Archiv für November 2012

Worte wurden Brücken. Klaus Bednarz in Lüneburg

Donnerstag, 29. November 2012

Am Mittwoch, dem 28. November, empfing das Ostpreußische Landesmuseum einen der bekanntesten deutschen Journalisten – Klaus Bednarz – in der Handwerkskammer Lüneburg.

Bednarz war lange Zeit ARD-Korrespondent in Warschau und Moskau, Leiter des Politmagazins “Monitor” und Chefreporter des WDR. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Fernsehdokumentationen über Russland, Polen und Ostpreußen.

Dr. Mähnert, Direktor des OL, eröffnete die Veranstaltung. Im Hintergrund Heinrich Böll und Lew Kopelew.

Dr. Joachim Mähnert, Direktor des OL, eröffnete die Veranstaltung. Im Hintergrund: Heinrich Böll und Lew Kopelew.

Thema des Abends in Lüneburg war jedoch nicht er selbst, sondern Lew Kopelew, der berühmte russische Germanist, Philosoph und Schriftsteller, der 2012 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Als Klaus Bednarz 1977 ARD-Korrespondent in Moskau wurde, machte ihn Fritz  Pleitgen, sein Vorgänger auf diesem Posten, mit Lew Kopelew bekannt. Daraus erwuchs eine enge Freundschaft, die auch nach Kopelews  Ausbürgerung aus der Sowjetunion 1981 weiter gepflegt wurde. Klaus Bednarz erzählte von seinen Begegnungen mit Lew Kopelew und gab einen intensiven, lebendigen Einblick in das Leben dieses berühmten Mannes und großen Menschenfreundes.

Klaus Bednarz während seines Vortrags. Im Hintergrund: Lew Kopelew.

Klaus Bednarz während seines Vortrags. Im Hintergrund: Lew Kopelew.

Dabei wurde den Zuhörern anhand von zahlreichen großen und kleinen Begebenheiten das Bild eines Menschen gezeichnet, für den Mitmenschlichkeit immer an erster Stelle stand. Kopelew hatte einen großen, weit vernetzten Freundeskreis, der in Deutschland bis zu Heinrich Böll oder Marion Gräfin Dönhoff reichte. So war es auch keine Seltenheit, dass er seine Kontakte nutzte, um Menschen zu helfen, indem er beispielsweise über ARD- Korrespondenten Medikamente aus Deutschland nach Moskau holte, um diese dann über weitere Mittler zu Gefangenen in Gulags in Sibirien zu bringen.

Klaus Bednarz und Agata Kern, die Kulturreferentin des OL

Klaus Bednarz und Agata Kern, die Kulturreferentin des OL

“Worte werden Brücken”, Kopelew lebte diese Worte, seine Worte. Kopelew liebte die deutsche Sprache, Literatur und Kultur, er kämpfte für die Abschaffung von Streubomben, setzte sich für die Völkerverständigung und für die Aussöhnung zwischen Russen und Deutschen ein, verpasste nie die Tagesschau und meinte, dass Bednarz einen Fernseher reparieren könne, weil er beim Fernsehen arbeite. All das und wohl vieles mehr war Lew Kopelew. Am Ende der Veranstaltung hatten die Zuhörer nicht nur zahlreiche neue Einzelheiten aus dem Leben Kopelews erfahren, sie konnten auch den Menschen ein wenig kennenlernen.

Wer mehr über Lew Kopolew erfahren möchte, dem empfiehlt Klaus Bednarz Kopolews autobiographisches Buch “Aufbewahren für alle Zeit”, in dem er seine Erlebnisse aufgeschrieben hat. Leider ist Kopelew in Russland weitaus weniger bekannt als in Deutschland. Aber auch hierzulande lässt der Bekanntheitsgrad nach.

Vielen Dank für den Eintrag ins Gästebuch

Das OL als "Brückenpfeiler für Kulturaustausch und Völkerverständigung"

Klaus Bednarz war bereits vor 10 Jahren Gast des Ostpreußischen Landesmuseums und wieder hat es ihm gut gefallen. In seiner augenzwinkernden Art bemerkte er, dass kein Besucher den Saal verlassen hätte, “ein gutes Zeichen”. Eine wirklich gelungene Veranstaltung. Und nicht zuletzt lobte Bednarz auch die  Arbeit des OL insgesamt als Brückenpfeiler für Kulturaustausch und Völkerverständigung.

Da sagt das OL doch: Vielen Dank!

Kultur leicht verstehen

Donnerstag, 22. November 2012

oder

Es ist normal verschieden zu sein!

Ein Erfahrungsbericht von Ele Brandt


Die Museumspädagogische Abteilung des ostpreußischen Landesmuseums bietet seit Ende Oktober 2012 spannende und ereignisreiche Integrationsangebote für Menschen mit Lernförderbedarf an. Die Programme sind für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet und können als Gruppenangebote oder Geburtstagsfeiern gebucht werden.

Seit März dieses Jahres bin ich im Rahmen einer Eingliederungsmaßnahme in der Museumspädagogischen  Abteilung des Ostpreußischen Landesmuseums tätig. Da einer meiner beruflichen Interessensschwerpunkte in der Behindertenarbeit liegt, konnte ich meine darin gesammelten Erfahrungen für die Integrationsarbeit im Museum nutzen. So konnte ich zur Aus- und Umarbeitung vorhandener museumspädagogischer Konzepte für Menschen mit Behinderungen einen fachlichen Beitrag leisten. Eine befriedigende Arbeit, wenn man in Betracht zieht, dass jetzt nach einem halben Jahr intensiver Vorbereitung, die neuen Programme stehen und bereits in der Umsetzungsphase sind. Denn am Montag, 29. Oktober 2012, hatten wir gewissermaßen Premiere. Die Lebenshilfe Lüneburg, seit über einem Jahr Kooperationspartner des Ostpreußischen Landesmuseums, hatte für acht Kinder das Angebot “Ritter und schöne Bugfräuleins” gebucht.

Nachdem wir uns im Foyer getroffen haben, ging es in den Museumspädagogischen Raum. Die Kinder waren sichtlich aufgeregt und gespannt… Erst einmal gab es von der museumspädagogischen Mitarbeiterin Katharina Fuhrhop und mir eine Einführung darüber, was ein Museum ist.

Dann haben wir uns mit dem Thema Mittelalter beschäftigt. Wann und wie haben die Menschen früher auf einer Burg gelebt? Welche Personen wohnten in einer Burg und was hatten die Ritter an?

Wie sieht so eine Rüstung eigentlich genau aus? Und was trägt ein Ritter unter seiner Rüstung? Das ist tatsächlich ein Kettenhemd!

Die Kinder waren sehr beeindruckt, als sie das Kettenhemd alle einmal halten durften. Es ist nämlich ein echtes Kettenhemd aus Stahl und wiegt gut und gerne seine 10kg.

Natürlich hat so ein Ritter auch ein Schwert und einen Schild…

Nachdem auch diese beiden Gegenstände wieder genauestens begutachtet waren, ging es weiter mit einer Einführung, wie eine Burg aufgebaut ist. Erst einmal nur theoretisch, weil wir hier im Museum auch wunderschöne nachgebaute Burgenzimmer haben. Und auch über ein Modell der Marienburg verfügen…..aber dazu später.

Jetzt kommt nämlich endlich der spannende Moment. Es geht ans Einkleiden. Genauer gesagt, als nun jeder wusste, welche Person er in den Burggemächern

spielen wollte, ging es ans Verkleiden.

Endlich ist es soweit, unser Burgfest kann beginnen.

Nach einem Rundgang durchs Museum, bei dem wir uns noch einmal eine echte Ritterrüstung und die Marienburg angeschaut hatten………………

………haben wir uns alle noch zum Abschluss einen kleinen Filzbeutel gebastelt.

Natürlich bekam jedes Kind auch etwas in den Beutel hinein  – einen Rohbernstein als Glücksbringer.

Für uns alle war diese Aktion ein gelungenes und schönes Ereignis.

Endspurt bei Glanz und Elend

Mittwoch, 21. November 2012

Neue Ausstellung:  Glanz und Elend. Mythos und Wirklichkeit der Herrenhäuser im Baltikum

Noch gut eine Woche ist Zeit und bis diesen Freitag werden bereits alle Exponate für die neue Ausstellung – mehr als 200 Stück- das Ostpreußische Landesmuseum erreicht haben. Gerade ist unser Bus im „Süden“ unterwegs und sammelt die Objekte aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg ein, nachdem er letzte Woche noch im Baltikum auf Tour war.

Die Kuriere aus Riga übringen die wertvolle Fracht!

Heute Vormittag erreichte uns ein besonderes Exponat aus dem Museum für Ausländische Kunst in Riga: eine Urne zum Gedächtnis der Gräfin Marie Elisabeth von Lieven aus dem Jahr 1803 aus der Werkstatt von Johann Gottfried Schadow.

Entpacken...

Entpacken...

Das Marmorgefäß ist mehrere 100 Kilogramm schwer – entsprechend brauchten unsere Helfer technisches Gerät und eine Menge Feingefühl, um das ganze milimetergenau mit dem Marmorfuß zusammenzubringen.

Beim Aufstellen ist technisches Gerät und Feingefühl gefragt

Beim Aufstellen ist technisches Gerät und Feingefühl gefragt

Urnen sind ein typischer Bestandteil der Landschaftsgärten im Baltikum, die nach englischem Vorbild während des ganzen 19. Jahrhunderts angelegt wurden. Georg Philipp von Lieven (1771–1847) bestellte die Urne in Berlin bei dem Bildhauer Johann Gottfried Schadow im Angedenken an seine verstorbene Mutter Maria Elisabeth (1738–1803).

Eine 102-jährige begeistert

Montag, 19. November 2012

Was hat Elfriede Brüning nicht alles erlebt. 1910 in Berlin geboren, verspürte sie schon früh den Wunsch Schriftstellerin zu werden. 1932 schloss sich Frau Brüning dem „Bund proletarisch – revolutionärer Schriftsteller“ an, den Johannes R. Becher leitete und zu dem auch Anna Seghers gehörte. Elfriede Brüning kennt viele große Namen persönlich und hat selbst fantastisches geschrieben und viel Bewegendes zu erzählen.

Elfriede Brüning liest aus "Auf schmalem Land", der 1934 auf der Kurischen Nehrung entstand

Dies tat sie am Sonntagnachmittag, den 18. November im Ostpreußischen Landesmuseum. Und mehr als fünf Dutzend Besucher kamen um dieser eindrucksvollen Dame zu lauschen. So erzählte sie wie sie als junge Frau nach Ostpreußen kam – eine Region, die ihr so fremd war wie heute den meisten von uns vielleicht Lateinamerika. Als junge Journalistin erhielt Elfriede Brüning 1934 den Auftrag, über die Segelfliegerausbildung auf der Kurischen Nehrung zu berichten, erkannte aber schnell, dass es sich um die Vorbereitung von künftigen Piloten der Luftwaffe handelte. Sie gab den Auftrag zurück, blieb aber für einige Monate auf der Nehrung und lernte das Leben und die Sorgen der Menschen kennen. So entstand der Roman „Auf schmalem Land“, der wie durch ein Wunder noch 1938 erscheinen konnte. Elfriede Brüning hatte sich bereits vor 1933 der linken Bewegung angeschlossen und war 1935 verhaftet worden. Mit der erneuten Veröffentlichung ihres Romans „Auf schmalem Land“ 2009 wurden ihre Erlebnisse in Ostpreußen nach Jahrzehnten des Nicht-daran-Denkens wieder aktuell.

Dipl- Päd. Hans Wolfgang Lesch ist Experte für DDR-Literatur und moderierte die Veranstaltung im OL

Dipl. Päd. Hans Wolfgang Lesch, Germanist und Experte für DDR-Literatur, moderierte die Veranstaltung und las gemeinsam mit Elfriede Brüning aus „Auf Schmalem Land“. Daneben stellte auch er Leben und Werk der Schriftstellerin vor und kam dabei regelrecht ins Schwärmen. Auch eine sympathische Anekdote aus der gemeinsamen, schon viele Jahre dauernden Bekanntschaft der beiden, wurde dem Publikum gegönnt. Frau Brüning ist noch wunderbar fit für ihr Alter und so ist es auch kein Wunder, dass sie immer noch selbstständig wohnt und gar bis zu ihrem 100. Geburtstag noch Auto fuhr. Den Führerschein gab sie erst vor zwei Jahren freiwillig (aber wehmütig) ab. Als Herr Lesch sie das erste Mal nach Lüneburg einlud -95jährig- fragte sie „Lüneburg? Kann ich da mit dem Auto kommen?“

Elfriede Brüning nach ihrer "Zugabe" aus "Zeit Besichtigung"

Der Besucher spürte an dem Nachmittag die Energie der alten Dame. Unerwartet gab sie im Anschluss während der Fragerunde noch eine Zugabe und las spontan mit rauer, aber noch fester Stimme aus einem weiteren Werk aus der Nachkriegszeit vor. In „Zeit Besichtigung“ schildert Elfriede Brüning wie es den Flüchtlingen bei ihrer Ankunft in der neuen Heimat erging. Nach Kriegsende blieb Elfriede Brüning in Berlin, wo sie bis heute lebt. Als Redakteurin der Zeitschrift „Neue Heimat“, die von der „Zentralverwaltung für deutsche Umsiedler“ herausgegeben wurde, berichtete sie über die Probleme bei der Ansiedlung und Integration ostdeutscher, auch ostpreußischer Heimatvertriebener in der Sowjetischen Besatzungszone. Als freie Schriftstellerin schrieb Elfriede Brüning später vor allem über gesellschaftliche Fragen, insbesondere über Frauen und ihre Schicksale.

Am Ende standen sie Schlange - Elfriede Brüning hatte viel Geduld und signierte viele Bücher

Das Publikum belohnte Elfriede Brüning mit viel Anerkennung und Applaus. Viele standen im Anschluss Schlange, um eine persönliche Signatur zu bekommen. Einziger Wehmutstropfen: Der Verlag, bei dem der Roman „Auf schmalem Land“ veröffentlicht wurde, ist mittlerweile insolvent – weitere Exemplare sind derzeit nur über den Onlineversandhandel zu beziehen – so lange der Vorrat reicht.

Mehr als 30 Bücher hat Elfriede Brüning mittlerweile herausgegeben. Und sie schreibt immer noch und tippt auch alles selbst! Wer mehr über diese Dame erfahren will, der kann ihre Homepage besuchen. Auf ihr findet sich sogar ein Video ihrer letzten Autofahrt.

Das Ostpreußische Landesmuseum sagt Danke und sendet herzliche Grüße nach Berlin.

Mal- und Kulturreise nach Masuren/Steinort vom 11.9. – 18.9.2012 – ein Reisebericht

Donnerstag, 15. November 2012

Reiseleitung: Frau Agata Kern, Kulturreferentin für Ostpreußen und das Baltikum am OL in Lüneburg

Künstlerische Leitung: Gudrun Jakubeit, aus dem Atelier Gudrun Jakubeit in Lüneburg

Auf geht´s! Mit Malausrüstung im Reisegepäck trafen sich am 11.September 2012 neun Malkursteilnehmer, drei Mitreisende und die Reise- und Kursleitung in den Morgenstunden am Hamburger  Flughafen. Warschau war das Flugziel und dann ging es mit einem Kleinbus durch die polnische Landschaft bis zum Ziel, der masurischen Seenplatte.

Das Schloss in Steinort samt Malkursteilnehmer

Die letzte Stunde der Anreise entschädigte das hungrige Malerauge für den langen Reisetag: Ankommen in Ostpreußen in der goldenen tiefstehenden Abendsonne. Die kleine Straße schlängelte sich durch sanfte Hügel mit schwerem frisch gepflügtem Ackerboden, Seenlandschaften, deren Wasserfarbe von Türkis über Indigoblau bis Tiefschwarz reichte und das Glitzern des Lichtes, das gleich weißen Perlen über die Oberfläche huschte. Dazu gab es Birkenwälder, wie hingeworfene vertikale weiße Linien, deren Spiegelungen  kaum malerischer auf den dunklen Wasserflächen von einem Künstler hätte komponiert werden können.

Am nächsten Morgen gab es die ersten Unterrichtsstunden Pleinair am Mauersee:  Kennenlernen des Aquarellkastens, im 10 –Minutentakt mussten die ersten fünf praktischen Übungen bewältigt werden. Noch waren die bestaunten Landschaften frisch in der Erinnerung und konnten so, ohne theoretische Fachlehre, aus der Tiefe der eigenen Empfindung ungestört aufs Papier gebracht werden. Der Zauber des Anfangs ist immer wieder eine köstliche Erfahrung bei jeder Malreise. Sehr konzentriertes Arbeiten. Die Kursteilnehmer sind glücklich erschöpft, die Kursleiterin ist zufrieden.

Am Nachmittag wurde das Wetter etwas zu feucht, um die Malschule im Freien fortführen zu können. Frau Kern konnte sehr spontan eine Führung in Steinort im und um das Schloss der Familie Heinrich Graf von Lehndorff organisieren. Piotr Wagner von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz erklärte uns die Geschichte des Schlosses und dessen aktuellen Zustand. Tief bewegt und durch das Buch „Doppelleben – Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Wiederstand gegen Hitler und von Ribbentrop“ von Antje Vollmer sehr gut vorbereitet, konnten alle Schlossbesucher den Atem der Geschichte noch aus jeder Pore des Bauwerkes spüren.

Schloss Steinort: Das historische Treppenhaus

Am folgenden Tag ging es zu einem Ausflug nach Allenstein. Eine kompetente Führerin leitete die Burg- und Stadtbesichtigung. Kulinarische Genüsse in einem typischen polnischen Restaurant ließen den Regen fast vergessen. Der Malblock musste an diesem Tag in der Tasche bleiben. Abends wurde sich am Kamin in den Ferienhäusern gewärmt.

Am nächsten Morgen ging über dem Feriendorf Mamry wieder die Masurische Sonne auf. Zur größten Bewunderung der Kursleiterin gingen fast jeden Morgen einige der Mitreisenden vor dem Frühstück im Mauersee schwimmen. Wer so mutig vor der Unterrichtsstunde schon ohne zu zögern in das Motiv abtaucht, der kann nur gestärkt sich später diesem Motiv mit Pinsel und Stift nähern.

Auf der Terrasse mussten die Hausaufgaben gemacht werden. Das kleine Einmaleins der Farbenlehre, kalte und warme Farben, reine und getrübte Mischungen und perspektivische Wirkung, unterstützt durch die Farbenlehre, wurden erarbeitet. Dazu wärmte die Masurische Sonne den Rücken. In der Verschnaufpause erhielt das hauseigene Gästebuch die Ehre einer gemalten Eintragung.

Nach der Theorie folgte die Praxis. Von dem Ausflug nach Allenstein wurden Postkarten mitgebracht und unterstützten das Gedächtnis beim Zeichnen der Stadtansichten. Doch womit sollte man anfangen? Erst den Himmel farblich anlegen oder erst eine Vorzeichnung fertigen? Und wenn ja, mit dem Pinsel und Farbe oder doch lieber mit einem Bleistift? Ein Reiseskizzenbuch unterstützte die Erinnerung. Architekturdarstellung, Backsteingotik in Ostpreußen, alte Stadttore, Giebel und Türme oder doch lieber grüne Botanik? Jetzt hatte alle das Malfieber gepackt. Es wurde bis zum Sonnenuntergang gearbeitet. Persönliche Korrekturgespräche brachten jeden Einzelnen über seine eigenen Grenzen hinaus.

Gudrun Jakubeit übernahm die künsterlische Leitung

Der folgende Tag knüpfte an die Malfreude an, und der Ausflug nach Rastenburg begann mit einer schnellen Aquarellskizze vor Ort. 45 Minuten durfte die Maleinheit dauern, bevor es zur Kirchen- und Burgführung weiterging. Für die warmgelaufenen Maler mittlerweile kein Problem. Am Ende schloss die Bildbesprechung mit dem „Strecke legen“ traditionell die Übungseinheit ab. Der folgende Besuch der Kirche Heilige Linde mit einem kleinen Orgelkonzert lieferte ein nettes Unterhaltungsprogramm als Abwechslung zu dem intensiven Malunterricht.

Welch ein Luxus: ein ganzes Ausflugsschiff stand für uns als Malgruppe den ganzen Tag zur Verfügung! Der Kapitän holte uns mit dem Malgepäck am Privatbootssteg des Feriendorfes ab und los ging die Fahrt über die Masurische Seenplatte. Zuerst hieß es unter Deck, wettergeschützt die Baustelle einrichten. Gute Panoramafenster gaben den Blick auf die Wolken, die Uferkanten und die Weite der Seenplatte bis zum Horizont frei. Angeleitete Übungen zum Motiv ließen gar nicht erst Fragen aufkommen.

Am 7. Tag der Mal- und Kulturreise ging es noch einmal nach Steinort, zum Schloss der Familie von Lehndorff. Bei dem ersten Besuch hatte uns Piotr Wagner das Konzept zur Rettung  und Nutzung durch die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz vorgestellt. Nun hatten alle genügend Zeit und Sonnenlicht, um mit dem Malerauge den Genius loci dieses besonderen Ortes zu erfassen. Es wurde ein sehr kreativer Vormittag, der wunderbar passend die ersten düsteren Begegnungen mit Steinort in ein hoffnungsfrohes abschließendes Licht tauchte. Endlich waren die Maler zufrieden.

Die große Werkschau krönte als Abschlussausstellung den letzten Tag der Malreise. Es war ein ergreifender Moment, als alle in dieser Woche entstandenen Bilder von allen Teilnehmern präsentiert und besprochen wurden. Weit über 50 Werke zeugten von einem sehr intensiven und kreativen Schaffensprozess. Die Künstlerin bedankte sich bei ihren Schülern für das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Sie gab konstruktive Kritik und Tipps und konnte zusammen mit Frau Kern mit der gesamten Gruppe auf eine gelungene Reise und die Freude am Malen mit einem Glas Sekt anstoßen.

Eine weitere Mal- und Kulturreise des Kulturreferats am Ostpreußischen Landesmuseum im Mai 2013 nach Krakau in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Gudrun Jakubeit ist in Planung.

Bitte wenden Sie sich an Frau Kern, Tel: 04131 – 7599515

oder an das Atelier Gudrun Jakubeit, Tel: 04131 – 603555

Blitzbesuch der niedersächsischen Kulturministerin Wanka

Mittwoch, 7. November 2012

Freude vor dem Elch

Kurzfristig hatte sich die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka, für einen Besuch am Montag Abend, 5. November angekündigt. Erstmalig hatte sie das Museum im Jahr zuvor besucht. Was war von dem Gesprächswunsch aus Hannover zu halten?

In der Regel überbringt man  bevorzugt gute Nachrichten persönlich und Minister machen da keine Ausnahme. So auch hier. Bereits im Sommer hatte Staatsminister Bernd Neumann, der als Beauftrager der Bundesregierung für Kultur und Medien der wichtigste Förderer des Museums ist, angekündigt, die erhebliche Kostensteigerung durch die diesjährige Tariferhöhung ausgleichen zu wollen. Da aber das Land Niedersachsen sich ebenfalls institutionell an der Museumsfinanzierung beteiligt, war auch von dieser Seite eine Aufstockung der Zuwendungen erforderlich.

Gestern Abend wurde die Zusage von höchster Stelle persönlich mitgeteilt. Direktor Joachim Mähnert und die Vertreter des Stiftungsrates der Ostpreußischen Kulturstiftung, Wilhlem von Gottberg und Hubertus Hilgendorff, freuten sich über das vorweihnachtliche Präsent, welches die Finanzlage des Museums für kommenden Jahre wieder etwas entspannt.

Ostpreußisches Landesmuseum in Berlin als Experte gefragt

Dienstag, 6. November 2012

Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag hatte zu einem Kongress nach Berlin in den Reichstag geladen: „Aussöhnung als Aufgabe – Deutschlands Arbeit an den Kriegsfolgen seit 1945“ am 15.10.2012

Die Einladung der ganztägigen Veranstaltung versprach einen hohen Anspruch: „Die nationale Verantwortung, welche die Bundesrepublik Deutschland nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges zu übernehmen hatte, umfasste stets zwei Aspekte. Es ging zum einen um die Versöhnung und Wiedergutmachung gegenüber den Opfern der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik.
Zum anderen musste die damals noch junge Bundesrepublik Solidarität und Lastenausgleich in der eigenen Bevölkerung schaffen. Die Menschen in Deutschland waren von den Kriegsfolgen unterschiedlich hart betroffen. In Mittel- und Südosteuropa hatten die Deutschen meist ein besonders schweres Kriegsfolgenschicksal zu tragen: Flucht und Vertreibung, Enteignung, Deportation, Zwangsarbeit oder jahrzehntelange Unterdrückung ihrer nationalen Identität.“

Geladen hatten Klaus Brähmig MdB, Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion sowie der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder MdB, die beide den Kongress vor etwa 300 Zuhörern eröffneten.

Die Eröffnung durch Klaus Brähmig MdB

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, hielt den Eröffnungsvortrag. Es folge ein spannendes, von Andreas Stopp (Deutschlandfunk) moderiertes Panel „Junge Deutsche und der Osten – die Enkelgeneration sucht neue Wege zur Geschichte“, bei der Norbert Rasch von der Deutschen Minderheit aus Schlesien, der Regisseur Rick Ostermann (Wolfskinder), die Autorin Merle Hilbk und das BdV-Präsidiumsmitglied Stephan Mayer MdB miteinander diskutiert.

Die Diskussion um das Konzept der neuen Stiftung

Im Anschluss ging es um die neue Konzeption der geplanten Dauerausstellung der Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung. Moderiert vom FAZ-Redakteur Dr. Reinhard Müller debattierten die Osteuropahistoriker Prof. Dr. Norbert Conrads (Universität Stuttgart), Prof. Dr. Norman Naimark (Univeristät Stanford), Prof. Dr. Karl Schlögel (Viadrina Universität Frankfurt/Oder) sowie Prof. Dr. Stefan Troebst (Universität Leipzig) mit dem Stiftungsdirektor Prof. Dr. Manfred Kittel. OL-Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert vertrat die museale Praxis und ein Haus, das sich seit vielen Jahren eben auch mit der musealisierten Darstellung von Flucht und Vertreibung beschäftigt. Immerhin hatte die CDU/CSU-Fraktion die bekannte Fluchtinszenierung des OL als Motiv der Veranstaltung gewählt.

Dr. Joachim Mähnert und Prof. Dr. Norbert Conrads

Staatsminister Bernd Neumann, in dessen Zuständigkeit sowohl die neue Stiftung „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ wie auch das Ostpreußische Landesmuseum und überhaupt alle Landesmuseen mit ehemals ostdeutschem Bezug fallen, betonte in seiner anschließenden Rede den Wert und die Bedeutung des Kulturerbes der Deutschen im östlichen Europa.

Prof. Dr. Hellmuth Karasek las aus „Auf der Flucht. Erinnerungen“ und nahm dann Teil an der Diskussion über die „Suche nach der verlorenen Geschichte – Aussöhnung der Deutschen mit ihrer Vergangenheit“, kongenial moderiert von Prof. Dr. Michael Stürmer. Neben der BdV-Vorsitzenden Erika Steinbach war der Psychoanalytiker Prof. Dr. Michael Ermann sowie PD Dr. Magnus Brechtken als stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte auf dem Podium.
Höhepunkt der Veranstaltung war eine Grundsatzrede der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Ihre Rede ist hier nachzulesen. Johannes Singhammer, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, beschloss die rundum gelungene Veranstaltung.

Grundsatzrede der Bundeskanzlerin

Der Kongress ist vollständig nachzuerleben im Internet auf Youtube. Mehr Angaben über das Programm und die Referenten finden sich auf den Seiten der Fraktion.

Kultur bewahren gegen das Vergessen

Dienstag, 6. November 2012

BdV-Vorsitzende Erika Steinbach besucht das Ostpreußische Landesmuseum

Am 22. Oktober besuchte die Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach auf Einladung Ihres CDU-Fraktionskollegen Eckhard Pols MdB erstmalig das Ostpreußische Landesmuseum. Das Museum, institutionell von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Niedersachsen gefördert, ist immerhin das älteste der verschiedenen Landesmuseen, welche auf Grundlage des §96 Bundesvertriebenengesetzes eingerichtet wurden, und konnte diesen Sommer sein 25jähriges Bestehen feiern – für die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen also ein Ort besonderen Interesses.
Gemeinsam mit dem niedersächsischen Kultusminister Dr. Bernd Althusmann ließ sich Frau Steinbach von Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert die Arbeit seines Hauses vorstellen und durch die Ausstellungsräume führen.

Erika Steinbach MdB mit Direktor Mähnert vor dem barocken Bernstein-Kreußfuß.

Frau Steinbach zeigte sich beeindruckt von der über 1.500 qm großen Dauerausstellung mit ihren wertvollen Exponaten, etwa den faszinierenden Kunstwerken aus Bernstein oder der großzügigen Gemäldegalerie mit Meisterwerken von Lovis Corinth und Käthe Kollwitz und nicht zuletzt der historischen Abteilung, welche die Geschichte Ostpreußens von der Urgeschichte bis 1945 mit einer Vielzahl von Objekten zu erzählen weiß.

Insbesondere die aufwendige Inszenierung der Flucht aus Ostpreußen über das vereiste Frische Haff fand das Interesse der BdV-Vorsitzenden. Gleich beim ersten Blick berührt die lebensgroße Darstellung eines Flüchtlingstrecks mit den originalen Fluchtwagen, Kleidungs- und Gepäckstücken und vermittelt eine Ahnung der damaligen, von Leid, Angst und Verlust geprägten Emotionen. Direktor Mähnert konnte bestätigen, dass vor diese Szene auch Menschen ohne persönliche Erinnerungen oder familiäre Bezüge ergriffen sind und so z.B. auch Schulkinder sensibilisiert werden können für das Schicksal solchen Heimatverlustes.

Direktor Dr. Joachim Mähnert, Eika Steinbach MdB, Eckhard Pols Mdb, Kultusminister Dr. Bernd Althusmann

Dr. Joachim Mähnert, Eika Steinbach MdB, Eckhard Pols Mdb, Kultusminister Dr. Bernd Althusmann

Der Abgeordnete Eckhard Pols hob gegenüber Frau Steinbach den Wert des Hauses für Lüneburg hervor, das als weltweit einziges Museum für Ostpreußen dessen reiche Kultur und über siebenhundertjährige Geschichte einer deutschen Kulturlandschaft dem In- und Ausland zugänglich mache. Da Niedersachsen neben den Bayern den größten Teil der Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen aufnahm, thematisiere das Museum einen wichtigen Teil deutscher wie auch regionaler Geschichte. “Die deutsche Siedlungs- und Kulturgeschichte im nordöstlichen und östlichen Europa ist somit Teil des geschichtlichen Erbes aller Deutschen, unabhängig ihrer Herkunft. Europa ist eine Wertegemeinschaft, und das Erinnern an diese gemeinsame kulturhistorische Wurzel ist eine wichtige Legitimation dieses modernen Museums mit seinen zahlreichen Partnern aus Deutschland, aber eben auch aus Litauen, Polen und Russland.”

Direktor Mähnert und Eckhard Pols MdB

Kultusminister Dr. Althusmann wiederum weiß von der sehr aktiven museumspädagogischen Arbeit des Museums mit seinen vielfältigen Schulklassenangeboten, dem „Kinderclub“ für Kinder aus bildungsfernen Schichten, dem Ansatz des „einfachen Lernens“ und moderner Vermittlungsmethodik wie Rollenspielelemente, Bastel- und Mitmachangebote oder sehr anspruchsvollen Formaten wie „Philosophieren für Kinder“. Als Lüneburger und Familienvater kennt er einige davon sogar persönlich. Beispielhaft sei der hohe Besucheranteil von Kindern und Jugendlichen, der schon fast so hoch liegt wie der von Senioren, was belegt, wie lebendig und zukunftsträchtig Ostpreußens Kulturgeschichte vermittelt werden kann.

Kultusminister Dr. Bernd Althusmann vor einer Ausgabe des Versailler Vertrags

Angesichts dieses breiten Erfahrungshintergrunds, besonders auch bei dem nicht einfachen Themenkomplex von Flucht und Vertreibung, betonte Frau Steinbach, wie wichtig ihr eine enge Kooperation zwischen dem Landesmuseum und der in Berlin entstehenden Ausstellung der Stiftung Flucht, Vertreibung Versöhnung sei. Hier konnte der Museumsdirektor auf bereits bestehende beste Beziehungen zu den Mitarbeitern der Stiftung verweisen.Nicht zuletzt war das Museum auch auf dem großen CDU/CSU-Fraktionskongress in dieser Frage prominent auf dem Podium vertreten.
Gemeinsam wurde dann noch bei herrlichem Sonnenschein ein Rundgang über die benachbarten Liegenschaften unternommen, auf denen das Museum sich in den folgenden Jahren erweitern wird. Das Ostpreußische Landesmuseum erhält nicht nur eine deutschbaltische Abteilung, sondern es wird sich in seiner Dauerausstellung zudem erstmals mit der Geschichte Ostpreußens nach 1945 auseinandersetzen. Was geschieht heute dort? Wer erinnert wie an das deutsche Kulturerbe? Und was ist aus den Ostpreußen nach Verlust ihrer Heimat geworden? Warum eigentlich steht ein Ostpreußenmuseum überhaupt in Lüneburg?

Die Erweiterung des Museums wird in einem Rundgang erklärt

Erika Steinbach erinnerte in diesem Zusammenhang an die großartige Aufbauleistung der Heimatvertriebenen: “Sie wurden vertrieben, fanden in Lüneburg und Umgebung ein neues Zuhause und haben über die Jahre den wesentlichen Anteil daran gehabt, das Museum mit aufzubauen.” Dies geschieht bis heute. Das enorme Engagement der Ostpreußen, deren großzügige Unterstützung den Ankauf der benachbarten Liegenschaften ganz ohne öffentliche Finanzierung möglich gemacht hatte und so dem Museum ein einzigartiges Entwicklungspotential für die nächsten Jahrzehnte erlaubt, wurde von Frau Steinbach mit großem Erstaunen begrüßt und als uneingeschränkt vorbildlich kommentiert. Jetzt sind für den Neubau und die Ausstattung der neuen Dauerausstellung die Regierungen in Berlin und Hannover in der Pflicht. Frau Steinbach versprach zu helfen.

Das Planetenschleifenmodell erklärt die Entdeckung des Kopernikus