Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 8. Juli 2013 die Malkursteilnehmer und weitere Mitreisende, sowie die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger Flughafen. Warschau war das Zwischenziel, dann ging es weiter nach Krakau. Einige Teilnehmer hatten ihre Anreise selber organisiert. Das Hotel lag so zentral in der Altstadt, dass wir direkt zu Fuß starten konnten. Schon am ersten Abend hat uns die lebendige Kulturmetropole mit einer lauer Sommernacht voller Gaukler, Kleinkünstler, Musiker und junger Menschen auf den Straßen begrüßt.

Die nächsten Tage waren reichlich angefüllt mit einem hervorragend geleiteten Besichtigungsprogramm und anschließendem Malkurs direkt vor den Motiven.

Residenz als Motiv

Die Wawelburg

Auf der oben gelegenen Terrasse, direkt auf den berühmten Tuchhallen, konnten wir recht ungestört die ersten Versuche starten. Die Skizzenbücher, Aquarellblöcke, Pinsel und Stifte wurden gezückt, dem Turmbläser gelauscht. Die riesige Marienkirche mit dem farbenfrohen Treiben auf dem Marktplatz entpuppte sich zu einer echten Herausforderung.Nach der „Eroberung“ und Besichtigung der Wawelburg wurde am Nachmittag am Weichselufer, auf der gegenüberliegenden Seite in einem schattigen Plätzchen, die imposante Residenz gemalt.

Das schattige Plätzchen

Das schattige Plätzchen

Kazimierz: das jüdische Viertel wurde leider unter Regenschirmen besichtigt, doch sein malerischer Charme reizte uns Maler zu einem weiteren Besuch.
Der Platz vor unserem Hotel bot sich wunderbar an, um Übungen in Perspektive und Farbenlehre zu praktizieren und das Trainieren schneller Farbskizzen zu unterrichten.

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Übungen in Perspektive und Farbenlehre

Krakau zeigte sich in allen Facetten: stürmisch und regnerisch, heiß und farbenfroh. Die vielen Bars, Kneipen und Restaurants rundeten nach einem arbeitsreichen Tag am Motiv das sinnliche Erlebnis mit wahren Gaumengenüssen ab.

Krakauer Eindrücke

Krakauer Eindrücke

Am letzten Maltag wurden wir wieder von der Sonne begrüßt. Es ging ein letztes Mal zu dem berühmten Platz und wir versuchten gegen die davon flitzende Zeit an zu arbeiten. Alle Maler und Malerinnen hatten große Fortschritte gemacht, schade, gerade jetzt am Ende des Tages den Pinsel wieder einpacken zu müssen. Die große Werkschau krönte als Abschlußausstellung den letzten Tag der Malreise. Es ist ein ergreifender Moment, wenn alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen werden. Weit über 60 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess.

Gudrun Jakubeit

Gudrun Jakubeit

Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen, gab konstruktive Kritik, Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Teilnehmer

Teilnehmer der Malreise

Eine weitere Mal- und Kulturreise Anfang Juli 2014 nach Nidden, auf den Spuren der Künstlerkolonie auf die Kurische Nehrung, Litauen, in Zusammenarbeit mit Frau Agata Kern, Herrn Dr. Barfod und der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern: Tel: 04131 – 7599515
oder an das Atelier Gudrun Jakubeit: Tel: 04131 – 603555

Wer neugierig geworden ist, ist sehr herzlich zum Besuch unserer Ausstellung eingeladen: Impressionen aus Masuren und Krakau: 5.10. – 3.11.2013 im Ostpreußischen Landesmuseum

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013

Gudrun Jakubeit Krakau Aquarell 2013


“Man hob von dieser Welt ab” – Der 5. ökumenische Ost-Heimatgottesdienst in Lüneburg

Mittwoch, 2. Oktober 2013

„Ich habe ein Zuhause“ unter diesem Thema fand am Samstag, dem 07.09.2013 der 5. ökumenische Ost-Heimatgottesdienst in der St. Johanniskirche in Lüneburg statt. Die Predigt zum Thema der Jahreslosung „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebräer 13,14), hielt der in Masuren geborene Pastor Fryderyk Tegler aus Scharnebeck. Der Gottesdienst fand bei über 250 Teilnehmern großes Interesse.

Der Chor der ev. Brüdergemeinde Lüneburg

Der Chor der ev. Brüdergemeinde Lüneburg

Die eigens für den Gottesdienst eingeladenen 16 Gäste aus Ostpreußen (Giźycko/Lötzen) wurden bereits am Freitag von den vielen Helfern und Unterstützern in Empfang genommen.

Der Chor „Stimme der Heimat aus Lötzen / Giźycko in St. Johannis

Der Chor „Stimme der Heimat aus Lötzen / Giźycko in St. Johannis

Neben den Pastoren Tegler und Dreyer vertrat Dechand Menges die katholische Kirche, Friedrich von Mansberg den Rat der Stadt Lüneburg, Nicole Ziemer den Landkreis Lüneburg und Dr. Joachim Mähnert das Ostpreußische Landesmuseum. Die musikalische Umrahmung gestalteten der Posaunenchor Bleckede, der Chor „Stimme der Heimat” aus Lötzen / Giźycko, Lena Buko am Zimbal, ein Flötenchor sowie der Chor der Brüdergemeinde aus Lüneburg.

"Man hob von dieser Welt ab!!!" so bedankte sich eine 90 jährige Frau aus Bonn bei Pastor Tegler, die extra zum Gottesdienst angereist war.

"Man hob von dieser Welt ab!!!" so bedankte sich eine 90 jährige Frau aus Bonn bei Pastor Tegler, die extra zum Gottesdienst angereist war.

Nach dem Gottesdienst gab es im Ostpreußischen Landesmuseum die Möglichkeit zum Austausch und Gesprächen bei Kaffee und Kuchen. Ein weiterer Auftritt vom Lötzener Chor und der aus Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, stammenden Zymbalistin Lena Buko rundeten den Nachmittag ab.

Lena Buko an ihrem Zimbal im Ostpreußischen Landesmuseum

Lena Buko an ihrem Zimbal im Ostpreußischen Landesmuseum

Veranstalter der Lüneburger Ost-Heimatgottesdienste ist die „Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen“, in deren Vorstand Pastor Fryderyk Tegler tätig ist. Pastor Tegler pflegt enge Kontakte zu seiner alten Heimat und wurde dafür in Polen mehrfach ausgezeichnet.