Archiv für die Kategorie „Veranstaltungen“

Architektur des Wiederaufbaus in Ostpreußen ab 1915

Freitag, 20. April 2018

Vortrag von Dr. Nils Aschenbeck am 18. April 2018
Der Architekturdozent und Journalist Dr. Nils Aschenbeck gab am Mittwochabend im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg einen ausführlichen Einblick in die Entstehungs- und Ursprungsgeschichte der Architektur des Wiederaufbaus in Ostpreußen aus der Reformarchitektur, welche seit der Wende zum 20. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs den architektonischen Zeitgeist prägte.
Die Reformarchitektur, eine Geste des Protests gegen den Historismus, gegen Biedermeier, Schnörkel und alles, was vorgibt, etwas zu sein, das es gar nicht ist, wollte an erster Stelle eines: ein beginnendes Jahrhundert einleiten, das am absoluten Nullpunkt startet und organisch, naturbezogen und ehrlich wächst. Es sollte eine Architektur des Unbewussten sein, die örtliche Besonderheiten und Charakterzüge der ansässigen Menschen zur Grundlage nahm und keine große Planung oder Symmetrie anstrebte. Um 1900 wurden althergebrachte Werte umgewertet. Was bisher als Wahrheit galt, bezweifelte oder lehnte man gar ab. Neue Ideale und Wahrheiten wurden gesucht.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach und Ostpreußen zum Kriegsschauplatz wurde, übertrug sich angesichts zerstörter Städte die bis dato ungebrochene Begeisterung der deutschen Bevölkerung für den „Reformkrieg“ auch auf den Wunsch nach Wiederaufbau, nach einem besseren, neuen Aufbau der zerstörten Gebiete. Private wie öffentliche Gelder flossen nach Ostpreußen, eben nicht nur, um Zerstörtes auszubessern, sondern um Idealstädte zu formen – moderne, sachliche Orte bar aller scheinheiligen Verzierungen, die den Menschen angeblich krank machten. Dieser Modernisierungsschub für Ostpreußen führte gar dazu, dass Flüchtende späterer Jahre angesichts Westdeutschlands die Stirn runzelten und staunten, „wie provinziell hier doch alles sei“.

Dr. Nils Aschenbeck während seines Vortrags im Osptreußischen Landesmuseum

Dr. Nils Aschenbeck während seines Vortrags im Osptreußischen Landesmuseum

Die Architektur des Wiederaufbaus ist ein wichtiges Stück ostpreußischer Kulturgeschichte, das nach der Niederlage 1918 bald verdrängt, nicht mehr beachtet und noch heute in architekturhistorischen Fachkreisen weitestgehend ignoriert wird. Auf die Reformarchitektur folgte schnell eine stark international ausgerichtete Architektur. Formen, Gebäude, die prinzipiell an jeden Fleck der Erde passen und eine Allgemeingültigkeit in sich tragen sollten. Nils Aschenbeck betonte, wie schade er dies finde. Denn es war eine avantgardistische Architektur, Symbol eines zuversichtlichen Schrittes Richtung Zukunft, die in den Jahren zwischen der Jahrhundertwende und dem Kriegsende entstand. Der Glaube daran, mit dem neuen Jahrhundert eine neue Architektur, ja: eine neue Gesellschaft, neue Kinder, neue, bessere Menschen in neuer Kleidung formen zu können, war stark und zuversichtlich. Diese neue Architektur sollte wieder bei den Wurzeln, bei der Natur anfangen, um rein von jeglichem Ballast sein zu können. Viele Loggien und Balkone lockten die Menschen an die Luft, dem Zeitalter der Tuberkuloseerkrankungen wollte man endgültig den Gar ausmachen. Vorhänge wurden in Häusern und Wohnungen der Reformarchitektur vergeblich gesucht – Sitzpolster galten bereits als Zugeständnis.
Obwohl auch im Museum auf ominöse Sitzpolsterungen verzichtet wird, war die Aufmerksamkeit der Zuhörer von Nils Aschenbecks Vortrag bis zum Ende ungebrochen und mündete zum Abschluss in einer angeregten Diskussionsrunde, in der Fragen geklärt und Erinnerungen an bestimmte Orte und ihre architektonischen Besonderheiten in Ostpreußen ausgetauscht werden konnten.

Svenja Szalla, Praktikantin

Bericht zur Lesung aus „Wolfsland“ von Arno Surminski

Montag, 26. März 2018

Svenja Szalla, Praktikantin

Arno Surminski war am Mittwochabend mit seinem erst 14 Tage jungen Erzählband „Wolfsland“ bei uns im Ostpreußischen Landesmuseum zu Gast. Für viele Lüneburger sind seine Lesungen inzwischen eine liebgewonnene, sich jährlich wiederholende Tradition. Bereits eine Stunde vor Beginn trafen die ersten Zuhörer ein, um sich Plätze in den vorderen Reihen zu sichern. Kulturreferentin Agata Kern führte durch den Abend, hob auch die ernste, traurige Kindheitsgeschichte des inzwischen 84-jährigen Autors hervor, dessen Eltern 1945 aus Ostpreußen verschleppt wurden und in einem russischen Lager starben, was Surminski erst Ende der 90er Jahre erfuhr. Die oft auch tragischen und ernsten Anteile der Geschichte Ostpreußens waren in den Erzählungen, die der Autor aus seinem neuen Buch las, ebenso vertreten wie die Zuversicht und der, auch in schweren Zeiten nicht versiegende, Humor des Volkes, das die Region zwischen Weichsel und Memel bewohnte.

Diesen Optimismus sinnbildlich wiederspiegelnd, hatte Surminski beschlossen, die Geschichten der Reihenfolge nach von ernst zu heiter werdend zu lesen. So schwangen persönliche Erinnerungen an das eigene Vertriebenwerden in der titelgebenden Erzählung „Wolfsland“ mit und auch die zweite Geschichte, „Dichtertreffen“, traf mitunter ironisch-tiefgehende Töne bei der Frage nach dem Erhalt des Gedankengutes des facettenreichen Volkes. Für allgemeine Heiterkeit sorgte die leicht spöttische, verblüffte Frage des Autors, der nach diesen zwei eher eindringlichen Erzählungen zu fröhlicheren Texten übergehen wollte: „Aber wo ist denn nun bloß das Heitere?“ Nach kurzem Suchen wurde er fündig – weiter ging es mit der „Masurischen Frömmigkeit“ und den Listen eines Pastors. Für seine deutschen wie auch masurischen Schäfchen verantwortlich, musste dieser nicht nur zweisprachig Gottes Wort verkünden, sondern auch Tricks und Kniffe anwenden, die Gemeinde in ihrer völkerübergreifenden Vorliebe für hochprozentige Getränke zu zügeln.

Arno Surminski während der Veranstaltung

Arno Surminski während der Veranstaltung

Viele seiner Geschichten sieht der Autor als Einladung, dem alten Ostpreußen, den masurischen Gepflogenheiten, der Wärme und selbstverständlichen Gastfreundschaft, die damals wie heute ungebrochen zu diesem Land der dunklen Wälder und stillen Seen gehört, einen Besuch abzustatten. Das Thema der deutsch-polnischen Aussöhnung beschäftigt Surminski seit jeher. Die Besinnung auf das gemeinsame geistige Kulturerbe ist ihm eine Herzensangelegenheit. Es gab diesen Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Religionen, die nicht nur friedlich beieinander lebten, sondern in ihrer Mannigfaltigkeit einen besonderen Geist, eine sich gegenseitig befruchtende Diversität, welche sich in Literatur, Bräuchen und Gedankengut niederschlug, ins Leben rief. Als ermunterndes Beispiel für das mögliche Gelingen einer sich vermischenden Gemeinschaft, sei Ostpreußen durchaus auch für heutige Tage ein bedenkenswertes Beispiel, befand der Autor mit einem feinen Lächeln.

Gewinner des Ferienstarters 2017 erhielten im Kloster Lüne ihren Preis: Eine Kindergeburtstagsfeier im Museum

Donnerstag, 10. August 2017

Ein Bericht von Silke Straatman

“Vier gewinnt” heißt das Gewinnspiel beim Ferienstarter der Lüneburger Museen, das seit drei Jahren am ersten Sonntag zu Beginn der Sommerferien die Familien zum Mitmachen auffordert. Wer sich in jedem der vier Lüneburger Museen (einschließlich Kloster Lüne) einen Stempel abholt, hat die Chance einen Museums-Kindergeburtstag zu gewinnen.
Die vier ausgelosten Gewinner-Kinder des diesjährigen Ferienstarters waren am 9. August 2017 zur Preisübergabe ins Kloster Lüne eingeladen.

Lana, 12 Jahre (Museums Lüneburg), Lovis, 6 Jahre (Ostpreußisches Landesmuseum), Leonie, 10 Jahre  (Deutsches Salzmuseum) und Naja, 4 Jahre ( nicht auf dem Foto, Kloster Lüne) freuen sich über ihren Preis.

Glückliche Gewinner-Kinder beim Ferienstarter 2017

Glückliche Gewinner-Kinder beim Ferienstarter 2017

Von Bernsteinkunst bis Scherenschnitt – Vielfältiges Kunsthandwerk auf dem Museumsmarkt 2016

Mittwoch, 16. November 2016

von Christina Ramsch, Praktikantin in der Abteilung Bildung und Vermittlung

Auf dem folgenden Film können Sie sich einen Eindruck vom Museumsmarkt machen:

https://youtu.be/MOShlKMXR5o

„Tradition trifft Modernes“ – unter diesem Motto fand, traditionell am ersten Wochenende im November, vom 4. bis 6. November 2016, der Museumsmarkt im Ostpreußischen Landesmuseum statt. Im fertiggestellten Neubau des Museums präsentierten in dieser Zeit 31 Aussteller ihr vielfältiges Kunsthandwerk den insgesamt etwa 1800 Besuchern. Feierlich eröffnet wurde der Markt am Freitagabend durch Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Bei musikalischer Untermalung durch Jazzpianist Bernd Homann konnten die Besucher ihre Aufmerksamkeit anschließend den unterschiedlichen Ständen widmen, die mit Objekten von Keramik und Schmuck über Textilien bis hin zu kulinarischen Köstlichkeiten eine große Bandbreite zeigten.

Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert begrüßt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der den Museumsmarkt eröffnet

Jazzpianist Bernd Homann begleitet den Eröffnungsabend musikalisch

An den Folgetagen konnte, wer sich etwas Zeit nahm, außerdem Spinnerinnen bei der Arbeit beobachten, Zeuge werden, wie ein Schmuckstück aus Bernstein entsteht oder sogar eine Künstlerskizze von sich selbst anfertigen lassen.

Künstlerin Elena Steinke präsentiert einem Besucher sein Portrait

Besucher können dem Bernsteinkünstler bei der Arbeit über die Schulter schauen

Währenddessen versuchten die Kinder sich selbst im Kerzen drehen oder ließen beim Bemalen kleiner Elchanhänger aus Holz ihrer Kreativität freien Lauf.

Elch-Malspaß am Kindertisch

Kinderprogramm mit Christina Ramsch

Erfolgreich war das Wochenende auch für den Kinderclub des Museums. Viele Besucher versuchten am Samstag und Sonntag bei der „Elch-Tombola“ zugunsten des Kinderclubs ihr Glück. So konnte manch Einer am Ende des Tages ein schönes, nützliches oder leckeres Andenken vom Markt mit nach Hause nehmen.
Alles in allem kann das Museum und die Organisatorin des Marktes Silke Straatman somit einen gelungenen Museumsmarkt verzeichnen, der auch bei mir die Vorfreude auf das nächste Jahr geweckt hat.

Königsberger Marzipan mit Trakehner Wappen

Kunsthandwerker im neuen Sonderausstellungsraum des Museums

Für mich als Praktikantin in der Abteilung Bildung und Vermittlung des Museums war es äußerst spannend, die Organisation einer solchen Großveranstaltung, die sich sehr stark vom „normalen“ Museumsalltag abhebt, aus der Nähe mitzuerleben. Es hat mir großen Spaß bereitet, in den vergangenen Wochen „hinter die Kulissen“ zu schauen, dabei die Zusammenhänge der Planung und Koordination des Marktes etwas besser verstanden und selbst einen kleinen Beitrag zu seiner Umsetzung geleistet zu haben. Damit waren die letzten Wochen der Vorbereitung sowie die Tage des Museumsmarktes selbst für mich eine Zeit, aus der ich sicherlich einige wertvolle Erfahrungen mit in die Zukunft nehmen werde.

Sommerakademie 2016

Freitag, 9. September 2016

Die Kunst der Zeichnung oder Der Weg von der Skizze zum Entwurf
Eine Woche lang, vom 25. bis 29. Juli 2016, stand die Kunst der Zeichnung in ihrer Funktion von der Skizze zum Entwurf eines Bildes im Vordergrund. Als Inspirationsquelle unserer Arbeit wurden eindrucksvolle “Architektur-Objekte” norddeutscher Backsteingotik in Lüneburg ausgewählt.

Konzentriertes Arbeiten im Atelier des Ostpreußischen Landesmuseum

Konzentriertes Arbeiten im Atelier des Ostpreußischen Landesmuseum

Die Künstlerin Elena Steinke begleitete diesen Workshop sehr professionell und konnte die hochmotivierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer anleiten und ihrem künstlerischen Schaffen neue Perspektiven eröffnen.
Die Originalkulissen der Stadt Lüneburg, besonders seiner bedeutenden Backsteinkirche St. Johannis, boten bestmögliche Arbeitsbedingungen, um frei vor Ort zu skizzieren und dann im Atelier des Ostpreußischen Landesmuseums auf Grundlage der entstandenen Skizzen die Entwürfe für zukünftige Werke zu schaffen und zum fertigen Bild weiterzuentwickeln. Ein intensiver Prozess voll Kreativität und Kontemplation.

Die Ergebnisse werden besprochen

Die Ergebnisse werden besprochen

Machen Sie sich einen Eindruck von dieser intensiven Kunstwoche, die das Ostpreußische Landesmuseum jedes Jahr einmal im Sommer anbietet. Vielleicht haben Sie Lust, im nächsten Jahr dabei zu sein, dann schauen Sie sich den folgenden Kurzfilm an:

https://youtu.be/7SPbYwSP3Nk

(Silke Straatman)

Ostpreußen als Reiseland – vor 1945

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Vortragsangebot von Dr. Christoph Hinkelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ostpreußischen Landesmuseum

Seit der politischen Öffnung in Mitteleuropa sind die auf drei Staaten verteilten ostpreußischen Städte und Landschaften wieder zugänglich und ein interessantes Reiseziel geworden. Wieder – muss man erneut sagen, denn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg spielte der Fremdenverkehr eine wesentliche wirtschaftliche Rolle in der damaligen Nordostecke Deutschlands.

Tourismuswerbung in den 1930er Jahren

Die Kurische Nehrung mit ihren Sanddünen war ein klassisches Reiseziel vor dem Zweiten Weltkrieg, Aufnahme 1940 (E. Schütz)

Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert begann man, andere Regionen und weiter entfernt liegende Orte wegen ihrer Geschichte, Bauwerke, Bibliotheken usw. zu besuchen. Diesen „Gelehrten-Reisen“ gesellten sich im 19. Jahrhundert Erholungsreisen hinzu, die zunehmend auch nach Ostpreußen führten. Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur, doch in den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle im geographisch abgetrennten und v.a. landwirtschaftlich geprägten Ostpreußen.

Städte und Regionen warben in Prospekten mit ihren jeweiligen Besonderheiten (Marienburg, 1930er Jahre)

Die Verkehrsinfrastruktur der Provinz war vielseitig und gut auf den Fremdenverkehr eingestellt.

Ostpreußen warb mit guter Infrastruktur, moderaten Preisen für Reisen im Land ebenso wie für Übernachtungen und deutschlandweit bekannten Reisezielen. Innerhalb des Landes gelangte man mit Kleinbahnen, der Kraftpost und anderen Omnibusverbindungen sowie dem PKW zum Ziel. Für letztere gab die Mineralölfirma Shell die besten Straßenkarten heraus. Zwölf Gebiete bildeten den Schwerpunkt der Reiseziele: das Weichselland, die Frische Nehrung, Stadt und Landkreis Königsberg, das Samland, die Kurische Nehrung, das Ermland, das Oberland, Masuren, das Pregeltal, der Nordosten, die Rominter Heide sowie die immer mitberücksichtige Freie Stadt Danzig. Ferner lockten die größeren und attraktiveren Städte mit ihren Besonderheiten und ihrem Umland ebenso wie wichtige Gedenkstätten, z.B. die Abstimmungsdenkmale oder das „Reichsehrenmal“ Tannenberg, die an die Kämpfe im und die Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg erinnerten, Bildungsreisende und  „Sommerfrischler“ in die entlegene Provinz. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endete diese Epoche.

Auch der Tourismus in Ostpreußen blieb von der Politik und Propaganda nicht verschont. Nach dem "Wiederanschluss" des Memelgebiets im Frühjahr 1939 wurden die bis dahin verwendeten Prospekte kurzerhand einfach überdruckt.

Einen Vortrag über das Reiseland bzw. über andere landeskundliche Besonderheiten Ostpreußens vermittelt das Ostpreußische Landesmuseum bei Interesse (Dr. Christoph Hinkelmann, Tel. 04131 75995-19).

Dialogprogramm und Autorenlesung – die europäische Dimension deutsch-russischer Familiengeschichte im deutsch-russischen Begegnungszentrum am Newski Prospekt 22-24 in St.Petersburg

Montag, 8. Dezember 2014

Das Buch „Ritas Leute. Eine deutsch-russische Familiengeschichte“ von Ulla Lachauer

Ulla Lachauer

Ulla Lachauer

Am 17. November 2014 lud die Stiftung zur Förderung und Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen „Deutsch-russisches Begegnungszentrum Sankt Petersburg“ zum Dialogprogramm und zur Autorenlesung mit der deutschen Autorin und Historikerin Ulla Lachauer ein. Unter dem Motto „Die europäische Dimension deutsch-russischer Familiengeschichte“ las und erzählte die Autorin in deutscher Sprache aus ihrem Buch „Ritas Leute. Eine deutsch-russische Familiengeschichte“.

Neben der Veranstaltung für die Besucher der deutsch-russischen Begegnungszentrums fand am 18. November auch eine weitere deutschsprachige Lesung mit Dialog im Studentenklub der staatlichen pädagogischen Herzen-Universität Sankt Petersburg statt.

An beiden Veranstaltungen wurde das Thema der EU-Russland-Beziehungen, der deutschen historischen Kulturlandschaften in Osteuropa, sowie die übergreifenden Themenbereiche über die Sowjetdeutschen  wie – Deportation, Vernichtung der deutschen Wolga-Republik, Repressionen, Trud-Armee, Aussiedlung und das 250järige Manifest von 1763 der russischen Kaiserin Katharina II. angeschnitten.

Ulla Lachauer wurde 1951 im ländlichen Westfalen geboren. Historikerin, Autorin und Dokumentarfilmerin. Ihre Liebe gilt den bäuerlichen Welten Europas, ganz besonders im Osten. Sie hat seit den 80er Jahren immer wieder Russland bereist und dort gearbeitet. Sie lebt in Stuttgart.

Als Überraschungsgast der Lesungen war Rita Pauls, die in den 1990er Jahren mit ihrer einzigartigen Biografie den Anstoß für das Buch lieferte und gleichzeitig seine Protagonistin ist, mit nach Sankt Petersburg gereist.
Aufgewachsen in einer russlanddeutschen Mennonitenfamilie, kam Rita Pauls 1989 als junge Frau aus Kasachstan nach Deutschland. Ihre Geschichte und die ihrer Familie werden von Ulla Lachauer in ihrem Buch aufmerksam und behutsam porträtiert. Rita Pauls, so heißt es im Klappentext des Buches, ist damals eine junge, lebenslustige Frau: selbstbewusst, von barocker Statur und mit einer schönen Gesangsstimme. Sie lebt in Mannheim und hat eine weit verstreute Familie – Ritas Leute. Die Pauls‘ gehören zu den mittlerweile zweiundhalb Millionen Russland-Aussiedlern. Im Mikrokosmos dieser Familie, deren Mitglieder in Deutschland, Russland und Kanada leben, spiegelt sich eine ganze Epoche bzw. ganze Jahrhunderte deutsch-russischer Historie – ein Stück Weltgeschichte.

Um Ritas Familie kennenzulernen nimmt uns Ulla Lachauer mit  auf eine große Reise mit. Es zunächst zu den Wolgadeutschen mennonitischen Siedlungen, zu Ritas Großmutter in die sibirische Weite, in die kasachische Steppe, über den Atlantik nach Kanada, wo es im Zuge der Spurensuche zu einer glücklichen Familienzusammenführung kommt. Schließlich führt es sie  ins bäuerliche Westpreußen – die Heimat von Ritas Vorfahren.

Im Anschluss an die Lesung ergab sich unter der Moderation von Irena Bijagowa, Leiterin der Kultur-und Bildungsprojekte am Begegnungszentrum,  ein lebhafter Dialog zwischen der Autorin Lachauer, Rita Pauls und dem Publikum. Besonders hervorgehoben wurden während dieses Dialoges die Parallelen und Überschneidungen zwischen der Geschichte Rita Pauls’ und der Biografie der Autorin. So war das kasachische Karaganda nicht nur die unheilvolle „Stadt der Verbannten“, in die Ritas deutsche Großeltern unter Stalin deportiert wurden. Für Rita war es der Ort einer glücklichen und behüteten Kindheit, an dem sie ohne Kenntnis der vergangenen Schrecken aufwuchs. Gleichzeitig war Karaganda für Ulla Lachauer mit der eigenen Familiengeschichte verknüpft: Ihr Schwiegervater war eben dort in Kriegsgefangenschaft gewesen. So entstehen Verbindungen, Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften, wie die, die heute Ulla und Rita im schwäbischen Stuttgart verbindet.

Rita Pauls erzählte vom schwierigen und vielschichtigen Entscheidungsprozess, ausreisen oder bleiben, der die Familie schließlich nach Deutschland führte.
Heute arbeitet Rita als Übersetzerin in Deutschland und ist trägt damit entscheidend zum Verständnis zwischen ihrer alten und ihrer neuen Heimat bei.

Zu Wort kamen Besucher des Begegnungszentrums, die von ihrer eigenen Familiengeschichte mit russisch-deutschem Hintergrund erzählten. In all diesen Beiträgen zeigten sich die vielfältigen deutsch-russischen Verbindungen, deren Ausbau und Stabilisierung seit 1993 das erklärte Ziel der Stiftung zur Förderung und Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen „Deutsch-russisches Begegnungszentrum“.

Das Projekt „Dialogprogramm und Autorenlesung. Die europäische Dimension deutsch-russischer Familiengeschichte“ wurde von der  Stiftung zur Förderung und Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen „Deutsch-russisches Begegnungszentrum“ in Zusammenarbeit  mit der Konrad-Adenauer-Stiftung/ EIZ (Europäische und Internationale  Zusammenarbeit) und dem Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg realisiert. Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich für die gute Zusammenarbeit und die große Unterstützung bedanken und darauf hinweisen, dass  es ohne die dieses Projekt in seiner heutigen Form nicht möglich gewesen wäre.

Ein besonderer Dank gilt den Partnern vom Germanistik Lehrstuhl an der staatlichen pädagogischen Herzen-Universität Sankt Petersburg.

Das Deutsch-Russische Begegnungszentrum St. Petersburg (drb) kümmert sich seit 21 Jahren um Kultur- und Bildungsprojekte und eine wachsende Zahl von Stammbesuchern erfreut sich daran.

Irena Bijagowa

Wolf und Wild – Wolf und Mensch

Donnerstag, 13. November 2014
Wolf in Niedersachsen. Foto:_Eike_Mross

Wolf in Niedersachsen. Foto:_Eike_Mross

Unter diesem bewusst ein wenig polarisierenden Titel führte das Ostpreußische Landesmuseum in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg am 18. Juli 2014 im Gasthaus „Zum Anker“ in Bardowick eine Informationsveranstaltung zum Wolf in Niedersachsen durch. Der Wolf ist in eine alte Kulturlandschaft zurückgekehrt, in der er bis zu seiner Ausrottung im vorvergangenen Jahrhundert heimisch war. Zahlreiche Orts- und Flurnamen, Erinnerungen und Berichte in der Literatur früherer Jahrzehnte belegen, dass der Wolf in Niedersachsen immer anwesend war, auch wenn in den vergangenen 150 Jahren nur wenige Tiere auf den alten Wolfswechseln nach Westen zogen und dann zumeist schnell erlegt wurden.

Heute ist die Situation eine völlig andere: Der Wolf ist eine geschützte Art und dem Jagdrecht entzogen. Er ist in eine Region zurückgekehrt, die dicht besiedelt ist und land- wie forstwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Große Freiflächen wie die Lüneburger Heide sind regelmäßige Aufenthaltsorte für viele Menschen, die dort arbeiten, sich erholen oder die die Schönheit der Landschaft genießen wollen. Die Rückkehr des Wolfs wird von vielen begrüßt, von anderen jedoch wird sie als zunehmend schwierig empfunden. Wie gehen wir mit den begründeten Sorgen der Menschen um, damit auch der Wolf eine Zukunft bei uns hat? Ein Zusammenleben von Wolf und Mensch muss sorgsam entwickelt und gestaltet werden.

Es ist unbestritten, dass der Wolf wirtschaftliche Nachteile oder Schäden bereitet und dass er auch Ängste auslöst. Mit Emotionen muss sachlich umgegangen, Probleme müssen gelöst werden. Nach einer stark durch Emotionen aufgeheizten Debatte auf anderen Informationsveranstaltungen im Landkreis Lüneburg und im Leserforum der lokalen Presse im Spätwinter/Frühjahr 2014 war es die erklärte Absicht der Veranstalter, die biologisch bedingte, ruhige Zeit im Jahresverlauf des Wolfs zu einer Versachlichung der Diskussionen beizutragen. Ausgewiesene Experten und Praktiker hatten sich bereit erklärt, auf Fragen aller Art zu antworten. Zunächst stellten sie sich kurz vor, damit die Teilnehmer erkennen konnten, in welcher Verbindung sie zum Wolf stehen und an wen sie ihre speziellen Fragen am besten richten konnten.

Torsten Broder, Vorsitzender der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg, begann seine Vorstellung mit dem sehr treffenden Satz „Wölfe sind wie Sterne – nicht immer sichtbar, aber immer da“. Er führte aus, dass die Jäger mit dem Wolf werden leben müssen, dass sie ihn aber keineswegs völlig frei werden gewähren lassen können. Werner Oldenburg, Vertreter des Kreislandwirts des Landkreises Lüneburg, vertrat die Interessen der professionellen Tierhalter, von denen besonders die Besitzer von Schafen betroffen sind. Er machte deutlich, dass gerade die Schafhalter sich von Politik und Verwaltung im Stich gelassen fühlen, weil diese noch nicht deutlich genug auf die Konsequenzen der Wölfe bei uns reagiert hätten.

Christian Voigt, Vorsitzender des Hegerings Amelinghausen, betreut 60 Reviere im südwestlichen Teil des Landkreises Lüneburg und berichtet, dass sein Bezirk bereits seit fünf Jahren Wolfseinstandsgebiet ist. Der Wolf gehört dort zum Alltag. Dr. Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, ist mit einem Monitoring der Wolfsrückkehr nach Niedersachsen beauftragt. Sie sammelt alle Hinweise (Beobachtungen, Spuren, Losungen, Risse, Wildkamerabilder usw.) und ist mit der Erstellung eines Gesamtbildes befasst.

Michael Urbansky, Leiter des Hochwildrings Gartow-Lüchow, berichtete aus der Praxis, wie sich die verschiedenen Wildarten im Beutespektrum des Wolfs auf dessen Anwesenheit eingestellt haben. Alle sind scheuer geworden, doch zeigt mit Ausnahme des Mufflons keine einen Bestandrückgang. Peter Pabel vom Forstamt Göhrde und Leiter des Hochwildrings Göhrde hob hervor, dass der Wolf eine wichtige Rolle in der Natur habe und – neben dem Jäger – für gesunde, naturnahe Wildbestände sorgen werde.

Die Fragen und Antworten betrafen gleichermaßen die Auswirkungen der Anwesenheit des Wolfs auf das Verhalten des Wildes wie auf das Verhalten des Menschen und seiner Nutztiere. Übereinstimmend wurde betont, dass die Öffentlichkeit immer wieder mit einem Wolfsmanagement beruhigt werde, das es auf der geltenden gesetzlichen Basis aber gar nicht geben könne. Hier könne erst auf der Basis des Monitorings über konkrete Umsetzungen nachgedacht werden. Extrembeispiele aus anderen Ländern mit natürlichen Wolfspopulationen, z.B. Schweden, wurden genannt, um der Zuhörerschaft zu verdeutlichen, dass von Übergriffen der Wölfe z.B. auf Hunde, Reiter oder Kindergärten im  Wald in Niedersachsen keine Rede sein kann. Hier ist der Wolf sicher noch lange ein Wildtier, das den Kontakt mit dem Menschen meidet. Allerdings müssten Schafe, Ziegen und Gatterwild wie Damhirschhaltungen wirksamer geschützt werden.

Das Ostpreußische Landesmuseum ist das einzige Museum der Region, in dem der Wolf Thema ist, denn in Ostpreußen wurde er alljährlich nachgewiesen. Trotz des bis 1945 erklärten Ziels, die Provinz wolfsfrei zu halten, zogen in den großen Wäldern entlang der Grenzen zu Polen und Litauen immer wieder Wölfe ihre Jungen groß. Im November 2010 bereits hatte unser Museum eine gut besuchte Informationsveranstaltung durchgeführt, auf der zahlreiche, auch historische Aspekte vorgetragen wurden, die bei der zu erwartenden Rückkehr des Wolfs nach Niedersachsen bedacht werden müssen. Inzwischen ist der Wolf bei uns angekommen.

Der Festsaal im Gasthaus „Zum Anker“ in Bardowick war gut gefüllt, fast 150 Personen waren der Einladung gefolgt. Peter Burkhardt, Jäger und Wolfsberater, moderierte die Veranstaltung engagiert und souverän. Sie verlief sehr sachlich – Fragen wurden offen gestellt und nach bestem Wissen ehrlich beantwortet – und endete nach etwa 3 Stunden erst, als keine Fragen mehr gestellt wurden. In der Reihe der in Zusammenarbeit mit der Lüneburger Jägerschaft realisierten Informationsveranstaltungen (Rotwild 2012, Schwarzwild 2013, Niederwild im Februar 2014) stellte der Abend eine gelungene Fortsetzung dar. Weitere werden folgen.

Dr. Christoph Hinkelmann, Ostpreußisches Landesmuseum

Die Organisatoren und Referenten

Die Organisatoren und Referenten

Sommerfest 50 Jahre Lebenshilfe –

Donnerstag, 13. November 2014
Bernsteinbasteln fasziniert...

Bernsteinbasteln fasziniert...

Das Ostpreußische Landesmuseum war mit Bernsteinschleifen dabei

In diesem Jahr feierte die Lebenshilfe einen runden Geburtstag:

Seit 50 Jahren kümmert sich die Institution um das Wohlergehen in vielen Bereichen von Personen mit Handicap.

Dieses Jubiläum wurde mit einem inklusiven Sommerfest im Kurpark Lüneburg gefeiert. Neben Live-Musik gab es viele tolle Aktionen verschiedener Vereine und Institutionen des Raumes Lüneburg.

Auch wir vom Ostpreußischen Landesmuseum waren bei hochsommerlichen Temperaturen mit einem Aktionsstand im Kurpark vertreten.

Wir vermittelten Wissen rund um den Bernstein, boten als Mitmach-Aktion das Schleifen eines Rohbernsteins an und wer mochte, konnte sich ein kleines Loch durch seinen Stein bohren lassen und ihn als Anhänger für eine Kette verarbeiten lassen.

Viel Freude machte es uns, zu erleben, mit welcher Emsigkeit und Geduld die Besucher Ihren ganz persönlichen Rohbernstein bis auf Hochglanz polierten und ihn zum Schluss stolz als Glücks-Anhänger um den Hals trugen.

Es war ein rundum gelungenes Fest und wir möchten uns auf diesem Wege auch noch einmal ganz herzlich bei der Lebenshilfe für diesen tollen Nachmittag und die langjährige gute Zusammenarbeit bedanken. Ein rundum gelungener Nachmittag.

(Melanie Hübner)

Internationaler Museumstag

Donnerstag, 13. November 2014
Aufmerksame_Zuhörer_

Aufmerksame_Zuhörer_

Der Internationale Museumstag in diesem Jahr war für die Kinder des Museums-Kinderclubs ein ganz besonderes Highlight, denn sie durften selbst Besucher durch „ihr“ Museum führen und ihnen ihre Lieblingsausstellungsstücke vorstellen. An den vorherigen Terminen des Kinderclubs hatten die Kinder sich auf diesen Tag gründlich vorbereitet: Sie haben sich allein oder zu zweit ihr Lieblingsstück aus dem Museum ausgesucht, Informationen herausgesucht, einen kleinen Text verfasst und diesen geübt.

Spannende Geschichten über den Bernstein!

Spannende Geschichten über den Bernstein!

Am 18. Mai war es dann soweit und die Besucher konnten von den Kindern noch einiges Neues über den Elch, den Wolf oder auch Zinnsoldaten erfahren. Am Ende waren alle stolz auf die kleinen Museumsführer und sie selbst ganz besonders!

(Sina Schurrer)

Elche sind cool_

Elche sind cool_