Archiv für die Kategorie „Sammlung“

Als Neuerwerbung grüßt im Ostpreußischen Landesmuseum:

Mittwoch, 10. April 2013

Frau Amtsrat Dallmer blickt aus diesem Portraitgemälde den Betrachter ruhig an. Sie ist schon über ihre Lebensmitte hinaus, in den 50ern, aber sie hat auch noch gut 20 Jahre vor sich. Als sie geboren wurde, 1726, regierte der Soldatenkönig in Preußen, zu dem ihr Geburtsort in der Provinz Ostpreußen, Loebegallen, gehörte. Als sie mit gut 78 Jahren 1805 in der Bezirkshauptstadt Gumbinnen starb, war Friedrich Wilhelm III. König und seine Frau Luise eine europaweit gefeierte Königin.

Catharina Dorothea Gertrud wuchs in Loebegallen im Kreis Pillkallen, damals in Ostpreußen, heute im russischen Gebiet Kaliningrad, als Tochter des landwirtschaftlichen Gutspächters Caspar Dietrich Filius und seiner Frau Anna Magdalena Seiden, auf. Später heiratete sie einen ebensolchen Gutspächter im Nachbarkreis Gumbinnen, den Johann Friedrich Dallmer (1711-95) in Plicken, 1742. Sie war noch nicht 16 Jahre alt.

Bildnis Catharina Dorothea Dallmer, Öl, unbekannter Künstler, um 1780

Bildnis Catharina Dorothea Dallmer, Öl, unbekannter Künstler, um 1780

Mindestens drei Kinder sind aus den Quellen bekannt: 1751 wird die Tochter Catharina Helene Dorothea geboren, 1753 der Sohn Ludwig Christoph Bernhard und 1756 der Sohn Karl Reinhold Dallmer, alle in Plicken. Im nahen Gumbinnen wurden sie getauft. Nur zwei Jahre danach kam der Krieg nach Ostpreußen, das als Teil des Königreichs Preußen von russischen Truppen erobert und bis 1762 besetzt wurde.  In Europa wütete der Siebenjährige Krieg.

Es kamen wieder friedliche Zeiten und Frau Amtsrat Dallmer konnte das Großwerden ihrer Kinder erleben. Später zogen sie und ihr Mann in eine Wohnung in der Stadt Gumbinnen. Aus dieser Zeit, um 1780, mag das Gemälde stammen, das uns überliefert ist. Wahrscheinlich gab es als Gegenstück auch das Portrait ihres Mannes dazu. Das Gemälde trägt keine Malersignatur, nur hinten die Angabe des Namens und Sterbedatum der Dargestellten. Sie überlebte ihren Mann um 10 Jahre und starb in Gumbinnen am 28. April 1805, musste also Preußens Niederlage gegen Frankreich 1806 und die französische Besetzung nicht mehr miterleben.

Einblick in den Ausstellungsaufbau zu "Auserwählt". Die Ausstellung ist vom 13. April bis 22- September 2013 zu sehen.

Einblick in den Ausstellungsaufbau zu "Auserwählt". Ein Teil der Bilder hängt schon. Doch zeigt die Ausstellung noch viel mehr. "Auserwählt" stellt höchst unterschiedliche Einzelstücke aus der Sammlung des OL, die zwar wichtig sind, aber bislang nicht präsentiert wurden. Zu sehen ist die Ausstellung vom 13. April bis 22. September 2013.

Dieses Stück Geschichte anschaulich machen zu können hat wiederum eine private Spende an das Ostpreußische Landesmuseum ermöglicht! Zu sehen ist es ab Samstag in der neuen Ausstellung “Auserwählt. Sammlungsobjekte mit Geschichte“.

Lehrreiche, sensationelle oder liebliche Alltagsbegebenheiten

Freitag, 18. Januar 2013

Das Ostpreußische Landesmuseum konnte dank privater Spenden vor Kurzem zwei großartige Gemälde erweben, die eine wichtige Ergänzung für die kunst- und kulturgeschichtliche Sammlung des Ostpreußischen Landesmuseums darstellen.

Es handelt sich um Genrebilder von Reinhold Dannehl (1833-88) und Carl Hübner (1814-79). Genrebilder gehörten zu den beliebten Gemäldearten des 19. Jh., die häufig Alltagsszenen in einer meist idyllisch-lieblichen Art darstellen.

Wer aus bedrängten und bedrängenden Lebensverhältnissen heraus wollte, fand schon im Mittelalter manchmal den Ausweg des Auswanderns. Lockende Angebote, sein Glück zu machen, gab es vor 700 Jahren im Osten, im 18. und 19. Jahrhundert z.B. in Amerika, der „Neuen Welt“.

Für die Genremalerei des 19. Jh. bot diese Thematik offenbar reizvolle Aspekte, sie zu Kompositionen zu verarbeiten. So wanderten in jener Zeit auch aus Ostpreußen viele Menschen Richtung Westen aus, in die entstehenden Kohlereviere des Ruhrgebiets oder über den Ozean nach Amerika. Dies schildert das Gemälde aus dem Jahr 1865 des aus Königsberg stammenden Malers Carl Hübner: Die Auswanderer.

Carl Hübner, Die Auswanderer, Öl, 1862

Carl Hübner, Die Auswanderer, Öl, 1862

In einem kahlen Raum, der mit Kisten und Kasten angefüllt scheint, sitzt rechts eine Auswandererfamilie, Vater, Mutter und ein Kind, zwei Matrosen gegenüber, die rauchen und offenbar einen Grog zu sich genommen haben. Der als Bauer in seiner altertümlichen Kleidung erkennbare Auswanderer zahlt mühsam Münzen auf den Tisch, die er aus einem schon schmalen Geldbeutel zog. Seine Frau sieht besorgt zu. Hinter ihr an der Wand hängt eine Landkarte mit den Umrissen des amerikanischen Kontinents.

Die beiden Matrosentypen, der eine mit Ringelpullover und Strohhut, der andere in Ölzeughose und dunkler Jacke, sehen nicht sehr vertrauenerweckend aus. Sie sind aber diejenigen, die das weitere Reiseschicksal der Auswanderer zu bestimmen scheinen.

Hübner schuf im seinerzeit beliebten Genre-Fach, Darstellungen von lehrreichen, sensationellen oder lieblichen Alltagsbegebenheiten, offenbar gern dramatische, konfliktreiche Szenen, wie einige Bildtitel seiner in Königsberg zwischen 1833 und 1879 ausgestellten Arbeiten zeigen: Die Auspfändung, Der Wucherer, Die Brandstätte oder: Der Abschied der Waise, Die Eifersüchtige, Der unwillkomm’ne Freier, Die Sünderin vor der Kirchenthüre. Hübner verbrachte zwar seine Hauptschaffenszeit ab 1838 in Düsseldorf, seine Arbeiten waren aber stets in seiner Heimatstadt auf den wichtigen Kunstausstellungen vertreten.

Reinhold Dannehl malte 1865 den spielenden Knaben vor einem Bauernhaus. Gezeigt wird dem Betrachter ein Vorplatz eines Bauernhauses, auf dem ein Knabe mit einem Hund spielt. Da der Knabe links in der Hundehütte steckt und auf allen Vieren zu stehen scheint, ist er dem ihm gegenüber rechts vorn sitzenden Hund zugeordnet, mit dem er „verkehrte Welt“ zu spielen scheint. Im Bildfeld darüber sieht man eine jüngere Frau aus dem Fenster lehnend mit einem Strickzeug beschäftigt. Diese geruhsame Szene wird noch mit einigen dekorativ verteilten Hausratsgegenständen ergänzt. Das tiefstehende Licht und die geruhsame Stimmung der Schilderung deuten auf eine abendliche Szene hin. Es scheint, als erwarteten Frau und Kind den von der Arbeit heimkehrenden Vater.

Reinhold Dannehl, Genreszene, Öl, 1865

Reinhold Dannehl, Genreszene, Öl, 1865

In einer bürgerlichen Stube wäre das Gemälde ein Ausdruck traulichen Familienlebens. Es stellt dabei auch einen nachklang des von manchen Städtern idyllisch- idealisiert gedachten Landlebens. Aspekte wie die Härte des Lebens, Armut, schwere Arbeit usw. sind nicht zu finden.

Der Maler Reinhold Dannehl war Schüler der Königsberger Kunstakademie, lebte ab 1857 in der Hauptstadt Ostpreußens als freischaffender Maler und war einige Jahre lang auch Lehrer an der dortigen Kunst- und Gewerkschule. Er gehörte zum festen Bestandteil der Königsberger Maler und Kunstszene. Aus den Katalogen der Königsberger Kunstvereinsausstellungen, die Dannehl 1861-71 regelmäßig beschickte, wissen wir, dass er tatsächlich hier ausschließlich Genrebilder zeigte, u. a. auch eine „Bauernstube“.

Belege für diese im 19. Jh. auch in Ostpreußen typische Malerei gab es zuvor in der Museumssammlung fast nicht. Daher sind diese Neuzugänge eine wirklich bedeutende Ergänzung des Bestandes und schließen eine merkliche Lücke.

Bedeutender Gemäldezyklus komplett

Montag, 9. Juli 2012

Dem Ostpreußischen Landesmuseum ist es kürzlich gelungen, ein Hauptwerk von Eduard Bischoff (1890-1974), einem der bedeutendsten ostpreußischen Maler des 20. Jh., zu entdecken und seiner Sammlung hinzuzufügen. Es handelt sich um den „Eisfischer“, ein Gemälde, das in der Fachliteratur schon seinen festen Platz hatte, sich aber seit über 30 Jahren in Privatbesitz befand und dessen Aufbewahrungsort lange schon nicht mehr bekannt war.

Eduard Bischoff, Der Eisfischer, Öl (1951)

Damit kam das dritte große Werk des Gemäldezyklusses mit Themen der Fischer der Kurischen Nehrung ins Museum. Das sog. Nehrungstriptychon mit Fischern nach einem großen Fang und zwei Nebenszenen bildet den Schwerpunkt der Reihe, das Gemälde „Fischerkneipe“ und der „Eisfischer sind die weiteren großformatigen Werke dieser Reihe.

Eduard Bischoff, Nehrungstriptychon

Der Maler, der die Fischer am Kurischen Haff aus vielen Aufenthalten auf der Kurischen Nehrung seit 1919 bis 1944 sehr genau kannte und oft an ihrem Leben und an ihrer schweren Arbeit auch aktiv teilgenommen hatte, setzte ihnen seit den 1920er Jahren und nach 1945 in vielen Arbeiten ein Denkmal.

Eduard Bischoff, Fischer in der Kneipe, Öl (1952)


Wie es zu den anderen Gemälden auch Vorarbeiten aus den Jahren zwischen 1920 und 1941 gab und in kraftvollen Holzschnitten die Themen in den 1950er Jahren aufgegriffen wurden, so ist es auch im Fall des Eisfischers. Ein Gemälde dieses Themas verbrannte 1944 in Königsberg. Aber ein Aquarell der gleichen Komposition von 1941 blieb in einem Foto bekannt.

Eduard Bischoff, Der Eisfischer, Aquarell, 1941 - Fotografie

Nachdem Eduard Bischoff nach der Flucht aus Ostpreußen 1945 zunächst im Kreis Uelzen angekommen war, hatte er ab 1948 Gelegenheit, in Gelsenkirchen in der Künstlersiedlung Halfmannshof wieder richtig Fuß zu fassen. Neben vielen neuen Aufträgen hatte er auch Gelegenheit, Motive aus seinen Schaffensjahren 1919-44 in Königsberg, deren frühere Arbeiten im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, neu zu schaffen, in einem durch den Eindruck der zeitgenössischen Kunst seit 1945 auch gewandelten Stil.

Eduard Bischoff, Der Eisfischer, Holzschnitt (1957)

Vergleicht man das Foto des verschollenen Aquarells von 1941, das Gemälde von 1951 und schließlich den Holzschnitt von 1957, erkennt man die gleich gebliebene Grundidee der kraftvollen Gestalt des leicht vorgebeugt das Netz aus dem Eisloch ziehenden Fischers. Der Stil Bischoffs wandelt sich zu stärkerer Abstraktion und Konzentration auf die Figurendarstellung. Die besonders reiche und überraschende Farbigkeit belegt weiterhin, wie intensiv sich der Künstler mit der Gestaltung des Werks befasst hat. Schließlich tut auch die auffallende Größe des Werks, 131 cm Höhe bei 1 m Breite, ein übriges, diese eindrucksvolle Gestaltung zur Wirkung zu bringen. Es zählt zu den herausragenden Arbeiten des Vermächtnisses der ostpreußischen Malerei des 20. Jh.

Dem Ostpreußischen Landesmuseum ist es kürzlich gelungen, ein Hauptwerk von Eduard Bischoff (1890-1974), einem der bedeutendsten ostpreußischen Maler des 20. Jh., zu entdecken und seiner Sammlung hinzuzufügen. Es handelt sich um den „Eisfischer“, ein Gemälde, das in der Fachliteratur schon seinen festen Platz hatte, sich aber seit über 30 Jahren in Privatbesitz befand und dessen Aufbewahrungsort lange schon nicht mehr bekannt war.

Damit kam das dritte große Werk des Gemäldezyklusses mit Themen der Fischer der Kurischen Nehrung ins Museum. Das sog. Nehrungstriptychon mit Fischern nach einem großen Fang und zwei Nebenszenen bildet den Schwerpunkt der Reihe, das Gemälde „Fischerkneipe“ und der „Eisfischer sind die weiteren großformatigen Werke dieser Reihe.

Der Maler, der die Fischer am Kurischen Haff aus vielen Aufenthalten auf der Kurischen Nehrung seit 1919 bis 1944 sehr genau kannte und oft an ihrem Leben und an ihrer schweren Arbeit auch aktiv teilgenommen hatte, setzte ihnen seit den 1920er Jahren und nach 1945 in vielen Arbeiten ein Denkmal.

Wie es zu den anderen Gemälden auch Vorarbeiten aus den Jahren zwischen 1920 und 1941 gab und in kraftvollen Holzschnitten die Themen in den 1950er Jahren aufgegriffen wurden, so ist es auch im Fall des Eisfischers. Ein Gemälde dieses Themas verbrannte 1944 in Königsberg. Aber ein Aquarell der gleichen Komposition von 1941 blieb in einem Foto bekannt.

Nachdem Eduard Bischoff nach der Flucht aus Ostpreußen 1945 zunächst im Kreis Uelzen angekommen war, hatte er ab 1948 Gelegenheit, in Gelsenkirchen in der Künstlersiedlung Halfmannshof wieder richtig Fuß zu fassen. Neben vielen neuen Aufträgen hatte er auch Gelegenheit, Motive aus seinen Schaffensjahren 1919-44 in Königsberg, deren frühere Arbeiten im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, neu zu schaffen, in einem durch den Eindruck der zeitgenössischen Kunst seit 1945 auch gewandelten Stil.

Vergleicht man das Foto des verschollenen Aquarells von 1941, das Gemälde von 1951 und schließlich den Holzschnitt von 1957, erkennt man die gleich gebliebene Grundidee der kraftvollen Gestalt des leicht vorgebeugt das Netz aus dem Eisloch ziehenden Fischers. Der Stil Bischoffs wandelt sich zu stärkerer Abstraktion und Konzentration auf die Figurendarstellung. Die besonders reiche und überraschende Farbigkeit belegt weiterhin, wie intensiv sich der Künstler mit der Gestaltung des Werks befasst hat. Schließlich tut auch die auffallende Größe des Werks, 131 cm Höhe bei 1 m Breite, ein übriges, diese eindrucksvolle Gestaltung zur Wirkung zu bringen. Es zählt zu den herausragenden Arbeiten des Vermächtnisses der ostpreußischen Malerei des 20. Jh.

Das OL zu Gast in Polen

Dienstag, 20. März 2012

Ausstellung über Walter von Sanden-Guja in Allenstein / Olsztyn zu bewundern

Walter von Sanden (1888 – 1972) gehört zu den wichtigsten Natur- und Tierschriftstellern des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Doch ist er heute, wie auch das Genre, in dem er schrieb, weitgehend vergessen. Zu Unrecht, wie das Ostpreußische Landesmuseum meint, das 2011 eine wanderfähige Ausstellung über sein Leben Werk neu erstellte. Diese neue Präsentation wurde bewusst zweisprachig, deutsch und polnisch, angelegt, denn seine ostpreußische Heimat gehört heute zu Polen.

Dr. Christoph Hinkelmann vom OL mit Dr. Krzysztof Gebura (links), der hier als Übersetzer fungierte und Janusz Cyganski, Direktor des Museums für Ermland und Masuren

In seiner unverwechselbaren Darstellung wird uns das Land, das ihm Heimat war, anschaulich vor Augen geführt. Er konnte es uns aber auch physisch so erhalten wie es war, weil er Farbdias hinterließ, die heute einzigartige Zeitdokumente sind. Diese Bilder bilden das Rückgrat der biographischen Ausstellung über Walter von Sanden, der nach 1945 seinem Namen den des verlorenen Besitzes am Nordenburger See, Guja, hinzufügte.

Dr. Christoph Hinkelmann im Gespräch mit Besuchern der Ausstellung, hier mit einer autochtonen Allensteinerin

Die Ausstellung wurde im Sommerhalbjahr 2011 im Volkskulturmuseum Angerburg/ Muzeum Kultury Ludowej Węgorzewo gezeigt und ist nun im Naturmuseum in Allenstein/ Muzeum Przyrody Olsztyn zu sehen. Bei der Eröffnung am 29. Februar 2012 im Erdgeschoss des wunderbar restaurierten, repräsentativen Gebäudes, das einmal eine Villa am Allensteiner Stadtrand war, zeigten fast 50 Gäste Interesse an diesem besonderen Mann, der seine Heimat so sehr liebte und ihre Natur achtete. Er mag im deutschsprachigen Raum fast vergessen sein, doch vielleicht erlebt er nun eine Art Wiedergeburt in der Wahrnehmung im polnischen Sprachraum? Auf jeden Fall ist er gewissermaßen in seine Heimat zurückgekehrt und willkommen.

Das Naturmuseum in Allenstein - Muzeum Przyrody Olsztyn

Dies drückt auch ein Buchprojekt aus, das sich zufällig zeitgleich ergab. Grazyna Czausz, Autorin in Allenstein/Olsztyn, hat gerade die wohl schönste Tiergeschichte Walter von Sandens, „Ingo – die Geschichte meines Fischotters“ ins Polnische übersetzt, die demnächst als erstes Buch des deutschen Autors überhaupt in polnischer Sprache erscheinen wird. Sie war bei der Eröffnung im Naturmuseum persönlich anwesend.

Dr. Christoph Hinkelmann mit Grazyna Czausz

Marian Szymkiewicz, Leiter der zum Museum für Ermland und Masuren/Muzeum Warmii i Mazur gehörenden Einrichtung, führte in das Thema der Ausstellung ein. Im Anschluss daran stellte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg, Dr. Christoph Hinkelmann, der das Ausstellungsprojekt konzipiert hatte, Walter von Sanden in einem biographischen Bildervortrag näher vor. Er ging dabei auch auf seine wichtigsten Bücher, das genannte über den Fischotter (1939) und „Alles um eine Maus“ (1940), die Geschichte der ersten Entdeckung der seltenen Birkemaus im damaligen Deutschland, ein. Ebenso auf seine wichtigen autobiographischen Darstellungen „Das gute Land“ (1938) und „Schicksal Ostpreußen“ (1968), die eindrucksvoll beweisen, dass Walter von Sanden weit über die Naturschriftstellerei hinaus beobachten und analysieren konnte.

Alles um eine Maus - Im Mittelpunkt dieser Lektüre steht die kleine Birkenmaus.

Die Ausstellung wird bis Ende Juni 2012 im Naturmuseum Allenstein zu sehen sein.

Bedeutendes Exponat für unser Museum

Freitag, 13. August 2010

Ein Lehrbeispiel in Kunst und Geschichte

Gustav Eberlein: Königin Luise und Napoleon in Tilsit 1807. Bildrechte: Ostpreußisches Landesmuseum

Es war einer der dramatischsten Momente in einem reichen Leben und der Keim eines der bedeutendsten nationalen Mythen des Deutschen Reiches: Die noch junge preußische Königin Luise, schon zu Lebzeiten eine „Königin der Herzen“, musste sich 1807 im ostpreußischen Tilsit dem siegreichen Kaiser Napoleon stellen – ihn, den sie gerade noch als „Ungeheuer“ und „Höllenmenschen“ bezeichnet hatte. Aber Preußen war am Ende, das Land von den Franzosen besetzt, König und Königin hatten bis an den äußersten Zipfel ihres Reiches fliehen müssen. Fatal: König Friedrich Wilhelm III. wurde als Verhandlungspartner von Napoleon nicht ernst genommen. Nun sollte Preußens berühmte Schönheit den Kaiser milde stimmen und einen erträglichen Frieden erbetteln. „Das tiefste und vollste Dekollete, das eine Deutsche je zeigte“ soll Napoleons Diplomat Talleyrand die Episode kommentiert haben. Genützt hat es bekanntlich nicht.

Eine berühmte Szene deutsch-französischer Geschichte, die vielfach künstlerisch aufgegriffen und jeweils national interpretiert wurde. In Frankreich etwa malte man die Königin nicht nur genauso groß wie Napoleon, also künstlich kleiner, vielmehr wurde sie gleich wie eine Braut dem Sieger „zugeführt“.

In vielen anderen Darstellungen fleht die liebliche Luise zum herrischen Sieger; oft mahnt im Hintergrund Friedrich der Große als Gemälde Preußens Glorie an, etwa bei dem Monumentalgemälde von Rudolf Eichstädt:

R. Eichstaedt, Luise und Napoleon in Tilsit (1895). Alle Rechte: Ostpreußisches Landesmuseum

Ein Umsetzung aber ragt heraus: ein überlebensgroßer Denkmalentwurf von Gustav Eberlein aus dem Jahr 1901. Denn 90 Jahre später blickte man sehr eigen auf diesen historischen Moment. Napoleon war schließlich längst besiegt und abgesetzt und Frankreich 1871 erneut besiegt worden. Der preußische König – Luises Sohn – ward zum ersten Deutschen Kaiser in Versailles gekrönt.

Eberlein schuf eine Gipsskulptur, welche die vermeintliche Überlegenheit Preußens und Deutschlands über Frankreich mit Mitteln der Kunst ausdrücken sollte. Der unter Wilhelm II. beliebteste Bildhauer stellte Luise nicht nur auf eine (moralisch) höhere Stufe, er ließ sie den fast zwergenhaften, ins Leere starrenden Napoleon auch arrogant die kalte Schulter zeigen.

Eine Umdeutung der Geschichte. Hier ist Luise nicht mehr die sich für ihr Land aufopfernde Märtyrerin, die wenig später am gebrochenen Herzen viel zu früh verstarb, nicht mehr das „Mordopfer“ des Erbfeindes Frankreich. Im Gegenteil: Luise geht aus dem Treffen zumindest als moralische Siegerin heraus. Die nachfolgenden militärischen Erfolge waren aus dieser Perspektive dann schon keine Frage mehr …

Zu einer Umsetzung in Bronze oder Marmor ist es nie gekommen, auch wenn der Künstler ein Jahr zuvor in Anwesenheit des Kaisers sein gefeiertes Luisendenkmal in Tilsit enthüllen konnte. Mit dem Ende der Hohenzollernherrschaft sank auch Eberleins Stern. Bald war er vergessen, seine Kunst galt nichts mehr, und auch dieser Entwurf drohte endgültig zu verfallen.

Mit Mitteln verschiedener Einrichtungen und Privatleuten, darunter dem Ostpreußischen Landesmuseum, gelang es dem Gustav-Eberlein-Forschung e.V. die Skulptur vom Eberlein-Experten Erhard Joseph aufwendig restaurieren zu lassen. Sie wurde erstmals in der Luisenausstellung im Berliner Schloss präsentiert und avancierte dort rasch zum beliebtesten Exponat.

Nun bildet sie einen Höhepunkt in unserer aktuellen Ausstellung und bleibt auch nach deren Ende als Dauerleihgabe des Städtischen Museums Hann. Münden weiterhin hier im Museum.

Anlieferung des Kunstwerkes unter Aufsicht des Restaurators Joseph:

Die Presse war natürlich dabei:

Festlegung des Standortes mit Kustos Dr. Jörn Barfod und Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert:

Sensationelle Leihgabe – das Strumpfband der Königin!

Donnerstag, 22. Juli 2010

Kaum ist die Ausstellung über die “Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos” vorige Woche eröffnet worden, wird die Aktualität des Luisenmythos auf ungewöhnliche Weise bestätigt:

Ein Lüneburger meldete sich mit einem Erbstück seiner Familie, geheimnisumwittert, voller Legenden und Rätsel, wie es ein Mythos verlang.

Seine Eltern oder Großeltern, nichts Genaues weiß man nicht, erhielten dieses Strumpfband, zwei kleine Hundchen aus Holz und dazu ein erklärenden Brief von 1916, akkurat in Süterlin geschrieben. Der oder die Briefschreiber(in) erzählt darin von den Erzählungen einer älteren Dame, einer geborenen von Witzleben, die leider bereits 1913 verstorben war. Sie hatte zu berichten gewusst, dass dieses Strumpfband zusammen mit anderen Kleinigkeiten von der Königin Luise den Grafen Podewils vermacht wurde – ein Dank für deren Unterstützung bei der dramatischen Flucht vor Napoleons Truppen ins ostpreußische Exil. Die Mutter der älteren Dame war eine geborene Podewils.

Ein besonderes Stück. Eine Musealie voller Legenden. Jetzt in der Ausstellung zu bewundern.

Strumpfband (der Königin, angeblich von 1807) und erklärender Brief zur Geschichte von 1916