Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Ostpreußen als Reiseland – vor 1945

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Vortragsangebot von Dr. Christoph Hinkelmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ostpreußischen Landesmuseum

Seit der politischen Öffnung in Mitteleuropa sind die auf drei Staaten verteilten ostpreußischen Städte und Landschaften wieder zugänglich und ein interessantes Reiseziel geworden. Wieder – muss man erneut sagen, denn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg spielte der Fremdenverkehr eine wesentliche wirtschaftliche Rolle in der damaligen Nordostecke Deutschlands.

Tourismuswerbung in den 1930er Jahren

Die Kurische Nehrung mit ihren Sanddünen war ein klassisches Reiseziel vor dem Zweiten Weltkrieg, Aufnahme 1940 (E. Schütz)

Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert begann man, andere Regionen und weiter entfernt liegende Orte wegen ihrer Geschichte, Bauwerke, Bibliotheken usw. zu besuchen. Diesen „Gelehrten-Reisen“ gesellten sich im 19. Jahrhundert Erholungsreisen hinzu, die zunehmend auch nach Ostpreußen führten. Der Erste Weltkrieg bildete eine Zäsur, doch in den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle im geographisch abgetrennten und v.a. landwirtschaftlich geprägten Ostpreußen.

Städte und Regionen warben in Prospekten mit ihren jeweiligen Besonderheiten (Marienburg, 1930er Jahre)

Die Verkehrsinfrastruktur der Provinz war vielseitig und gut auf den Fremdenverkehr eingestellt.

Ostpreußen warb mit guter Infrastruktur, moderaten Preisen für Reisen im Land ebenso wie für Übernachtungen und deutschlandweit bekannten Reisezielen. Innerhalb des Landes gelangte man mit Kleinbahnen, der Kraftpost und anderen Omnibusverbindungen sowie dem PKW zum Ziel. Für letztere gab die Mineralölfirma Shell die besten Straßenkarten heraus. Zwölf Gebiete bildeten den Schwerpunkt der Reiseziele: das Weichselland, die Frische Nehrung, Stadt und Landkreis Königsberg, das Samland, die Kurische Nehrung, das Ermland, das Oberland, Masuren, das Pregeltal, der Nordosten, die Rominter Heide sowie die immer mitberücksichtige Freie Stadt Danzig. Ferner lockten die größeren und attraktiveren Städte mit ihren Besonderheiten und ihrem Umland ebenso wie wichtige Gedenkstätten, z.B. die Abstimmungsdenkmale oder das „Reichsehrenmal“ Tannenberg, die an die Kämpfe im und die Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg erinnerten, Bildungsreisende und  „Sommerfrischler“ in die entlegene Provinz. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs endete diese Epoche.

Auch der Tourismus in Ostpreußen blieb von der Politik und Propaganda nicht verschont. Nach dem "Wiederanschluss" des Memelgebiets im Frühjahr 1939 wurden die bis dahin verwendeten Prospekte kurzerhand einfach überdruckt.

Einen Vortrag über das Reiseland bzw. über andere landeskundliche Besonderheiten Ostpreußens vermittelt das Ostpreußische Landesmuseum bei Interesse (Dr. Christoph Hinkelmann, Tel. 04131 75995-19).

Umbau und Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung

Donnerstag, 20. August 2015

Ein Bericht von Silke Straatman

Seit vielen Jahren wurde darum gerungen, nun endlich wurden die langen Mühen belohnt: Im Sommer 2014 beginnen erste bauliche Maßnahmen zur Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums. Neben dem Ostpreußischen Kernbereich soll das Museum künftig auch um eine Deutschbaltische Abteilung erweitert und vor allem rundum modernisiert werden. Hierzu erhält es einen Neubau auf der westlich angrenzenden Freifläche mit einem neuen Eingangsfoyer im Erdgeschoss und einem großen modernen Sonderausstellungsraum im ersten Stock. Der neue Zugang des Museums liegt nun in der beliebten und belebten “Heiligengeiststraße” inmitten der historischen Altstadt wenige Meter vom wichtigsten Platz Lüneburgs “Am Sande”. Für die Umsetzung wurde im Vorfeld das renommierte schleswig-holsteinische Architektenbüro Gregor Sunder-Plassmann aus Kappeln an der Schlei ausgewählt.

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (Gregor Sunder-Plassmann)

Visualisierung Neubau Ostpreußisches Landesmuseum (© Gregor Sunder-Plassmann)

Bauen in einer historischen Altstadt ist immer eine Herausforderung. So auch hier. Aber am 10. November 2014 wird endlich die sehnsüchtig erwartete Grundsteinlegung gefeiert. Wohlwollend ist die Rede von Ministerialrat Dr. Thomas Lindner als Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der dem Bau gutes Gelingen wünscht und sich bei allen Mitförderern, dem Land Niedersachsen, der Stiftung Niedersachsen und der Klosterkammer, der Europäischen Union und nicht zuletzt den Ostpreußen und Deutschbalten für ihr finanzielles und ideelles Engagement bedankt. Er hebt lobend hervor, dass sich so viele Einzelne beruflich und im Ehrenamt über so lange Zeit für dieses Bauvorhaben eingesetzt haben. Stellvertretend für alle dankt er dem Museumsteam unter Leitung von Dr. Joachim Mähnert und würdigt zugleich an dieser Stelle den 2011 viel zu früh verstorbenen für dieses Vorhaben außerordentlich engagierten deutschbaltischen Architekten Richard Westrén-Doll.

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Ministerialrat Dr. Thomas Lindner wünscht dem Bau gutes Gelingen

Mit weiteren Erdaushebungen auf der Baustelle sind die Archäologen schnell zur Stelle und werden natürlich fündig. In Lüneburg, einer Stadt mit mittelalterlichen Wurzeln, gehört Historie dazu: Zwei Kloaken werden entdeckt und einzigartige kleine Objekte wie ein Pilgerzeichen aus der Hansezeit ausgegraben. Wir freuen uns mit den Archäologen, aber der Weiterbau verzögert sich um einige Wochen. Ein Wermutstropfen, denn das kostet viel Geld und Geduld.

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Archäologen finden zwei mittelalterliche Kloaken

Am 16. Februar 2015 schließt das „alte“ Museum mit einer feierlichen gut besuchten Finissage. Alle wollen noch einmal gucken und Abschied nehmen von der alten Dauerausstellung und liebgewonnenen Exponaten. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen sich richtig ins Zeug und stellen ein attraktives Programm auf die Beine.

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Ehremamtliche organisieren die Finissage

Am 7. April 2015 kann die Verwaltung des Museums in das neu restaurierte 500 Jahre alte ehemalige Brauhaus, das so genannte “Scharffsche Haus” in der Heiligengeiststraße 38, einziehen. Hier wird auch künftig der neue Museumseingang sein. Alles ist noch provisorisch und riecht nach Farbe. Die Räume sind neu und modern, nur die Möbel sind die alten. Dafür reicht das Geld dann doch nicht. Dem Leben aus den Kisten wird mit Eifer bald ein Ende gesetzt. Und obwohl der neue Verwaltungseingang sich nur um eine Straße vorverlagert hat, fühlen sich die Mitarbeiter auf einmal voll im Leben, mitten in der Altstadt. Toll, ein echter Gewinn. Und im Altbau werden die ehemaligen Büros in schöne Räume für Gruppen und Schulklassen sowie für die Dauerausstellung umgebaut.

Umzug ins "Scharffsche Haus"

Umzug ins "Scharffsche Haus"

10. Juli: Der Rohbau ist fertig. Erleichterung bei allen, denn es gab nach dem Einsatz der Archäologen zum Glück keine unvorhergesehenen Verzögerungen mehr. Ein großes Richtfest wird nicht gefeiert, aber Grund zum Anstoßen gibt es allemal und natürlich wird das Gebäude zünftig “getauft” und mit Richtspruch und -krone eingeweiht. Ein herzliches Glück auf und die besten Wünsche für einen weiterhin unfallfreien Bauverlauf! Dank gebührt diesmal vor allem den Handwerkern, Architekten und Planern, aber letztendlich natürlich allen Beteiligten.

Endliche Richtfest!

Endlich Richtfest!

Und weiter geht’s mit Planungssitzungen und  Besprechungsrunden. Die Museumswissenschaftler, Architekten des Büros Gregor Sunder-Plassmann sowie die Ausstellungsgestalter Homann, Güner, Blum (hgb) beraten über Aussehen und gestalterische Umsetzung des historischen Innenhofes und des Eingang-Foyers. Wie können Besucherinnen und Besucher neugierig gemacht werden auf ein neu gestaltetes Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung?

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Gemeinsam beraten: Gestalter, Architekt, Museumsmitarbeiter

Am 27. Juli 2015 wird das „Café Bernstein“ im  Erdgeschoss des „Scharffschen Haus“ mit mehr als 300 geladenen Gästen eröffnet. Der Pächter des neuen Museumscafés, Kevin James Meier, ist zufrieden und freut sich: „Mit soviel Andrang habe ich nicht gerechnet.“ Das Café zeigt sein besonderes Ambiente mit einem Lesesaal, der zum Verweilen bei einer Tasse Kaffee und leckerem Kuchen einlädt. Auch kleine ostpreußische Gerichte, wie beispielsweise „Königsberger Klopse“, stehen auf der vielseitigen Karte.

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

"Cafe Bernstein" im neu restaurierten "Scharffschen Haus" in der Heiligengeiststraße lädt zum Verweilen ein

Im Herbst 2015 muss der Neubau mit einem faszinierenden Sonderausstellungsraum fertig sein, denn Anfang November (7./8.11.2015) will sich das Museum mit seinem beliebten Museumsmarkt in den neuen Räumlichkeiten präsentieren. Wir können gespannt sein!
Der Neubau geht voran!

Der Neubau geht voran!

Demnächst in diesem Blog: Neues von der Bausstelle …

Erinnertes Leben – Gelebte Erinnerung. Arno Surminski zum 80. Geburtstag

Dienstag, 15. Juli 2014
Arno Surminski mit Frau und Sohn

Arno Surminski mit Frau und Sohn

In einer feierlichen Vernissage am 9.Mai 2014 wurde im Ostpreußischen Landesmuseum dem bekannten Schriftsteller Arno Surminski eine Ausstellung gewidmet. Der Autor hat mit so bedeutenden Büchern wie “Jokehnen oder wie lange fährt von Ostpreußen nach Deutschland” oder “Polninken oder eine deutsche Liebe” seiner Heimat Ostpreußen ein Denkmal gesetzt. Obgleich er schon als 11jähriger seinen Geburtsort Jäglack bei Rastenburg (heute Jeglawki im polnischen Landkreis Ketrzyn) verlassen musste, gelang ihm ein stimmungsvolles Bild des Bartenlands in Ostpreußen, das er voller liebevoller Details in lebendigen Farben zu malen versteht. Seine ergreifenden Geschichten erreichen bis heute auch zahlreiche Menschen, die zunächst keinerlei Bezug zu dieser einst östlichsten Provinz Deutschlands haben.

Büste Surminskis

Büste Surminskis

Arno Surminski verlor seine Eltern 1945, als sie in die Sowjetunion verschleppt wurden. Als Flüchtling kam er 1947 nach Schleswig-Holstein. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Hamburg: er ist verheiratet und hat drei Kinder sowie acht Enkel. Trotz der schwierigen Vergangenheit hat er sich seiner persönlichen Geschichte, die er v.a. im Roman “Jokehnen” verarbeitet hat, nie mit Groll gegen Polen und Russen genähert. Surminski sieht sich als Brückenbauer, der einen engen Kontakt und Austausch mit den heutigen Bewohnern des untergegangenen Ostpreußens sucht. In späteren Romanen wie “Winter 45 oder die Frauen von Palmnicken” oder “Die Vogelwelt von Auschwitz” hat sich Surminski intensiv auch mit den Verbrechen Nazi-Deutschlands auseinandergesetzt.

Gestalter Heblik und Wahl mit Projektleiterin Agata Kern

Gestalter Heblik und Wahl mit Projektleiterin Agata Kern

Die von der Berliner Agentur Heblik&Wahl gestaltete, komplett zweisprachige Ausstellung (deutsch/polnisch) greift Schlüsselszenen aus den wichtigsten Werken Surminskis auf und erlaubt so einen intensiven Einstieg in die Gedankenwelt des Autors.

Über 100 Gäste

Über 100 Gäste

Zur Ausstellungseröffnung am 9. Mai war Arno Surminski mit Ehefrau und Sohn persönlich anwesend. Der Vortragsbereich des Museums war mit weit über 100 Besuchern komplett gefüllt. Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze und Eckard Pols, Gremienvertreter der Ostpreußischen Kulturstiftung wie der Vorstnadsvorsitzende Rolf-Dieter Carl, bekannte Museumspersönlichkeiten wie Prof. Dr. Herrmann Schäfer (einst Direktor des Hauses der Geschichte sowie Abteilungsleiter bei der BKM) oder Helmut Sander (bis 2014 Alleinvorstand Stiftung Hamburger Museen) und zahlreiche Freunde und Bekannte des Schriftstellers harrten neugierig der Wanderausstellung, die nach ihrer Lüneburger Laufzeit nach Rastenburg wandern wird, denn auch in Polen finden die Bücher des Schriftstellers stetig wachsende Nachfrage.

Direktor Joachim Mähnert

Direktor Dr. Joachim Mähnert

Stiftungsratsvorsitzender Hubertus Hilgendorff

Stiftungsratsvorsitzender Hubertus Hilgendorff

Nach der Begrüßung durch Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert fand der Vorsitzende des Stiftungsrates der Museumsträgerstiftung “OstpreußischeKulturstiftung”, Hubertus Hilgendorff, der zugleich Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Rastenburg ist, sehr persönliche Worte für den “Landsmann” und vergaß auch nicht, Frau Surminski mit einem Blumenstrauß zu würdigen.

Von Seiten seines Verlags Ellert und Richter sprach der Verleger und Freund des Autors Gerhard Richter, der hervorhob, was ihn am Werk Surminskis beeindruckte – die uneingeschränkte Bereitschaft zum Brückenbau.

Verleger Gerhard Richter

Verleger Gerhard Richter

Auch der Kurator und Literaturwissenschaftler PD Dr. Martin Maurach gab einen reichhaltigen und tiefgründigen Einblick in das Schaffen Surminskis. Er führte auch in den Doppeltitel ein – der Wechsel von Surminskis frühen Romanen, die wesentlich aus seinen Lebenserinnerungen gespeist sind und die späteren Bücher, die sich mehr mit Formen des Erinnerns und den Auswirkungen aus das Leben seiner Protagonisten auseinander setzen.

Kurator PD Dr. Martin Maurach

Kurator PD Dr. Martin Maurach

Abschließend erlaubte der Geehrte selbst Einblicke in sein Schaffen, seine Inspirationsquellen und Motive, seine bewegte Jugend, die ersten schwierigen Gehversuche als Autor, die in den Erfolg mündeten, als er sich dem widmete, was er am besten erzählen konnte – sein eigenes Leben. So entstand vor 40 Jahren sein Roman “Jokehnen”. Seine Leser danken es ihm.

Arno Surminski

Arno Surminski

Für das Museum ist dieses Projekt ebenfalls von Bedeutung: Immerhin ist es die letzte Sonderausstellung vor der für den bevorstehenden Umbau notwendigen mehrmonatigen Schließung.

Helmut Sander

Helmut Sander

Prof. Dr. Hermann Schaefer

Prof. Dr. Hermann Schaefer

Internationaler Museumstag, 18. Mai 2014

Sonntag, 13. Juli 2014
Spannende Geschichten über Bernstein

Spannende Geschichten über Bernstein

Der Internationale Museumstag in diesem Jahr war für die Kinder des Museums-Kinderclubs ein ganz besonderes Highlight, denn sie durften selbst Besucher durch „ihr“ Museum führen und ihnen ihre Lieblingsausstellungsstücke vorstellen. An den vorherigen Terminen des Kinderclubs hatten die Kinder sich auf diesen Tag gründlich vorbereitet:

Elche_sind_cool

Elche sind cool

Sie haben sich allein oder zu zweit ihr Lieblingsstück aus dem Museum ausgesucht, Informationen herausgesucht, einen kleinen Text verfasst und diesen geübt. Am 18. Mai war es dann soweit und die Besucher konnten von den Kindern noch einiges Neues über den Elch, den Wolf oder auch Zinnsoldaten erfahren. Am Ende waren alle stolz auf die kleinen Museumsführer und sie selbst ganz besonders!

(Sina Schurrer)

Aufmerkssame und begeisterte Zuhörer

Aufmerkssame und begeisterte Zuhörer

Großer Andrang bei Ausstellungseröffnung

Samstag, 5. April 2014

Unsere neue Ausstellung begeistert:

Karl Storch (1864-1954): Zwischen Holstein und Königsberg – Ein Berliner Sezessionist der ersten Stunde

(29. März bis 15. Juni 2014)

Karl Storch in Luisenwahl in Königsberg

Karl Storch in Luisenwahl in Königsberg

Ob es allein die Anziehungskraft der Gemälde, der frühlingsmilde Abend, die zahlreichen Nachfahren des Künstlers oder vielleicht sogar der Umstand war, dass dies die letzte große Sonderausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums vor seiner Schließung im Oktober darstellt, wenn die gesamte Dauerausstellung modernisiert und ein Anbau errichtet wird – jedenfalls kamen am vergangenen Freitag weit über 100 Gäste zur Vernissage mit Werken von Karl Storch d. Ä.. Die Stühle reichten nicht, und so musste mancher stehen, um einer umfassenden und aussagestarken Einführung in das Leben und Werk des Malers durch die Ausstellungskuratorin Felicitas Brachert-Schneider zu lauschen.

Es galt allerdings auch, ein langes Künstlerleben von der Berliner Sezession über eine 40-jährige Wirkungszeit in Königsberg bis hin zu einem noch immer intensiv künstlerischen Lebensabend in Bad Segeberg abzubilden. Diese Ausstellung beleuchtet alle Facetten dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlers.

Sein vielfältiges Werk umfasst Landschaften, Städteansichten, Personendarstellungen wie auch historische Szenerien. In seinen lebhaften Schilderungen trifft Storch gestaltungssicher Charaktere wie Stimmungen. Das riesige Oeuvre Storchs aus einer Schaffensperiode von über 70 Jahren ist wie bei fast allen seiner ostpreußischen Malerkollegen zu einem Gutteil verschollen oder verbrannt. Da Storch jedoch regelmäßig im Westen ausgestellt und viel verkauft hatte außerdem mehrere Bilderkisten in letzter Minute aus Ostpreußen herausschicken konnte, sind von ihm weit mehr Werke erhalten, als man es bei einem Flüchtling aus Königsberg erwarten würde. Die ausgestellten Werke stammen überwiegend aus Privatbesitz und wurden seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich gezeigt. Kein Wunder, dass die Ausstellung einer 60 Jahre währenden Schaffensperiode, von der frühen Phase in Berlin bis zum Spätwerk in Holstein, über 100 Exponate umfasst.

Die Ausstellung ist anlässlich seines 150. Geburtstages einem Maler gewidmet, der zu den einfallsreichsten und beliebtesten seinerzeit gehörte. In Berlin hatte er zum Kreis der ersten „modernen“ Maler der Sezession gehört und wurde deshalb 1902 nach Königsberg berufen, da er den damals neuen Stil des Impressionismus an die Akademie bringen sollte. Er begründete die Kunsterzieherausbildung dort und lieferte wichtige Impulse für den schulischen Werkunterricht.

Die 27-jährige Wirkenszeit Storchs als Lehrer der Königsberger Kunstakademie (1902-29) stellt ein gewichtiges Kapitel der ostpreußischen Kunstgeschichte dar. Mit seinem Werk wird zugleich der ostpreußischen Landschaftsmalerei in ihrer längsten Wirkungsphase eine Gedächtnisausstellung gewidmet. Karl Storch blieb bis 1944 in Königsberg.

Mit dieser Ausstellung wird abschließend ein künstlerischer Höhepunkt präsentiert, bevor das Museum am 6. Oktober für einige Monate schließen muss. Zuvor wird ab 10. Mai im kleineren Kabinettausstellungsbereich bis August noch eine Ausstellung zu Ehren des Schriftstellers Arno Surminski anlässlich seines 80. Geburtstags zu sehen sein.

Der “Tempelhüter” steht wieder in Trakehnen

Montag, 17. März 2014

Aus Anlass des 200. Jubiläums des Hauptgestüts Trakehnen in Ostpreußen ließ die Preußische Gestütsverwaltung am 26. September 1932 vor dem Landstallmeisterhaus eine lebensgroße Pferdeplastik auf einem Sockel aufstellen. Sie zeigte den Hengst „Tempelhüter“, der 1905 geboren mit seiner harmonischen Vereinigung von Kraft und Eleganz das ideale Pferd seiner Zeit verkörperte.

Der neue Tempelhüter...noch ganz in weiß

Der neue Tempelhüter...noch ganz in weiß

Als 12 Jahre später die Rote Armee Trakehnen eroberte, waren seine Bewohner rechtzeitig geflohen. Zurück blieb das nicht-lebende Inventar, auch der Tempelhüter. Sein weiteres Schicksal blieb zunächst unbekannt, denn über das nördliche Ostpreußen, der Kaliningrader Oblast, senkte sich der Eiserne Vorhang sehr viel rigoroser als über andere Teile Ostpreußens. Nahezu keine Information drang nach außen.

Das ehemalige Eingangstor zum Gestüt

Das ehemalige Eingangstor zum Gestüt

Erst zu Beginn der 1970er Jahre wurde durch Zufall auch im Westen bekannt, dass die berühmte Trakehner Pferdeplastik nach Moskau gebracht worden war. Auf dem Sockel in Trakehnen stand hingegen ein Denkmal zur Erinnerung an einen Sowjetsoldaten, der sein Leben bei der Eroberung Ostpreußens verloren hatte. Mit der politischen Wende 1990/91 wurde das Kaliningrader Gebiet auch wieder für Deutsche zugänglich, und natürlich zog es sie auch nach Trakehnen, das heute wie der Tolstoi-Ort nahe Moskau Jasnaja Poljana heißt.

Hagen Mörig aus Braunschweig, der ab 2001 ein Jahr lang Aufbauarbeit in Jasnaja Poljana geleistet hatte, wollte sich mit dem Verlust des Tempelhüters in Trakehnen nicht abfinden. Er setzte alle Hebel in Bewegung, sammelte Tausende von Unterschriften, um die verantwortlichen Stellen in Moskau zur Rückgabe des Tempelhüters in den schließlich nun ebenfalls russischen Ort zu bewegen. Das gelang zwar nicht, doch wurde die Erlaubnis erteilt, eine Nachbildung der Pferdeplastik im ehemaligen Trakehnen aufzustellen.

Hagen Mörig in Trakehnen

Hagen Mörig in Trakehnen

Mit diesem „Freibrief“ sammelte Möhrig mehr als 30.000,- €. Zudem fand er in Kaliningrad (Königsberg) eine Gießerei, die die Plastik herstellte.

Unklar war jedoch noch lange der genaue Standort der Plastik in Trakehnen. Einige wenige Bewohner beharrten auf dem Verbleib des Soldatendenkmals auf dem Tempelhütersockel. Um die neue Pferdeplastik dennoch im Ort aufstellen zu können, errichtete ein dem Vorhaben sehr gewogener Einwohner einen Sockel in seinem Vorgarten. Kurz vor dem lange angekündigten Termin der feierlichen Enthüllung des Denkmals kam eine Anweisung aus Moskau, die eine beide Seiten befriedigende Lösung brachte: Das Soldatendenkmal wird auf den am Dorfrand gelegenen Friedhof zu Ehren von über 2.000 Rotarmisten gebracht, die bei der Eroberung der Region ums Leben gekommen waren, und die Feierlichkeiten beginnen mit einer Kranzniederlegung dort. Im Anschluss wird dann die Pferdeplastik auf de originalen Sockel gestellt.

Der Soldatenfriedhof

Der Soldatenfriedhof

Die feierliche Enthüllung der Tempelhüter-Nachbildung fand am 29. September 2013, 81 Jahre und 3 Tage nach der ersten Zeremonie am selben Ort, statt.

Zur Feierlichkeit fanden sich über 400 Menschen aus dem Dorf Jasnaja Poljana und der Region, auch Vertreter der Gebiets-Duma, des Landrats des Kreises Stallupönen/Nesterov und der Bürgermeister ein, weiterhin zahlreiche Gäste aus Königsberg/Kaliningrad und aus allen Teilen Deutschlands. Besonders stark vertreten waren Angehörige der Kreisgemeinschaft Ebenrode/Stallupönen, also der früheren Bewohner des Landkreises, zu dem Trakehnen vor 1945 gehörte. Sie waren mit einem eigenen Bus angereist, um der Zeremonie beizuwohnen.

Der enthüllte TEmpelhüter mit Dr. Gerhard Kübart

Der enthüllte Tempelhüter mit Dr. Gerhard Kübart

Die Festrede hielt Dr. Gerhard Kuebart, Kreisvertreter der Stallupöner und Großneffe des Künstlers Reinhold Kuebart, der zu Beginn der 1930er Jahre das Tempelhüter-Original geschaffen hatte. Auch das Ostpreußische Landesmuseum war bei der Feierlichkeit vertreten.

Dr. Christoph Hinkelmann

Unser Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum

Freitag, 31. Januar 2014

Im Rahmen eines zweiwöchigen schulischen Praktikums im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg erhielten wir die Möglichkeit, Einblick in die verschiedenen Abteilungen und Bereiche des Museums zu gewinnen. Unsere Tätigkeiten umfassten hauptsächlich die Bereiche der Museumspädagogik, der Geschichtswissenschaft, des Kulturreferats und der Bibliotheksarbeit.

Die Arbeit in der Museumspädagogik begann mit dem Erstellen einer Rallye. Außerdem begleiteten wir Museumsbesuchergruppen von Erwachsenen und Kindern, mit denen wir eine Führung durch das Museum machten sowie Bernstein schleifen konnten.

Kinderführung "Ritter und Burgen"

Kinderführung "Ritter und Burgen"

Kindergruppe beim Museumsrundgang

Auch “hinter den Kulissen” des Museums gab es viel für uns zu tun. Wir lernten die Bibliothek kennen und erforschten alte Gegenstände und Dokumente, die möglicherweise für das Museum interessant sein könnten.

Silberne Kaffeekanne

Silberne Kaffeekanne

Kaffeekanne um 1800

Die zwei Wochen gingen schnell vorbei, weil wir uns immer sehr wohl fühlten, viel zu tun hatten und uns deshalb nie langweilig wurde. Jedem, der sich für Geschichte oder Ostpreußen begeistern lässt, empfehlen wir ein Praktikum hier zu machen oder einfach so mal vorbei zu kommen.

Marie (15) und Céline (15)

Vom Kreisauer Kreis bis hin zur modernen Website ODER Mein Praktikum im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg

Freitag, 13. Dezember 2013

Ein Praktikumsbericht von Annika Ahrens

Mein erster Eindruck vom Museum und seinen Mitarbeitern fiel bereits zu Anfang sehr positiv aus und trug schnell dazu bei, dass ich mich hier gut „einlebte“.

Mein Aufgabenspektrum im Museum war bedingt durch die Aufspaltung in die Bereiche Presseabteilung sowie Kulturreferat sehr abwechslungsreich. Da ich bisher bereits Erfahrungen in der Verwaltung und in der Pressearbeit gesammelt hatte, bekam ich nun während meiner Zeit im OL die Möglichkeit, eine für mich so vollkommen neue Konstellation des Praktikums zu absolvieren.

Als Einstieg wurde mir der „Arbeitsauftrag“ zugeteilt, mich doch einmal genauer im Museum umzuschauen und meinen persönlichen Eindruck zu erläutern. Besonders eindrucksvoll stellte sich dabei für mich erneut die Zeit von Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen dar. Die nachgestellte „Fluchtszene“ mit originalen Kleidungsstücken und Gegenständen der damaligen Zeit wirkte beeindruckend und berührend zugleich. Da auch meiner Familie das Thema Flucht und Vertreibung nicht fremd ist, war es umso interessanter, sich anhand der Ausstellung in diese Zeit rein zu versetzen und gewissermaßen nachvollziehen zu können, wie es damals für die Betroffenen gewesen sein musste.

vor der Fluchtszene

vor der Fluchtszene

Geschichtlich ging es an meinem ersten Arbeitstag im Kulturreferat auch gleich weiter, indem ich mich im Rahmen der Ausgestaltung eines Schulprojektes mit dem „Kreisauer Kreis“ befasste. Der „Kreisauer Kreis“ war mir noch durch die Geschichtsstunden in der Schule durchaus bekannt. Für das Kulturreferat hatte ich aber in einem anderen Rahmen über diese Widerstandsgruppe und ihre Pläne recherchiert und bekam so einen neuen Blickwinkel auf die damaligen Geschehnisse.

Die Mitarbeit in der Presseabteilung machte mir besonders viel Spaß, da es nicht nur bedeutet, „reine Büroarbeit“ zu leisten: die Aufgaben in diesem Bereich sind besonders vielfältig und interessant gestaltet – und darüber hinaus bekommt man immer wieder die Möglichkeit, das Museum der Öffentlichkeit entsprechend zu präsentieren.

bei der Arbeit in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

bei der Arbeit in der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Während meiner Praktikumszeit im OL lernte ich weitere wertvolle Dinge für meine berufliche Zukunft hinzu. Schön war es darüber hinaus auch zu wissen, dass man, sei es auch nur für eine kurze Zeit, intensiv dazu beiträgt, eine „Brücke bauen zu können“ – zwischen den Ländern und den Kulturen.

St. Petersburg und die Deutschen

Montag, 2. Dezember 2013

Das Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, das Reisebüro Russland Reisen Romanova und die Stiftung zur Förderung und Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen „DEUTSCH RUSISSCHES BEGEGNUNGZENTRUM – drb“ haben eine Studienreise par ex­cel­lence nach St. Petersburg angeboten.

Reisebericht von Regina Gronau

Unter der bewährten Regie von Natalia Romanova (Russland Reisen Romanova, Hamburg) und Agata Kern (Kulturreferentin am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg) war dieser Reise bereits in der Planung der Erfolg sicher. Insgesamt 20 Teilnehmer erlebten wundervolle geschichtsträchtige Tage in Piter, dem im russischen Sprachgebrauch häufig genannten Kurznamen der Stadt St. Petersburg.

St. Petersburg abseits üblicher touristischer Pfade war ein unwahrscheinliches Erlebnis. Nach dem Einchecken im „Golden Triangel Boutique Hotel“ am Nachmittag des 22. August 2013 begannen erlebnisreiche Tage, die mit einem herzlichen Empfang von der Stiftungsleiterin Arina Nemkowa und Irena Bijagowa, Leiterin der Bildungs- und Kulturprojekte im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum, eröffnet wurden. An einer reichlich gedeckten Tafel genossen wir nach einer Einführung musikalische Darbietungen in Deutsch und Russisch – gesungen vom deutschen Liederkreis „Lorelei“ unter der Leitung von Natalia Kraubner.

Am 23. August 2013 trafen wir uns wieder im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum.

Im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum

Treffen im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum

Unter anderem sahen wir einen sehr aufschlussreichen Film („Vorbild und Sündenbock“), über die wechselhafte Geschichte der Russlanddeutschen vom Beginn der Besiedlungspolitik durch Zarin Katharina II. bis in das 20. Jahrhundert. Ein Film, den man in Deutschland vor allem in den Schulen zeigen sollte, um vielen Missverständnissen zu diesem Thema zu begegnen. Anschließend folgte ein Rundgang in der evangelisch-lutherischen Petri-Kirche inklusive der Katakomben. Fast so alt wie St. Petersburg diente sie bis auf die Sowjetzeit als Gotteshaus. 1962 wurde sie zu einem Schwimmbad umgebaut. Seit Juni 1993 feiern die St. Petri- und St. Annen-Gemeinde hier wieder ihre Gottesdienste. Im Kellercafé der evangelisch-lutherischen Marienkirche der finnischen Gemeinde wurden wir dann zum Mittagessen erwartet, um anschließend von dort zu einer Stadtrundfahrt “mit deutschem Bezug” aufzubrechen.

Mittagessen im Kellercafe der Marienkirche

Mittagessen im Kellercafé der Marienkirche

Sachkundig begleitete uns die Stadtbildleiterin Wiktoria Safonowa, die uns nicht nur die architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärte, sondern vor allem in der Peter-Paul-Kathedrale die Begräbnisstätte der Zaren mit vielen erklärenden Geschichten nahebrachte. Dann bekamen wir etwas feuchte Augen, als das Glockenspiel der Kathedrale uns mit dem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Gerhard Tersteegen empfing. Mit dem Abendessen im Hotel beendeten wir einen ereignisreichen Tag.

Der 24. August 2013 war der Geschichte der deutschen Kolonien am Beispiel von Strelna-Neudorf gewidmet. Mit der Gründung der Siedlung Neudorf in der Nähe der ehemaligen Siedlung begann ein neues Zeitalter der deutschen Kolonisten. Ein Ort mit vielen gepflegten Häusern und Gärten, einer durchgehenden Straße von einer Beschaffenheit, die man bei uns in Deutschland schon suchen muss. Heute ist Neudorf eine Sonderwirtschaftszone, wo unter anderem deutsche Kühlschränke der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH gebaut werden. Die Werke befinden sich am Platz der ehemaligen deutschen Kolonie Strelna, die 1810 gegründet wurde und während des zweiten Weltkrieges völlig verschwand.

Besuch in Strelna

Besuch in Strelna

Den luth. Friedhof in der ehemaligen „Oberen Kolonie“ im Dorf Gorbunki besuchten wir anschließend. Das Mittagessen genossen wir im Restaurant Letnij dvoretz in der Sankt Petersburgskoje Chaussee. Ein palastartiges Gebäude mit einem großen Speisesaal empfing uns, und wir ließen uns verwöhnen – bis es weiter ging nach Peterhof, dem „russischen Versailles“. Von der Palastterrasse kann man über den rund 400 Meter langen Wasserkanal bis zum Finnischen Meerbusen blicken.

Parkanlage des Peterhofs, der ehemaligen Zarenresidenz

Parkanlage des Peterhofs, der ehemaligen Zarenresidenz

Der Besuch der Schloß- und Parkanlage und des Schlösschens Montplaisir war ein großartiges Erlebnis.

Für den 25. August 2013 – ein Sonntag – stand die Fahrt nach Puschkin auf dem Programm. Nach dem eindrucksvollen Rundgang im Katharinenpalast mit Wiktoria Sofanowa war natürlich das sagenumwobene Bernsteinzimmer für uns alle der Höhepunkt. Ich durfte 1942/43 das Bernsteinzimmer im Königsberger Schloss sehen und war etwas enttäuscht, dass es jetzt so klein war. Aber ich vergaß, dass ich damals 12 Jahre alt war und sich die Dimensionen mit dem Erwachsenwerden etwas verändern. Und doch war es für mich etwas ganz Besonderes – eine Erinnerung, die greifbar geworden war. Um 18:00 Uhr trafen wir uns zu einer Fluss- und Kanalfahrt, wo man lt. Programm das „Venedig des Nordens“ aus einer ganz besonderen Perspektive kennen lernen konnte. Das Abendessen im Hotel beendete einen wunderschönen Tag.

Für Montag, den 26. August 2013 war ein runder Tisch zum Thema „250 Jahre Einladungsmanifest der Zarin Katharina der Großen zur Niederlassung der ausländischen Kolonisten in Russland“ geplant. Die Moderation übernahm Dr. Irina Tscherkasjanowa.

Referent/-innen waren: Dr.Tatiana Schrader, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Peter der Große-Museums für Anthropologie und Ethnographie (Kunstkammer) Akademie der Wissenschaften Russlands: „Die Entstehung der Kompaktsiedlungen der Deutschen Kolonisten bei Petersburg und ihre Entwicklung bis zum Anfang des 20. Jh.“

Dr. Irina Tscherkasjanowa, Mitglied des Vorstandes der Internationalen Assoziation der Forscher der russlanddeutschen Geschichte und Kultur beim Internationalen Verband der Deutschen Kultur (IVDK), Moskau: „Die Leningrader Deutschen während des zweiten Weltkrieges.“

Dr. Biologie, Professor Microbiologie Irina Arkhiptschenko-Eidemiller, das wissenschaftliche Forschungsinstitut an der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften der RF: „Die Geschichte des deutschen evangelisch-lutherischen Friedhofs in Strelna aus dem Blickwinkel des Nachfahrens.“

Andrej Reimann, Vorsitzender des St. Petersburger Ausschusses für Landschaftsarchitektur des Architektenverbandes der RF: „Deutsche Kultur in der Gartenkunst in St. Petersburg.“

Ein umfangreiches Programm, das nur mit dem Simultan-Dolmetscher Dr. Vladimir Kornev zu bewältigen war.

Wenn man alles Revue passieren lässt, dann wundert man sich, dass Russland und Deutschland nicht enger zusammenrücken können. Viele Deutsche sehen St. Petersburg als ihre Heimat an und pflegen seit Jahrhunderten hier ihre Traditionen – wie auch die Russen, die aus ihrem riesigen Reich hier gelandet sind. Zarinnen kamen aus Deutschland und auch am Hofe waren die Deutschen selbst gern gesehen – vor allem die Architekten.

Besonders beeindruckend war die Dauerausstellung „Deutsches Leben in St. Petersburg“ in der Petrikirche über die Geschichte der Deutschen in St. Petersburg.

In der Petri-Kirche, die 1962 zu einem Schwimmbad umgebaut wurde

In der Petri-Kirche, die 1962 zu einem Schwimmbad umgebaut wurde

Ein Überraschungsgast fand sich an diesem Nachmittag auch noch ein, der MARCO POLO Autor Lothar Deeg. Er arbeitet als freier Russland-Korrespondent für Printmedien und als Redakteur der Web-Zeitung „Russland-Aktuell“. Seit 1994 lebt er in St. Petersburg und empfindet sich als „Petersbürger“ mit deutschem Pass. Nach dem Abendessen im Hotel erwartete uns ein Ballettabend im Alexandrinski Theater.

Unsere Gruppe vor dem Alexandrinski-Theater

Unsere Gruppe vor dem Alexandrinski-Theater

DasTatschkin-Ballett entführte uns mit dem Tschaikowsky-Klassiker “Schwanensee” in eine Märchenwelt.

Der nächste Tag, der 27. August 2013, stand uns für eigene Pläne zur Verfügung. Einige Teilnehmer wollten zur Eremitage, andere schlossen sich den Damen Romanova und Kern an, die mit uns ein echtes russisches Restaurant auf dem Newski Prospekt besuchten. Die Pelmenis schmeckten vorzüglich! Leider wartete an diesem Abend schon das Abschlusstreffen auf uns. Noch einmal gab es eine russische Tafel und eine Filmvorführung über die verlorenen Schätze der Romanovs. Wunderschöne Tage in St. Petersburg gingen zu Ende – die Erinnerung wird uns noch lange begleiten.

Mit einem herzlichen „Dankeschön“ an alle, die uns durch ihre Hilfe und Begleitung dies alles möglich gemacht haben, danke an Arina Nemkowa, Irena Bijagowa und Wiktoria Safonova für sachkundige Informationen und russische Herzlichkeit sowie Natalia Romanova und Agata Kern für eine hervorragend konzipierte Studienreise und ihre persönliche Sorgsamkeit für alle Teilnehmer – auch im Namen meiner Freundin Helga Albrecht

Regina Gronau

Abschlussfest des Projektes „Klingende Box – Brücke zu meiner Heimat” am 24. November 2013

Donnerstag, 28. November 2013

Ob Shoulder-Boogie-Woogie, Frère Jacques in allen möglichen Sprachen oder Tscheburaschka, am Sonntagnachmittag wurden auch die Zuschauer der letzten Reihe im Ostpreußischen Landesmuseum vom Sing-Spaß der Kinder der AWO-Kindertagesstätte und der Kindertafel Lüneburg mitgerissen. Mit “Hey, Hello, Bonjour, Guten Tag” begann das fröhliche Abschlussfest des Projektes “Klingende Box – Brücke zu meiner Heimat“, bei dem rund 30 Kinder über vier Monate Lieder aus vielen verschiedenen Ländern einübten und diese in Ausstellungsboxen gestalterisch umsetzten.

Eine Probe im Museum

Eine Probe im Museum

Fleißig wurde noch bis kurz vor Beginn des Festes geprobt. Schnell gab es noch etwas zu Trinken um die Stimmen zu “ölen“ und dann ging es auch schon los. Auf gleich vier Sprachen begrüßten die Kinder singend und winkend ihr Publikum, aus Eltern, Geschwistern, Freunden und Bekannten. Musiker unterstützen die Kinderstimmen und brachten so die wunderbaren Melodien der Lieder aus den unterschiedlichsten Ländern zu den Zuhörern.

Die Ausstellungsboxen werden montiert

Die Ausstellungsboxen werden montiert

Ingonyama, ein afrikanisches Lied, in dem sich Löwen und Nilpferde darüber streiten, wie ihr Anführer aussieht, wurde von den Kindern als kleiner Tanz aufgeführt und auch als die Musik stoppte,  sangen und tanzten die Kinder weiter. Einen schönen Moment brachte das in vielen Sprachen bekannte Lied “Bruder Jakob“. Hierzu wurden auch Eltern auf die Bühne gebeten, um gemeinsam mit den Kindern Brother John, Tembel Cocuk oder Panie Janie aufzuwecken. Es folgten wunderschöne türkische, polnische und russische Melodien, vietnamesische Stimmen und deutsche Friedenslieder.

Sylvia Lawaty leitete den musikalischen Part

Sylvia Lawaty leitete den musikalischen Part

Als Höhepunkt des Singens und schon sehnsüchtig von den Kindern erwartet, kam endlich “Tscheburaschka”, ein russisches Kinderlied über das “Glücklichsein” am Geburtstag. Und der Sonntag war wohl für viele auch wie ein solcher.

Das konzentierte Proben hat sich gelohnt

Das konzentrierte Proben hat sich gelohnt

Im Anschluss an das Singen folgten alle Besucher den Kindern in die Ausstellung, welche durch kleine Geschichten zur Gestaltung der Boxen , das Anschalten der Lichter in den Boxen und das “offizielle Durchschneiden” des roten Bandes von den Kindern eröffnet wurde. Aufgeregt und stolz führten die Kinder ihre Eltern und Geschwister von Box zu Box. Hier und da hörte man ein freudiges “Oh, da bin ich” bei den Fotos oder ein überraschtes “Das Flugzeug kann ja fliegen”, wenn dieses durch Schnüre bewegt wird.

Feierliche Ausstellungseröffnung

Kurz vor dem „offiziellen Durchschneiden“ des roten Bandes

Der Sonntagnachmittag war erfüllt von strahlenden Gesichtern, leuchtenden Augen und vielem Lachen von Groß und Klein. Überall klangen die Melodien der Lieder nach und so mancher wird mit einem Ohrwurm nach Hause gekommen sein. Es war ein gelungener Abschluss für das tolle Projekt “MuseobilBOX – Museum zum Selbermachen”, das im Rahmen des bundesweiten Programms “Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung” vom Bundesverband Museumspädagogik e.V. befördert und vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert wurde.

Silke Straatman, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung des Ostpreußischen Landesmuseum, und die Gesangspädagogin Sylvia Lawaty hatten die Idee für dieses Projekt. Bei der praktischen und gestalterischen Umsetzung der Ausstellungsboxen wirkte Museumspädagogin Lotte Heyhusen mit. Auch die pädagogischen Mitarbeiterinnen der AWO-Kindertagesstätte und der Kindertafel waren engagiert dabei und nicht zuletzt die Band, die die Kinder zu einem professionellen Auftritt verhalf. Ein gelungenes Projekt auf ganzer Linie, an das sich die Kinder sicher gern erinnern werden.

Neugierige Gesichter bei der Ausstellungseröffnung

Neugierige Gesichter bei der Ausstellungseröffnung