Archiv für Juli 2013

Mein Praktikum im OL oder Wie ich Ernst Mollenhauer entdeckte

Freitag, 26. Juli 2013

Anfang des Jahres bewarb ich mich beim OL im schönen Lüneburg. In einer netten Antwort schrieb mir Dr. Barfod, Kustos des OL, das er mir tatsächlich einen Praktikumsplatz für die Semesterferien anbieten könne. Oh Freude! Bereits in einem persönlichen Gespräch im April erklärte er mir meine zukünftigen Aufgaben.

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Ernst Mollenhauer, Selbstportrait, 1956

Das Museum hatte von der Tochter des Malers Ernst Mollenhauers (1892-1963), Maja Ehlermann-Mollenhauer, einen Nachlass mit seinen Werken erhalten, die nun inventarisiert werden mussten. Auf die Frage was ich schon über diesen Künstler wüsste, musste ich kleinlaut mit “nix” antworten. Dieser erste „faux pas“ wurde mir großzügig verziehen. Ich erhielt Informationsmaterial, um mich ein wenig in das Thema einzulesen, bevor ich das Projekt “Mollenhauer” starten würde.

Auspacken und Staunen

Erst Auspacken dann Worte finden

Einige Expressionisten, wie z. B. Otto Dix waren mir schon durch meine Uni-Kurse in Kunstgeschichte bekannt, Ich dachte eigentlich, dass sie in ihren Werken eher ihre innersten Ängste und ihre Abneigung gegen die moderne Welt ausleben würden. Viele Bilder wirken aggressiv und brutal. Mollenhauer stattdessen huldigt den Urgewalten der Natur oder dem einfachen Leben in abgelegenen Dörfern auf andere Weise. Seine Landschaften geben dem Betrachter das Gefühl, die Strahlen der Sonne direkt auf der Haut zu spüren, und aus seinen Meeresansichten hört man das Rauschen der Brandung. So viel zu meinen ersten Gedanken über den Herrn, der mich nun die nächsten zehn Wochen beschäftigt halten soll.

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Ein Mollenhauer unter Glas: Strand am Kurischen Haff, 1961

Die ersten drei Wochen meines Praktikums sind inzwischen fast vorbei. Ich habe bisher über 100 Werke Mollenhauers ausgepackt, mit einer Inventarnummer versehen, gemessen, liebevoll wieder eingepackt und beschrieben. ‘Wie erkläre ich jemandem eine Szene verständlich ohne dass er sie selbst vor Augen hat?’- Dies ist nicht gar so einfach wie man denkt, und ich stellte schnell fest, dass mein Wortschatz an maritimen Ausdrücken doch sehr dürftig ist…

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild  sehe...

Auf sogenannten Laufzetteln trage ich zunächst alles ein, was ich auf dem Bild sehe...

Meine neuen Kollegen stehen mir jedoch tatkräftig zur Seite und werfen auch gerne mal einen neugierigen Blick auf die Schätze, die ich aus den Verpackungen zutage bringe. Das Schöne ist zudem, das ich Einiges, was ich an der Uni bis jetzt gelernt habe, endlich aktiv umsetzen kann. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen hier noch für mich bereit halten.

Karen Westendorf , Studentin “Museum and Gallery Studies”, Aberystwyth / Wales

Sommerakademie „Expressionismus und Moderne“

Donnerstag, 18. Juli 2013

Als vor 100 Jahren der Begriff „Expressionismus“ Eingang in die Kunst fand, war der expressionistische Ausdruckswille eines Künstlers – unabhängig vom herrschenden Malstil oder von konformistischer Malweise – in der Kunstgeschichte längst eine Tatsache. Die Werke aus den späteren Lebensphasen von Feofan Grek (1340-1410), El Greco (1541-1614) oder Goya (1746-1828) sind ein überzeugender Beweis dafür. In der Tat erweist sich der Expressionismus als farbenprächtiger Ausdruck des Lebensgefühls eines Künstlers aus einer inneren Notwendigkeit heraus, die mit seinem Leben und seinen Gefühlen eng verbunden bleibt.

Inspiration nach Karl Eulenstein

Margret Hachmeister, Inspiration nach Karl Eulenstein „Leuchtturm“

Unsere Sommerakademie „Expressionismus und Moderne“ haben wir mit einem Blick in die Kunstgeschichte begonnen. Es wurden Parallelen in Leben und Werk von Vincent Van Gogh (1853-1890),  Paul Gauguin (1848-1903) und Edvard Munch (1863-1944) angesprochen. Hervorgehoben wurde die  expressionistische Tendenz in der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die geistigen Verbindungen und Einflüsse auf das Werk von Karl Eulenstein.

Eine Führung durch die Ausstellung „Das Erleben des Elementaren. Der Expressionist Karl Eulenstein“ half den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Sommerakademie, ihren persönliches Zugang zu den Werken des ostpreußischen Malers Eulenstein zu finden. Die Bilderpräsentation der entstandenen Werke am letzten Tag unserer Sommerakademie im Ausstellungsraum hat dieses sichtbar gemacht.

Junge Frau

Ulrich Soldt-Heller "Junge Frau"

Um dem Anspruch einer künstlerischen Sommerakademie gerecht zu werden, legte der Unterricht großen Wert auf die maltechnische Ausführung. Die schon Erfahrenen und die, die ihre ersten Schritte in der Malerei wagten, wurden professionell von der Künstlerin und Dozentin Elena Steinke angeleitet.

Nach einem Motto von Henri Matisse (1869-1954): „Wenn ich grün male, ist nicht Gras gemeint; wenn ich Blau male, ist nicht Himmel gemeint“  wurde eine Farbpalette  mit den drei Grundfarben in Rot, Blau, Gelb zusammengestellt und in Verbindung mit Schwarz und Weiß  bewusst expressiv umgesetzt.

Rote Kuh

Doris Paland "Rote Kuh"

So entstanden unter anderem Bilder wie „Rote Kuh“ (Doris Paland) oder „Mutter und Kind“ (Shashikala Voegeli-Paranjpe), deren leidenschaftliche Farben und beunruhigende, lineare Rhythmen ihre Sympathie und  das Verständnis für den Expressionismus verraten. Noch mehr Einblicke in Die Sommerakademie gibt es bei youtube.

Mutter und Kind

Shashikala Voegeli-Paranjpen "Mutter und Kind"

“Ich glaube, dass der Expressionismus bis heute eine prägende Kraft unseres Zeitgeistes ist und dass die mit der Aureole (Glorienschein) des Expressionismus neugeschaffenen zeitgenössischen Werke des 21. Jahrhundert nicht als Reaktion auf Nachfragen des Kunstmarktes, sondern aus innerer Notwendigkeit ihrer Schöpfer entstanden sind.” Elena Steinke